Trügerischer Schein - Teil 41: Im Bluthai I

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Dramatis personae:


Markgräflich Perrinmarsch, Perricum-Stadt, Hafen, Spelunke Zum Bluthai, Praios 1034 BF, Spät Abends


Wie besprochen hatten sich Kor’win und Al’Arik bereits unter das Gesindel im Schankraum gemischt als Nedarna und Gerion in der Spelunke Zum Bluthai eintrafen.

Stimmengewirr umfing die Beiden, während sie sich zu einem freien Tisch unter einem der schmutzigen Fenster begaben. Die Luft war verraucht vom Qualm der unruhig brennenden Talgkerzen, die den Gastraum gerade ausreichend erhellten. Der Platz war gut gewählt. Konnten Gerion und Nedarna doch den gesamten Raum überblicken.

Nach und nach füllte sich die Spelunke immer mehr und mehr mit übelstem, lichtscheuen Gesindel.

Auch Kor’win und Al’Arik registrierten das Eintreffen der Raulschen die sich an einem Tisch am Fenster niederließen. Vorher hatte Al’Arik den Schankraum und vor allem die Gäste darin unauffällig begutachtet. Nichts was man nicht erwartet hätte übles Gesindel von Nah und Fern, einige meinte Al’Arik auch schon mal irgendwo gesehen zu haben, aber ob es nun auf einem Plakat war, auf dem nach ihrem Kopf verlangt wurde, oder ob es durch andere Umstände war konnte er nicht genauer sagen. Und auch sonst konnte er nichts erspähen was er an einem solchen Ort als ungewöhnlich bezeichnen würde.

Außer eines. Ein Tisch im Eck, auf dem bereits ein Becher und eine Flasche Wein standen, als warten sie auf jemanden, blieb leer. Während es an anderen Tischen rau zu ging, machte keiner auch nur Anstalten, sich dort Platz zu verschaffen.

Nedarna ließ derweilen ihren Blick über die anwesenden Gestalten schweifen, machte sich so mit ihrer Umgebung vertraut, während sie mit dem Edlen von Keres belanglose Themen zum Wetter, den Straßenzuständen und der diesjährigen Mirabellenernte anschnitt. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, wie ein dralles und sehr ansehnliches Weib Kor’win einen Becher Wein brachte. Als dieser ihr zuprostete, lächelte die Blonde und entblößte ihre schiefen, fauligen Zähne.

Der Ritterin fiel auf, dass bei aller räumlichen Nähe doch jeder versuchte für sich zu bleiben und sich nicht zu sehr für seine Umgebung oder den anderen an den anderen Tischen zu interessieren.

Auch Al’Arik bekam nach kurzer Aufforderung einen Becher und bemerkte, dass Kor’win zwar an seinem Becher nippte aber der Wein darin nicht weniger wurde. So tat er es ihm gleich, nur dass jeder vierte Schluck eine echter war.

Kurze Zeit später öffnete sich die Tür zum Schankraum wieder einmal und eine gut gekleidete Person, auf die die Beschreibung Harbens passte, trat ein. Blondes, lockiges Haar fiel ihr über die Schultern. Die vollen Lippen glänzten wie auch der Stein, der an einer goldenen Kette über ihrer Mitte hing, blutrot. Quer über den Hals zierte eine Narbe, von einer Garotte stammend, ihre Haut. Die eiskalten Augen straften allerdings dem Lächeln das ihre Lippen umspielte Lügen und gaben dem Gesicht einen grausamen Zug.

Nedarna blickte etwas erstaunt zu Gerion. Harben hatte wohl vergessen ihren Begleitern ein kleines Detail mitzuteilen, denn offenkundig würden sie es mit einer Frau zu tun bekommen.

Auch Al’Arik blieb dieser nicht zu übersehende Umstand nicht verborgen und so zog er kurz eine Augenbraue hoch und blickte fragend zu Kor’win. Der ihn aber mit einer Geste zum Abwarten anhielt.

Ohne Umschweife steuerte ihre Zielperson auf den bereit gehaltenen Tisch zu, während sie sich noch im Gehen ihres grauen Umhangs entledigte. Eine daran befestigte teure Brosche blitzte beim Passieren einer Kerze kurz in deren Licht auf. Das blutrote seidene Hemd, welches nun zum Vorschein kam, fiel weich um ihren Oberkörper. Schwarze lederne Stulpen zierten ihre Unterarme. An ihre schlanken Beine schmiegte sich ein ebenfalls schwarzes ledernes Beinkleid, dass in weiche Stiefel gesteckt war. Um ihre schmale Hüfte war ein silberverzierter Gürtel, an dem zwei längere Dolche sowie mehrere Taschen hingen, geschlungen. Die Bewegung mit der sie sich an den bereits gedeckten Tisch setzte war geschmeidig und deutete auf eine gute Körperbeherrschung hin.

Nach kurzer Zeit trat ein Mann an ihren Tisch und setzte sich, nachdem sie ihm dies mit einem fast hoheitsvollen Nicken erlaubt hatte. Das allgegenwärtige Stimmengemurmel im Schankraum und die Abstände zwischen ihren Tischen erlaubten weder Kor’win, Al’Arik noch Gerion und Nedarna zu verstehen, was dort besprochen wurde. Das Geldsäcken allerdings, welches den Besitzer wechselte war nicht zu übersehen. Anschließend verabschiedete sich der Fremde und verließ umgehend die Spelunke.

Anscheinend liefen die Geschäfte gut, denn es folgten nach dem Fremden noch einige andere Personen. Der Ablauf blieb dabei stets der Gleiche. Nur dass manche der Personen ihre Dienste wohl eher heimlich in Anspruch nehmen wollten. Begleitet von verräterisch heimlichtuerischen Gesten war die Kapuze oder der Hut tiefer ins Gesicht gezogen und es blitzte ein edler Ring am Finger oder feine Seide und Spitze einem scheinbar einfachen Mantel auf, was Al’Arik ein grimmiges Lächeln aufsetzen ließ.

Nur einmal erlebten sie, dass die Frau alles andere als einverstanden zu sein schien. Das Gesagte des augenscheinlich letzten Besuchers fand vermutlich nicht ihre Zustimmung, denn schlagartig wurden ihre Lippen schmal, während sie die rechte Hand zur Faust ballte, um auf den Tisch zu schlagen. Die Faust hatte die Tischplatte noch nicht einmal berührt, als schon zwei Kerle zur Stelle waren und den armen Tropf hinaus zerrten. Zuvor donnerten sie seinen Kopf noch derart heftig auf die Tischplatte, dass Becher und Flasche darauf leise zu tanzen anfingen. Auch beim Hinausschleifen demonstrierten sie ihre Macht, indem sie äußerst brutal vorgingen. Währenddessen steckte die Frau den zurückgelassenen Geldbeutel mit einem kaltblütigen Lächeln ein.

Al’Arik merkte sich sofort die Gesichter dieser Stiernacken und ihre Position im Schankraum und wägte dabei ihre Kampfesstärke ab in dem er auf ihre Bewegungen achtete die ihm Kraft, Schnelligkeit und Geschick verraten sollten. Außerdem sondierte er den Schankraum auf die Reaktionen der Gäste und ob sie verrieten, wer noch dazu gehören könnte. Allerdings schien niemand weiter auf diesen Zwischenfall zu achten, oder besonderen Anstoß daran zu finden. So oder so zweifelte er nun umso mehr an dem Plan der Jäger, was ihm nur recht seine konnte, war ihm ein guter Kampf doch viel lieber als diese Heimlichtuerei.

Das Stimmengemurmel im Schankraum, welches während des Vorfalls kurzzeitig erstorben war, hatte wieder eingesetzt. Nedarna fragte sich gerade, ob dieses Vorgehen wohl der Abschreckung dienen sollte als Ri’djeto den Schankraum betrat. Ein Blick auf Gerion bedeutete ihr, dass auch er ihn gesehen hatte. Es ging los.

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Texte der Hauptreihe:
K45. Im Bluthai I
Pra 1034 BF
Im Bluthai I
Zum Entermesser

Kapitel 45

Im Bluthai II