Geschichten:Schäumende Wasser - Die Wogen sprechen nicht

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Efferd-Kloster St. Liaiella, Ende Hesinde/Anfang Firun 1043 BF

Der unergründliche Efferd und sein grimmer Bruder Firun waren sich dieser Tage anscheinend einig, dass sie den aufrührerischen Darpat mit Grimm, Kälte und Trägheit strafen wollten. Und Land und Leute an seinen Ufern mit ihm. So war es ungewöhnlich kalt für einen Perricumer Winter, eisig-naßer Wind und Schnee-Regen fegten über die Lande hinweg, während der Darpat kaum fließen durfte und er obendrein sogar durch eine dünne - absolut seltene - Eisschicht zurückgehalten wurde.

Die beiden unbeugsamen und kompromisslosen Götter straften den Fluß für seinen Tanz mit den Untiefen und den Freigeist den er entwickelt hatte, am Rande dieses Zeitalters. Davon sprachen die Wogen, in dem sie eben nicht sprachen. Darin waren sich die anwesenden (Hoch)Geweihten als einziges einig, bemerkte Jovis, der schon seit geraumer Zeit hier in der zugigen Ecke des kleinen Klostersaals stehen musste, in dem man sich auch schon vor zwei Monden getroffen hatte. Bevor der Fluß und die Dunkelheit von seinem Grund viele der Erkenntnisse und ein paar Leben ausgelöscht hatte. Bei allem anderen ergaben sich die Anwesenden betont efferdsch und schrien sich entweder - wie laut tosende Wellen - zu Grunde oder schwiegen sich aus, in beinahe unerträglicher Beharrlichkeit - einer Flaute gleich. Beides im stetigen Wechselspiel, dem Wesen ihres Gottes nacheifernd, die einen ausgeprägter, die anderen etwas sparsamer, je nach dem wie weltlich oder entrückt man sich empfand. Jovis - den eher die ruhige Mitte anzog - fror indes, wie oft hatte er sich schon gefragt warum der Launenhafte unbedingt so sehr im Klinsch mit seinem feurigen Bruder stehen musste. Zumindest ein paar Kerzen hätten dem zugigen Bretterbau direkt über dem angefrorenen Wasser ein heimeligeres Gefühl gegeben. So fror er und besah sich die aufgewühlte, hin und her wogende Szenerie mit einer eigenartigen Distanz, die ihn spätestens seit dem Lichterfest beschäftigte. Und die aus seinem tiefsten Inneren aufzusteigen und sich in stromlinienartigen Bahnen einen Weg unter der Oberfläche seines Körpers zu suchen schien. Einem bestimmten Kurs folgend, dessen Ziel er noch nicht erahnen konnte, doch fühlte er sich ihm nahe.

Gerade hier - im Kontrast, sowie entgegen und trotz der geballten Gewalt die im Raum tobte. Ausgelöst durch die launischen Streitgespräche seiner Bundesgeschwister - hohe wie niedere Vertreter*innen. Welche sich um das Artefakt zu ihrer Mitte vor und zurück wogten, wie die Wellen in einem prallgefüllten Wassereimer, gegen den jemand gestoßen war. Und all ihr Aufbrausen, all ihr Schweigen, alles hin und her und auf und nieder konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie es nicht spürten. Es sprach nicht zu ihnen oder sie verstanden es nicht, sein Wesen lag ihnen fern. Zu still und tief in sich ruhend lag es vor bzw. zwischen ihnen, stets eine Richtung weisend, die - beinahe höhnend - nur ihre widersprüchlichen Launen widerspiegelte, aber sich ihnen entzog. Dieses Handteller große Kleinod, gefertigt aus Muschelschale, Koralle, Perlmutt und nur dem nötigsten Maß an (edlen) Metallen, wagte es aufzubegehren und war im Stande eine Sturmflut unter diesen gestandenen Efferdgeweihten hervorzurufen. Sein feines Gehäuse wurde von einem Kraken und einem Delphin gehalten, die den Rochen, welcher die Nadel in ihrer Mitte bildete, nicht erreichen konnten, so dass sie ihm den Raum gaben, den er für sein präzises Werk benötigte. Dieses kleine Wunderwerk aus offenbar historischer, schon legendärer Zeit, wirkte in seiner Feinfühligkeit, Schönheit und Ruhe wie ein Fremdkörper in diesem groben, aber kräftigen Klostersaal, gezimmert aus Schiffsplanken und mit Strand- und Ufergut behangen.

Dennoch hatte seine Kirche, das Artefakt natürlich sofort für sich beansprucht. Ein solches Stück, geborgen in den Wassern des Golfs, vorhergesagt an den Ufern des sich aufbäumenden Darpats und gefunden nach einer so aufreibenden Suche, konnte nur ein heiliger Gegenstand des Herren der Gezeiten sein - es DURFTE nur ein solcher sein. Und während man sich nun eine Zeit mit dem Artefakt, ohne diesen unsäglichen Schlangendiener von Landratte, erstritten hatte, der überbeharrlich auf seinen Verdienst an dieser Sache pochte, stritten die Anwesenden offen. Und tatsächlich - durch all das launische Getue wurde letztlich eine mitgenommene und nach Luft schnappende Idee an Land gespült, der Verzweiflung eines vermeintlichen Untergangs gerade noch entkommen - eine Prozession.

Eine Efferd gesegnete und heilige Fahrt mit dem Artefakt über den eisigen Darpat, so dass alle Welt sehen konnte, dass der Anspruch auf das Artfakt gerechtfertigt war und die Kirche des Stürmischen Herr der Lage war, die aktuelle, ruhige und eisige Lage als Bestätigung. Und um dem Ganzen einen offiziellen Anstrich zu geben, würde man die Verdienten rund um die ganze Misere mit an Bord holen, die Flottille, die (arkanen) Gelehrten und wenn es unbedingt sein musste auch diesen nervtötenden Schlangenpriester. Nur schnell musste es passieren und falls etwas schief ging hatte man immer noch die geballte Kraft der verbündeten Prozessionsgänger auf einem Haufen, genug um dem Spuk ein für alle mal ein Ende zu setzen, der gefühlt schon mit dem ersten Zusammenbruch der Sta. Reshima-Brücke begann.

All dies beobachtend stand Jovis immer noch still in der Ecke und fror, doch die Wärme aus seiner Mitte war bereit dem ein Ende zu bereiten.


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Texte der Hauptreihe:
Ende Hes 1043 BF
Die Wogen sprechen nicht
Wer suchet, der findet


Kapitel 54

Mit vereinter Kraft
Autor: Jan