Geschichten:Auf den Spuren Ongaloschs - Im Schatten der Knochenpilze

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von Thorsten

Raschtulswall, Markgrafschaft Perricum Baronie Sturmfels Ongaloschs Kate

Dramatis personae:

Gehüllt in das eiskaltem Geisterfeuer des Drachen schien Odilberts Fall unendlich. Alleine die Rezitation seiner Liturgie schenkte ihm Vertrauen in die wärmende Flamme des Herrn der Glut. Stoisch wiedersetzte sich der Ingerimm Geweihte dem unheiligen Feuer und der unausweichlichen Konsequenz seines Sturzes. Sein Vertrauen in die Flamme war absolut. Sie wärmte ihn, schloss ihn behaglich ein und gab ihm Zuversicht. In einem Zustand der Entrückung schlichen sich alsbald Bilder in seinen Verstand. Die brodelnde Glut des heiligen Schlundes. So heiß! Seine Geliebte Giesemine, die so verändert aus der Schlacht an der Gaulsfurt zurück kehrte war. So traurig! Sein Sohn Goldwart, dem das Schicksal eine so schwere Bürde mit auf dem Weg gegeben hatte. Wie er sie vermiste. Wie konnte er sie zurücklassen. Da vernahm er Goldwarts Stimme. Ganz klar und nah an seinem Ohr. "Vater, wach auf!"

Odilbert schreckte aus seiner Ohnmacht auf und pustetet einen goldenen Funkenschwall in die Finsternis die ihn umgab. Sein Leib brannte vor Schmerzen. Doch lag er weich und irgend wie feucht. Er rollte sich auf alle Viere und tastete den schleimigen Boden ab. Wo war er gelandet? Weit über ihm bebte der Kampf mit dem Drachen. Die Finsternis war nicht absolut. Ein weißes Licht sickerte von einer Anhöhe in die Höhle in die er gefallen war. Doch reichte das wabernde Schimmern nicht, um etwas zu erkennen. Ein Rasseln ganz in seiner Nähe schreckte ihn auf. Er war nicht alleine hier Unten. Odilbert tastete hektisch an seinem Gürtel. Die kleine rituelle Laterne schien noch intakt. Das Rasseln und Klicken wurde lauter. Bedrohlich nah halte es in der Höhle wieder. Ein kurzer Feuersegen entfachte den Lichtspender den Odilbert schnell hoch riss und wild um sich leuchtete. Etwas zog sich schnell in die Finsternis zurück, die das gesegnete Lämpchen nach wenigen Schritten nicht zu durchdringen vermochte. Mächtige Pilze umgaben den Geweihten. Schleimiges Geflecht überwucherte den Boden und hatte seinem Fall ein weiches Ende geboten. Goldglänzende Sporen wirbelten im Lichtschein. Ein erster Versuch aufzustehen wurde durch einen stechenden Schmerz in seinem Knöchel durchkreuzt. Wieder auf den Kniehn, sah Odilbert seine Prospektorenhacke wenige Armlängen neben sich am Boden liegen und robte eilig auf sie zu. Aus den Augenwinkeln vernahm er das sich windende Gezücht in den Schatten des fungiden Waldes. Auf den Schaft seiner Hacke gestürzt vermochte er auf die Beine zu kommen und humpelte vom Klickern in den Schatten gehetzt, den bewucherten Hang empor, über dessen Kamm das milchige Leuchten in dieses Hypogäum schien. Stoisch arbeitete er sich dem Licht entgegen nach Oben, bis ein Gedanke in sein erschöpftes Bewusstsein schlüpfte. Eine Erkenntnis die er für einen Moment nicht länger verdrängen konnte und Ihn ins wanken brachte.

Kurz vor dem Grad des Hanges brach Odilbert schweißnass auf die Kniehe. Was wenn...Mit beiden Händen fing er an zu graben. Tiefer und tiefer legte er das Substrat frei, von dem dieser Wald seit Jahrhunderten zehrte. Schaufelte bei Seite was er bei seinem Aufstieg für dünne Stöckchen hielt, die unter jedem Schritt unter ihm zerbrachen. Bis seine zittrigen Hände die vermeintliche Antwort ertasteten, die er nicht wahrhaben wollte. Oh Giesemine, oh Goldward. Wie lasse ich euch zurück? Aus dem zerschlagenen Schädel in seinen Händen grinste ihn die Erkenntnis an. Tod. Ich bin verbrannt, zerschmettert und Tod. So liege ich dort hinter mir in der Finsternis und die Asswürmer kommen nun und hohlen sich was über ist. Das rasselnde und klickende Crescendo aus der Finsternis hinter ihm drohte seinen Verstand weg zu spülen.

"Weiter Vater, Weiter! Du musst weiter gehen! Eile zum Licht!" Der Junge wälzte sich schweißnass in seinem Bettchen und fantasierte vor sich hin. Giesemine wuste nicht mehr weiter. Sie war nach den erschreckenden Ereignissen an der Gaulsfurt mit ihrem Sohn hier in den Hangwald gezogen um Ruhe für sich und den Jungen zu finden. Die Abgeschiedenheit ihres Familienstammsitzes tat Goldward anfangs gut. Seine Alpträume hatte sich gelegt. Bis er ihr von den Stimmen berichtete, die ihn rufen. Dann war der Junge ihr entfleucht. Drei Tage der Sorge und der Vorwürfe hatten sie zermartert. Bis der alte Witterich ihn zurück brachte. Gefunden hatte er ihn, betäubt von den vulkanischen Dämpfen der Tränenklamm. Seit dem wälzte sich ihr kleiner Goldward in Alpträumen, aus denen er nicht mehr erwachen wollte. "Oh Witterich was kann ich tun?" flehte sie. Doch der Alte gab ihr nur die Antwort, die sie nicht hören wollte. "Nichts. Er hat die Gabe. Wir können nur abwarten. Es geht vorbei. Und dann werde ich ihn zu mir nehmen und ihn lehren es zu beherrschen. Die Klamm braucht ein neues Orakel, das nach mir folgt und den Willen des Berges verkündet" Giesemine ließ die Schultern hängen. Goldward schrie in Trance wieder auf. "Vater zum Licht. Der weiße Wurm kommt!"

Dann riss die Stimme Odilbert aus seinen Gedanken. Sie war so nah, als würde Goldwart dort oben hinter dem Hang im weißen Licht stehen. Nein, Golgarie muste heute noch warten. Odilbert beschloss, das er, sei er nun tot oder lebendig hier unten in diesem Zwergengrab begraben, wenigstens noch ergründen könnte, was hinter dieser Anhöhe aus Zwergengebein so geisterhaft schimmerte. Das Grollen des Kampfes über ihm schwoll wieder an. Das Kreischen des Geisterdrachen ging durch Mark und Bein. Hinter seinem schweißnassen Rücken, kroch etwas den Gebeinberg empor. Odilbert riss sich hoch und stemmte sich zum Grad empor. Die Kreatur hinter ihm war nah. So warf er sich auf die andere Seite des Hanges und rollte herab. So brachte er sich recht schnell aus der Reichweite der Schrecken. Unten landetet er in einem feuchten Pilzgeflecht aus dem er sich aber schnell befreite. In dieser Senke, waberte das Geisterlicht zwischen dem mächtigen Pilzen des Urwaldes, der vielleicht einmal als Nahrungsquelle in diesen Kavernen unter Ongalosch gezüchtet wurde und nun Jahrhunderte wild wucherte. Odilbert durchstreifte den Wald hin zum Licht und bahnte sich seinen Weg mit seiner Hacke. Bis sich vor ihm mächtige, bleiche Gebeine wie eine archaisches Heiligtum erhoben. Er trat durch die hoch aufragenden Rippenbögen die ihm Geisterlicht badeten. Als sich seine Augen an das nun gleißende, pulsierende Licht gewöhnt hatten, konnte er die Quelle sehen. Dort wo die Halswirbel sich wie knochige Riesenschlangen zu den Drachenschädeln aufspalteten, lag der Karfunkelstein Isulfurs. Der Kampf seiner Gefährten mit der Essenz des Drachen weit über diesem Grab, ließ die Decke weiterhin erbeben, so das immer wieder Staub und Brocken aus der Decke regneten. Odilbert sah seine Möglichkeit den Kampf zu beenden und humpelte so schnell er konnte auf den Karfunkel zu. Fast hatte er das Seelenherz erreicht. Da gab der Boden unter ihm nach. Das Gespinst aus Pilzfäden sackte unter seinem Gewicht ein und zog ihn nach unten, in einen bodenlosen Schacht. Seine Laterne musste er loslassen, um beherzt in die Pilzhyphen zu greifen. Doch das glitschige Geflecht vermochte sein Gewicht nicht zu halten und sackte in die Tiefe. Erst ein kräftiger Schlag, der die Hacke in einem Felsspalt verankerte, stoppte seinen Sturz. Ein letzter Schrei des Drachen ließ noch einmal das ganze Gebirge erbeben. Eine mächtige Staubwolke fegte durch den Pilzgarten. Dann ebbte das geisterhafte Licht ab und es wurde dunkel und still um den Geweihten. Still, bis das Rasseln und Schaben wieder da war und sich ein beißender Vitriol Odem ausbreitete.

Odilbert fand keinen Halt an den glatten Wänden. Einzig sein fester Griff um die Hacke gab Sicherheit. Ein paar Steine, die von Oben in den Schacht nachrutschten, halten lange nach, bis sie in wieten Tiefen aufschlugen. Nach Unten war somit keine Option. Und wohin sollte er auch klettern, solange dort oben Etwas nach ihm suchte. Er musste auf den Herrn von Erz und Fels vertrauen, die Glut seines Zornes schüren und warten, bis die Kreatur dort Oben abzog. Wie lange Odilbert in seinem Loch hing und zu seinem Gott betete, konnte er nicht mehr abschätzen, als er Stimmen vernahm. Das Rasseln verstummte kurz so wie sich das Gemurmel näherte. Und dann erkannte er die Worte und viel laut mit ein in das Gebet.

"Der Herr ist mein Schmied, Mir wird an nichts mangeln, Er segnet mein Tagwerk und führet mich zu reichen Adern. Er erquicket meine Seele, Er führt mich auf rechtem Wege, Und himmlisches Feuer geht mit mir, um von seiner Kraft zu lobpreisen!"

Odilberts Herz machte einen Sprung als die Glut der Hoffnung in ihm aufloderte und eine kleine Flamme um seinem erhobenen Zeigefinger züngelte, den er nun der Öffnung über ihm entgegen reckte. Nun war es Zeit die Aufmerksamkeit der unreinen Kreatur auf sich zu ziehen und die geschürte Wut zu wecken. Die Kreatur kreischte nun vor Jagdlust und ein fetter, weißer Madenkörper erschien über der Öffnung. Ein gähnender Schlund, mit Zahnreihen gespickt, hauchte seinen niederhöllischen, beißenden Atem in den Schacht. Tentakeln die das Maul kränzten züngelten dem heiligen Flämmchen entgegen um es zu ersticken oder gleich den ganzen Arm heraus zu reißen. Der Geweihte rezitierte seinen ganzen Zorn dem geifernden Schlund entgegen, der sich nun auf ihn herab senkte.

"Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, Fürchte ich kein Unglück, Sein Hammer und Amboss schenken mir Zuversicht. Um seines Zornes willen! Hammer Alverans ,der ewig schlägt,zerschmettere deinen Feind!"

Odilberts Augen glommen vom heiligen Zornesfeuer als ein weiteres Beben durch die Höhle grollte. Gleich würde der Schlund sich über ihn stülpen und das Reißzahn bewerte Rundmaul den Geweihten zerschunden. Da löste sich ein mannsgroßer Stalaktit, als sei er zu keinem anderen Zweck über die Jahrtausende hier gewachsen, folgte der Schwerkraft, durchschlug den Nackenschild des Wurms mit solcher Wucht, das seine vordere Hälfte aus dem Maul des Monsters wieder hervor brach und riss den Archorhobei in die Tiefe des Schachtes.

Odilbert konnte sich im letzten Moment noch an die Felswand pressen. Wurde aber vom vorbeirauschenden feisten Schwanz getroffen und stahlharte Borsten rissen seinen Rücken auf. Odilbert klammerte sich mit letzter Kraft an seinen Hackenkopf, der weiter fest im Gestein saß, als sei er damit verwachsen.


Die Stimme seines treuen Novizen kam aufgeregt näher. "Seht! Das Licht kommt von seiner Lampe. Dort liegt sie. Meister wo bist du?"

Wenige Augenblicke Später wurde Odilbert aus seiner misslichen Lage befreit. Sein Schüler Gajus und die beiden Zwerge Toddie und Tedd hatten sich nach seinem Sturz einen Weg gesucht, der sie Tiefer in den Berg führte. Ein alter Ketten und Flaschenzug Mechanismus, der in einen Tiefen Schacht führte, hatte sie vor der Wut des Drachen gerettet und schnell in Tiefere Ebenen geführt. So wahren sie dem Einsturz der oberen Ebenen und dem sicheren Tod entgangen. Hoffnung für die anderen Expeditionsteilnehmer hatten sie wenig. Sie folgten langen Gängen und Treppen bis in diese Kaverne. Als ob sie jemand führen würde. Und dann sahen sie das Glimmen des ewigen Lichtes aus Odilberts Laterne in der Finsternis. Gajus hatte eine Tinktur aus seiner Gürteltasche gezogen und trug sie auf Odilberts Rücken auf. "Großvater gab sie mir mit auf die Reise, Onkel. Das wird deine Wunden schließen." Der erschöpfte Geweihte musste sich kurz erholen und legte sich unter den Rippenbögen des Drachen in die weichen Flechten.

"Was tut ihr da?!" fauchte Odilbert die beiden Zwerge an, als er aus einem kurzen Nickerchen aufschreckte. Tedd und Toddie fuhren ertappt herum. "Nichts Herr... Hinn! Nichts... besonderes. Wir haben uns nur mal diese Knochen angeschaut und da haben wir...." Das Karfunkelherz pochte wieder im blauen Licht. Es bestand aus drei zahnartigen Splittern. Drei verwachsene, ditrigonale Skalenoeder wie Odilbert erkannte. Toddie hielt die linke Seite und Tedd die Rechte. "Schmeißt ihn weg! Er erwacht!" brüllte Odilbert und Toddie ließ sofort los. Tedd jedoch wich mit dem Stein in der Hand zurück. "Nein, nein, mein Herr. So seht doch wie wertvoll er ist. Ich könnte ihn schleifen. Zu etwas...zu etwas...Wunderbarem!" stammelte er, während das Geisterlicht um seine Hände pulsierte und seine Augen zum leuchten brachte. Odilbert hatte sich mit einiger Mühe, auf den Schaft seiner Hacke gestützt erhoben und wollte den Zwerg mit seiner Autorität zur Besinnung rufen. Doch da packten zwei Tentackeln aus dem Schacht Tedds Beine und rissen ihn um. Auf dem Bauch liegend wurde der Zwerg vom Ungetüm zum Schacht gezogen. Doch der schreiende Zwerg versuchte nur den Stein fest zu halten. Die anderen Drei setzte ihm nach und Toddie erreichte mit einem Sprung nach vorne die Hände seines Bruders. So wurden nun beide zum Schachtrand gerissen, aus dem sich gierend der halb gespaltene Schädel des weißen Wurmes erhob. Zwei weitere Tentackelarme, die der gespaltenen Hälfte des Schädels entsprangen, peitschten unkoordiniert über ihre Köpfe hinweg. Odilbert konnte in den verstärkten Gürtel Toddies packen und mit dem anderen Arm, einen mächtigen Rippenknochen umschlingen. So stoppte der kräftige Geweihte die Rutschpartie mit schierer Muskelkraft. Doch das schiere Gewicht der weißen Made würde die Kette der Gefährten bald zerreißen. Odilbert und Toddie brüllten auf Tedd ein, dessen Verstand vom Geisterlicht vernebelt war. Geistesgegenwärtig sprang Gajus zu einem der Drachenschädel, riss seinen Meißel vom Gürtel und schlug einige Zähne aus dem Kiefer. Schnell lud er seine Steinschleuder mit den Zähnen, die er ergreifen konnte und feuerte zwei der spitzen Geschosse in schneller Folge auf die Tentakeln ab, wären er auf das Loch zu ging. Einer verfehlte, der andere zerschnitt die Tentakel zur Hälfte. Ein Drachenzahn blieb für einen gezielten Schuss aus nächster Nähe. Gajus visierte den intakten Fangarm an, als er von einem der umher peitschenden Arme am Kopf getroffen wurde und zu Boden ging. Blut lief über seine Gesicht. Benommen hob er erneut seine Schleuder. Zielte. Und da zerbarst der Kristall. Begleitet von einem markerschütternden Kreischen des Drachengeistes in ihren Köpfen, wurde Tedd mit zwei Splittern in den Händen in das Maul gerissen. Toddie hielt den dritten Teil in seinen Händen, als er mit ansah, wie sein Verwandter vor seinen Augen im Maul des Archorhobei zersägt wurde und die feiste Made im Geisterfeuer brennend in den Schacht hinab stürzte.

Es blieb nicht viel Zeit zum Trauern. Ein Grollen aus den Tiefen des Berges zwang sie zu einem schnellen Aufbruch. Stundenlang irrten sie durch Stollen immer tiefer in den Berg. Folgten einer Spur der Verwüstung, die der Drache zu seinen Lebzeiten hinterlassen hatte, als er sich einen Weg in sein Grab bahnte. So ein Großes Vieh muss irgend wo herein gekommen sein. Sie überbrückten die Übergänge die vor Urzeiten zerbarsten. Überwanden umgestürzte Mauerreste und zwängten sich unter herab gestürzte Deckenabschnitten hindurch. Dann folgten sie einem Wasserlauf durch einen großen Stollen hinab ins Freie. Die Zwerge hatten diesen Entwässerungsstollen für die Wassermassen, die bei Regen aus dem Berg mussten, zu groß geplant. Dort wo sich ein Wasserfall aus der Bergflanke ergoss, war das Verderben einst in die Festung eingedrungen. Der Abstieg war mühsam und die Stimmung gedrückt. Erst nach Tagen fanden sie Spuren der anderen Expeditionsteilnehmer und erreichten sie auf einem tiefer gelegenen Plateau. So Viele waren im Berg geblieben, der wie ein mahnender Finger über ihrem Lager aufragte.