Geschichten:Die Katastrophe (Al’Katas Pu’ranuth) - Martok und die Stämme

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Im Norden der Baronie Brendiltal, Ende Travia 1039 BF

Missmutig schaute Martok auf das Zeltlager vor Besh hassal Ammay shar, es war sehr klein. Nur wenige Banner, Wimpel und Standarten kündeten von der Anwesenheit der Familien, Sippen und Stämme. Es waren nur wenige seinem Aufruf gefolgt.

Wütend schlug er auf die Balustrade vor ihm, so dass der Schlag durch seinen ganzen Körper fuhr und seine Rüstung schepperte. Seit der Beisetzung seines Vaters, dem sehr nützlichen Verschwinden Caihyns und seinem Aufruf waren fast zwei Monde vergangen in denen sich die Ereignisse überschlugen. Mit Caihyn waren auch einige Krieger der Söhne Kors gegangen, sie hatten Martok also auch die Treue versagt, die Verbliebenen standen allerdings auch nicht alle hinter ihm und es hiess einige warteten dieses Treffen ab. In Morganabad hatten sie auch eifrig über seinen Anspruch diskutiert, wie über so vieles andere. Diese Narren, Respekt gewann man nicht übers Reden, sondern über die Treue zu Praios und Kor und durch entsprechend hartes Durchgreifen. Sein Vater hatte das immer verstanden. Und nicht nur in Morganabad redeten sie, quer durch alle Stämme tuschelten sie wie die Waschweiber. Sie flüsterten andere Namen als den seinen. Einige riefen es sogar aus, wie dieser Sal von Blutauge. Auch wenn ihm so eine offensive Haltung mehr Respekt abrang verfluchte er den Ammayin-Nebachote aus der Nachbarbaronie. Erneut schaute er über die Zelte vor ihm, die Haselhainer waren fast geschlossen erschienen, er hatte die Pfiffenstocker noch in der Hand, wenn er ihnen versprach was sie hören wollten, dann würden sie auch ihren Vasall, den Blutauge, im Zaum halten. Wobei er auch gehört hatte, dass diese hier zur Schau getragene Einheit des Nachbarn brüchiger war als sie vorgaben. Auch ihr kränklicher Anwärter stand in der Schusslinie. Recht so. Wenn es ihm schon nicht vergönnt war die Stämme mit Leichtigkeit hinter sich zu vereinen, dann sollte es diesem schwächlichen Jungen auch nicht besser gehen. Doch der Gedanke gab ihm keine Genugtuung, da schon wieder eine Gruppe ihre Zelte abbaute und im offensichtlichen Streit mit anderen davon zog, während kaum neue hinzustießen. Auch das Lager der Korbrunns, treue Anhänger seines Vaters war sehr klein und die wichtigsten Vertreter ließen auf sich warten. Darüber ärgerte sich der Kapathan der Diamantschädelreiter am meisten. Wichtige Vertreter der Greifenwachts, Turatals und viele Brendiltaler waren angereist, aber gerade die durch seinen Vater mächtig gewordenen Korbrunner stellten sich an, das würden sie noch bereuen wenn er erstmal bestätigt war. Und das würde er, zur Not auch mit einer Minderheit an Stimmen, den Rest würde er sich im Laufe der Zeit mit Praios‘ Gerechtigtkeit und Kors Härte erkämpfen. Gerade bei den aranischen und den Westnebachoten müsste er sich Respekt verschaffen, diese hatten nur wenige, meist unwichtigere Vertreter den Weg antreten lassen. Nur wenige ihrer Banner wehten im Wind. Der Zorn fuhr in Martok hoch, es waren generell zu wenige. Was bildeten sich diese Hundesöhne ein? Er war einer der größten Veteranen ihres Volk, ein vehementer Streiter für Praios und Kor, der Kapathan einer der traditionsreichsten Kriegerscharen der ihren und Sohn des großen Eslams. Wenn auch nur ein Bastard. Vielleicht müsste er sich mehr auf sein Raulsches Erbe stützen und sich der Markgrafschaft anbiedern um die Nebachoten zu einen. Doch allein der Gedanke widerstrebte ihm, er war kein Raulschenfeind und schon gar kein Sultanist, aber stolz auf seine nebachotischen Wurzeln. Wütend warf er sich rum. Es war Zeit sich vorzubereiten, egal wie wenige hier waren.

Seine Stimmung wurde nicht besser als er in voller Rüstung vor die versammelten Nebachoten trat, auf seiner Brust das schwarze Ross Brendiltals vor einer mehrstrahligen Sonne, sein neues Zeichen. Die Reaktionen waren verhalten. Seinem Vater hatten sie noch frenetisch zugejubelt, ihm hingegen gedachten sie nur mit spärlichen Rufen und Johlen. Armselig, dieses Wort drängte sich ihm auf und schürte die Wut in ihm, die nahe dem Siedepunkt war. Die Seinen bauten sich demonstrativ neben und vor ihm auf, eine Wand aus gestandenen Kriegern die ihn von der überschaubaren Menge trennten. Er gab ein Zeichen und die Geräuschkulisse verstummte, langsam. Er zähmte seinen Zorn und hob an: „Nebachotän und Vasallän, wir findän uns hier in traurigär Stundä. Main Vatär där großä Eslam von Brändil’tal ist übärgäträten, där Sohn sainäs Sohnäs, mainäs Brudärs wurdä uns als Anfuhrär gänommän. Und ich tragä nun die schwäre Burdä ihr Värträter und Nach’foulgär zsu sain. Und ihr, diä hohän und ädlän Furstän und Obär’haiptär unsärer Stämme und Familiän sait gäkommän wail ich eich rief. Dänn aire Treie ist mir Härzensangä’lägenhait.“ Er ließ den Blick über die Menge streifen, die Korbrunner hatten sich nicht zu den Reihen vor ihm gesellt und vorallem konnte er ihre Anführer nicht erblicken, nur eine Standarte in der Mitte der Menge, die – und da stutze Martok – in blutroten Farben leuchtete, das Zeichen für Krieg. Was sollte das? In diesem Moment löste sich eine Delegation der Haselhainer aus der Menge unter ihnen der kränkliche Jungbaron und sein Onkel, sowie Sal von Blutauge. Sie machten Anstalten sich zu den Seinen zu gesellen. Martok hin und her gerissen zwischen der Korbrunnschen Standarte und der Überraschenden Aktion der Nachbarn rief ungehalten: „Halt! Wasz soull das?“ Abrupt blieben die Haselhainer stehen und ein Rauen ging durch die Menge. Siyandor von Pfiffenstock, hinter ihm sein Leibwächter, Hakim von Lanzenruh, und Sal von Blutauge traten vor. Mit recht leiser Stimme sprach er: „Sai gägrußt, Martok von Brändil’tal, Sohn des Großän Eslams. Ich bin verwirrt ob Airär rabiatän Begrußung. Ich - Hasälhain ist hier um Aich die Aufwartungh zu machän und dir unsäre Fordärungän zu ställen, die wir gemainsam mit Aich bäsprächän wolltän, doch ließt ihr uns värtrostän. Nun wolltän…“, da unterbrach der Kriegsveteran den Jungen: „Nain!“ Ein Seitenblick auf die Standarte der Korbrunns und die wild argumentierende Menge machte ihn fahrig und wutentbrannt, die Standarte troff vor Blut, erstaunt beäugt von den Umstehenden. Dann fuhr er wieder herum, die Wut ob der Situation stieg ins unermessliche. „Fordärungän? Ain Jungä will mir Fordärungän ställän. Ich bietä Aich Schutz damit ihr nicht von Airesgleichen där Wurdän änthobän wärdet, Ammayin.“ Das letzt Wort sprach er fast verächtlich aus, woraufhin sich kleinere Tumulte in der Menge bildeten. „Und Du bringst ainän in main Haus där äs wagt mainä Wurdä szu hintärfragän, ich känne die Rufe aus Späärspitz. Nain, aier Platz ist dort.“ Er deutete auf die erste Reihe vor seinen Kriegern, dann wollte er erneut ansetzen, doch die Pfiffenstocker und ihre Vasallen – einige davon tobend vor Wut ob dieser Beleidigung - wendeten sich von ihm ab und machten sich von dannen. Mit ihnen wandten sich auch andere zum Gehen, wütende Verwünschungen folgten, die Martok ihnen hinterher spuckte. Bis sein Blick seinem Gehör folgte, hinweg über die da geblieben Getreuen, hin zu den aufgeregten Rufen und der Standarte, neben der nun eine zweite Stand. Das schwarze Ross vor der Sonne, sie brannte lichterloh. In diesem Moment stürmte ein Krieger zu Martok heran: „Main Marbän, äs haißt Hamar Cherk’avar hat mit Hundärten vor ainigän Stundängläsärn die Gränzä im Sudän ubärschrittän. Mit ihm sind die Kor‘brunnär und aier Brudär Aurel. Cem’Maals Gränzraiter konntän sie nicht auf‘halten. Där Bluthund fuhrt dän Titäl däs Al’Shuar und dän Namän sainär Familie wie dän ainäs Stammäs.“…



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Tra 1039 BF
Martok und die Stämme
Sultaniya


Kapitel 15

Sultaniya
Autor: Jan