Geschichten:Schäumende Wasser - Konvent zu St. Liaiella I

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St. Liaiella, das Kloster der Ertrunkenen, Anfang Boron 1043 BF

Eine ungewöhnlich frische Brise pfiff durch die hölzernen Planken und Wände der Halle des Klosters der Ertrunkenen und ließ Jovis etwas frösteln. Nun war es also soweit, die Bruderschaft von Wind und Wogen hatte gemeinsam mit der Sonderflottille Flusswacht zu einem Konvent geladen, um die Ergebnisse der Untersuchungen von den Ereignissen am Darpat zusammenzutragen und zu erörtern.

Jovis war offiziell als stiller Beobachter seines Heimattempels in Pelkhafen hier, doch in Wirklichkeit war er Auge und Ohr der unergründlichen Tiefe und im Auftrag seines Lehrmeisters zu diesem Konvent gereist. Dieser hatte ihn angehalten die einzelnen Würdenträger genau zu beobachten um so deren wahre Natur zu erkennen.

Der junge Novize ließ sein Blick wandern. Er befand sich in einem hölzernen, auf Stelzen errichteten Gebäude, das halb in den Darpat ragte. Die Wände waren mit allerlei Utensilien dekoriert, die die Kloster-Gemeinschaft nach und nach aus dem Darpat gefischt hatte. Darunter waren Kleidungsstücke, Waffen und andere Habseligkeiten der Ertrunkenen, getrockneter Seetang, der dem Raum einen eigentümlichen Geruch verlieh, sowie Wrackreste von Fischerbooten, oder gar dämonisch verseuchten Gefährten? Immerhin kroch eine der verderbten Dämonenarchen den Darpat hinauf. Besonders eindrücklich, wie auch irritierend, empfand Jovis die sonderbar verwachsenen und deformierten Flusstiere, wie Fische und Krebse, die – wie zur Mahnung - an den Wänden angebracht waren. Die Holzplanken am Boden waren scheinbar bewusst nicht genau aneinander gefügt, so dass sie den Blick auf das dunkle Wasser unter ihnen freigab. In der Mitte des Raumes klaffte eine Öffnung im Boden, durch die die Gläubigen in die Fluten des Darpats steigen konnten. Alles in allem war der Ort auch für einen Efferd-Gläubigen sehr gewöhnungsbedürftig. Für Jovis war er es allemal.

Nachdem der junge Novize den Kultraum abschließend betrachtet hatte, wandte er sich den anderen Anwesenden zu. Der greise Abt des Klosters Simmering Flößler sprach mit wässriger Stimme mit Efferdan dylli Turakis, dem Bewahrer von Wind und Wogen der Halle der Gezeiten zu Perricum. Beide galten als Mystiker innerhalb der Perricumer Efferd-Kirche wie Jovis wusste und waren hoch besorgt über die grauenhaften Ereignisse der letzten Zeit. In stürmisch anmutenden Predigten und Flauten gleichen Meditationen versuchten sie das unergründliche Wesen des Herrn Efferd zu ergründen.

Diesen beiden alternden, bei den Gläubigen aber hoch angesehenen Hochgeweihten gegenüber standen die ungleich jüngeren Bewahrer von Wind und Wogen Taseco Efferdicas zu Dergelmund und Sturmbold Wagener zu Rabicum. Beide galten als Pragmatiker innerhalb der Kirche und lehnten es ab wegen der aktuellen Lage Rückschlüsse über ihren Gott zu ziehen. In ihren Augen war und blieb Efferd unergründbar und daran konnten auch die Ereignisse nichts ändern. Efferdicas und Wagener neideten insgeheim den anderen beiden deren Einfluss und Ansehen, was ein offenes Geheimnis war.

Bei weitem noch interessanter fand Jovis jedoch die Wasserburger Hochgeweihte Aleidis Rabek, die sich im heimischen Tempel trotz ihrer jungen Jahre bereits als Prophetin der Heiligen Elina verehren ließ. Die junge Tempelvorsteherin machte keinen Hehl daraus was sie von ihren Amtskollegen hielt – nämlich gar nichts. Nach ihrer temperamentvoll und energisch vertretenden Auffassung sollte Efferd die alte Garde am Besten hinfort spülen um so Platz für die wirklichen Propheten des Launenhaften zu machen. Es war kein Geheimnis, dass die Rabek ihren Heimattempel durch den stetig wachsenden Kult um die Heilige Elina von Wasserburg zu der wichtigsten Kultstätte Efferds in der Markgrafschaft und angrenzenden Gebieten machen wollte.

So bemerkenswert wie die Ansichten der Wasserburger Hochgeweihten war auch ihre Begleitung: der redegewandte Geweihte Ludrian von der Brücke, der bevorzugt am Markgrafenhof verweilte.

Für Jovis fügte sich in der Tiefe seines Geistes aus einem wie durch Brackwasser verschwommenen Zerrbild ein Quellwasser klares Abbild der Efferd-Kirche: Die hohen Prälaten waren untereinander zutiefst zerstritten und Neid und Missgunst nagte an ihnen wie die raue Brandung an einem ungeschützten Ufer. Von denen erwartete Jovis keine große Hilfe, um so mehr Hoffnung hegte er bei der Kommandantin der Sonderflottille Flusswacht, die die Halle mit ihrer Entourage betrat. Besonders bei Alleidis Rabek zauberte sich ein schwer zu deutendes Lächeln auf die Lippen.

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Das kleine Gebäude bot wahrlich nicht viel Platz für eine derartige Zusammenkunft. Die zuvorderst eingetroffenen Geweihten und die Gesandten der Flotille allein vermochten die kleine Baracke schon beinahe zu füllen - die Anbau eines kleinen Fischerhauses war, das mittlerweile noch ein paar Nebengebäude erhalten hatte. Doch die nun vereinzelt Eintreffenden brachten das Gebäude nun in Verlegenheit des Raumes wegen, weshalb zwei junge Klosterschülerinnen mit dunklem, Ufergut behangenem Haar die schmale, hölzerne Hinterwand zum Darpat hin entzkleideten, was nun einen Blick auf den Fluß offenbarte.
Die ankommenden waren davon durchaus beeindruckt, zumal der kleine Schrein artige Altar nun vor der herrlichen Landschaft des Flußes und der dahinter liegenden Zackenlandschaft gut zur Geltung kam und das dunkle Einstiegsloch vor ihm im Kontrast dazu einen noch viel mytischeren Anklang bekam. Miran von Pfiffenstock hatte es sich nicht nehmen lassen persönlich der Einladung zu folgen un in seinem Schlepptau hatte er eine gewisse Auswahl an alten Legenden rund um den Darpat, angefangen bei ein paar wenigen aus den Tagen des alten Sultanats, einige vielversprechende aus der Zeit um die Schlacht am Darat, sowie wiederum ergänzende aus der Zeit danach. Alles in allem etwa 60 hesindegefällige Geschichten, die alle mehr oder minder vom alten Gevatter Dar'at bzw. Darpat erzählten, dessen Eigensinn stets eine Herausforderung für Land, Leute und gar Götter und andere mythische Wesenheiten gewesen war. Etwas behäbig und ungeschickt legten er und eine Scholarin die Mitbringsel auf einer großen Truhe ab, die wohl mal an Bord eines Schiffes gestanden haben musste.

Den beiden folgend und sie - ob ihrer Ungeschicktheit - skeptisch beäugend traf die Vögtin von Aubinge ein, die direkt nach den Ereignissen am Ronthandfelsen hier her geeilt war. Zumal der Darpat bzw. der Felsen das von ihr verwaltete Lehen ohnehin beschäftigte und ihr dazu noch einen Verwandten genommen und dazu noch ihre Tochter mit einer Vision versehen hatte. Das musste für die Alxertis noch mehr bedeuten als nur für Perricum. Das die meisten Anwesenden Rondrara hier nicht erwartet hatten, ruhten die Blicke nun entsprechend auf ihr, die sie aber schlicht mit einem knappen Nicken quittierte.


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Texte der Hauptreihe:
Anfang Bor 1043 BF 10:00:00 Uhr
Konvent zu St. Liaiella I
Schmähreime


Kapitel 46

Konvent zu St. Liaiella II
Autor: Bega, DreiHund, Flo S.