Geschichten:Der uralte Bund - Offenbarung

Aus GaretienWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

In den Vogtstuben der Pfalz Randersburg, Ende Hesinde 1043 BF

Nach ihrer, für Wilbur aufschlussreichen, Unterhaltung und einem gemeinsamen Gebet, brachen die beiden Praios-Geweihten auf um die Seneschallin aufzusuchen. Auf dem Burghof angekommen – auf dem auffallend viele kaiserliche Gardisten patrouillierten - steuerte der Eichsteiner sogleich den Bergfried an, in der Annahme dort die Seneschallin anzutreffen. Doch Silvano hielt inne.

„Nicht doch, die Seneschallin weilt zu dieser späten Stunde in ihren Räumlichkeiten in den Vogtstuben.“

Diese lagen nur einen Steinwurf vom Tempel entfernt, so dass das nun mehr heftiger gewordenen Schneegestöber die Männer nicht lange ärgern konnte.


Trenner Garetien.svg


In dem Arbeitszimmer der Seneschallin angekommen, freute die sich sichtlich Silvano wiederzusehen. Neben ihr saß eine Frau die ungefähr 30 Götterläufe zählte. Ihre dunkelblonden Haare trug sie in einem ordentlichen Kurzhaarschnitt. Sie war sauber und tadellos gekleidet, wirkte jedoch sehr dünn und etwas kränklich um die Nase. Ansonsten war niemand im Raum.

„Silvano, endlich bist du da … wo bist du die ganze Zeit gewesen? Ach, darüber reden wir später“, mit Blick auf Wilbur fuhr sie fort und deutet dabei auf die Frau neben ihr. „Das ist die edle Dame Perainka Adersin von Dunkelsfarn, die Hofmarschallin der Hochzeitsfeierlichkeiten. Es gibt schlimmste Neuigkeiten.“

„Praios zum Gruße Eure Gnaden“, erhob die Adersin etwas nasal in Greifenfurter Mundart ihre Stimme. „Nun, wie soll ich anfangen… also… wenn ein Mitglied des Herrscherhauses heiratet, ist es Tradition, dass die jeweilige Entourage der Brautleute vor der Hochzeit versucht sich gegenseitig die Insignien des Bundes zu stehlen … als Dienst an dem Herrn Phex, dem Schutzgott des Hauses Gareth. Wer als erster mit seiner 'Beute' die Fuchsstatue in der Rakulls-Sakrale schmücken kann, gewinnt den Wettstreit. Vor drei Tagen also, war es dann soweit. Die Insignien, um die es sich handelt sind das Greifendiadem und der Kaiser-Alrik-Ring. Nun… äh… also ich weiß nicht wie ich das sagen soll… nun ist der Ring einfach weg… ja weg… einfach so.“ Die Hofmarschallin tupfte sich mit einen kleinen Tüchlein einzelne Schweißperlen von der Stirn. Offenkundig war ihr die Angelegenheit äußerst unangenehm.

„Wie, einfach so weg?“, wollte Silvano entgeistert wissen.

„Die Jungspunde um den Bräutigam haben ihn, so wie es sollte, zum Tempel gebracht … allerdings war viel Gebranntes im Spiel … später war der Ring dann weg.“ Die Hofmarschallin zuckte mit ihren dürren Achseln.

„Wir gehen davon aus, dass dieser Ring gestohlen wurde … oder wie erklärt Ihr Euch das, Eure Ehrwürden Eichstein?“ Der Blick der Seneschallin wanderte unvermittelt zu Wilbur herüber.

„Die offensichtlichen Möglichkeiten sind entweder Diebstahl oder Schludrigkeit, in der Tat. Gibt es Zeugen dafür, dass der Ring im Tempel auch ankam und dort verblieb?“

„Ja“, beantwortete die Hofmarschallin die Antwort des Geweihten knapp. „Die Braut und ihre Damen konnten bezeugen, den Ring im Tempel gesehen zu haben. Doch, zu einem späteren Zeitpunkt war nur noch das Greifendiadem dort.“

„Ehrwürden Eichstein, morgen zur ersten Tsastunde werden wir uns hier zu weitere Beratungen zusammenfinden, ich halte Euer Erscheinen für hilfreich. Das gilt natürlich auch für dich, Silvano.“

„Sehr wohl“, antwortete der Beichtvater der Seneschallin. „Morgen früh vor dem Treffen würde ich gerne im Ort nach der Dame von Bergensteen sehen. Womöglich beliebt des Ehrwürden Eichstein mich zu begleiten?“