Geschichten:Schäumende Wasser - Konvent zu St. Liaiella II

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St. Liaiella, das Kloster der Ertrunkenen , Anfang Boron 1043 BF
Der Vormittag

Nachdem bereits den ganzen Vormittag zuerst die bemerkenswerten Ereignisse am Darpat, danach Ergebnisse verschiedener Untersuchungen vorgetragen worden waren, betrat nun, kurz vor der angesetzten Pause zur Praiosstunde, eine offensichtlich als Magierin erkennbare Person die Mitte des Kreises der stehenden und sitzenden Menge.
Das waren:
Magistra magna contraria Selara Moriani
Spectabilitas minor der Schule der Austreibung zu Perricum

Auffällig war vor allem ein mit einem hellen Tuch abgedeckter Holzwagen, der sich auch mühsam einen Weg durch den vollen Raum in die Mitte bahnte.

Trenner Perricum.svg

„Wie man an dieser Substanz hier erkennt“, begann die Magierin in dem schneeweißen, mit zahlreichen hesindegefälligen Symbolen bestickten Brokatmantel zu dozieren, derweil Sie mit einer elegante Bewegung etwa einen Finger über der Flanke des toten Tieres gestikulierte, „bleibt es auch dem Laien keinesfalls verborgen, dass dieses Tier nicht etwa getötet oder geopfert wurde.
Vulgo kann also als vorläufige Conclusio gelten, dass dieses Exemplar der Gattung Lagenorhynchus acutus einer akuten Suffocatio erlegen ist.“

Sie ließ eine kurze Kunstpause folgen, die die anwesende Geweihtenschaft samt der Flottenvertretung mit etwas ratlosen Blicken und hochgezogenen Augenbrauen quittierte.

„Sie sagt: Der Delfin ist erstickt.“, hörte Yanda eine tiefe Männerstimme etwa zwei Reihen hinter sich, was im Plenum erleichtertes Murmeln und Kopfnicken hervorrief.

Etwas irritiert zuckte Magistra Moriani kurz mit den Mundwinkeln, kehrte jedoch kaum merklich später zu ihrem offensichtlich einstudierten Vortrag zurück:

„In Verbindung mit den von mir durch die Hohe Kunst der Magica Clarobservantia vorgebrachten Cantiones – namentlich in Form des Odem Arcanum und des Analys Arcanstruktur – konnte ich zudem eine astrale Reststrahlung Dritter Ordnung aus der verfluchten Sphaera Septem dokumentieren, die sich dem Kenner als Manifestation der Domäne Gal’k’zuuls offenbahrt.
Dies vermag auch nicht zu verwundern, angesichts der niederhöllischen Kreaturen, die vor nunmehr vier Jahren samt dem Erzverräter Haffax den Darpat verunreinigt haben. Ganz und gar liegt demnach auf der Hand, dass es lediglich eines Ereignisses mit erhöhter Perturbatio von der Art der Magnitudo oder gar Vibratio bedurfte um derlei Kreatur, die sich seither auf dem Grunde des Darpat in einem Zustand daemonischen Somnus befunden hatte, erneut zu aktivieren.
Eine Perturbatio, wozu unser geliebtes Lichterfest leider nur allzu geeignet ist. Summa summarum rief also dieses siebtsphärige Wesen sowohl die Zerstörung des Schiffes, als auch jene unheilige Pollutio des Efferdelements hervor, die den ihm heiligen Delphinidae zum Verhängnis wurde.“

Erneut ließ die erfahrene Magierin mit den streng geflochtenen, dunkelblauen Zöpfen eine wohlüberlegte Kunstpause folgen, die diesmal jedoch große Empörung unter den Anwesenden erkennen ließ. Eine Reaktion, die sich die Magistra offensichtlich erhofft hatte.

„Dennoch“, fuhr Sie mit leicht erhobener Stimme fort
„gibt es – da Sie sich mit Ihrer Quiritatio an die Kaiserlich Garethische Lehranstalt wider Geister und transsphärische Wesenheiten nunmehr an die offensichtlich richtige Stelle gewandt haben – keinen Grund zu Beunruhigung. Obgleich eine solche Wesenheit aus unserer Sphäre zu exilieren oder gar expurgieren arkaner Expertise höchsten Ausmaßes bedarf, kann mein Institut bei Bereitstellung entsprechender pekuniärer Aufwandsentschädigung –„

„Sie haben alles gesehen, Magistra, und doch nichts erkannt.“, wurde die Dame zur Überraschung von Yanda durch ebenjene wohlklingende dunkle Stimme unterbrochen, die sie bereits zuvor in den Reihen hinter sich verortet hatte.

„Der Delfin ist nicht erstickt – er ist ertrunken.“, ergänzte der mittlerweile in den Kreis getretene dunkelhäutige Hüne in unauffälligem grau-roten Mantel mit rotem Skapulier über seinem kahlrasierten Schädel.

„Was erdreistet er sich?!“, prustete Moriani, von dieser Respektlosigkeit scheinbar maßlos empört, ohne auf dessen Aussage auch nur einzugehen.

„Wenn das werte Plenum gestattet: Mein Name ist Ab'bedúdja'ne Yuma Embolo vom Orden der Grauen Stäbe.
Und um Eure Frage zu beantworten, Frau Moriani: Ich bewahre die Anwesenden lediglich davor, den Feind zu unterschätzen, wie Ihr es offensichtlich tut.
Denn dieser Delfin dort wurde gezielt geopfert, um eine dämonische Beschwörung zu ermöglichen.“

„Lächerlich! Wie soll dieser Delfin denn mitten im Golf von Perricum geopfert worden sein?“, echauffierte sich Magistra Moriani, deren Stimmlage sich mittlerweile dem Beständigen quietschen und rattern der etwas in die Jahre gekommenen Klostermühle angenähert hatte, das beständig durch die losen Bretter zu hören war. „Hätte dieser aus den Waldinseln entflohene Leibeigene auch nur ein Fünkchen Ahnung von der Materie, würde er nun auf der Stelle kehrt machen und sich dort hin verziehen wo er hergekommen ist, vermutlich Selem!“

„Magistra jetzt geht Ihr aber entschieden –„ , Hochwürden Flößler wurde unwirsch unterbrochen.

„Sagt Hochwürden – glaubt ER überhaupt an die Zwölfe und unseren gesegneten Herrn Efferd?!?“, fügte die Weißmagierin hinzu, während Sie mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den dunkelhäutigen Magier deutete. Der mittlerweile wütend wirkende Hochgeweihte hatte sich mittlerweile erhoben und lehnte sich zu einem der neben ihm stehenden Efferd-Brüder um ihm etwas zuzuflüstern.

„Werte Collega, dass Ihr die versunkene Stadt Selem in den Waldinseln verortet, sagt mehr über Euch aus als über meine Herkunft. Bei meinem nächsten Besuch wird sich König Ghulsev XXIX. sicher köstlich darüber amüsieren. Und, falls es Euch beruhigt: Jene, die weit über die Meere Reisen um sich die Dinge, von denen Sie zu wissen glauben, auch tatsächlich anzusehen und nicht nur darüber zu schreiben, sind sehr wohl um den Segen des Unbändigen bedacht – und er hat Ihn mir Zeit meines Lebens nicht entzogen." Noch während der Magus ruhig seinen Konter vortrug, verließ die Vize-Spektabilität nicht ohne lautstarken Protest den Raum. Angesichts der sichtlich wütenden Magierin teilte sich die Menge deutlich schneller als das vorher möglich schien.

Bevor sie ganz aus dem Hauptraum verschwunden war legte der Magier nach: "Da ihr aber scheinbar fachlich nichts mehr beizutragen habt, werde ich nun den Rest meiner Ergebnisse dem werten Plenum vortragen.“

Man sah dem groß gewachsenen Utulu mit den feinen Gesichtszügen an, wie er die folgende Stille sichtlich genoss. Er bewegte sich in eleganten, weitgreifenden Schritten so um den Wagen, dass die zahlreichen Anwesenden nun einen guten Blick auf den mit Eis gekühlten Kadaver des Delfins hatten…


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Texte der Hauptreihe:
Anfang Bor 1043 BF 11:00:00 Uhr
Konvent zu St. Liaiella II
Konvent zu St. Liaiella I


Kapitel 47

Konvent zu St. Liaiella III
Autor: Bega, DreiHund, Flo S.