Geschichten:Grauen am Darpat - Heimlichkeiten

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Dramatis Personae

Junkergut Kaltengrund, 1.Rahja 1032 BF

Als sich die Tür zum Speisesaal hinter ihm geschlossen hatte, atmete der Novize einmal tief durch. Abschiede waren nie seine Sache gewesen und dieser hier war nicht der schwerste der ihn heute erwarten konnte. Natürlich war das Gerede um die zu packende Ausrüstung nur ein Vorwand gewesen den Raum verlassen zu können. Alexis hatte ihn wahrscheinlich sofort durchschaut, das hatte der Novize in seinem Blick gesehen. Denn kein Ordensbruder besaß so viel, als das er nicht innerhalb weniger Minuten abmarschbereit war.

Zu seiner Enttäuschung hatte Leomara nicht auf dem Gang auf ihn gewartet sondern war offensichtlich sofort zu ihrer Mutter geeilt wie sie es gesagt hatte. Er wusste zwar warum dieses Gespräch so wichtig für sie beide war, doch hatte er gehofft, dass die Ritterin dies im Moment nur vorgeschoben hätte um noch einmal mit ihm allein reden zu können. Da es dumm war im leeren Gang zu verweilen, schritt Unswin nun wirklich zurück zu seinem Zimmer. Für die Abreise bereit zu sein konnte nicht schaden und vielleicht hatte er auch noch die Zeit die am Morgen verschlafenen Schwertübungen durchzuführen. Bruder Alexis würde es mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen.

Vor seiner Kammer erwartete den Novizen jedoch eine Überraschung. Der junge Knappe Leomaras lehnte an der Wand gegenüber seiner Tür und spielte in Gedanken versunken mit einem stark verbogenen Hufeisen. Als Unswin näher kam schreckte der Junge auf und ließ das Eisen fallen. Mit hochrotem Kopf hob er es wieder auf und wandte sich an den Novizen.

„Herr, ich soll Euch ausrichten, dass Euer Pferd heute Nacht ein Hufeisen verloren hat und heute Morgen nach Gnitzenkuhl zum Schmied gebracht wurde. Ritterin Leomara meinte, dass Ihr vielleicht einmal selber nach Eurem Pferd schauen mögt, obwohl ich das auch hätte tun können.“

Die Stimme des Knappen klang ein klein wenig beleidigt. Anscheinend hatte er den Eindruck, dass seine Schwertmutter ihm diese einfache Aufgabe nicht zutrauen würde.

„Ach ja, und ich soll Euch sagen, dass der Schmied sich direkt neben dem Gasthaus ‚Zum alten Speicher’ befindet. Ihr könnt ihn gar nicht verfehlen.“

Wieder schwang etwas in der Stimme mit, das Unswin diesmal nur schwer einzuschätzen vermochte. Der Knappe sah ihn jedoch mit großen Augen an, so als versuche er mehr auszudrücken als seine Worte hergaben. Dachte er vielleicht, der Novize würde den Weg nicht finden weil er hier fremd war? Mit einem Stirnrunzeln quittierte Unswin das Gesagte.

„Nun gut, ich werde sehen, dass ich mich bald in die Stadt begebe. Weißt du ob es möglich wäre ein Pferd des Herrn Vogtes für den Weg auszuleihen. Wenn ich die Strecke laufen muss bin ich vor dem Abend nicht wieder zurück.“

Jetzt nickte der Knappe eifrig und deutete mit dem Hufeisen in der Hand nach schräg unten auf die Wand, wo sich wenn Unswin sich recht erinnerte irgendwo die Stallungen befanden.

„Ja Herr. Ritterin Leomara hat gesagt ich soll Euch mein Pferd geben sobald Ihr aufbrechen wollt. Ich werde es sofort satteln gehen. Es wird in wenigen Minuten für Euch bereit sein!“

Damit rannte er auch schon ohne sich noch einmal umzuschauen den Gang hinunter und bevor der Novize ihm noch etwas hinterher rufen konnte war er verschwunden und es waren nur die eiligen Schritte auf der Treppe zu hören.

Kopfschüttelnd betrat der Edelknappe schließlich seinen Raum. Durch das Fenster hörte er, wie eilig das Tor zu den Stallungen geöffnet wurde. Wieso war der Junge so aufgeregt gewesen? Sicherlich, er hatte einen Auftrag bekommen und wollte seiner Schwertmutter zeigen, dass er ihn getreulich ausführen konnte. Aber warum diese Hektik? Der Morgen war noch nicht weit fortgeschritten und die ‚Admiral Dozman’ wurde erst gegen Mittag zurückerwartet. Grübelnd verstaute Unswin seine wenigen Habseeligkeiten, bis nichts mehr in der Kammer darauf hinwies, dass er sie bewohnt hatte. Gerade als er das kleine Bündel neben dem Fenster abstellte, hörte er das leise Klappern von Hufen im Hof. Ein schneller Blick durch die halbgeschlossenen Läden zeigte ihm, dass der Knappe gerade dabei war das gesattelte Pferd aus dem Stall zu führen. Noch immer verwundert über die ganze Hektik rückte Unswin das Schwertgehänge zurecht und begab sich ohne Eile in den Hof.

Leomaras Knappe trat unruhig von einem Bein auf das andere und sah sehr erleichtert aus, als der Novize endlich aus der Tür trat.

„Bitte Herr, es ist alles bereit. Ihr könnt sofort aufbrechen.“ Unswin dankte ihm und saß auf, war jedoch weiterhin sehr verwundert über das Verhalten des Jungen. Der Knappe schien das gar nicht zu bemerken, da er es so weit es ging vermied Unswin ins Gesicht zu schauen.

„Und denkt daran Herr: ‚Zum alten Speicher’! Dann könnt Ihr Euer Ziel gar nicht verfehlen.“ Damit übergab er den Zügel, noch immer ohne aufzublicken, und verschwand rasch wieder im Stall. Dem Edelknappen blieb nichts als verwundert den Kopf zu schütteln. Mit geübtem Schenkeldruck trieb er das Pferd des jungen Knappen an, das gehorsam aber ohne Feuer seinem Befehl folgte.

Wenig später ritt Unswin durch das Stadttor Gnitzenkuhls. Bei der Torwache erkundigte er sich nach dem Weg zu dem Gasthaus das Knappe ihm zweimal eindringlich genannt hatte und wirklich befand sich in direkter Nachbarschaft dazu eine Schmiede. Sofort erkannte der Novize auch sein Pferd, dass vor dem Haus angebunden war und an dessen Hufen sich gerade ein großer kräftiger Mann mittleren Alters, wahrscheinlich der Meister selbst, zu schaffen machte. Gerade als er näher ritt um den Mann anzusprechen, sah wie eine weitere Person aus dem Schatten des überhängenden Daches hervortrat.

„Hast du erst noch gebadet, oder warum hast du mich so lange warten lassen?“ Leomara war gerüstet wie er sie kennen gelernt hatte hervor getreten. Ihr Gesicht zeigte, dass sie nicht wirklich ärgerlich war, eher wehmütig blickte sie ihn an.

„Keine Sorge, Boswin Hammer hier wird das schon richten. Nicht wahr Meister?“ Die letzten Worte hatte sie fast gebrüllt, doch der Mann blickte nicht einmal auf. Leomara deutete auf die Ohren und meinte nur:

„Das ewige Hämmern hat ihn sein Gehör verlieren lassen, aber er ist der Beste in der Stadt.“ Leomara war während der letzten Worte beständig rückwärts gegangen, sodass Unswin ihr folgen musste, so er nicht alleine vor der Schmiede zurück blieben wollte. Im Halbdunkel der Überdachung konnte er nun eine Stiege erkennen, die nach oben führte.

„Hier wohnt meine Amme. Wir können hier unbesorgt reden.“ Recht langsam stieg die Ritterin die steilen Stufen empor, und stieß eine Holztür auf, die sie mit einem einfachen Schlüssel, den sie um den Hals trug, zuvor geöffnet hatte.

Er musste sich tüchtig bücken, um sich nicht den Kopf beim Durchschreiten des Eingangs zu stoßen. Drinnen erwartete sie ein gemütliches, wenn auch ein wenig unordentliches Zimmer, dass offensichtlich alle Bedürfnisse seiner Bewohnerin in einem befriedigte. In einer Ecke war eine Feuerstelle, doch ebenso ein Bett und Tisch und Stühle waren in dem großen Raum zu finden. Das bemerkenswerteste waren aber die zahlreichen Kräuterbündel die oben im Giebel zum trocknen hingen. Der Geruch, der ihn gleich so stutzig gemacht hatte rührte demnach daher.

Zwei kleine Fenster gingen nach vorne auf die Straße und ein weiteres nach hinten in den Hof, doch es waren zu wenige, um das Dämmerlicht, in welchem der Raum lag ganz zu erhellen. Leomara war mit dem Rücken zu ihm stehen geblieben und schwieg. Ihr lag ein Klos im Hals, den sie nicht los würde. Ein falsches Wort, und um ihre Fassung wäre es geschehen. Jetzt hieß es Abschied nehmen...



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Texte der Hauptreihe:
2. Rah 1032 BF zur mittäglichen Rahjastunde
Heimlichkeiten
Abschiedsworte


Kapitel 68

Autor: Alex N., Eslam, Hermann K., Nicole R., Marcus F., Robert O.