Geschichten:Schäumende Wasser - Bei den Reshminianern IV.

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Burg Finsterbinge, Baronie Gluckenhang 16. Efferd 1043 BF

„Sag mir, Muritani. Hast Du letzte Nacht vielleicht etwas bemerkt? Hinten an der Scheune? Ist Dir irgendetwas ungewöhnliches aufgefallen?“, fragte Miria auf ihrem Bett sitzend, während Muritani ihr dabei half das Leinenkleid über den Kopf und den verletzten Arm anzuziehen.

„Nein ich habe naemlich geschlafen. So wie man das Nachts eben macht, wenn man ein anstrengendes Tagwerk verrichtet hat. Was macht ihr denn bitte Nachts auf dem Hof?“, fragte Muritani ruhig. Ihr sonniges Gemüt vom Vortag, als sie voller Begeisterung über deren schöne Blütenpracht die Azaleen und die wild wuchernden Süßgräser gepflegt hatte, war nichts mehr übrig.

„Ich konnte nur nicht richtig schlafen. Ich lag die ganze Nacht wach. Vielleicht bin ich nicht richtig ausgelastet und dann war da dieses Summen...“, Muritani unterbrach sie bestimmt.

„Schweigt, Miria von Gaulsfurt. Nicht das Euch noch jemand hört. Die Feldrittmeisterin hat Euch gestern Nacht gesehen. Ich habe keine Antworten für Dich, aber von Niederriet will Euch morgen nach dem Mittagessen sprechen. In ihrem Arbeitszimmer.“

Von Niederriet hat mich gesehen? Aber das ist doch... Wird sie mir antworten?“, fragte Miria eindringlich und erhob sich langsam.

Doch ihre Pflegerin war bereits aus der Tür.


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Burg Finsterbinge, Baronie Gluckenhang 20. Efferd 1043 BF

„Wie Ihr sehen könnt, wir sind eine Gemeinschaft von Edlen und Einfachen, die sich Perricum verschrieben haben. Nicht unähnlich zu Euch, nur wacht Ihr auf dem Wasser.“
Miria merkte am Tonfall, dass Malina von Niederriet nun zum Ende ihres kurzen Vortrages kam. Von ihrer Entrücktheit in der Scheune oder dem okkulten Gebären in der Nacht war nichts mehr zu spüren. Viel mehr schien sie ihre Energie kaum in sich halten zu können.
„Und das ehrt Euch, Feldrittmeisterin. Doch habe ich Fragen zu dem was ihr neben Euren Ausritten treibt. Zum Beispiel, das was letzte Nacht vor sich ging. Deswegen habt Ihr mich doch herbestellt.", es war nicht der erste Versuch Mirias, das Gespräch auf dieses Thema zu lenken. Schon bei Ratssitzungen der Admiralitaet ging es ihr oftmals zu viel um nebenschliche Dinge. Nun hatte sie jegliche Feinfühligkeit abgelegt.

„So wie ihr die Schiffe braucht, die euch über die Wogen tragen, so haben wir auch neue oder soll ich sagen alte Mittel gefunden unsere Wacht zu unterstützen. Wir schöpfen unsere Kraft aus der Gemeinschaft und aus der Macht, die das Kollektiv, der Schwarm uns verleiht.“, in ihrer Stimme, war kein Funke eines verschwörerischen Untertons und doch wählte sie ihre Worte genau.

„Ihr könntet anfangen mir zu verraten was die Bienen damit zu tun haben.“, hakte die Kapitänin nach und richtete sich leicht in ihrem Stuhl auf. Sie hatte ihr Selbstbewusstsein wiedergefunden. Ganz so als würde schon ein einfacher Wortwechsel mit einer Adligen wieder ihre alte rebellische Art aufleben lassen.

„Das werde ich mit Sicherheit. Doch würde ich vorher gerne von Euch wissen ob ihr es schon hören könnt.“

Zögerlich antwortete die verletzte Frau, die ihrer Gegenüber in vielerlei Hinsicht glich. "Gestern Nacht als ich Euch beobachtet habe, dort habe ich die Bienen gehört, ja. Kein Wunder aber, wenn Ihr sie nachts so aufscheucht."

"Dann habt ihr bereits viele Antworten auf Eure Fragen. Unsere Bienenvölker haben naemlich tief geschlafen in dieser Nacht. Nur Ismalir war wach. Ihr habt ihn gehört. Den Schwarm und er hat euch eingeladen hier zu bleiben."

„Unmöglich. Ich bin stellvertretende Kommandantin der Sonderflottille. Ohnehin bin ich schon viel zu lange bei Euch.“

Wie von einem Pfeil getroffen zuckte von Niederriet zusammen. Schlagartig wich jegliche Offenheit und Freundlichkeit aus ihrem Blick.

Von Gaulsfurt, die ihren verbalen Fehltritt umgehend bemerkte, setzte schnell nach: „Natürlich bin ich unschätzbar dankbar für die traviagefällige Gastfreundschaft und die perainegefällige Genesung, die Ihr mir hier ermöglicht habt. Versteht das bitte nicht falsch. Ich stehe tief in Eurer Schuld.“

Eine kurze, aber dennoch unangenehme Pause entstand, in der die kurzhaarige Malina ihre nächsten Worte abzuwägen schien.
„Nein Ihr habt recht. Ihr seid bereits zu lang hier. Ich sende heute noch einen Reiter zu Yalagunde schicken. Dann werdet ihr zum Gut Zuderfal abreisen, sobald wir Antwort haben.“

Miria von Gaulsfurt wusste, dass die Reise in ihrem noch schlechten Zustand beschwerlich und schmerzhaft werden würde, doch eine Diskussion darüber würde den Bogen endgültig überspannen.
„Vielen Dank. Wie kann ich Euch dies jemals zurückzahlen?"
Die Kapitänin biss sich immernoch auf die Zunge. Ein einziger unachtsamer Satz.

Malina von Niederriet kam zu der Kapitänin herrüber und half ihr zum Gehen aus dem Stuhl.

„Miria von Gaulsfurt, ich weiß, dass Ihr unsere Gemeinschaft nicht verraten werdet, denn Ihr seid schon laengst ein Teil davon."

Mit diesen Worten, die sich tief in ihr Herz gruben, wurde sie die letzten Schritte aus dem Arbeitszimmer der Ersten Feldrittmeisterin herausgeführt.
Jetzt war sie allein. Nachdem das Knallen der Tür langsam verklang und es still wurde um sie hörte sie tief in sich das Blut durch ihre Adern rauschen. Oder war es ein leises Summen?


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Texte der Hauptreihe:
Autor: DreiHund & Laura S.