Geschichten:Schäumende Wasser - Ach, mein alter Darpat

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13. Efferd 1043 BF

Noch in den Anfangsbemühungen der Untersuchung der Efferdkirche wurde ein junger Geweihter des Unergründlichen, der direkte Erkenntnisse am Fluss suchte, vermisst und per Aushang in Bild und Schrift gesucht:

Vermisst wird seine Gnaden Effedran Wogan oder Wogenmann, geweihter Priester des Gebieters des Wassers.

Sein Alter zählt 25 Götterläufe, sein Haupt trägt ein langen dunkelblonden Schopf und einen ebenso gefärbten vollen Bart, welch beides mit Perlen und Zöpfen geschmückt ist. Seine Augen sind vom algendurchsetzten grünblau der Darpatmündung und er trägt einen Haken anstatt der linken Hand als Erkennungsmal. Des Weiteren ward er zuletzt angetan im heiligen Blau seiner Gemeinschaft, verziert mit dem Symbol- und Wappentier von Kirche und Markgrafschaft. Vermutlich führte seine Gnaden einige Instrumentarien bei sich.

Hinweise auf den Verbleib des Mannes geweihten Standes sind bei der örtlichen Ordnungsinstanz abzugeben. Erträgliche Hinweise können ihrem Überbringer einen Lohn von bis zu 5 Heller einbringen.

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Etwa zwei Tage später, zwischen Darpatsteg und Rabicum.

Jurika glitt mit ihrem Floß den unruhigen Fluss hinab, die abgeschlagenen Baumstämme, die weiter im Nordwesten geschlagen worden waren, begleitend. Mit ihr waren nur wenige gekommen, denn viele ihrer Flößerbrüder und -schwestern aus Dergelmund versuchten den guten alten Gevatter Darpat gerade zu meiden, solange es ihr Erspartes zuließ - gleich wie gestanden sie auch waren. "Ach, meiner alter Darpat.", dachte sie bei sich, "Was dauert dich und den Launenhaften nur, dass du uns solche Sorgen bereitest?"

Denn die vielen Gruselgeschichten um den düsteren Hader des alten Bekannten, die zuletzt in den schrecklichen Ereignissen in der Hauptstadt gipfelten, wurden nun noch durch die stark über die Ufer tretenden Wasser, welche viele Felder und Weiden verschlangen und unheimlichen Nebel über die Auen legten, unterstrichen. "Ach, alter Darpat, haben du und der Unbändige uns nicht schon länger gewarnt? Die Brücke, dieses Untier vor einigen Jahren, die Schrecken der Wasser im Krieg?"

Gedankenverloren stakste sie ihr Floß weiter Flussabwärts, etwas fröstelnd ob der düsteren Bilder im Kopf und dem klammen Nebel hier nah den überfluteten Auen, die gespenstisch wirkten im Dämmerlicht dieses Tages. Ihren wenigen Mitstreitern schien es nicht anders zu gehen, alle waren angespannt, glaubten doch alle aufrichtigen Wasserratten an einen Fluch oder die üblen Launen des Herren der Wasser.

Es machte einen Ruck und Jurika wäre beinahe vom Floß gefallen als dieses plötzlich zum stehen kam. Sie kannte dieses Gewässer das konnte nicht sein, zwar fuhren sie hier nah an den Auen, doch hier war das Wasser noch tief genug. Vielleicht hatten die Fluten etwas tiefer hineingetragen. Sie beugte sich nach Unten und stocherte mit ihrer Stake nach dem Hindernis, als etwas hastig-schroff daran zog und nur ihr hervorragender Gleichgewichtssinn sie auf den Beinen hielt.

Doch das was sich dann an ihrer Stake an die Oberfläche heraufzog ließ sie erstarren und erneut den Halt verlieren, während sie vor Schreck die Stange nicht etwa fallen ließ sondern, an ihr zu rütteln begann. Doch der bleiche, aufgedunsene Leib zog sich immer weiter aus dem nun schweflig blubbernden Wasser vor ihr, während sie immer weiter in Panik geriet. Zuerst konnte sie nur sein blasses, durchädertes Haupt erkennen, mit den strähing-nass am Kopf pappenden und algenverklebten dunkelblonden Haaren, in denen sich einige Perlen traurig schmierig verfangen hatten. Doch das wahre Entsetzen machte sich in Jurika breit, als das Wesen aus den Untiefen der Niederhöllen seinen Kopf hob, es wirkte menschlich irgendwie, doch sein Gesicht war bis zur Unkenntlichkeit aufgedunsen und sein Bart schien beinahe aus Algen und Kleinsttreibgut zu bestehen, so viel hatte sich darin verfangen. Außerdem war seine bläulichweiße Haut durchzogen von blassblauroten Adern und Äderchen und die Zunge, die aus seinem fauligen Maul hing, war lila angelaufen und daraus erbrach sich quasi eine lebendig scheinende Alge, während dunkle Flusskrebse ebenfalls hinauskrabbelten und sich mit hellen Artgenossen zu duellieren schienen. Die Laute aus diesem untiefen, gurgelnden Loch klangen nur vage nach den abgehackten, verstümmelten Worten eines Ertrinkenden. Doch das Schlimmste waren seine Augen, die sie aus trüb-brackigem Grünblau - einem umgekippten Tümpel gleich - anstarrten, ohne das Leben in ihnen war. Völlig außer sich durch den Anblick konnte sie nun endlich von der Stake ablassen, doch es war zu spät, der untote Wasserleichnam hatte sich nun schon auf ihr Floß gezogen, auch wenn ihn etwas dauerhaft nach Unten zu ziehen schien. Doch mit einer unheimlichen und unnatürlichen Kraft schoben ihn seine labbrig-schwabbelnden Arme mit den dicken aufgeschwemmten, dicken Fingern, deren Nägel Dreck unter sich trugen, Stück für Stück weiter voran. Seine zerfetzte, von rosaenen Flecken übersäte, algenverhangene und hellblaue Kluft hinter sich her schleppend. Er richtete sich auf und Jurika schrie vor Panik, als sie, sein frei baumelndes, verstümmeltes Gemächt zwischen den ausladenden, aufgedunsenen Schenkeln erblickte, aus dem eitriges, algiges Wasser zu tropfen schien. Sie verzog sich ans Ende ihres Floßes, sprach ein Stoßgebet zum Herrn Efferd und wollte doch nicht in den Fluss springen, unsicher darüber was sie dort erwartete. Doch es passierte nichts, nur das Schunkeln des Floßes wurde heftiger, weil das halbmenschliche Ungetüm sehr schwerfällig darauf umherwankte und zu guter Letzt einen schweren Stein an einer Kette aus dem Wasser hinter sich heraufzog, das dem Gefährt ein hartes Ungleichgewicht verlieh. Dann erblicke sie etwas das sie in ihrer Panik verharren und in Schockstarre verfallen ließ. Der feuchtnasse Alptraum trug das in Fetzen hängende Gewand eines Efferdjüngers.

In dem Moment wurde die unheilige Leiche hart von der Spitze einer Stake getroffen, Nevena war heran gekommen und hatte ihm das Ding durch den Leib gerammt, so dass sein dünnes, blasses Häutchen platzte, aufriss und die Stange am andern Ende wieder austrat, als wäre sie durch einen Klumpen weichen Lehms gestochen. Etliches Gewürm und schwarz-faule Flüssigkeit rann heraus. Eine weitere Stange kam ungeschickt von Harm geworfen, doch streifte sie das sumpfige Etwas zumindest und brachte es weiter ins wanken, sodass auch Jurika sich ein Herz fassen konnte, ihr stumpfes Haumesser zog und in dem schwammigen Körper versenkte, während dieser noch an der Stange von Nevena hing. Nach gefühlt unzähligen Schlägen, einem üblen Biss an Schulter und Arm von Jurika, weiteren geworfenen Gegenständen und einer Stake, die beinahe Jurika aber vor allem nicht den Leichnam getroffen hatte, brach das Ding endlich zusammen. Jurika fiel auf die Knie, schwer atmend und blutend, ihr Blick aber war nur auf das Delfinamulett und den linken Hakenarm, der sie ebenfalls verletzt hatte, des Fleichklumpens gerichtet.

"Oh, mein alter Darpat, welch grausame Pein ist dir widerfahren, in welchem Zorn muss dein Herr liegen? Oder liegt er gar verletzt danieder?"



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Texte der Hauptreihe:
Autor: Jan