Geschichten:Schäumende Wasser - Wege der Erkenntnis

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Hort der Hesinde zu Perricum, Reichsstadt Perricum, 9. Efferd 1043 BF

Mit wachen Blick studierte er das berühmt-berüchtigte Fresco an der Wand des Hortes der Hesinde. Normalerweise war das von der Inquisition indizierte Kunstwerk durch einen dicken, mit Hesinde gefälligen Stickereien verzierten Vorhang für die Blicke der Außenwelt verborgen. Doch ihm, den Präzeptor des Draconiterhortes in Perricum, war es freilich gestattet es zu betrachten.

Perval, mein Freund.“ Eine hagere Gestalt mit stechend grünen Augen näherte sich dem Geweihten. „Hat dich der alte ya Gomo wieder mal zu uns gerufen.“

Navar, du und deine kecke Zunge“, antwortete der Angesprochene mit einem Lächeln. Beide umarmten sich zur Begrüßung innig.

„Wie viele Nächte haben wir über das Wesen dieses Kunstwerks philosophiert und debattiert?“ Das breite Lachen des Hesinde-Geweihten zog sich über sein ganzes Gesicht.

„Unzählige Male!“ Der Präzeptor klopfte seinem ungleich älteren Gegenüber freundschaftlich auf die Schulter.

„Du wolltest das Fresco als Kritik gegen die Adelsherrschaft verstanden wissen, mein lieber Perval.“

„Und für dich stellte es eine Kritik an einer Gesellschaft dar, die sich zu sehr von anderen Entitäten abhängig gemacht hatte.“

„Das hast du aber jetzt sehr moderat ausgedrückt.“ Navar gluckste amüsiert.

„Na wir wollen ja nicht gleich wieder die Inquisition auf den Plan rufen.“

Beide lachten herzlich.

„Warum bist du wirklich hier, Perval?“ Navars zog fragend seine rechte Augenbraue hoch. „Ich kenne dich zu gut! Dir liegt etwas auf dem Herzen.“

„Natürlich hast du recht“, begann Perval mit nunmehr ernster Stimme, „Wenn wir uns das Fresco genau ansehen, stellt es dann nicht genau das dar, was wir erleben? Ich meine das jetzt nicht metaphysisch.“

„Ich verstehe was du meinst“, auch Navars Stimme hatte wieder eine Ernsthaftigkeit erfasst, „Die Ereignisse am Darpat martern unsere Seelen, so wie diese armen Geschöpfe gemartert werden und alle sind gleichsam betroffen – Adeliger, Bürger, Fischer, Leibeigener.“

„Das ist deine Interpretation, aber im Grunde stimme ich dir zu.“ Der Präzeptor wollte nun keine Grundsatzdiskussion ausfechten. Bezogen auf das Fresco lagen die Meinungen der beiden Männer zu weit auseinander. „Ich möchte mit dem Prätor sprechen. Es geht um dieses Schreiben.“

„Der Prätor meditiert gerade.“ Die feste Stimme von Magistra Argelia Irmina Schöllingh hallte in der Tempelhalle nach. Die Erzpriesterin der Hesinde war, offenbar unbemerkt von den beiden Männern, an diese herangetreten.

„Dann richte ich mein Begehren gerne an Euch.“ Der Draconiter wandte sich der Geweihten zu. „Magistra Argelia, dieses gemeinsame Schreiben der Efferd-Kirche und der Sonderflotille erreichte uns gestern. Ich bin mir sicher Ihr habt es ebenfalls erhalten. Ich halte es für ungemein wichtig als Vertreter der Allweisen dort Präsenz zu zeigen.“

„Wohl gesprochen, Präzeptor!“ Die Erzpriesterin nickte zustimmend. “Ich gehe davon aus Ihr werdet persönlich nach Gaulsfurt reisen? Eure Gnaden Navar wird Euch nach Gaulsfurt begleiten und die Stimme des heiligen Hortes der Hesinde sein!“

Beide Männer nickten.

„Bitte folgt mir, beide, es gibt noch einiges zu Besprechen!“


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Texte der Hauptreihe:
9. Eff 1043 BF
Wege der Erkenntnis
Wie denn bloß?


Kapitel 26

Tümmler in der Darpatmündung
Autor: Bega