Geschichten:Bündnistreue – Donnerwetter

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Burg Aldengrund in der Baronie Aldenried, 9. Peraine 1043 BF:

"HAST DU ENDGÜLTIG DEINEN VERSTAND VERLOREN?"

Felan zuckte zusammen und duckte sich unter einem auf ihn zu fliegenden Zinnbecher hinweg. Was um so merkwürdiger war, als dass sonst Felan derjenige war, der in seiner Umgebung die Leute in Deckung gehen ließ.

"Aber, mein Schatz...", versuchte er es wie schon zuvor. Doch er wurde wieder unterbrochen.

"All die Jahre habe ich dich unterstützt. Ich habe zugesehen, wie du ein ums andere Mal deine Pflichten erfüllt hast, wie es sich geziemt, auch wenn vieles dabei war, was ich absolut nicht gutheißen kann! Aber ich habe auch alle deinen Launen ertragen! Frag die anderen, FRAG WULFGER, DU UNDANKBARER MANN!" Bei diesen Worten zuckte Felans Blick zu seinem Vetter, der äußerst betreten in einer der entferntest möglichen Ecken des Arbeitszimmer an die Wand gepresst stand und sich offenbar wünschte ein Magier mögen ihn aus diesme Raum zaubern. "Jalga, Du verstehst nicht. Die Ehre gebietet..."

"ICH VERSTEHE NICHT?!" Das Gesicht seiner Gattin war puterrot vor Zorn und ihre Stimme wurde gefährlich leise. "Hesinde, hilf! Hälst Du mich für ein dummes, schwaches Weib?!"

"Nein, natürlich nicht..."

"Hältst Du mich für in Fragen der Ehre unbewandert?"

"Auch das nicht..."

"Was fällt dir also ein mein Verständnis anzuzweifeln?! Oh, ich verstehe nur zu gut, Felan Rondrik von Schallenberg-STREIZIG! Weißt Du, was es bedeutet, wenn Du Unrecht hast und in diesem dummen Zweikampf fällst?!" Sie starrte ihn zornesblitzend an und in diesem Moment hätte man ihr Antlitz, das normalerweise von einem sanften Lächeln und mütterlicher Zuneigung geprägt war, für das der Kriegsgöttin persönlich halten können. Felan gefror beinahe das Blut in den Adern als sie diesen vollen Namen nannte, den sie vermutlich seit ihrem Traviatag nicht mehr so ausgesprochen hatte. Streitzig. Ihr Name, der in die Familie eingebracht worden war, als sie heirateten und den er gerne bei offiziellen Anlässen unter den Tisch fallen ließ. Und sie hatte sich nicht ein einziges Mal darüber bei ihm beschwert. Aber nun wurde ihm gewahr, was das für sie heißen musste. Und er hatte tatsächlich Angst, was geschehen würde, wenn er die Liebe und die Unterstützung seiner Gattin verlieren würde, die er tatsächlich mehr liebte und verehrte, als er es ihr seinem Wesen nach oftmals zeigen konnte. Felan schluckte stumm, während sie ihn mit dieser Mischung aus Zorn und Schmerz ansah, die so kurz davor stand in Verachtung umzuschlagen. Allein der Gedanke fühlte sich an, als ob sein Herz in einen Schraubstock eingezwängt und zerquetscht werden sollte. Da gewann Felan die Erkenntnis, was ihm wirklich wichtig war im Leben und er ging auf beide Knie vor ihr, die Hände bittend mit den offenen Handflächen nach oben erhoben.

"Jalga, ich bitte dich hiermit um Verzeihung für meine Verfehlung. Ich erkenne, dass ich Unrecht an dir getan habe. Und ich erkenne, dass ich mich habe hinreißen lassen zu etwas, was unserer Familie schadet, wenn ich verliere, da dann womöglich unsere Familie die Baronie verlieren könnte, und selbst wenn ich den Zweikampf gewinnen sollte. Es war unklug von mir unseren Verbündeten Leomar so vor den Kopf zu stoßen und ..." Er holte Luft und blickte dann Wulfger an. "Und ich möchte auch bei dir um Verzeihung bitten, Wulfger, dass ich in den letzten Jahren härter und gemeiner war, als Du es verdient hast. Ich erbitte Vergebung für unbedachte Worte, für meine Rücksichtslosigkeit und meinen Egoismus. Ich verspreche mich zu bessern und meinen Verstand künftig besser und kühler zu nutzen, das gelobe ich, bei Praios, Rondra und Hesinde."

Jalgas Gesicht wurde sofort milder, die Wut verschwand, doch es war da noch immer ein Schmerz in ihren Zügen, dass Felan merkte, dass es mehr brauchen würde als nur dieses Bitten um Entschuldigung, dass sie wieder vollständiges Vertrauen in ihn setzen würde.

"Ich...verzeihe Dir. Was leider nichts an der Lage ändert, in die Du unsere Familie gebracht hast. Aber wenn du versprichst dich künftig solcher Dinge zu enthalten werde ich dir versprechen dir meine Unterstützung nicht zu entziehen.", sagte sie, ging einen Schritt auf den Knienden zu und nahm seine Hände in die ihre. "Sonst Gnade uns allen die Zwölfe."