Geschichten:Schäumende Wasser - Haselhainer Anreise

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Auf dem Weg von der Baronie Haselhain zur Sta. Reshmina-Brücke, 27. Tsa 1043 BF

Nach ihrer gemeinsamen kräftezehrenden Episode am Hesinde-Kolleg zu Sichlingen waren die Baronin von Haselhain und der Kollegsleiter Miran von Pfiffenstock gemeinsam mit einer kleinen Bedeckung auf dem Weg auf dem Weg zur Sta.-Reshmina-Brücke. Der Vetter ihres - mit Abwesenheit glänzenden - Gatten hatte es vorgezogen, dem Triumphzug nicht nochmals auf dem Fluss beiwohnen zu wollen, sondern auf der sicheren Brücke. Wohl ein Nachhall seiner Erlebnisse bei seiner letzten Schiffsfahrt auf dem Darpat '...und auch ein Zeugnis seiner ambivalenten und mutlos anmutenden Wendehalsigkeit.', dachte sich Baronin Fatime, die Gelehrten dies aber verzeihen konnte, jetzt, wo sie ihn ein bisschen besser kennengelernt hatte. Er war nunmal kein furchtloser Kämpfer, er war eine Spielfigur zweier Familien - und darin tat er ihr sogar fast leid.

Zum Glück waren sie nun in einem Milieu unterwegs, das gänzlich fern der Probleme zu Hause war. Der Darpat hatte gekrankt, sich im Schmerz aufgebäumt und zuletzt Ausgeburten der Untiefen ausgespien, so hieß es. Ein dunkles Geschwür - hinterlassen durch die widernatürlichen Truppen Haffax' - das nun aufgeplatzt war. Keine Dämonenschlacht, aber Ereignisse, die Perricum beschäftigt hatten und die sicherlich noch etwas nachwirken würden. Doch - den lieblichen Schwestern und ihren Geschwistern zum Dank - war die Gefahr erkannt, gebannt und obendrein gar ein uraltes Artefakt der Stürmischen geborgen worden.

"Ich bin mir nicht sicher, ob dies allein aus einer Hinterlassenschaft von Haffax' Dämonenzug über den Darpat resultiert ist...", unterbrach der Gelehrte Miran ihre Überlegungen. Sie musste laut gedacht haben, erwartungsvoll blickte sie ihn an. "...ich denk´ vielmehr es ist ein Konglomerat, eine Gemengelage, die solche Dinge gebiert."

Fatime war neugierig, Miran war ab seiner Wendehalsigkeit ein wirklich eloquenter Denker und ein gelehrter Austausch mit ihm war stets eine willkommene Abwechslung. Also ermutigte sie ihn, fortzufahren, was ihn sichtlich erfreute, auch wenn Freude seine echsenhaften Züge noch etwas seltsamer wirken ließ.

"Nun - ich möchte nicht zu weit ausholen, aber nach der Meinung einiger Gelehrter könnten gewisse Ereignisse vor über zwanzig Jahren etwas angestoßen haben, das sich bis heute auf das Gefüge unserer Sphäre auswirkt - oder je nach Thesis sich erst wirklich zu entfalten beginnt. Wie dem auch sei - wenn Ihr Euch daraufhin nun die Ereignisse der Zeit seitdem anschaut, kann selbst der ungelehrte Geist hier eine Agglomeration, eine Anhäufung, von derlei Großereignissen erkennen. Nehmt allein die letzten sechs bis sieben Jahre - Die Rückeroberung der Wildermark und Schwarzen Lande, der Fall vieler der sogenannten Heptarchen, der Geschwisterkrieg der Nebachoten, der Feldzug Haffax', der alles in eine Waagschale warf, der immer noch ungeklärte Sternenfall, die sogenannte Wiedererscheinung des mythischen Korgonds und die damit einhergehende Erwachung des Landes, welche zunehmend mehr Anhängerschaft findet - nicht nur euren Gemahl. Und zu guter Letzt eine - zum Teil daraus resultierende, blutige Fehde im Herzen des Reiches und die Vorkommnisse am Darpat." Kurz holte er Luft. "Das ist doch kein Zufall, aber scheint auch nicht den Anklang eines göttlichen Plans zu haben - versteht mich nicht falsch - ich zweifle gewiss nicht die Allmächtigkeit der Alveranischen Götter an. Doch zeigen - wenn man sucht - die geschichtlichen Aufzeichnungen und Legenden unserer Ahnen - so sie denn vollständig sind - doch immer wieder solche Anhäufungen von Großereignissen in einer gewissen Regelmäßigkeit, die ich nicht zu erklären oder genau zeitlich zu verorten vermag, doch steigern sich diese Anhäufungen - mal mehr, mal weniger, aber eine immer schnellere und verzahnte Anhäufung ist da zu erkennen. Die Großereignisse solcher Zeiten bedingen sich gegenseitig und potenzieren sich - bis zum Kollaps, der Ruhe und eine neue Ordnung bringt. Ich denke, wir sind erst am Anfang einer solchen Aufwärtsspirale, meine Baronin. Und Zeugnis sind nicht nur alte Legenden, Sagen und Geschichtsschreibungen, die wir vielleicht falsch interpretieren oder kontextualisieren, weil sie nicht unserer Zeit entsprechen - wie jene, die wir dem Fuchs sei Dank verstanden haben und die uns auf die Spur des Südweisers brachten. Nein, Zeugnisse sind auch die Worte, die zum Beispiel am Rothandfelsen zuletzt gesprochen wurden oder das Ereignis, dem wir in drei Tagen beiwohnen werden..."

Fatime lächelte, sie war eine Gelehrte der alten Sagen und Legenden - und mochte solche epischen Anleihen. "Gelehrter Herr, werter Vetter, dies sind interessante Ausführungen, doch - wie mir scheint - malen sie auch mit einem sehr dunklen Pinsel. Ich hoffe doch, die Grundfesten werden nicht erschüttert, so sie denn überhaupt können. Gerne halte ich - aus rein diskursiver Sicht - dagegen..."

Die Diskussion wogte noch das ein oder andere Mal hin und her, während der kleine Zug sich weiter in Richtung Reichsstadt schob. Und sie wurde noch lauter, als Fatime und Miran dazu einen gepflegten perricumer Wein tranken.


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Texte der Hauptreihe:
27. Tsa 1043 BF
Haselhainer Anreise
Perricumer Stimmen II


Kapitel 67

An der Brücke I
Autor: Jan