Geschichten:Trügerischer Schein - Teil 76: Auf verborgenem Posten VII

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Auf verborgenem Posten VII - Ende der Vorstellung


Baronie Wasserburg, Später Praios 1034 BF


Als der abgemachte Ruf zur Antwort auf den ihrigen kam und sie auch meinten so etwas wie wie ein schwaches Lichtsignal durch Regen und Gestrüp erkennen zu können atmeten sie auf und näherten sich diesem mit aller Vorsicht. Es hatte also noch nicht begonnen und sie konnten sich vorerst sammeln. Ob ihnen allerdings noch Zeit bleiben würde bis die Reshminianer kommen würden, war fraglich, ganz zu schweigen von der Dozman, dachte sich Rash’ijd der hinüber zu seinem Herren sah der ihm mit einem Nicken eine alte, tönerne Flasche mit dem Zeichen des Mantikors darauf reichte, nach dem er selbst einen Schluck daraus genommen hatte.

Die Begrüßung der Keilholtzer Ritterin fiel leise, kurz und knapp aus. „Es sind mindestens 50 Leute am Ufer zu erwarten bei dem Karren. Nicht weit entfernt in ungefähr 60 Schritt? Ich fürchte, dass uns die Zeit weg läuft, wir haben nur auf Euch gewartet mit dem Angriff…“

„So ist es, die Zeit drängt.“ Der Ordensritter trat neben seine Frau um der Baroness aus Brendiltal genauere Informationen zu geben. „Bis zum Ufer wo sie ihre Schmuggelware umladen werden, sind es deutlich mehr als hundert Schritt. Aber etwa auf der Hälfte des Wegs stehen Wachposten, einer auf direktem Weg zwischen uns und dem Ufer. Die Umsicht mit der die Schmuggler hier vorgehen und die Erfahrung die wir im letzten Götterlauf mit ihrem Treiben gemacht haben, lässt darauf schließen, dass wir es nicht mit grünen Halbwüchsigen zu tun haben.“

Dann deutete er auf die berittene Schar der Nebachoten. „Ein Angriff zu Pferd wäre eigentlich die beste Möglichkeit unsere zahlenmäßige Unterlegenheit auszugleichen. Aber bei diesen Sichtverhältnissen, dem aufgeweichten Untergrund und dem ganzen Gestrüpp dürfte es schwerfallen bis ans Ufer zu kommen ohne den Pferden die Beine und sich selbst den Hals zu brechen. Wir sollten die Tiere besser hier zurücklassen.“ Unswin zeigte auf die anleinten Pferde von Alfred und ihm, zu denen nun auch Chaantrea ihr Tier führe.

Leomara hatte die Zügel ihres Streitrosses gerade zu ihrem Knappen weiter gereicht, der hier im Versteck bleiben sollte, als sie an der Körperhaltung der Nebachoten und insbesondere in Hamardan ibn Seyshabans hochmütigem Grinsen erkannte, dass die Nebachoten keinesfalls gewillt waren zu Fuß anzugreifen. Heiß schoß ihr die Wut in den Bauch ob dieser arroganten Geste. Sie umfasste schnell noch den Arm Lyns im Kriegergruß und blickte sie fest an.

„Möge Rondra mit Euch sein, ich bin froh mit Euch diese Schlacht zu bestreiten!“

Mit einem unsanften Ruck schnappte sie die Zügel wieder aus den Händen ihres Knappen und blickte ihn noch einmal ernst an bevor sie sich in den Sattel schwang. Den durchnässten Mantel ließ sie zurück. Herausfordernd blickte sie Hamardan und anschließend auch Al‘Arik an.

Al’Arik funkelte düster zurück. Das Wasser aus dem Matikorbrunnen in Feshaven brachte sein Blut in Wallung und er spürte heiße Kampfeslust und Erregung in ihm hoch kommen. Sein folgender kurzer Blick über die Schulter zu Rash’ijd und Hamardan sagte alles. Es ging los. Er ließ die Zügel knallen.

Unswin seufzte schwer, doch ging der Laut im Getöse des Regens völlig unter. Mit einem resignierenden Kopfschütteln verfolgte er wie die Nebachoten anritten. Er warf Leomara einen letzten Blick zu, als diese ansetzte den Kriegern zu folgen. „Rondra mit dir,“ rief er seiner Frau noch hinterher, doch er war sich nicht sicher ob sie ihn noch gehört hatte...

Thorendin von Darben-Dürsten, war inzwischen weiter gehuscht um Chaantrea mit ihrem Pferd behilflich zu sein. Erst wenn die Reshminianer da waren durfte er in den Kampf eingreifen, solange würde er in einiger Entfernung nach diesen Ausschau halten.

Lyn sah wie die Nebachoten und auch Leomara vor hatten sich zu Pferde in den Kampf zu stürzen. Sie sandte ein Gebet an Rondra in der Hoffnung, dass diese die Narren aufgrund dessen nicht schneller als nötig zu sich holte. Ihre Erfahrung im Kampfe zu Pferd sagte ihr, dass dies alles andere als eine gute Idee war und so glitt sie aus dem Sattel und zog fast noch in der Bewegung ihren Anderthalbhänder. Ihre roten Locken waren unter einem schwarzen Tuch verborgen und mit einer flinken Fingerbewegung öffnete sie den Verschluss ihres Umhanges um ihn abzulegen und zwischen Steigbügel und Sattel festzuklemmen. Dann wartete sie darauf, dass die Reiter lospreschten um sich dem Kampfgeschehen im Tumult unbemerkt nähern konnte.

Nach wenigen Augenblicken waren die Zornesritter mit Lyn und dem Knappen Thorendin allein. Aus den Büschen vor ihnen erklangen die ersten erschreckten Rufe der Wachen und die Kriegschreie der Nebachoten. Mit einem Nicken verständigte sich Unswin mit Alfred bevor er sein Schwert zog und Chaantrea an seine Seite rief. Dann rückten sie im Laufschritt vor.

Gerion hörte sich Leomaras Bericht an und blickte durch den Regen in Richtung der Gegner. Er sah nichts! Fünfzig Gegner also. Das waren nicht wenige. Aber sie würden mit ihnen fertig werden müssen - oder zumindest so lange überleben, bis die Reshimianer kamen. Als die Frage aufkam zu Fuß oder zu Pferd anzugreifen, entschloß sich auch Gerion für das Pferd. Gerion war zwar kein Krieger dem man beigebracht hatte auf einem Pferd zu kämpfen, aber so kam er zumindest schnell genug zum Feind. Doch bevor er aufsaß, sprach er noch einen Zauber auf sich, einen den ihn wie eine Rüstung zu schützen vermag. Dieser Zauber hatte schon etliche das Leben gerettet. 
Dann begann der Ansturm. 
Er ritt durch den Regen und hielt sich etwas hinter den anderen Reitern. Man sah nichts! Und dann - urplötzlich -, stand eine Gestalt vor ihm. Er hatte keine Zeit zu reagieren; das Pferd ritt ihn nieder, strauchelte und stürzte. Gerion versuchte abzuspringen. Er rollte über den Boden und es gelang ihm sogar wieder recht zügig auf die Beine zu kommen und sein Schwert zu ziehen. Zumindest bin ich nicht unter dem Pferd zu liegen gekommen, dachte er. Dann nahm er eine Bewegung von der Seite wahr und er ging blitzschnell in Kampfhaltung über. Eine weitere dunkle Gestalt sprang auf ihn zu. Gerion drehte sich leicht zur Seite und schwang sein Schwert in einer fließenden Bewegung. Die Gestalt stolperte noch ein, zwei Schritte und brach dann zusammen. Es war einer der Schmuggler.
 Anschließend sah sich Gerion um und sah einen Strand, worauf mehrere Gestalten bereits kämpften. Er schritt darauf zu - und erwartete jederzeit wieder ein Angriff aus dem Dunklen.




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Texte der Hauptreihe:
Pra 1034 BF
Auf verborgenem Posten VII
Auf verborgenem Posten VI


Kapitel 80

Die Schlacht am Darpat I