Geschichten:Der uralte Bund - Auf Phexens Wegen

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Am späten Abend in Markt Randersburg, Ende Hesinde 1043 BF

Salix wünschte den Leuten eine angenehme Nachtruhe, verabschiedete sich, fragte bei Yolande noch nach ob man sich nicht noch, gerne mit Nurinai, gemeinsam im Markt etwas essen möchte, bevor es ins Bett ging.

Nurinai erwiderte daraufhin: „Die hohe Dame von Raukenfels und ich würden uns noch gerne austauschen, Ihr könnt aber gerne dabei sein, wenn Ihr mögt. Wo, ist mir nicht so wichtig. Abgesehen davon hat der Magier uns alle zum gemeinsamen Essen eingeladen, vielleicht kann er Licht ins Dunkle bringen? Schließlich hat der Kopf etwas mit seiner Familie zu tun. Vielleicht würdet Ihr Euch mit ihm treffen, ich möchte die Hesinde-Novizin nicht die ganze Nacht über alleine mit ihrer toten Glaubensschwester lassen... Es ist gewiss auch so schon belastend genug.“

Salix nickt langsam und lächelt etwas, „nun, wenn er uns alle eingeladen hat wäre es unhöflich diese Einladung auszuschlagen“, stellte er fest.
„Auch wenn ich gehofft hatte ein Gespräch unter... Sechs Augen führen zu können“, schob er noch nach.
"Ich werde mich zuvor noch frisch machen, in welchem Gasthaus möchte sich der Magier denn treffen?"

„Na ja, wir sollten uns schon mal erst zumindest kurz an einen ruhigen Ort zurückziehen und erst einmal unsere Gedanken sortieren, bevor wir uns unseren Geist mit dem Geschwätz des Magiers verwirren lassen... Also wir drei und so unter sechs Augen. Der Magier muss sich eben gedulden. Er wollte Ihro Gnaden Rían und mir eine Nachricht in das Gasthaus ‚Zum Goldenen Stiefel des Kaisers‘ schicken. Mehr wissen wir im Moment auch nicht...“ Yolande schaute fragend zu Nurinai hinüber, die nickte zustimmend.

"Ein schöner Plan, wo wollen wir uns denn dann zuvor unterhalten?"

„Hm. An einem ruhigen Ort“, etwas fragend schaute sich Nurinai demonstrativ um, „Ich weiß nicht genau, wo wir solch einen finden...“

"Der Phextempel ist derzeit sehr ruhig und... Ein nächtlicher Besuch lohnt sich schon allein wegen des Ausblicks", erklärt Salix.

So trennten sich erst einmal ihre Wege.

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„Es soll ein Gift gewesen sein, gegen das Zwerge immun sind“, fasste Yolande von Raukenfels zusammen.

„Tulmadron“, Nurinai ni Rían nickte, „Aber warum hat der Zwerg die Suppe ausgerechnet damit vergiftet? Hätte er denn auch davon essen sollen?“

„Vielleicht zum Abschmecken?“, meinte die Ritterin da schulterzuckend.

„Hm“, machte die Geweihte da nur, „ich weiß nicht. Damit fällt der Verdacht ganz sicher auf ihn. Sieht er für dich nicht zu offensichtlich schuldig aus? So offensichtlich, dass es gar nicht sein kann? Und warum hätte er das tun sollen?“

Erneut zuckte die Raukenfelserin mit den Schultern: „Auch Herr von Hardenstatt vermutet ein Ablenkungsmanöver…“.

„Ist anzunehmen. Wenn etwas zu schön ist um wahr zu sein, dann ist es nicht wahr. Vielleicht war es jemand anderes aus der Küche?“

Wieder zuckte Yolande mit den Schultern: „Das Gift sei nicht leicht zu beschaffen…“

Nun lachte die Boroni: „Ach, Honigkrinchelchen! Was ist das denn für eine Aussage? Es ist nicht die Frage der Verfügbarkeit, sondern der finanziellen Möglichkeiten: Mit ausreichend klingender Münze ist nahezu alles zu bekommen.“

„Ob ein Koch über diese Mittel verfügt?“

„Wohl kaum. Und selbst wenn, dann hätte er sich doch wohl kaum dabei erwischen lassen? Wie ist das ganze denn herausgekommen? Vielleicht war es ja der, der ihn dabei erwischt haben will? Und wer hat denn herausgefunden, was das für ein Gift gewesen ist? Und können wir all diesen denn trauen?“

Yolande seufzte: „All das kann ich Dir nicht so recht beantworten. Vielleicht solltest Du einmal selbst mit diesem zwergischen Koch sprechen?“

„Wenn er mit mir sprechen will und…“ Sie hielt einen Moment inne. „… Wenn er dann noch am Leben ist.“

„Du meinst, man will ihn beseitigen?“

„Ist das nicht die logische Konsequenz? Welches perfektere Verbrechen könnte es geben? Erst beschuldigt man einen unschuldigen, der so schuldig aussieht, dass man annehmen muss, dass er es auch sei, und dann beseitigt man ihn. Die Spuren sind verwischt und niemand wird je die Wahrheit herausfinden können…“

„Die Frage ist doch vielmehr, wenn es so ein perfekter Plan ist, wie diese… hm… arrogante und abgrundtief unhöfliche Alt-Baronin immer meint, warum ist er dann noch da?“

„Damit er den Kopf hinhalten kann, denn in einem perfekten Plan hätte man ihn ganz sicher bereits beseitigt, weil er zu viel verraten könnte. Fazit ist also, dass er es sehr wahrscheinlich nicht gewesen sein kann.“

„Ich mag dieses arrogante Getue dieser Alten nicht und ich mag noch weniger, dass sie mit der Seneschallin herumklügelt“, erklärte die Ritterin ohne Umschweife, „Du hättest mal hören sollen, wie sie zusammen mit ihr über die Familie Amselhag hergezogen haben!“

„Ich kenne sie nicht. Aber sie scheint ja mal Baronsgemahlin gewesen zu sein, dem Titel nach. Jetzt ist sie das nicht mehr. Vielleicht kommt sie damit nicht zurecht? Ich habe schon viele alte, verbitterte Frauen und Männer gesehen.“ Sie seufzte. „Wenn sie es nötig hat, andere zu erniedrigen, damit sie sich ihnen überlegen fühlt, ist sie nur zu bedauern…“

Wenig später erreichten sie das Gasthaus „Zum goldenen Stiefel des Kaisers“ und ließen sich das für Nurinai hinterlegte Schreiben geben, dass Yolande mit folgenden Worten kommentierte: „Was glaubt dieser Magier eigentlich? Er hat es nicht einmal nötig, seinen Namen auf dieses Schriftstück zu setzten! Das steht nur: A.“ Nurinai grinste nur und raunte ihrer Liebsten zu: „Wie süß Du bist, wenn Du Dich über jemanden ärgerst…“

Danach machten sie sich auf zur Rakulls-Sakrale.

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Salix von Hardenstatt hatte sich einen schwarzen Gehrock übergezogen und sich für einen dunkel-braunen Fellmantel mit Pelzbesatz entschieden.
Nachdem er sich umgezogen und einige Dinge im Wirtshaus geklärt hatte war er Richtung Sakrale aufgebrochen.

Den Weg konnte er bald mit verbundenen Augen gehen, sooft war er an ihr vorbei gegangen. Er musste unwillkürlich lächeln, als er daran dachte, wie das alles angefangen hatte.
Eigentlich war er nur hier, um Knappen und Paginnen für seinen Herrn zu finden und ehe er sich versah war er in einem Netz aus Intrigen und Verschwörungen nicht nur gefangen, sondern Teil davon geworden!

Faszinierend wo man so hineinstolpert, wenn man sich aus den Zacken herunter wagt.
Als er vor der Sakrale stand blickte er zur Seite, dort vorne hatte er die Braut mit ihren Freundinnen gesehen und auf der anderen Seite war er mit der Fuchsstatue zusammengestoßen.

Ob es Zeit war sich jemanden mit Schwert zu besorgen? Die Ritterin von Raukenfels würde sicherlich nicht immer in seiner Nähe sein und würde sie im Zweifel nicht eher sich als ihn retten?
Mit diesem Gedanken trat der Perricumer in die Sakrale ein.

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Als Salix durch das Portal des Tempels schritt, bemerkte er gleich, dass etwas anders war als bei seinem letzten Besuch. Da Firun das Land wieder in seinem eisigen Griffe hatte und es ordentlich schneien ließ und somit der Mond hinter dichten Wolken verborgen blieb, konnte sich das berühmte Lichtspiel der Sakrale nicht entfalten. Stattdessen war das Tempelinnere in ein mattes Grau getaucht, was durchaus auch dem listigen Fuchs entsprach.

Der Perricumer sah sich um und erkannte Yolande und Nurinai, die vor dem Altar mit der Fuchsstatue im Hintergrund standen. Als Salix an die beiden Frauen herangetreten war, trat auch Vogtvikarin Eslamina Sternenkind aus einer Tür hinter dem Altar in den Altarraum und schritt auf die Drei zu.

„Phex zum Gruße“, begrüßte die Vogtvikarin die Ankömmlinge.

Der junge Adlige verbeugte sich etwas mit einem Lächeln, „dem Listenreichen zum Gruß, Euer Hochwürden“ und mit einem Nicken blickte er zu Yolande und Nurinai, „Euer Gnaden, Euer Wohlgeboren“.

Salix blickte auf und ließ seinen Blick schweifen, kurz blieb er an einigen Fuchsstatuen stehen, schaute dann aber gen Decke und seufzte leise aus.

„Schade, ich hatte gehofft das Lichtspiel sehen zu können“.

„Der Listenreiche zeigt sich verhüllt, doch er ist stets mit den Seinen!“ Die Vogtvikarin wandte sich von den Dreien ab und dem Altar zu. „Ihr seid hier um die Gunst des göttlichen Fuchses zu erlangen? Stellt Eure Fragen und so ich sie mit JA beantworten kann, wird Phex Euch erhören“.

“Gewiss habt Ihr bereits von den jüngsten Ereignissen gehört“, hob die Boron-Geweihte an, „aber der Vollständigkeit halber sollten wir es dennoch erwähnen: Diese beschädigten Fuchsstatuen haben das erste Leben gekostet. Die Hesinde-Geweihte Loderia Pilperquell wurde getötet, so wie es aussieht ist sie bei den Recherchen rund um diese Statuen auf etwas gestoßen, was man sie nicht ausplaudern lassen wollte, zumindest deutet ihre abgeschnittene Zunge daraufhin“.

Die Vogtvikarin nickte wissend.

„Dann“, Nurinai seufzte, „brauchen wir Euch ja eigentlich nichts mehr erzählen.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ihr wisst ja schon alles. Mein Herr kann da einfach nicht mithalten…“, wieder zuckte sie mit den Schulter. „Gewiss ist Euch auch bekannt, dass auf der Pfalz ein Koch beschuldigt wird, die Suppe vergiftet zu haben. Er sieht so offensichtlich schuldig aus, dass er es wohl kaum gewesen sein kann…“ Hilfesuchend blickte sie zu ihren Gefährten. „Nichts scheint einen Sinn zu gerben.“ Nun schüttelte sie energisch den Kopf. „Gar nichts.“

Salix setzte sich auf eine der Bänke und blickte abermals zur dunklen Decke der Sakrale. „Dunkle Schatten überragen die Winterhochzeit und mindestens zwei Bünde ringen hier miteinander?“, richtete er seine Worte an die Vogtvikarin.

„Ja!“, antwortete die Vogtvikarin mit klarer Stimme.

„Und von welchen Bünden sprechen wir hier?“, warf nun Yolande ein.

Salix schüttelte den Kopf. „ja oder nein. Aber bleibt besser beim ja“, erklärte er der Ritterin.
„Ist einer der Bünde dem Namenlosen angehörig?“, wollte er nun von der Phex-Geweihten wissen.

„Ja!“ Etwas Sorgenvolles lag in der Stimme der Hochgeweihten.

„Und“, fuhrt die Ritterin fort, „Gehört auch ein Orkgötzen-Kult dazu?“

„Ja!“

„Können wir davon ausgehen, dass diese beiden… hm… nennen wir sie Bündnisse unabhängig voneinander agieren?“

„Ja!“

„Was könnt Ihr uns denn über diesen Orkgötzen-Kult sagen?“

Schweigen.

„Haben die Fuchsfibeln haben etwas mit diesen Vorgängen zu tun?“, wollte nun Salix wissen.

„Ja!“

„Dann hat der Tod der Hesinde-Geweihten mit der Vergiftung der Suppe auf der Pfalz auch nichts miteinander zu tun?“

„Ja!“

"Die Küchenmeisterin der Pfalz ist auf Seiten der Namenlosen Umtriebe?"

Die Vogtvikarin wandte sich zu Yolande, Nurinai und Salix um, erhob ihre Arme und blickte nach oben. Als wäre es der Heilige Rakull höchstpersönlich, der am nächtlichen Himmel die Wolken aus-einander riss, offenbarten sich nun unzählige Sterne am Firmament, deren Licht durch das Sternenrund in der Decke der Sakrale auf den Rakullsstein im Zentrum der Sternenhalle traf. Es war ein atemberaubender Anblick als das nächtliche Sternenlicht tausendfach in der Halle gebrochen wurde und den Tempel in einen ganz eigentümliches Licht tauchte.
Die Vogtvikarin ließ den Dreien einen Moment diesen besonderen Moment in sich aufzunehmen.

Salix war von seiner Bank aufgestanden und blickte fasziniert gen Decke. Das Lichtspiel hatte es ihm schon bei seinem ersten Besuch sichtlich angetan. Zufrieden lächelte er, während er seinen Blick schweifen ließ.
Yolande ergriff unweigerlich die Hand Nurinais. Zusammen blickte sie gebannt hinauf. Was für ein schönes Schauspiel. Einen Moment vergaßen sie sogar, dass die Gründe ihres Besuches düster wa-ren, dann kehrten sie ins Jetzt zurück. Es war wohl ein „Ja“ gewesen.

Nach einigen Augenblicken dann erhob sie ihre Stimme.

„Der Heilige Rakull ist mit Euch. Dunkle Schatten brauen sich um die kaiserliche Pfalz zusammen. Die Finsternis wird immer stärker und der Feind ist nahe. Folgt mir in die Höhlen des Heiligen.“

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Die Drei folgten der Vogtvikarin links am Altar vorbei in einen kleinen Seitenraum, von dem ein Niedergang in die Rakullshöhlen unterhalb der Sakrale führte. In dem Höhlensystem soll einst der Heilige Rakull der Hort des Drachen Korchtuxüngir versteckt haben. Freilich wurde dieser nie gefunden.
Nach wenigen Schritten gelangten sie vor eine massive, mit Eisenbeschlägen verstärkte Tür. Die Vogtvikarin öffnete diese mit einem Schlüssel und trat ein. Yolande, Nurinai und Salix folgten ihr. Was sich ihnen nun offenbarte war ein üppig mit Ornamenten aus Zwergensilber verzierter Gebetsraum. Ohne Zweifel, hierbei musste es sich um die Privatkapelle des Hauses Gareth handeln.

Die Vogtvikarin schritt zu einem reich verzierten silbernen Kästchen, öffnete es und nahm zwei filigran gearbeitete Fuchsfibeln heraus.

„Diese Schmuckstücke sind ein Geschenk von Prinz Storko an das Brautpaar und waren, so die Legende, einst Teil des Hortes des Drachen Korchtuxüngir. Sie gehören zu den Insignien des Bundes den wir in drei Tagen zelebrieren. Auch der Kaiser-Alrik-Ring und das Greifendiadem gehören dazu. Die Seneschallin und die Hofmarschallin waren nicht aufrichtig. Vor wenigen Tagen wurde der Ring von Kaiser Alrik den Tugendhaften gestohlen und nun sind auch diese Kleinodien in allergrößter Gefahr.
Was mich zu dem Grund unserer Anwesenheit hier führt: Trotz der eisernen Tür sind die Fuchsfibeln hier nicht sicher, den die Diener der Finsternis lauern schon. Was würde also der Heilige Rakull tun? Ja, er würde zur Phex gefälligen List greifen und das tun, was die Niederträchtigen am wenigsten erwarten - Ihr müsst die Fuchsfibeln an Euch nehmen bis zur Schließung des Bundes.“

Der Perricumer biss sich auf die Unterlippe und begutachtete die Fibeln. Nie hätte er gedacht, dass er diese Artefakte tatsächlich von so nahem sehen würde. Geschweige denn, dass man ihm sie an-vertrauen wollte. Etwas misstrauisch blickte er auf, „und Ihr glaubt, dass diese Fibeln bei uns sicher wären? Von uns Drei kann nur eine Person wahrlich mit dem Schwert umgehen“, etwas entschuldigend blickte er kurz zur Boroni, „wäre es nicht klüger sie an einem anderen Ort zu verstecken? Ihr als Geweihte des Listenreichen kennt Euch doch sicherlich hier besser aus?“.

„Vielleicht weil damit niemand rechnet?“, warf Yolande von Raukenfels ein, „Vielleicht weil niemand erwartet, dass man sie von hier entfernt? Vielleicht weil jene, die sie suchen, sie hier suchen? Vielleicht aber auch nur, weil sie genauso sicher oder nicht sicher bei uns sind, wie an jedem anderen Ort – wenn sie nicht einmal hier sicher sind…“ Sie warf der Geweihten einen vielsagenden Blick zu.

„Allein mit dem Schwert kann einer im Verborgenen agierenden Verschwörung nicht begegnet werden“, die Vogtvikarin zwinkerte Salix von Hardenstatt zu und wandte sich dann zu Yolande. „Der Heilige Rakull hat uns gelehrt, dass mit der Phex gefälligen List auch noch so machtvolle und niederträchtige Feinde besiegt werden können. Unser heiliges Haus und auch die Pfalz stehen bei den Verschwörern im Fokus der Aufmerksamkeit. Eine Boron-Geweihte und zwei Adlige hingegen… .“

Der junge Adlige hob misstrauisch eine Augenbraue, musste dann jedoch leicht schmunzeln. „Ihr habt mich überzeugt, wenn es dem Listenreichen zum Wohlgefallen ist, so möchte ich helfen die Fibeln zu verwahren“. Er blickte zu Yolande und Nurinai, „wäre es dann nicht ebenfalls eine gute Idee die Fibeln zwischen uns zu teilen?“

Die beide Frauen nickten.

„So sei es“, sprach die Vogtvikarin und händigte Yolande und Salix jeweils eine Fuchsfibel aus. „Möge der Heilige Rakull mit Euch sein.“

„Verzeiht meine… hm… Unwissenheit, Euer Hochwürden, aber… was hat es mit diesen Schmuckstücken auf sich?“ Nurinai betrachtete interessiert die Fibel in Yolandes Händen. „Ihr sagtet, wir sollten sie verwahren bis zur Schließung des Bundes? Sind sie denn danach sicher?“

„Die Fuchsfibeln sind uralte Kleinodien“, begann die Vogtvikarin zu erklären, „der Legende nach, hat der Heilige Rakull sie, wie erwähnt, aus dem Hort des Drachen Korchtuxüngir geborgen. Sie gelten als eng mit dem Land und der gerechten Herrschaft verbunden. Es ist zu befürchten, dass dem Bund nicht wohlgesonnene Subjekte ersuchen könnten, sich der Fuchsfibeln zu bemächtigen um sie zu pervertieren. Ist der Bund zwischen dem Brautpaar erstmal geschlossen, verbleiben die Fibeln bei dem jeweiligen Träger, dann sind sie für diese Unruhestifter auch nicht mehr interessant, denn der Bund ist dann vollzogen und eine Einflussnahme nicht mehr möglich.“

„Hm“, machte die Geweihte da, und verstand noch immer nicht genau worum es ging. „Und der Ring? Ihr sagtet ja gerade, dass er gestohlen worden sei. Welche Rollte hat er im Bund? So er denn eine hat. Und falls ja, was geschieht, wenn er verschwunden bleibt?“

„Die drei Insignien der Hochzeit, des Bundes, sind die Fuchsfibeln, das Greifendiadem und der besagte Kaiser-Alrik-Ring“, begann die Vogtvikarin, „Erstere sind am Bedeutendsten, darin besteht keine Frage. Die anderen beiden Insignien sind eher von symbolischer Bedeutung, doch mag es als schlechtes Omen für den Bund verstanden werden, wenn das Geschenk der Braut an den Bräutigam gestohlen wurde und betrachtet man die politische Bedeutung dieses Bundes … die Braut stammt aus Greifenfurt, der Bräutigam aus Garetien… .“

„Ja, das kann man in der Tat als schlechtes Omen auffassen – wenn der Tod der Geweihten und die vergiftete Suppe da nicht schon genügen. Wann wurde denn der Ring gestohlen? War er auch hier verwahrt? Wie sieht er aus? Nur falls wir über ihn stolpern sollten...“

„Der Ring wurde in der Nacht als der Phex gefällige Wettstreit der Brautleute ausgetragen wurde, entwendet [Anmerkung: der Abend, als ihr eure Fuchsstatuen gefunden habt]. Es handelt sich um einen Herrenring mit goldener Fassung und einem rechteckigen Rubin. Im Inneren des Rings ist eine Gravur zu finden, die besagt: 'Dem Tugendhaften zur Ehr'. Aufbewahrt wurde der Ring auf der Pfalz, doch gestohlen wurde er...“, die Vogtvikarin stockte, „Gestohlen wurde er wohl hier im Tempel, denn die jungen Herrschaften schwören ihn hier an der Fuchsstatue abgelegt zu haben. So wie die jungen Damen die Statue mit dem Greifendiadem gekrönt haben.“

„Gestohlen aus einem Tempel des Herrn Phex“, fasste die Rían zusammen, „Das ist… hm… schon fast als beachtlich zu nennen. Aber eben nur fast…“ Sie hielt einen Moment inne ehe sie fragte: „Am Abend als Ihre Gnaden Pilperquell ermordet wurde, sei sie von jemanden mit einem auffälligen Fuchsamulett aufgesucht worden. Ich nehme nicht an, dass das einer Eurer Brüder oder Schwester war?“

Die Vogtvikarin schüttelte mit dem Kopf. „Nicht jeder ist der der er zu sein scheint!“

„Ja“, die Geweihte nickte, „Das habe ich mir bereits gedacht, ich wollte dennoch sicher gehen. Und… und was ist mit dem Greifendiadem? Ist es in… hm… Sicherheit?“

„Hm, das letzte Mal als ich es sah lag es auf der Statue aber jetzt ist es weg“, bemerkte Salix. „Ich nehme an, dass es in Sicherheit ist?“
„Das ist es!“, bemerkte die Vogtvikarin, „es war die Aufgabe der jungen Wilden es dort zu platzieren.“ Mit Blick auf Salix fügte sie hinzu. „Als Ihr in der besagten Nacht im Tempel ward, war der Ring noch da?“

Salix schüttelt nur den Kopf, „nein, an den Ring kann ich mich nicht entsinnen. Lediglich an das Diadem“. Dabei schmunzelt Salix etwas grüblerisch.

Nurinai atmete schwer: „Ich für meinen Teil habe keine Fragen mehr. Wie sieht es bei Euch aus?“ Sie blickte ihre beiden Begleiter an. Yolande schüttelte den Kopf. Salix auch. „Habt Dank für Eure Zeit, Hochwürden. Ich hoffe, wir werden uns Eurer Aufgabe als würdig erweisen.“


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So verließen die drei Adlige die Rakulls-Sakrale. Mit dem Blick auf der auf der anderen Seite des Marktplatzes liegenden Gasthauses Rakulls Ruh erinnerte sich Nurinai an die ominöse Einladung des Magiers zum gemeinsamen Essen. Wie Phex es wollte, waren sie noch rechtzeitig. Doch, zu aller Überraschung, oder wurde die Erwartungshaltung gegenüber dem Magier doch erfüllt – Anaxagoras war nicht dort und auch der Wirt wirkte ahnungslos. Noch nicht mal eine Nachricht hatte der Magier hinterlassen. Kopfschüttelnd machten sich die Drei also auf in den 'Stiefel', um sich dort ungestört zu besprechen.

Der Perricumer hatte einen der hinteren Tische angesteuert und sich einen Eintopf bringen lassen dazu trank er Tee.
Seitdem sie den Tempel verlassen hatten, war er ins Grübeln gekommen.
„Nun, wir haben mehr herausgefunden als ich gedacht hätte“, stellte er fest. „Wir wissen, dass der Tod der Hesindegweihten nichts mit den Vorkommnissen der Winterhochzeit zu tun haben. Auf der Pfalz versucht ein Namenloser Kult den Bund zu stören und die Küchenmeisterin hat etwas mit diesem Kult zu tun. Nicht nur sie, sondern auch die Hofmarschallin führen etwas im Schilde. Eine Frau, deren Beschreibung auf die der Küchenmeisterin passt, war vor dem Mord an der Geweihten einige Tage zuvor bei eben dieser“, stellte Salix seine Erkenntnisse fest.
„Was noch?“

„Die Rolle der Familie Amselhag oder vielmehr die vermeintliche Rolle der Familie Amselhag, immerhin versucht man es so darzustellen, als sei der Koch es gewesen, der die Suppe vergiftet hat, dabei scheint viel eher die Küchenmeisterin etwas damit zu tun zu haben, nicht war? Ob sie es war?“ Nun zuckte Nurinai mit den Schultern. Yolande nickte nachdenklich. „Und ob die Hofmarschallin davon weiß? Wir sollte vorsichtig sein, wem wir von unseren Erkenntnissen berichten, vor allem von dem Umstand, dass die Küchenmeisterin in diese Namenlosen Umtriebe verstrickt ist. Entweder bringen wir sie gleich zu Fall oder aber wir müssen sie in Sicherheit wiegen, um vielleicht noch mehr von diesem Namenlosen Gezücht in die Finger zu bekommen und schlussendlich zur Rechenschaft zu ziehen.“
„Vielleicht hat die Hofmarschallin auch nur den Diebstahl verschwiegen, weil sie nicht noch zusätzlich für Unruhe sorgen wollte“, gab die Raukenfelserin zu bedenken, „Der Mord an einer Geweihten und die vergiftete Suppe, das reicht ja bereits. Wobei… sie schien recht viel über das verwendete Gift zu wissen…“
„Die Frage ist wohl viel eher, woher sie weiß, was das für ein Gift war. Wer hat denn die Suppe auf Gift untersucht und warum hat diese Person das getan?“, erwiderte die Geweihte, „Das sollten wir in Erfahrung bringen, das könnte uns weiterhelfen. Und wir sollten uns bei nächster Gelegenheit zumindest mit Ehrwürden Eichstein austauschen, ihn halte ich für vertrauenswürdig, was den Magier allerdings angeht…“



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Ende Hes 1043 BF zur nächtlichen Ingerimmstunde
Auf Phexens Wegen
Offenbarung


Kapitel 18

Gipfeltreffen
Wirtshausgespräche


Kapitel 11

Traumsequenzen
Autor: Bega, Orknase, Vlad