Geschichten:Bündnistreue - Neue Wacht I.

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Schloss Sammetmohn, Junkertum Feldwacht, Ende Ingerimm/Anfang Rahja 1043 BF

Im Galopp näherte sich eine Reitergruppe dem pittoresken Schloss Simmetmohn. Das Wasserschloss, gelegen in einem natürlichen kleinen See, diente der neuen Junkerin von Feldwacht als Sitz, wiewohl die junge Nebachotin selten hier war, da sie die Aufträge ihres Familienoberhauptes stets an andere Orte führten. Nun, in ihrer Abwesenheit, war das prächtige Schloss von Selo von Pfiffenstock und den seinen in Beschlag genommen. So der Haselhainer Gockel nicht mit den anderen großfürstlichen Rittern durch die großgaretischen Lande ritt, schlug er hier sein Lager auf. Seit dem das Bündnis mit dem Schallenberger an dem Zwiefelsen zerbrach, richtete sich sein Blick immer öfter gen Norden – in Richtung der Baronie Aldenried.

Selos Leibpagin Rudane beobachtete die aus der Ferne ankommenden Reiter und konnte sich vor Freude kaum halten als sie das Banner der Reiter erkannte: Es war das rot-goldene Banner der königlichen Domäne Neerbusch. Dies konnte nur eins bedeuten.

Fürwahr, als die Reiter ihr Ziel erreichten und vor dem Tor absaßen, sprang Leomar von Zweifelfels galant von seinem Hengst. Seine ritterliche Bedeckung, bestehend aus Bernhelm von Zweifelfels, Gishelm von Falkenstein-Sturmfels und Thallion von Greifstein tat es ihm gleich. Ebenso wie die beide Knappen Morgana von Sennenberg-Ruchin und Radulf von Bärenau.

„Rudane, mein Kind!“, sprach der Kronvogt von Neerbusch fast schon väterlich, „geleite mich zu meinem Freund Selo, es gibt viel zu besprechen!“ Mit Blick auf seine Begleiter fügte er hinzu: „Wartet hier!“

Rudane nickte eifrig und führte Leomar zu ihrem Herrn.

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Selo von Pfiffenstock war tief in seinen Gedanken versunken. ‚Immer diese schwerwiegenden Entscheidungen…‘, ging es ihm durch den Kopf und im Flüsterton sprach er einige dieser Worte auch mit aus und wiederholte sie noch etwa 4-5 Mal. ‚Immer diese schwerwiegenden Entscheidungen…‘ Sein Leben war nicht leichter geworden, vor allem seit der Fehde und seit dem offenen Zwist mit dem Pinselohrigen Felan. Doch seine Anverwandte hatte hier schon gute Ansätze getan und er hatte schon die eine oder andere weitere Witzigkeit dazu angedacht. Doch erst einmal lag diese äußerst schwerwiegende Entscheidung an – schwarz oder golden? Welche der beiden Prachtroben würde ihm besser zu Gesicht stehen bei seinem Unterfangen […]. Doch zu einer Entscheidung kam er nicht mehr, denn schon unterbrach ihn ein Diener und kündete seinen Freund Leomar an.

Mit wehenden Gewändern trat der Zweifelfelser ein, schritt so gleich auf den Perricumer Baron zu und breitete seine Arme aus.

„Selo, treuer Freund! Es mir eine Freude dich zu sehen. Wie ist es dir ergangen?“ Die beiden Männer umarmten sich herzlich.

Der Pfiffenstocker hatte die Angewohnheit immer einen Tick zu lang in einer Umarmung zuverharren, ließ Leomar dann aber aus seinem Griff, der fester und inniger war, als man dem kleinen Mann zugetraut hätte. Dabei flüsterte bzw. murmelte er seinem Freund seine Antwort ins Ohr: „Auch mir ist es ein Klangspiel der Gefühle, mein Getreuer. – Wie ist es mir ergangen?“ Selo wog seinen Kopf beinahe kindlich-spielerisch hin und her und verzog eine nachdenklich wirkende Grimasse. „Ich schätze das könnte man aus mehreren Blickwinkeln beantworten, da wäre die meine, die meiner Feinde, meiner „Freunde“, die meiner Feindes Feinde, die meiner Freundes Feinde und die derer die nicht so recht wissen woran sie an mir sind, was vermutlich die größte der genannten Gruppen ist. Aber das würde zu weit führen und war – wenn mich meine unglaublich gespitzten Sinne nicht täuschen – auch nicht deine Frage. Wenn ich aber alles genannte kurz zusammenziehe und die Quintessenz daraus abschöpfe, würde ich sagen, es geht mir gut. Denn jenem der sich dem ewigen Scheitern bewusst ist, kann nicht mit dem Gesicht im Schlamm landen, da er ohnehin darin liegt.“ Da war es wieder dieses einzigartige xeledonische Lächeln des Spötterbarons und Großgockels, den andere vielleicht schlicht wahn- oder lästerhaft bezeichneten - doch Leomar wusste um die darin liegenden Qualitäten. Baron Selo war per-sonifiziertes Chaos, allerdings nicht jenes im Sinne der Siebten Sphäre, sondern mehr eine urtümliche Kraft, die sich wirren, aber starken Gesetzmäßigkeiten unterwarf oder eben auch nicht. Der Pfiffenstocker schüttelte sich. „Ach ja, ich geriet schon wieder in verzückte Gedanken, wie steht es mir nur an – Wie geht es dir selbst mein Bester und Schönster aus dem Wunscheforst?“

„Dunkle Schatten legen sich schwer auf den verwunschenen Forst und meine Seele, liebster Selo.“ Aus den Augen Leomars sprach tiefe Sorge. „Widernatürliche Mächte zerren am Herzen Waldsteins und bindet die Kräfte meines Blutes, während am Grafenhof andere ihre Macht festigen. Meine Familie, wiewohl mitnichten Akteur der großen Fehde, hat viel verloren. Hocheneichingen, Lettichau – allesamt verloren. Nun gilt es zu schützen was in unserer Hand verblieben ist.“ Der Kronvogt von Neerbusch strich mit der Hand über die Scheide seines Schwertes Seelensäufer. „Als königlicher Vogt bin ich zur Untätigkeit verdammt und muss zusehen, wie meine Feinde an Macht gewinnen. Der Zwist zwischen Luchs und Doppelsäbel betrübt mich und stellt eine ungeahnte Gefahr für unsere Pläne dar, mein Freund. Wir müssen handeln!“

Der Mund Selos kräuselte sich, ein Auge kniff er zu. „Für wahr, dass düstere Zwiegesicht der Fehde traf dich und die deinen mit seiner ganzen Härte. Doch, wie ich schon sagte, niemand fällt wirklich, da der Fall doch ohnehin unabdingbar ist. Und mit dem Gesicht im Mist, denkt und handelt es sich gänzlich ungeniert, mein Gutster.“, der gekräuselte Mund pfiff noch ein kleines Lied, bevor Selo fortfuhr. „Und obdrein, mein Zweifelnder, ist da wo Scheitern ist auch immer Unscheitern, wie die Wellen des Perlenmeeres, auf und ab. Und während es dich traf, konnt ich doch gute Dinge tun. Da fällt der aberwitzige Streit mit dem Pinselohr kaum ins Gewicht und das letzte Wort ist dort noch nicht gespro-chen - aber kann noch warten. So grämt dich dies Gezänk vielleicht, doch tun sich uns doch auch ganz andere Möglichkeiten auf. Siehe: Ich bin Junker von Wuchsenwald in deiner Familie Schoß, meine mir verbundene Vetterin sitzt nun hier auf Feldwacht im Ochsenblutschen und der Luchsige hat mir den Einfluss auch noch nicht völlig in Landehr genommen und wird er auch nicht, solange er noch Vertrauen in sein albernes Göttinnenurteil hegt.“ Selo blinzelte einmal zu viel verschwörerisch…“Na, und was ergibt das, mein schöner Seelensäufer?“

Weiter in Teil II.