Geschichten:Grauen am Darpat - Ungereimtheiten

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Dramatis Personae


Junkertum Kaltengrundt

Nachdem der Verletzte den Raum verlassen hatte, wiederholte der Vogt sachlich die schon vorgetragenen Punkte ihrer Schilderung. Er wirkte dabei konzentriert und auch ein wenig beunruhigt.

„Es gibt einige Punkte, die ich nicht ganz einordnen kann, bislang wohlgemerkt. Dieses gerissene Schaf zum Beispiel. Glaubt ihr, dass hier dieses Ungeheuer am wirken war oder auch diese...Leute?“

„Auch dabei waren die Spuren widersprüchlich.“ Unswin hatte die Rückkehr Leomaras und den unfreiwilligen Abgang Marnions mit Freude gesehen und ergriff nun wieder das Wort.

„Es handelte sich um ein altes mageres Tier, eine Beute die man von einem beliebigen Raubtier erwarten könnte. Räuber hätten sich hier sicherlich das fetteste Schaf aus der Gruppe gesucht. Zudem gab es die Spur eines Fußabdrucks der nicht zu einem Menschen passen konnte. Allerdings fehlten auch Spuren eines Kampfes, wie man sie bei solchen Jagdszenen erwarten muss. Zudem sahen einige Wunden an dem Kadaver verdächtig nach Messerarbeit aus. Wieder stellt sich die Frage wer letztlich dafür verantwortlich war. Viehdiebe? Räuber? Das Untier? Eine Kombination dieser Gruppen? Nichts scheint unmöglich. Wir können bisher weder eine widernatürliche Kreatur noch besonders trickreiche Banditen oder die von seiner Wohlgeboren von Kelsenstein vermuteten schwarztobrischen Eindringlinge ausschließen.“

Es fiel Unswin schwer, der Theorie Marnions auch nur den Hauch der Spur von Legitimität zu verleihen, aber die Situation war zu ernst, um wegen persönlicher Vorbehalte eine mögliche Erklärung unter den Tisch zu kehren. Trotz aller nebachotischer Affektiertheit war der Junker doch ein erfahrener Kriegsmann. Die beiden Jäger schwiegen nach der Ausführung des Edelknappen. Ein deutliches Zeichen, dass sie dem nichts hinzuzufügen hatten.

Das erste Mal sprach nun auch Leomara. Sie wirkte sehr verschlossen und steif im Vergleich zu den letzten Tagen. Die Bauchverletzung trug sicherlich zu einer gewissen Verspanntheit bei, doch diese erklärte nicht alles. Mit keinem Blick streifte die Isenbrunner Ritterin dabei den Vogt Gnitzenkuhls. Selinde nahm dies irritiert zur Kenntnis.

„Ich fürchte ein abschließendes Bild können wir uns erst nach der Befragung der Gefangenen erlauben, oder was meint ihr? Solange wir nicht alle Fakten, derer wir habhaft werden konnten, genau kennen und sie gedeutet haben, sind vielleicht einige der jetzt getätigten Spekulationen schon wieder hinfällig, oder neue kommen auf.“

Ihr Vater nickte. „Ich werde zugegen sein. Wer noch bei der Befragung anwesend sein möchte, der sollte mich nun begleiten. Ich bin es unserer Nachbarin schuldig, dass ich über die Gefangenen wache. Nicht, dass ich euch nicht traue, doch ich muss mit meinem Wort bei ihr einstehen und getreulich über die Vorgänge berichten auf ihrem Land. Da möchte ich kein Wissen aus zweiter Hand kundt tun. Allerdings schlage ich vor, dass ihr die Fragen stellt, da ich mich doch eher als Außenstehenden sehe, und die Finessen des Geschehens sicher nicht vollends erfasst habe.“

Unswin erhob sich ohne zu zögern. Die Befragung der Banditen war in seinen Augen schon längst überfällig. Ein paar Stunden in einem feuchten Kerker mochten diese redseliger gemacht haben, doch war ihm auch klar, dass man ohne weitere Antworten nicht viel weiter kommen würde. Und er war sich sicher, dass sein Ordenbruder die benötigten Antworten auch aus den Gefangenen herausbringen würde.

Kor’win tauschte mit Kain einen kurzen Blick aus und verschwand dann zunächst. Auf eventuell fragende Blicke hin meint Kain nur trocken. „Är kommt auch mit, beraitet sich jedoch dafir vor.“

Der junge Nebachote machte Anstalten sich zu erheben, und der Gruppe ebenfalls zu folgen. Es gelang ihm auch, sie auf die Beine zu stellen, doch schien dies eine recht wackelige Angelegenheit zu sein.

„Ach, wuenn är wieder kommt, beachtet ihn einfach gar nicht. So als sai er nur Luft.“

Ebenso rasch wie wortlos hatte sich Selinde erhoben, zu Kain begeben und ihm buchstäblich unter die Arme gegriffen, damit er nicht stürzte sondern sicher zum Kerker gelangte. Während aufmerksame Beobachter darüber rätseln mochten, woher diese außerordentliche Hilfsbereitschaft der Baronesse herrühren mochte – immerhin hatte sie sich bisher nicht gerade als Freundin der Nebachoten gezeigt – ertappte sich die Vellbergerin dabei, daß sie doch zumindest einige Zuneigung für Kain empfand, die über die eigentlich beabsichtigte einmalige Liebelei hinauszugehen schien. Wäre der Nebachote nicht, sie wäre im Saal geblieben, denn derlei Verhöre hatte sie bereits viel zu oft für ihren Geschmack erlebt, ohne diesen je etwas abgewonnen haben zu können



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Texte der Hauptreihe:
1. Rah 1032 BF zur nächtlichen Ingerimmstunde
Ungereimtheiten
Neutrale Stimmen und Analysen


Kapitel 47

Das Verhör
Autor: Alex N., Eslam, Hermann K., Nicole R., Marcus F., Robert O.