Geschichten:Grauen am Darpat - Unbequeme Wahrheiten

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Dramatis Personae


Junkertum Kaltengrundt

Nachdem die Gefangenen verhört und wieder weggeschafft wurden, hatte Kor’win seine Haltung des Unantastbaren aufgegeben, sein Tuch vor dem Mund zurückgeschlagen und Kain breit angegrinst. „Na? Ist äs Dir schwär gefallen zu schraien wie ein Weib, dass bemerkt, dass es den falschän ins Lager gezogen hat?“ Kain antwortete auf diesen derben Spaß mit einem Lachen und ließ sich aufhelfen. Ein wenig Ruhe sollte ihm nun gut tun. So brachte Kor’win den jungen Jäger zurück in dessen Kammer. Kurz versicherte er sich noch, dass diesem dort an nichts fehlte und zog sich dann selbst zurück. Er wollte nun nachdenken…

Leise ging er dabei durch die Burg. Er suchte ein stilles Plätzchen unter freiem Himmel, wo er seine Gedanken ordnen und sein weiteres Vorgehen bestimmen konnte. Verärgert nahm er wahr, wie einige Zimmer weiter schwere Stiefelschritte zu hören war. Eigentlich wollte der alte Jäger dann in die andere Richtung gehen, als er jedoch inne hielt. Eine zornige Frauenstimme war zu vernehmen, sowie ein unterdrückter laut, als würde etwas zu Bruch gehen. Was ging da vor? 
Kor’win zögerte keinen Augenblick, seine feinen Sinne hatten ihm bisher noch nie einen Streich gespielt. Mochte das Gehörte eventuell harmlos sein und ihn nichts angehen – gerade bei dieser Familie hier würde ihn das nicht wundern – doch war zuviel in zu kurzer Zeit geschehen, so dass er wissen wollte, was da vor sich ging.

***


Müde schleppte sich Leomara aus dem Kerker nach oben. Neben der körperlichen Erschöpfung machte sich eine Mutlosigkeit breit, die sie normaler Weise nicht kannte. Von Kindesbeinen an war sie es gewohnt sich alles erkämpfen zu müssen. Dass die ihr innewohnende Kraft eines Tages erschöpft sein könnte, daran hatte sie nie geglaubt. Sie durfte ausgerechnet jetzt, wo es einen Lichtblick in ihrem Leben gab nicht verzagen und in die Dunkelheit blicken. Verzweifelt kramte sie nach einer tröstlichen Erinnerung, die die Mutlosigkeit besiegen konnte. Sie beschwor den Anblick des Tales herauf, in dem die Tempel der drei milden Schwestern lagen. Nach einer Weile des Innehaltens milderte sich die Finsternis um ihr Herz und es schlug wieder ruhiger.

Als sie die schweren Stiefel hörte, die im Inneren des Gutes einen Gang entlang schritten hielt sie irritiert inne. Welche Waffenknechte hatten hier drinnen noch etwas verloren? Sie überlegte, ob sie nicht einfach in ihre Kammer gehen sollte, doch die Neugier überwog. Vielleicht war es ja ein Bote vom Hafen und die anderen um Kapitän Hakon waren angekommen. Die Schritte waren aber merkwürdigerweise über ihr verklungen. In dem Trakt waren so weit sie wusste aber nur die Nebachoten untergebracht. Eine ungutes Gefühl beschlich die Isenbrunnerin und so eilte sie so schnell es ihre Wunde zuließ nach oben. Atemlos gelangte sie im Nebentrakt an und sah, dass vor dem Raum des Kelsensteiner Junkers zwei Bewaffnete standen. Sie kannte sie nicht sonderlich gut. Es waren zwei grobschlächtige Männer, die immer an der Seite ihres Bruders unterwegs waren. Der Blick, mit dem sie sich untereinander verständigten ließ Leomara übles ahnen.

„Was ist denn hier los?“ Der eine antwortete daraufhin ruhig und knapp. „Befehl vom Vogt, wir halten hier Wache.“ Ungläubig schaute die Ritterin die Beiden an. „Das kann doch überhaupt nicht sein, hier nächtigt einer unserer Gäste.“

Der Knecht schüttelte nur etwas verunsichert das Haupt und bewegte sich keinen Deut von der Türe weg. Leomara sprach deutlich aber leise weiter.

„Ihr werdet mich da jetzt sofort einlassen, ich werde mich selbst überzeugen...!“ Sie öffnete energisch die Tür und starrte in die Augen des Kelsensteiner Junkers, der von seiner Bettstatt aufgestanden war, und mit alarmiertem Blick in Richtung des Fensters schaute. Unwillkürlich folgte sie seinem Blick, und fand dort eine Frau stehend vor, deren Zustand mehr als erbärmlich war. Schnell machte sie hinter sich die Türe zu, und schaute zwischen den beiden hin und her.

„Marnion, was ist hier passiert?“ Mit einem Blick hatte sie die rote Flüssigkeit am Boden gesehen und die Scherbe in der Hand der Frau.

Er antwortete ihr ohne den Blick von der Zahori zu lassen.

„Hier ist nichts passiert Leomara. Diese Frau Ta´ira ist außer sich, weil ihr Gewalt angetan wurde.” In gepreßten Befehlston fuhr er Ta´ira an.

„Du haast Dich entschiedeen, also leeg die Scherbe weg!” Dabei straffte sich der Junker und sah wohl auch ob seiner Größe und Masse gegenüber der kleinen Frau, auch ohne jede Waffe und mit dem Verband schier übermächtig aus. Dazu lag in seiner Stimme ein befehlender Ton, den Leomara bei dem Mann noch nie gehört hatte. Obwohl er nicht laut wurde, hätte er jedem Wehrheimer Weibel, der seine Rekruten stramm stehen läßt, Konkurrenz machen können.

Kor’win sah gerade noch, wie jemand im Zimmer des Rasthullwallers verschwand. Mochte dies alleine nicht ungewöhnlich sein, sorgten die beiden Wachen vor dessen Tür doch für ein Alarmsignal in den Gedanken des Jägers.

Kor’win versuchte sich nichts anmerken zu lassen und ging einfach weiter, so als würden beide Wachen genau dorthin gehören, wo sie jetzt standen. Als er jedoch die Hand erhob und die Tür zu Marnions Kammer öffnen wollte. Hielt einer der Wachen ihn zurück.

„Der Junker ist beschäftigt und darf gerade nicht gestört werden.“ Die Wache legte Nachdruck in ihre Worte, doch deren abweisendes Verhalten beeindruckte den Jäger nicht im Geringsten.

„Är erwartet mich!“ Flunkerte er einfach und versuchte erneut die Tür zu öffnen, wurde jedoch wieder zurück gehalten. „Jetzt nicht!“ Meinte jetzt auch der zweite Wachmann barsch.

Kor’win überlegte was er tun konnte. Die Wachen gehörten zum Haus und es war nicht rechtens die gebotene Gastfreundschaft mit einer Schlägerei zu zollen. Auf der anderen Seite gingen in diesem Haus Dinge vor sich, die selbst ihm die Haare zu Berge stehen ließen, wenn er länger darüber nachdenken würde. Was also, wenn jemand Marnion dort drinnen ein Leid zufügen würde. Sicher, der Junker war ein Kel´zen Tell und damit ein Spinner in seinen Augen. Aber er war doch irgendwie ein Nebachote.

Kor’win entschloss sich daher nicht nachzugeben. Laut rief er daher nach Marnion.

„Wärter Marnion, wuas sollen die Wachän hier? Warum will man mich nicht zu Dir lassän?“ Herausfordernd funkelte der Jäger dabei die beiden Wachen an. Wenn sie zuerst angriffen, würde er sich nur verteidigen.

Leomara drehte sich bei dem Lärm vor der Tür erschrocken um. Sie bedeutete den beiden im Raum sich still zu verhalten während sie die Türe ein wenig öffnete.

„Kor’win! Es ist jetzt gerade ein denkbar schlechter Moment um mit Marnion ein Schwätzchen zu halten. Könntet ihr das nicht auf morgen früh verschieben?“ Bittend blickte sie dem alten Jäger ins Gesicht. Wenn er auch noch mit hier herein gezogen werden würde...!

Marnion hatte die kleine Pause genutzt um die Situation zu umreißen. Es würde schwer sein, Quanion sein Verbrechen nachzuweisen, insbesondere da die Zahori annähernd rechtlos war. In jedem Fall war das Leben der Tänzerin in Gefahr, seit sich Quanion entschieden hatte sie um seinen Triumph bis zur Neige auszukosten zu ihm geschickt hatte. Wenn der Überschwang vorbei war, würde er als schwacher Geist danach trachten sein Verbrechen zu verschleiern und was lag da näher als das Ta´ira bei einem Fluchtversuch oder Angriff auf Quanion umkommen würde. Doch gab es andere Möglichkeiten, wenn er entschieden handelte und Ta´ira einen starken Geist hätte.

„Es ist schon gut Leomara.. Ich habe nicht so lange im Krieg gestanden um genau diese Zustände in unserem Land zu verhindern, nur um zu sehen, das sie bei uns schon zu Hause sind. Tretet herein Kor´win, ihr kommt gerade zur rechten Zeit.”

Mit ruhiger Stimme fuhr er fort. „Ihr beiden anderen da draußen, laßt ihn bitte vorbei. Ich bin ein Gast in diesem Hause und von edler Herkunft wie er. Mag ich auch beschäftigt sein, mit dem Geschenk Eueres Herrn, so heißt das nicht, das meine Kammer nicht Platz hätte für meinen Bruder Ach Kor´win. “ Bei seinen letzten Worten schaute er Ta´ira direkt in die Augen, legte den Finger auf die Lippen und machte mit der anderen Hand eine beschwichtigende Bewegung.



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Texte der Hauptreihe:
1. Rah 1032 BF zur nächtlichen Rahjastunde
Unbequeme Wahrheiten
Eine schreckliche Offenbarung


Kapitel 59

Blutschwur
Autor: Alex N., Eslam, Hermann K., Nicole R., Marcus F., Robert O.