Geschichten:Bund von Ochs und Bär - Ein Wiedersehen

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Dramatis personae:  


Praios 1034, Bärenau, Während der Festivitäten zum Bund zwischen Ochs und Bären  

Es war früher Abend, Edorian schlenderte über das Turnierfeld - er wollte sich hier mit seinem Bruder Aurentian treffen – als er an einigen Greifenfurtern vorbeikam die ihn mit abwertenden Blicken musterten. Als er an ihnen vorüber war, meinte er sogar einige Beschimpfungen gehört zu haben. Doch er ließ sich nichts anmerken, waren es doch nur Greifenfurter, also nichts woran man einen Gedanken verschwendete... im geheimen war er doch ein wenig stolz, dass sie ihn als Waldsteiner erkannt hatten.

  Edorian erreichte den Übungsplatz, sein Bruder hatte schon das Traning mit Jorris von Alka, einem Verwandten von Edorians verstorbener Gemahlin, beendet und wartete schon auf ihn.  

„Mein Bruder“, freute sich Aurentian, „schön dich zu sehen!“ Die beiden umarmten sich zur Begrüßung. „Die Freude ist ganz auf meiner Seite! Ich hoffe ich habe dich nicht allzu lange warten lassen?“  

„Nein, Jorris ist gerade gegangen, zu Schade dass du ihn verpasst hast.“  

„Ja, wirklich sehr schade, ich hätte ihn gerne wieder gesehen, es ist eine Zeit her.... Wo ist eigentlich Thalia?“ unterbrach Edorian sich selbst. „Wollte sie eurem Übungskampf nicht eigentlich beiwohnen?“  

„Ja, das hat sie getan, aber sie ist mit Jorris gegangen... Wonach ist dir? Ein Becher Wein vielleicht?“ Aurentian blickte seinen Bruder lächelnd an.  

„Mein Bruder, du kennst mich immer noch zu gut.“ Edorian lachte auf.  

Die beiden gingen über das Trainingsfeld, Aurentian erzählte Edorian über seinen Übungskampf, bis die beiden an der Wappentafel vorbei kamen. Edorian blieb stehen und musterte die einzelnen Wappen, als würde er ein Bestimmtes suchen. Beim Wappen von Anshelm von Mistelstein blieb sein Blick hängen. „Er ist also tatsächlich hier.“ murmelte er für Aurentian kaum verständlich in sich hinein.  

„Was hast du gesagt?“  

„Ehm nichts, ich habe nur mit mir selbst gesprochen.... nichts für ungut. Lass uns in der Stadt irgendwo einkehren – du versprachst mir Wein.“  

In der Stadt angekommen, kehrten die beiden in einem Gasthaus ein, welches die Kampfhandlungen der letzten Monde offensichtlich unbeschadet überstanden hatte. Gerade als sich Edorian bei dem Wirt nach einen freien Tisch erkundigen wollte, das Gasthaus war schon recht gut gefüllt, erblickte er eine ihm bekannte Person die mit einer edel gekleideten Dame an einem Tisch saß. In diesem Augenblick schien diese Person Edorian zu bemerken...  

  Ein Strahlen erhellte mit einem Mal das Antlitz des Mannes und ihre Augen trafen sich kurz, bevor er wieder die Adlige ansah. Seine Begleiterin dachte wohl, dass die Freude einer Ausführung ihrer Erzählung zuzuschreiben wäre, und drehte sich nicht um sondern sprach weiter.  

„Werter Anshelm ich bin froh, dass ich mit euch hierher gereist bin. Dies hat sie schlussendlich abgehalten mich zu begleiten.“ Geshla nahm einen tiefen Schluck von dem süffigen Roten den ihr Begleiter bestellt hatte. „Ich denke ihr könnt es nachempfinden wie es ist, ständig dem Druck ausgesetzt zu sein einen geeigneten Gatten zu finden.“  

Kurz war er aus Unaufmerksamkeit in der Versuchung nur zustimmend zu brummen, doch er erkannte gerade noch den Fallstrick seiner Baronin. „Für euch ist es mit Sicherheit von größerer Bedeutsamkeit, ihr herrscht über Gnitzenkuhl, und dieser Bund muss mit Bedacht begangen werden. Ich weiß die Sorge meiner geschätzten Eltern wohl zu teilen, wie ihr auch Hochgeboren sicher im Grunde Verständnis für die Mühen eurer Mutter Hochgeboren Olmerga habt, doch ich bin ein Mann der Künste, der Lebensart…des Geistes. Es ist für mich schlicht undenkbar sagen wir eines dieser… farblosen Geschöpfe an meiner Seite zu wissen, die sich weder für mich noch meine Werke interessieren. Dann doch lieber warten bis die Götter die Richtige schicken…“  

Geshla von Gnitzenkuhl musterte ihn aufmerksam. Sie vertrug einiges an Wein und ihr Ziel war es am heutigen Abend gewesen herauszufinden ob der Mistelsteiner, der normalerweise mit seinen Ansichten hinter den Berg hielt aus der Reserve zu locken. Also schien er also wirklich ebenfalls auf der Suche zu sein, wenn auch mit naiven Vorstellungen. Doch das passte zu ihm. Naiv und Weltfremd.  

„Eigentlich schade, dass ihr und Quanion euch so…unterschiedlich entwickelt habt.“ Pikiert warf er ihr einen Blick zu. „Hochgeboren ich kann euch nicht ganz folgen…?“ „Ihr könntet doch nun gemeinsam Turneyen bestreiten, Adelsfamilien kennen lernen und schließlich die Geeignete finden mit dem Segen der Familien.“ Wie eine Schlange beobachtete sie dabei wie Anshelms Wangen röter wurden. Quanion war ein Garant für Emotionen hatte sie fest gestellt.  

„Wir haben nichts mehr gemein, und mit Verlaub, ich könnte kaum in Ruhe daneben sitzen, wenn er um eine Frau freit. Ich halte zwar nichts davon sich sklavisch an einen Traviabund zu ketten, wenn Rahja einem andere Wege aufzeigt, doch wenn man…bisweilen schon Namen verwechselt verläßt man den Pfad der Götterfürchtigkeit und ist es nicht mehr Wert, dass man sich mit einem abgibt.“  

‚AHA, das war es also, was die beiden entzweit hat.‘ dachte Geshla befriedigt. Sie hasste es nicht zu wissen was ihre Vasallen umtrieb. Das Quanion kein Kostverächter war erklärte sicher auch die Spannungen zwischen ihm und seinem Vater, ihrem Vogt Roderick.  

Anshelm schaute mit einem mal auffällig über ihre Schulter zu einem anderen Tisch hinüber und winkte gar. Neugierig drehte sich Geshla um und fragte: „Habt ihr jemanden erkannt?“  

„Ja, dort drüben sitzt Edorian von Feenwasser, ein neuer Kunde. Sein Junkertum liegt hier in Garetien am Reichsforst. Ich wusste gar nicht, dass er auch hierher kommen wird. Habt ihr etwas dagegen, wenn sie sich zu uns gesellen? Er ist sehr unterhaltsam.“  

Der Blick der Baronin war skeptisch, doch da Anshelm wohl ohnehin nicht vor hatte mehr zu seinen Heiratsplänen preis zu geben, stimmt sie schließlich zu.  

Zielstrebig ging Anshelm nun hinüber und begrüßte die beiden Männer. „Die Götter zum Gruße, welch Überraschung euch hier zu sehen.“ Ein strahlendes Lächeln traf daraufhin Edorian. Sein Begleiter wurde kurz gemustert. „Mein Name ist Anshelm von Mistelstein. Ritter aus dem wunderschönen Perricum.“  

„Die Überraschung ist ganz auf meiner Seite! Fast hätte ich es nicht zu den Feierlichkeiten hier in Bärenau geschafft. Glücklicherweise war mir Phex holt.“ Edorian strahlte Anshelm an und richtet seinen Blick danach auf seinen Begleiter.  

„Wohlgeboren Anshelm von Mistelstein, es ist mir eine Ehre Euch kennenzulernen, mein Bruder hört gar nicht auf von Euch zu sprechen. Mein Name ist Aurentian Hal von Feenwasser, Ritter zu Eibenhain.“ Anshelm fiel nun auch die Ähnlichkeit der beiden Brüder auf, obschon Aurentian ein weinig kleiner war und dunkle Augen hatte und die blonden Haare etwas gelockt waren. Er war von sehr ansehnlichen Äußeren.  

„Würdet ihr uns die Freude erweisen zu unserem Tisch herüber zu kommen? Baronin Geshla und ich hatten gerade wenig erquickliche Themen und ich wäre dankbar weitere gesellschaftlichen Untiefen umschiffen zu können. Der Abend ist zu schön für derart schnöde Themen.“  

Sein jungenhaftes Grinsen verriet, dass er übertrieb.  

„Sehr gerne werden wir Euch und Eurer Baronin Gesellschaft leisten!“ Mit diesen Worten begaben sich die drei Männer an den Tisch wo Geshla bereits ungeduldig wartete.  

„Hochgeboren, darf ich mich Euch vorstellen, mein Name ist Edorian von Feenwassser, Junker zu Eibenhain aus dem verwunschenen Waldstein.“ Der Junker deutete eine Verbeugung an. „Dies ist mein Bruder Aurentien Hal von Feenwasser, Ritter zu Ebenhain.“ Auch dieser verbeugte sich höflich.  

Geshla von Gnitzenkuhl neigte erfreut über die Abwechslung das Haupt, und beglückwünschte sich im Stillen zu dem Entschluss selbst nur für den Besuch einer Schankstube nicht auf eine ausgewählt gutsitzende Kleidung verzichtet zu haben. Ihre dunklen Haare fielen in Locken auf ihre Schultern. Das sattgrüne Kleid mit den blauweißen Borten schmeichelte ihrer hellen Haut, indem es sie betonte ohne sie zu blass wirken zu lassen. Die Wangen waren durch den Genuss des Weines schon leicht gerötet sodass die Stola, die sie um ihre Schultern gelegt hatte nunmehr lose auf ihren Armen zu liegen gekommen war. Betont leise redete sie die Männer an:  

„Es ist mir eine Freude die Herren kennen zu lernen, zumal Ritter Anshelm euch schon zum Kreis seiner erlesenen Kunden zählen kann. Eine Freude, dass die Weine Zyrpicums schon ihre Liehhaber im garetischen finden. Darf ich fragen wie es dazu kam, dass ihr den Rebensaft kennen gelernt habt?“  

In einer kleinen Geste deutete sie auf die Plätze zu ihrer Linken und Rechten, sodass Anshelm wieder auf seinen Platz der ihr gegenüber lag zurück konnte. Interessiert musterte sie die Herrschaften, derweil sie auf eine Antwort wartete. Die Augen der Baronin waren erstaunlich dunkel sodass man fast den Eindruck gewann sie wären Schwarz.  

Die beiden Brüder setzten sich auf die ihnen zugewiesenen Plätze und Edorian war bemüht die Frage der Baronin zu beantworten. “Ich habe mehrere Götterläufe der Kaiserin als treuer Gesandter in Brabak gedient und habe auf meinem Rückweg nach Waldstein in Perricum Station gemacht. Zum einen, um mich nach der langen Überfahrt von Brabak zu erholen, zum anderen, um Geschäfte zu tätigen. Der heimatliche Weinkeller bedurfte neuer Köstlichkeiten wie mir aufgetragen wurde, auch wollte ich meinem Vater in Gareth eine Freude machen, er schätzt die perricumer Weine sehr. So wurde mir von einem äußerst hilfsbereiten Weinkenner Ritter Anshelm und die Zypricumer Weine anempfohlen.“ Edorian blickte einen kurzen Moment zu Anshelm rüber.  

„Hochgeboren, was haltet Ihr von den bärenauer Weinen?“ klinkte sich Aurentian vorsichtig in das Gespräch ein. „Wie ich hörte sollen sie durchaus sehr bekömmlich sein, doch sind sie sicherlich nicht von so hoher Qualität wie die aus Euren Landen.“  

Geshla ließ den Wein in ihrem Pokal kreisen. „Meine Meinung entspringt meinem persönlichen Geschmack, ich hoffe ihr versteht und verzeiht das?“ Sie nahm einen Schluck aus dem Pokal und sprach dann weiter.  

„Wenn ich von diesem Wein hier koste, dann erscheint er mir zu…kühl, zu herb, nicht rund auf der Zunge – ich verbinde mit ihm nichts. Ich bin kein Weinkenner, beileibe nicht, aber die Süße und Würze unserer Weine fehlt ihm.“ Versonnen sah sie in ihren Pokal und nippte noch einmal daran.  

Sie warf Edorians Bruder einen fragenden Blick zu und sprach zögerlich weiter um zu erklären was sie meinte. „Für mich ist es… als spürte ich die Wärme eines heißen Sommertages auf der Haut, röche die würzige Note unserer Böden- voll und kräftig aber auch lieblich, wenn ich von unseren Perricumer Weinen trinke.“ Anshelm sah sie amüsiert an. Eine überraschende Seite von seiner Baronin tat sich da auch für ihn auf. Dass sie ein feines Näschen hatte war jedem bekannt, dass sich dies aber auch auf die Einschätzung der Weine erstreckte war ihm neu.  

Aurentian folgte sehr interessiert den Ausführungen der Baronin und war fasziniert von ihrer detaillierten Auffassungsgabe. Die Schankmaid hatte inzwischen zwei Pokale mit Wein für die beiden Waldsteiner gebracht. „Aus Euch spricht jemand der seine Heimat liebt.“ Edorians Bruder nam einen Schluck aus dem Pokal. „Ihr habt Recht, auch ich verspüre keine emotionale Wallung bei diesem Weine. Für mich muss er... süffig sein....wie ein warmer Sommerregen.“ Aurentian schaute für einen Moment schwärmerisch ins Leere, man könnte die Bilder vor seinem geistigen Auge nahezu greifen, bis er sich wieder mit festem Blick Geshla zuwandte. „Auch ich bezeichne mich nicht als ausgesprochener Weinkenner, dies ist nur meine vielleicht naive Art die Dinge zu sehen.“  

Anshelm und Edorian schauten sich schmunzelnd an.  

Aurentian fuhr fort. „Leider gedeiht bei uns in Waldstein kein Wein.“  

„Mit verlaub, mein lieber Bruder, sehr wohl.“ warf Edorian ein. „Ich meine der Pfalzgraf von Sertis nennt ein paar Rebstöcke sein Eigen – doch ist dieser Wein ungenießbar.“ Der Waldsteiner lachte.  

„Und erst der Geruch von diesem Gesöff.“ Aurentian verzog amüsiert das Gesicht ein wenig...  

Überrascht sah Geshla erst zu Edorian und dann zu Aurentian, bevor sie selbst ebenfalls zu kichern anfing.  

„Hattet ihr denn schon Gelegenheit Anshelms Kunstfertigkeit was sein Geschick im Umgang mit Hammer und Meißel angeht zu bewundern? Auf Natternhöh wissen sie glaube ich schon gar nicht mehr wohin damit.“ Geshla zwinkerte dabei gutmütig in Richtung des Mistelsteiners bevor sie weiter redete. „Leider besitzt er die Starrköpfigkeit des Künstlers und macht keine Auftragsarbeiten und wildfremder Leute Köpfe stelle ich nicht auf Burg Friedberg aus, egal wie…interessant sie aussehen mögen. Bislang habe ich ihn noch nicht inspiriert. Vielleicht sollte ich mir was ausgefallenes einfallen lassen um seine Aufmerksamkeit zu erlangen.“  

„Leider hatte ich noch nicht das Vergnügen. Wisst Ihr, Hochgeboren, ich bin ein großer Freund der Steinmetzkunst.“ Aurentian machte eine kurze Pause und schaute kurz zu Edorian. „Ich selbst weiß um die Perfektion des behauenen Steines, allerdings von einer ganz anderen Perspektive als Wohlgeboren von Mistelstein – ich bin Baumeister müsst Ihr wissen....“ Aurentian schaute etwas verschämt auf seinen Kelch mit Wein.  

Um einer peinlichen Stille vorzubeugen sprach Edorian: „Ich versprach Ritter Anshelm bei unseren letzten geschäftlichen Aufeinandertreffen ihn einmal auf Natternhöh zu besuchen, ich brenne geradezu darauf, ihm bei der Arbeit zusehen zu dürfen....“  

„Und vielleicht wird mich mein lieber Bruder in die schönen perricumer Lande begleiten, hatte er doch noch nicht die Gelegenheit die Schönheit der perricumer Architektur zu bewundern “  

„Das ist doch eine wunderbare Idee!“ beeilte sich Geshla einzuwerfen. Sie wusste gar nicht, was in Aurentian gefahren war, schließlich war Baumeister doch ein ehrenwertes Handwerk.  

„Wenn es eure Zeit und die Geschäfte erlauben, besucht uns doch einmal in Gnitzenkuhl. Die Reichsstadt ist nicht fern, und auch bei uns gibt es sicher das ein oder andere begutachtenswerte Bauwerk. Wir Gnitzenkuhler haben ein…wie soll ich sagen, ein Bauwerk bei uns in der Stadt, das einer Umfunktionierung bedarf. Vielleicht könntet ihr es euch einmal ansehen? Es ist allerdings etwas umfangreicher was den Umbau anbelangt…!“ fügte sie noch schnell hinzu, als sie Anshelms erbosten Blick sah.  

Ihm dämmerte schon was sie meinte, doch war es offensichtlich, dass er seiner Baronin nicht widersprechen wollte.  

„Es wäre mir eine Freude, mein Bruder und ich werden Euch sicher bald einen Besuch abstatten sobald es die Zeit zulässt.“ Aurentian war sichtlich erleichtert darüber, dass seine Profession keine Irritationen ausgelöst hatte, das Gegenteil war sogar der Fall. „Sehr gerne werde ich Euer Bauwerk näher begutachten.“  

„Mein lieber Bruder liebt Herausforderungen.... er hat sein Handwerk bei den Angbarer Zwergen gelernt, so kann er sich rühmen einer der Besten in seinem Fach zu sein – zumindest einer der besten Menschen.“ Edorian lächelte Aurentian an.  

„Meine ehrenwerten Anwesenden, mit Schrecken habe ich soeben festgestellt, dass sich sämtliche Weinpokale unseres Tisches bereits geleert haben, gehe ich recht in der Annahme, dass es der Schankmaid bedarf um diese Unpässlichkeit zu beheben?“ Edorian schaute schelmisch in die Runde...  

Nachdem alle am Tisch Anwesenden diese Frage mit einem zünftigen `Sehr wohl´ beantworteten, winkte der Waldsteiner die Schankmaid heran und bestellte noch vier Pokale Wein.  

Es sollte nicht die letzte Runde gewesen sein und alle genossen den erheiternden Abend sichtlich. In einem passenden Moment, Geshla war mit Aurentian in ein Gespräch über ihre gnitzenkuhler Heimat vertieft, drehte sich Edorian zu Anshelm rüber. „Ihr reist doch sicherlich über Gareth zurück ins heimatliche Perricum. Wie wäre es mit einem Zwischenstopp in der Kaiserstadt Gareth? Meine Familie besitzt dort ein Stadthaus.“  

Anshelms Miene erhellte sich erst, nur um im gleichen Moment wieder zu verdunkeln. „Das hört sich wahrlich verlockend an, aber ich reise zusammen mit Quanion von Isenbrunn als Bedeckung für unsere Baronin.“ Anshelm wirkte etwas zerknirscht, man sah ihm an, dass er gerne Edorians Angebot angenommen hätte.  

„Dann sei eben die gesamte Gnitzenkuhler Delegation Gast in meinem Hause in Gareth. Unterhaltung wird die Kaiserstadt für jeden bieten!“ Edorian lächelte Anshelm an. Geshla, die dem Gespräch der beiden Männer mit einem Ohr verfolgt hatte, horchte nun auf.  

„…ich fürchte da muss ich euch einen Strich durch die Rechnung machen Wohlgeboren Edorian.“ Geshlas Miene drückte Bedauern aus, doch ihr Ton war Ernst. „Ich genieße eure Anwesenheit, nicht nur weil ihr und euer Bruder vorzügliche Gesellschafter seid- ihr habt es zudem geschafft mich vor den allgegenwärtigen Gedanken an die ungewisse Lage in Gnitzenkuhl abzulenken.“  

Ritter Anshelm von Mistelstein nickte ergeben und setzte an die beiden Adligen erklärend hinzu: „Es ist zu weiteren ungeklärten Todesfällen am Darpat und inzwischen auch weiter im Landesinneren gekommen wie uns just kurz vor Abreise zugetragen wurde. Die Pflicht ruft…! Scheinbar hat das Monster oder eben jene die diese Tode zu verantworten haben die letzten Rückschläge die wir ihnen zugefügt hatten wieder verkraftet und sie agieren weiter.“  

Man merkte, dass auch der Mistelsteiner ein Unbehagen verspürte, wenn er darüber sprach. Scheinbar war auch er der Meinung, dass sein Platz wohl eigentlich auf dem Gut sein sollte, auch wenn er zu gerne in Gareth verweilt wäre.  

„Ich denke, ich spreche auch für meinen Bruder wenn ich sage, dass wir Eure Anwesenheit auch sehr genossen haben, Hochgeboren! Ihr habt natürlich Recht, die Götter haben uns in unseren Stand berufen um unsere Pflichten nach zu kommen. Verzeiht mir, mir war nicht bewusst welch Schwierigkeiten Euch in der Heimat erwarten...“, nach einer kurzen Pause fuhr Edorian fort, „umso erfreulicher ist es es, dass Ihr und Ritter Anshelm trotzdem Euren Weg hierher gefunden habt. Auch ich sollte auf meine heimatliche Scholle zurückkehren... wie Ihr vielleicht wisst gären zur Zeit einige Spannungen zwischen der waldsteiner und greifenfurter Ritterschaft und ich finde mich selbst dort mehr involviert als mir lieb ist.“ Edorians Stirn durchzogen Sorgenfalten.  

„So Euer Angebot noch steht, werden mein Bruder und ich Euch in Gnitzenkuhl einen Besuch abstatten...sobald es unsere Zeit zulässt... es gilt eine baumeisterliche Herausforderung zu meisten.“ Aurentian warf Geshla einen erwartungsvollen Blick zu.  

„…aber ja doch, sehr gerne. Sobald es eure Zeit zulässt.“ Geshla lächelte die beiden Herren an.  

„Über die Zwistigkeiten der Greifenfurter mit den Waldsteinern ist uns einiges zugetragen worden. Ich hoffe ihr kommt aus diese Sache heraus, ohne viel Federn lassen zu müssen. Unsere Händel sind da anderer Art, noch wissen wir nichts genaues über den Feind.“ Ihr Gedanken schienen sie fort zur Heimat ziehen zu wollen, doch mit einem Kopfschütteln kehrte sie ihnen wieder das Gesicht zu. „Doch lasst uns diesen Abend nicht mit Gedanken an die alltägliche Sorgen beschließen. Ritter Anshelm hier soll am morgigen Tage frisch ans Werk, tritt er doch wie sein Freund Quanion von Isenbrunn, in der Tjoste an. Ich hoffe meine wackeren Streiter können sich behaupten…!“  

Die Baronin klopfte ihm wohlgesonnen auf den Unterarm, derweil ihr entgangen sein durfte, wie sehr er bei der Namensnennung von Quanion das Gesicht verzogen hatte.  

Edorian war Anshelms Reaktion mitnichten entgangen und wunderte sich, was es wohl mit den beiden Männern auf sich hatte... er würde morgen auf dem Turnier ein Auge auf beide werfen, beschloss er.  

„Mein Bruder wird morgen auch am Turnier teilnehmen, so sollten wir im Guten schließen, so dass unsere lieben Ritter morgen ausgeruht ihr Können unter Beweis stellen können.“ Edorian schaute erst zu seinem Bruder und dann zu Anshelm.  

Anshelm hatte sich wieder im Griff und antwortete nachdem er seinen Pokal geleert hatte. „Anlass zum Feiern werden wir hoffenltich nach dem Tjosten haben, denn eigentlich habe ich vor bei diesem Turnier endlich den Isenbrunner in seine Schranken zu weisen.“  

Geshla von Gnitzenkuhl warf ihrem Ritter einen strengen Blick zu den sie aber wieder ablegte als sie Aurentian ansprach. ‚Anshelm war nun wirklich kein begnadeter Lanzengänger, was hatte er nur?‘ fragte sie sich im Stillen.  

„Gut, dann werden wir uns morgen auf dem Feld treffen. Ich werde unter den Zuschauern sein!“  

„Ich hoffe ich werde Euch nicht enttäuschen!“ Aurentian freute es, dass die Baronin dem Turnier beiwohnen würde und hoffte, am morgigen Tage eine gute Figur zu machen.  

Die vier adeligen Herrschaften tranken nun ihre Pokale leer und man verabschiedete sich. Allen schien der Abend gut getan zu haben...