Frühlingssturm - Welferts Mußestunden

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Achtlos ließ Welfert ein paar Münzen zu Boden fallen, ehe er seinen Wappenrock richtete und ohne sich umzuschauen, die karge Zofenkammer verließ. Nach so einem Stelldichein gierte ihn immer nach Vergorenem. Doch erst wollte er sich erleichtern. Sein Weg führte ihn an den Ställen vorbei, die von allerlei Grünzeug gesäumt wurden. Ein leises Fipsen ließ ihn inne halten. Unter einem Ginsterbuch saß ein kleiner Specht. Vorsichtig, um das Tier nicht zu verschrecken, kniete er sich behutsam nieder und hob den Vögel langsam, ja fast zärtlich, ins Freie. Bei seinem Flug war er wohl gegen die Burgmauer gestoßen und hatte sich einen Flügel gebrochen. Ein kurzer Ruck seines Handgelenks, und das Genick des Tieres war gebrochen.

Unberührt, ließ er den Kadaver zu Boden gleiten und setzte seinen Weg fort.Besonderes Interesse fiel dabei dem Dachgiebel des Nebengebäudes zu. Bei einen der vergangenen Schlachten um den Arvepass beschädigt, standen noch immer einige Steine über. Zufrieden mit den Erkenntnissen dieses Morgens, verließ Welfert den Burghof, um sich in sein Ritterzelt zu begeben. Obzwar ihm der Landvogt durch seinen Diener eine standesgemäße Unterkunft zugewiesen, wollte er die Ungestörtheit seines Zeltes doch nicht gänzlich missen, ehedem er sich am Nachmittag mit Aldrons über die Vorgehensweise seines Unterfangens beraten wollte. Das mit verschwenderischem Luxus eingerichtete Zelt war nur schwach erleuchtet, aber von Rauch des Kohlebeckens geschwängert.

Wie so häufig in letzter Zeit, dauerte es eine kleine Ewigkeit, ehe er in einen unruhigen, traumlosen Schlaf fiel, aus dem er nur wenig später schweißgebadet erwachte. Er spürte Zorn in sich aufwallen, und gab sich willig dem Gefühl hin. Volle Grimm schritt er zum Ausgang, wo er seinen Junker wusste.

„Wohlgeboren Praiodan, sucht vier der Knechte aus. Schickt sie in Waffen zu mir. Ich brauche etwas Bewegung.“

Welfert wollte schon wieder die Plane seines Zeltes zufallen lassen, als der Edelmann vor seinem Zelt sich versteifte. Stirnrunzelnd legte Welfert den Kopf schief und blaffte.

„Nun los, oder seit Ihr gar im Erdboden versunken?“

Erst jetzt kam Regung in den Angesprochenen, der sich quälend langsam zu seinem Lehnsherrn umdrehte. Während sein Gesicht Gleichgültigkeit vermittelte, strafte der Blick seiner zornsprühenden Augen, diesen Ausdruck lügen.

Wie konnte es der Mersinger nur wagen ihn erneut mit dem Namen seines Vaters anzusprechen? Eine Welle des Zorns durchzuckte den Körper des Jungen Rittersmanns, seine Hände krallten sich um den Knauf seiner Klinge, doch versuchte er sich zu mäßigen ehe es zu einem Eklat kommen würde. Es war Zeit dem Mersinger zu zeigen aus welchem Holz seine Familie geschlagen war!

"Jawohl, mein Baron ... und der meines Vaters!" Zornesfunkelnd, den seine Augen vermochte der junge Mann nicht zu bändingen, blickte er in das Antlitz des gelangweilt dreinschauenden Welferts: "Doch lasst mich mit euch kämpfen, so dass ihr endlich einmal mein Antlitz schauen müsst!"

Erst jetzt machte sich Welfert die Mühe, seinen Gefolgsmann genauer ins Auge zu fassen. Seinem Erzeuger wie aus dem Gesicht geschnitten, doch ohne den trübsinnigen Ausdruck. Fürwahr, Junker Praiodan hatte ihm sein Balg gesandt. Das verstand dieser also unter treuem Vasallentum. Nach einem abschätzendem Blick, nickte er jedoch amüsiert.

"Warum nicht, in Euch scheint das Feuer zu brennen, dessen Eurer Herr Vater verlustig ging. Auch wollen Wir sehen, ob Ihr Euch auch auf das Waffenhandwerk versteht, die der Teilnahme zur Turney vorausgeht. Ihr wollt Euren Herrn doch nicht blamieren?"

"Ist es eine Blamage, wenn man gegen ausgeruhte Schranzen verliert?" Die Aussprüche die gegen den Junker geführt wurden, ließen den Jungen Mann kalt. Im Gegenteil, erkannte Gerofan doch ein Korn Wahrheit in des Mersingers Worten.

"So lasst uns Streiten, sodass die anderen Adligen wissen, mit wem Sie es zu tun haben. Mit wackeren Männern die ihrer Titel würdig sind und sie nicht im Saum der Rabenritter aufgesammelt haben!"

Texte der Hauptreihe:
K17. Welferts Mußestunden
4. Ing 1030 BF zur mittäglichen Praiosstunde
Welferts Mußestunden
Golgariten auf dem Weg

Kapitel 17

Inelde empfängt Dankwart
Autor:?