Geschichten:Grauen am Darpat - Der Lauscher an der Wand

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Dramatis Personae


Junkertum Kaltengrundt

In den Gängen der Burg wäre sie fast mit Kor’win zusammengestoßen, der Kain gerade half und ihn stützte, damit dieser mit ins Arbeitszimmer kommen und der folgenden Unterredung beiwohnen konnte. Die beiden Nebachoten sahen der Ritterin stumm nach, als diese mit wütendem Blick an ihnen vorbeieilte. Achselzuckend setzten sie dann gemeinsam ihren Weg fort.

„Ob sie damit wohl Unswin maint?“ Fragte Kain spöttisch. „Ain Ädelknappe ist wohl nicht das, was die sich für diese Lewin vorgestellt haben.“ Beide Nebachoten mußten über diesen Scherz lachen, doch unterbrach Kain dies sogleich wieder, als er bemerkte wie ihn das Lachen schmerzte. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht gesellten sie sich zu den anderen.

Eine Biegung des Ganges weiter, war Unswin abrupt stehen geblieben. Leomaras letzte Worte waren nicht zu überhören gewesen und schienen in seinem Kopf nachzuhallen. Er war sich nicht sicher, ob er ihr in diesem Moment begegnen wollte, doch schienen sich die wütenden Schritte der Ritterin in eine andere Richtung zu entfernen. Der Edelknappe atmete tief durch, straffte sich und ging dann gemessenen Schrittes weiter zum Arbeitszimmer. Vor sich hörte er zwei vertraute stimmen kurz auflachen und als er um die Ecke bog, sah er gerade noch wie Kor’win und Kain das Zimmer betraten. Unswin wartete ein paar Herzschläge länger bevor er ihnen folgte. Niemand brauchte zu wissen, dass er das hier mitangehört hatte.

Der Kelsensteiner war lange sitzen geblieben, ging es ihm doch längst nicht so gut, wie er den anderen und auch ein Stück weit sich selbst glauben machen wollte. Und so hatte er den Streit von Leomara im Nachbarzimmer in ganzer Länge mitbekommen, ob er wollte oder nicht, da die Türe nicht ganz geschlossen war. Mit Interesse nahm er die Bemerkung auf, das Leomara offenbar eigentlich eine von Wolfszahn sein sollte. Sie machte ihrem berühmten Vater auf jeden Fall mehr Ehre als diese Geshla.

Es schmerzte Marnion wie stark offensichtlich das Zerwürfnis zwischen ihr und Ihrer Familie hier war. Wie konnten sie nur so reagieren, wenn Leomara siegreich und verwundet aus dem Feld zurück kam? Geradezu ekelerregend fand er den Verdacht, Leomara könnte ein Verhältnis mit ihrer anscheinenden Schwester Geshla haben. Was mochte hier nur vorgefallen sein, das Ihr Stiefvater Leomara derart unverhohlenen Haß entgegen brachte?

Schließlich hatte ihm noch Leomaras Antwort einen Stich in der Gegend seiner Wunde verpaßt. Also stimmte es tatsächlich, das sie sich mit diesem Knappen eingelassen hatte. Doch spielte es für ihn letztlich keine Rolle. In einem Traviabund hätte er nie eingegriffen, doch war auch Leomara klar, das Unswin dafür wohl kaum in Frage kam. Zudem hatte er gesehen, wie Unswin kurz nach dem Streit zu ihnen ins Arbeitszimmer gekommen war. Er mußte doch noch etwas von dem Streit mitbekommen haben, so laut wie Leomara am Ende des Gesprächs geworden war?

Wäre sie seine Liebschaft gewesen und hätte wenn auch im Streit von Heirat mit ihm gesprochen, so wäre er ihr um allles in der Welt nach gelaufen um sie zu trösten und zu sehen, ob sie ihre Worte ernst meinte. Nein, Unswin konnte ihm in keiner Weise das Wasser reichen. Dieser Roderick schien Marnion die Quelle von Leomaras Vorurteilen gegen sein Volk zu sein. Auch schien man in dieser Familie den Traviabund eher als Versorgungseinrichtung zu sehen.

Der Ritter dankte still den Göttern, das sie ihm liebende Eltern geschenkt hatten. Er selbst war in dem selbstverständlichen Wissen aufgewachsen später den Namen seiner Sippe Ehre zu machen und die Untertanen zu führen. Welch Unterschied zu Leomaras Elternhaus. Und für wahr welch Leistung hatte diese Frau vollbracht, Ihren Charakter unter diesen Umständen doch zum Guten auszubilden.

Marnion seufzte, als er spürte wie das Feuer das er für diese Frau in sich trug begann sich zu vertiefen, da er sie nun als Menschen mit ihrer ganz eigenen Geschichte kennen lernte.

Der Geweihte Alexis hatte nur den Lärm und das Lachen mitbekommen. Der verstauchte Knöchel, gegen den das Schwein Sturm gerannt ist, ärgerte ihn ein wenig beim Gang zum Arbeitszimmer.



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Texte der Hauptreihe:
1. Rah 1032 BF zur abendlichen Tsastunde
Der Lauscher an der Wand
Geplante Minne


Kapitel 44

Vermutungen und Lobeshymnen
Autor: Alex N., Eslam, Hermann K., Nicole R., Marcus F., Robert O.