Geschichten:Forstarbeiten - Arbeitsteilung

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Burg Trollwacht, Baronie Zackenberg, 20. Boron 1044 BF

Bran von Hardenstatt saß an dem langen Tisch des Speisesaals und streckte seine Beine aus. Gero stand an einem der Fenster und blickte missmutig in den Raum. Sie hatten die Gruppe tatsächlich bis in die Nähe des Markts verfolgt, doch dort hatte sich die Spur verlaufen. Der Schwertgeselle hatte daraufhin vorgeschlagen bei der barönlichen Familie um Hilfe zu bitten. So saßen, beziehungsweise standen, die beiden Männer im Speisesaal der Burg Trollwacht und warteten auf ihre Gastgeber.

Wie bestellt schwang eine der Türen auf und der erste Hausritter Hal von Zackenberg trat mit einem freundlichen Lächeln in den Saal. Zu Brans Überraschung folgte dem Ritter das Gesicht seines Vetters, Salix von Hardenstatt. “Den Zwölfen zum Gruße, werte Gäste! Wie ich hörte bringen euch unschöne Umstände hierher?”, eröffnete der Ritter mit den stahlgrauen Haaren das Gespräch.

“Den Zwölfen zum Gruße, hoher Herr. Ja wir befinden uns auf der Suche nach einer handvoll Halunken, welche vor einigen Tagen in Waldhain für Ärger gesorgt haben und bei denen vermutet wird, dass es sich um Wilderer handelt. Ihre Spur konnten wir bis zum Markt Zackenberg verfolgen, doch dann verloren wir sie”, berichtete der Schwertgeselle in schwarzer Platte.

Hal nickte verstehend, “hm, Wilderer die durch die Baronie ziehen? Dann werden wir euch helfen. Habt ihr schon bei der Marktwache in Zackenberg nachgefragt?”. Bran schüttelte den Kopf, “nein, wir haben ihre Spuren in der Umgebung der Burg verloren und hofften, dass ihr vielleicht Kontakt zu diesen Schurken hattet?”.

Der alte Ritter verneinte die Hoffnung mit einem kurzen Kopfschütteln. “Hier auf der Burg oder in der näheren Umgebung ist uns nichts aufgefallen. Wir sollten dennoch mal im nahegelegen Ort nachfragen. Wenn diese Gruppe dort durchkam und sich auffällig verhalten hat wird die Marktwache sicherlich auf sie aufmerksam geworden sein”, erklärte Hal ehe er fortfuhr. “Brechen wir sofort auf um keine Zeit verlieren, vielleicht befindet sich die von euch gesuchte Gruppe ja immer noch in Zackenberg?”.

Dann blickte er fragend zu Salix, welcher neben ihm Platz genommen hatte.
“Werden euer Wohlgeboren uns bei dieser Unternehmung begleiten? Soweit ich weiß, wolltet Ihr doch sowieso noch den Markt besuchen?”. Der Angesprochene nickte knapp, “selbstredend, die Ausführungen meines Vetters haben mich mehr als Neugierig gemacht. Wenn diese Wilderer dort durchgekommen sind oder vielleicht immer noch vor Ort sind, sollten wir ihre Spur wieder aufnehmen können”.

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“Ja, eine Gruppe, auf die diese Beschreibung zutrifft ist tatsächlich hier durchgekommen. Aber sie waren nicht lang hier, haben sich auf dem Markt herumgetrieben und sind dann durch das Ramsberger-Tor weitergezogen”, wusste der pflichtbewusste Gardist den vier Männern zu berichten.

Der erste Hausritter nickte und wandte sich an seine Begleiter, “dann führt uns unsere Suche in den Rahja der Baronie. Ich würde vorschlagen ein Teil besucht seine Wohlgeboren Cordovan von Zackenberg in dessen Burg und sucht dort nach weiteren Spuren, während der Rest nach Holzschlag reitet. Die dortige Edle könnte auf diese Gestalten aufmerksam geworden sein”.

Bran kratzte sich am Kinn und schürzte die Lippen, “wenn es wirklich Wilderer aus Gorbingen sind, so wie wir vermuten, werden sie wahrscheinlich nicht auf dem ausgebauten Weg bleiben sondern sich in das Unterholz schlagen. Ich schlage vor, dass ihr, hoher Herr, ich und Gero nach Ramsberg reiten und mit dem Junker sprechen. Mein werter Vetter kann ja mit zwei Reitern zur Edlen von Holzen reiten und von dort aus nach Spuren suchen”. Schlug der Schwertgeselle vor.

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Salix von Hardenstatt ritt mit zwei bewaffneten Reitern in das kleine Dorf Holzschlag ein. Eine übersichtliche Ansammlung von Häusern lag geschützt hinter einer einfachen Holzpalisade und sammelten sich um einen kleinen Brunnen in der Mitte des Dorfs. An der Seite zum nahegelegenen Wald konnte der Elde zu Zackenberg einige Kohlenmeiler ausmachen. Die Herrschaft Holzen versorgte die gesamte Baronie mit Holzkohle, Salix hatte selbst einige Säcke des schwarzen Guts erworben um die Kohlebecken seiner Räumlichkeiten zu füllen. Dies sicherte der Edlen Junivera von Bügenhobel ein ausreichendes Auskommen.

Es war schon spät als die drei Reiter in das Dorf kamen, doch im großen Fachwerkhaus der Edlen brannte noch Licht und so lenkten sie ihre Pferde zu dem Gebäude, an dessen Seite ein kleiner Stall angebaut war. Eine Magd lies die drei Reiter in das Haus, während sich ein Knecht um die Pferde kümmerte.

Drinnen wurden die beiden Bewaffneten in die Gesindeküche, der Adlige in das kleine Kaminzimmer des Hauses, geführt. Im letzteren saß die Elde zu Holzen in einem einfachen Schaukelstuhl und wippte gedankenversunken vor und zurück.
Über dem Kamin hing der Kopf eines stattlichen Gebirgsbocks, daneben eine altertümlich wirkende Armbrust. Salix erinnerte sich daran, dass das Familienwappen der Bügenhobel eine rote Armbrust zierte. Die Edle selbst sollte wohl eine herausragende Schützin sein. Eine Tatsache von der die weiteren Jagdtrophäen zeugten.

“Ah, euer Wohlgeboren von Hardenstatt! Welch Freude den Mann zu treffen, durch dessen Hände die gesamte barönliche Verwaltung geht. Sprecht, was führt einen Mann der Feder in mein bescheidenes Dorf?”, riss Junivera ihren Gast aus dessen Gedanken. Ihr Blick schien den jungen Adligen schier zu durchbohren und der kurze Zopf verlieh ihrem Gesicht eine strenge, die Salix nicht behagte.

“Den Zwölfen zum Gruße, euer Wohlgeboren! Eine Freude, die ganz die meine ist. Leider bringen mich Unannehmlichkeiten zu Euch, wir sind auf der Suche nach einer Handvoll Wilderer, welche sich hier herumtreiben sollen”, erörterte der blonde Adlige und überspielte durch seine Sandelholzstimme sein Unbehagen. Die Edle stoppte ihr Wippen und deutete auf einen neben ihr stehenden Stuhl. Der lediglich zwei Armlehnen als Annehmlichkeiten hatte.

“Ihr jagd Wilderer? Ich hätte Euch nicht für einen Mann der Jagd oder des Kampfs gehalten. Ihr wirkt mir eher wie jemand der mehr Freude daran hat, die Ergebnisse einer fremden Jagd zu genießen”, stellte Junivera mit spitzer Zunge fest.

Salix hatte den Stuhl zum Kamin gezogen und sich gegenüber der Hausherrin gesetzt. Mit einem süffisanten Lächeln winkte er ab, “da habt Ihr recht, euer Wohlgeboren. Ich finde tatsächlich keine Freude an der Jagd. Vor Jahren fand ich jedoch das Interesse an der Forstarbeit. Hin und wieder beteilige ich mich tatsächlich höchstselbst an dem Fällen von Bäumen. Das was mich dabei besonders fasziniert ist der Moment, wo alte, mächtige Bäume durch das Axtblatt, welches ein einfacher Mann oder eine einfache Frau führt, umfallen. Ganz zu schweigen von den Überlegungen, welchen alten oder kranken Baum man aus dem Wald entfernen muss, damit die jüngeren und geeigneteren Bäume gedeihen können”. Kurz stahl sich ein sinistres Lächeln auf die Mundwinkel des Hardenstätter, doch verflog es genauso schnell wie es gekommen war und die Dame tat es als Schattenspiel ab.

Dann schürzte die Edle von Holzen ihre Lippen und musterte den Mann, der ihr gegenüber saß. “Ihr bittet mich also im Grunde um meine Mithilfe, diese Gruppe Wilderer ausfindig zu machen?”, wollte Junivera nun direkt wissen.

Salix nickte knapp und fügte hinzu, “wie ich hörte, seid Ihr eine begnadete Schützin. Es wäre sicherlich von Vorteil eure Fähigkeiten an meiner Seite zu wissen. Dazu kommt, dass Ihr euch weitaus besser in eurer Herrschaft auskennt, als ich es tu”. Schloss der junge Mann mit einem warmen Gesichtsausdruck.


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20. Bor 1044 BF
Arbeitsteilung
In den Wald


Kapitel 3

Umgeholzt
Autor: Vlad