Geschichten:Sommer auf Rosskuppe - Ein Leutnant auf Umwegen

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Breitenau

Grenzreiterlager in der Baronie Donfanger

Mitte Ingerimm 1033 BF

Dramatis Personae

Es war noch dunkel als Praoilin alle weckte, aber das Madamal stand hoch am Himmel und in seinem Schein war alles grau. Das Lagerfeuer hatte er wieder leicht angefacht und auf einem improvisierten Tisch lag ihr Frühstück.

Urion trat aus dem Zelt und goss sich aus einer verußten Kanne heißen Tee in einen Becher. „Guten Morgen. Die Grenzer werden vermutlich in einer halben Stunde abrücken. Am Ausgangspunkt erfolgt dann die Befehlsausgabe durch Leutnant von Bärwitz. Unsere Pferde werden schon vorbereitet, so dass wir und nicht eilen müssen.“ Er nahm ein zweiten Becher, füllte diesen und reichte ihn Ardo. „Die Übung fängt erst dort an, weil wir sonst schon einen Lage bräuchten, um hin zu kommen. Ich bin aber trotzdem gespannt, weil ich ja zusätzliche Ausrüstung befohlen habe und die muss die Schwadron ja jetzt schon dabei haben.“

Die Pferde wurden gebracht und bis auf Praiolin saßen alle auf. Lansam führten sie ihre Tiere durch das Lager und stießen auf die Schwadron, die geordnet, jeweils zwei Reiter nebeneinander auf den Marschbefehl wartete. Nach kurzer Zeit kam auch Leutnant von Bärwitz mit dem Fähnrich und setzte sich an die Spitze des Reitertrupps. Er winkte Weibel von Jungingen heran. „Ihr reitet voraus, den Weg zu erkunden.“ Der Weibel wandte sein Pferd und preschte im Galopp durch das Tor. Der Leutnant hob die Hand und wies nach vorn: „Zweite Schwadron, im Trab vorwärts marsch!“

Urion lenkte seinen Rappen etwas abseits, um nicht direkt dem aufgewirbelten Staub ausgesetzt zu sein. Die Torwachen waren von Soldaten des Wachtritters abgelöst worden. Als er die anderen hinter sich wusste, trieb er ANTLITZ zu einem schnellen Trab an, so dass langsam an der Schwadron vorbeiritten. Im Vorbeireiten besah er sich die Ausrüstung der Soldaten. Er konnte keine Mängel feststellen.

Als sie auf der Höhe des Schwadronsführers waren beschleunigte Urion erneut zu einem langsamen Galopp, während die anderen ihm folgten. Die kühle Luft des Morgens pfiff ihnen um die Ohren und trieb Mechthild kleine Tränen in die Augen. Sie folgten den Spuren des Weibels auf einem Waldweg. Nachdem sie eine halbe Stunde geritten waren, verlangsamte Urion das Tempo. „So, Ardo, jetzt will ich ausprobieren, was der Leutnant wirklich vom Weibel wollte. Hat er ihn nur vorgeschickt, weil er sich nicht zu orientieren weiß, oder sollte dies wirklich eine angedeutetes Vorauskommando sein. Aber auch dann wäre es falsch, weil zu schwach.“

„Wir werden hier dem Pfad gen Rahja folgen und eine deutlich Spur legen. Ich reite noch etwa zweihundert Schritt weiter verwische meine Abdrücke und die des Weibels. Rondrian, wir treffen uns dann an der alten Rondra-Eiche. Der Marsch zur Anhöhe ist eigentlich nicht schwierig. Wenn der Leutnant sich allerdings auf seinen Weibel verlässt, muss er eine neue Entscheidung treffen. Dann bekommen wir bald Besuch an der alten Eiche. Kennt er den Weg reitet er weiter den richtigen Weg. Ich bin gespannt.“

Urion sprang auf den Waldboden und besorgte sich ein paar Äste und Reiser. Dann band er sie an ein langes Seil und zog sie hinter sich her. Seine Hufabdrücke und die des Weibels verschwanden auf dem trockenen Waldpfad, der gen Praios führte.

Rondrian wendete sein Pferd und führte Ardo und Mechthild zügig aus dem Wald auf eine Ebene, in dessen Mitte auf eine kleinen Anhöhe eine einzelne uralte Eiche stand. Der große Baum war von einer kleinen Steinmauer eingefasst. Hier saßen sie ab und warteten auf Urion, der kurze Zeit später in schnellem Trab angeritten kam. Als er abgesessen war, gab er die Zügel an Mechthild weiter die mit den anderen Pferden in der Deckung des Hügels stand.

„Die Spuren sind verwischt. Dort am Ende der Rodung geht ein Weg entlang, an dem die Schwadron eigentlich vorbeikommen müsste, wenn sie den normalen Weg reitet. Wir können sie also nicht verpassen.“

Es dauerte etwa eine halbe Stunde bis sie das Schnauben von Pferden aus der Richtung vernahmen, aus der Ardo, Mechthild und Rondrian gekommen waren.

„Ich hab es gewusst! Das ist wirklich unglaublich, Urion brauchst du noch mehr Beweise?“, fragte Rondrian.

„Warte ab, Bruderherz. Ich will mir ein deutliches Bild machen und herausfinden woran es liegt. Dann kann ich entsprechende Maßnahmen ergreifen. Da jetzt bewiesen ist, dass der Leutnant schon wieder einen seiner Unterführer vorgeschickt hat, werden wir jetzt in einem großen Bogen zur Anhöhe reiten. Wenn der Leutnant unserer Spur folgt, wird er zu spät kommen. Seht gen Rahja den dünnen Streif am Horizont. In einer halben Stunde dämmert es. Und wir sollten vorher auf der Anhöhe sein.“

Sie bestiegen die Pferde und führten sie nach Osten. Im Schutz einiger kleinere Buschgruppen gingen sie in einen schnellen Trab über. Nachdem sie etwa zehn Minuten geritten waren, bogen sie in südlich Richtung ab. Dann wandten sie sich wieder nach Südwesten und erreichten die Anhöhen kurz bevor sich der der Himmel im Osten aufhellte.

Oben angekommen sprach sie aus der Dunkelheit plötzlich eine Stimme an. „Halt! Stehen bleiben, keine Bewegung, ihr seid umzingelt. Parole: Finster?“

„Wacht!“ Ardo hatte intuitiv geantwortet, schließlich hatte auch er die Lektionen als Soldat gelernt. Auch wenn er hier die Vorhut erwartete, lag seine Hand nach dem plötzlichen Anruf doch sofort am Schwertgriff.

Weibel von Jungingen trat hinter einem Busch hervor. Statt seiner Uniform trug ein ein Tarnüberwurf, wie ihn Ardo von Urion kannte. Das Gesicht war mit Ruß geschwärzt, so dass man das breite Grinsen erst bei genauer Betrachtung sehen konnte. Ardo nahm die Hand vom Schwert und hob sie stattdessen zum Gruß.

„Herr Rittmeister, Hochgeboren, euer Gnaden, wo ist denn die Schwadron?“

„Das fragen wir uns auch, Weibel. Wir werden warten müssen bis sie kommt.“

„Wenn ihr erlaubt, werde ich Ihnen entgegen reiten?“,meinte der Weibel

„Nein, dass werdet ihr nicht tun, vielmehr legt ihr euch jetzt nochmal schlafen, und ich wecke euch wenn sie kommen.“

Der Keilholtzer wartete ab bis der Weibel außer Hörweite entschwunden war und wandte sich dann an Urion. „Zu lange sollte es aber auch nicht mehr dauern. Wenn er sich nicht trotz unserer Hufspuren unterwegs noch einmal verirrt hat. Immerhin war unser Vorsprung nicht übermäßig groß gewesen. Trödeln wird er sicher nicht, wenn er bemerkt, dass ihm die Zeit davon rinnt.“

Kurze Zeit später, die Praiosscheibe war noch nicht am östlichen Horizont zu sehen, aber es war bereits hell kam die zweite Schwadron in scharfem Galopp über die Ebene auf die Anhöhe zugeritten. Weibel von Jungingen hatte wohl gar nicht erst geschlafen, als er zu der Gruppe trat.

Leutnant von Bärwitz trieb seinen Braunen direkt den Abhang hoch. Er saß ab und meldete die Schwadron zur Ausbildung.

„Verspätet Herr Leutnant, verspätet,“ waren Urions einzige Worte und dann wies er die Schwadron an, abzusitzen und die Pferde zu versorgen. Die Befehlsausgabe sollte bei Sonnenaufgang erfolgen.

Die Soldaten folgten dem Befehl des Rittmeisters und der Leutnant zog sich mit seinem Bannerträger und Weibel von Jungingen zur Vorbereitung der Befehlsausgabe zurück.

Urion wandte sich den anderen zu. „Wir haben noch ungefähr eine viertel Stunde Zeit. Die brauchen die Pferde der Schwadron auch, um sich von der Hetze zu erholen. Der Befehl wird an die Ganze Schwadron ausgegeben. Bis dahin Mechthild kannst du dich nützlich machen und unsere Pferde versorgen.“

Langsam schritten die drei auf der Kuppe entlang während Urion sich erklärte. „Ich kann den Leutnant nicht vor allem rund machen. Dann bräuchte ich ihn nie wieder anderswo einsetzen. Er hat es vermutlich selbst gemerkt und wir wollen mal sehen, ob der kleine Wink ausgereicht hat.“

Zufällig wurden sie Zeuge als der Leutnant, der jetzt von seinen Unterführern umringt war, und die Zuhörer im Rücken hatte, befahl: „Der Befehl geht an die ganze Schwadron, Weibel Jungingen, sie sammeln die Soldaten rechtzeitig und lassen so antreten, dass sie Blick nach Norden ins Gelände haben! Weitermachen.“

Urion blickte Ardo und Rondrian erstaunt an. Er raunte ihnen zu. „Na, dass lässt hoffen. Besonders die Ansage mit dem Blick ins Gelände macht hier Sinn.“