Geschichten:Die Greifenhorster Orkenwacht - Das Abendmahl

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Gut des Barons nahe Markt Greifenhorst , Praios 1035 BF, am Abend desselben Tages

Der Ritter wurde von einem Bediensteten durch das Erdgeschoss geleitet und er erreichte eine Räumlichkeit, die man am ehesten als Audienz- oder Beratungszimmer beschreiben konnte. Platz hatte es hier für circa zehn Personen, die Einrichtung war zweckmäßig, es gab auch einigen Wandschmuck, wie zwei Bilder, mehrere aufgehängte Waffen, ein etwas ausgeblichenes, schwarzes Banner mit einem heraldischen Motiv und derlei mehr. Zwei größere Tische, bedeckt mit Tüchern und gedeckt für das Mahl erwarteten die sich hier eintreffenden Leute. Der Baron nebst seiner Gemahlin, sowie auch der Hauptmann der Garde waren schon zugegen, ein etwas einfacher gekleideter Mann, der aber so etwas wie eine Amtskette trug, ebenso. Im Hintergrund standen zwei Mägde bereit, den Herrschaften aufzutafeln.

"Nochmals Willkommen, nehmt doch Bitte Platz", Otwin wies Valamir einen Stuhl zu. "Ich freue mich durchaus, dass Ihr nun hier in Greifenhorst eingetroffen seid, um Burg Orkenwacht als Lehen zu erhalten. Ich mag euch beim Essen ein wenig über das Land und die Leute, die Begebenheiten berichten, damit ihr schon mal ein Bild vor Augen habt, was alles auf euch zukommt. Aber nun lasst euch erstmal bedienen"

Auf dem Tisch warteten Braten, einiges an Gemüse, Brot, Soßen, aber auch Krüge mit Bier, sowie zwei Flaschen Wein auf den Verzehr. Die Mägde sorgten sich nun sogleich um das Wohl der hier anwesenden Leute.

"Wie ihr sicherlich wisst, ist, oder besser gesagt war Burg Orkenwacht ein Markgräfliches Lehen, mit Märkischen Truppen belegt, eigener Versorgung, mir also nicht unterstellt." Otwin deutete auf ein Schreiben, das er mit einigen anderen Papieren neben sich liegen hatte.

"Nun erhielt ich also vor einiger Zeit die Nachricht aus der markgräflichen Residenz in Greifenfurt, dass ihr, ob eurer Verdienste, die Burganlage als Lehen erhalten habt. Zugleich sagte man mir aber, dass ihr nach dem Lehnseid, den ich euch abnehmen sollte, mein Gefolgsmann sein würdet, da die Burg von da an zur Baronie Greifenhorst gehören würde. Zunächst war ich von dieser Angelegenheit, das muss ich euch ehrlich sagen, nicht sonderlich erfreut, weil und das ist der Punkt dazu, nun sehr hohe Kosten auf mich zukommen werden, die Burg selbst ist in einem nicht so guten Zustand, und vor allem, wie sollte ich sie angemessen besetzen können? Aber ich kann euch beruhigen, auch das hat sich schon geklärt, da ich kurz darauf einen Abgesandten des Markgräflichen Hofes zu Gast hatte, dies war erst vor vier Tagen. Die Lage ist nun so: In Kürze wird ein zwergischer Baumeister mit etlichen Arbeitern hier angereist kommen, der auch einiges an Material mit sich führt. Der Baumeister wird sich also in der kommenden Zeit um alles Wichtige dort kümmern. Die augenblickliche Burgbesatzung von göttergefälligen zwölf Frauen und Männern bleibt dort stationiert, untersteht dann eurem und meinem Befehl. Was wir noch erledigen müssen, ist für euch auf der Burg einige Bedienstete in Lohn zu nehmen, aber dies hat sich auch schon herumgesprochen und sollte kein Problem werden. Zu eurem Lehen wird noch ein in der Nähe liegender Gutshof gehören, einiges der dortigen Wälder, zwei, drei Fischweiher, sodass ihr, was die Versorgung angeht, keinen Mangel haben werdet. Es steht euch auch frei, noch Waffenknechte anzuwerben, Personal nach eurem Verlangen. Soweit also die augenblickliche Lage. Aber nun greift erstmal wieder zu, alles andere gibt es nach und nach hier zu bereden, wir haben ja Zeit. Und fragt ruhig, was ihr wissen wollt."

Valamir hörte den Ausführungen des Barons aufmerksam zu. So sollte er von da an also ein Vasall des Barons sein und nicht länger der Markgräfin.

"Zunächst einmal möchte ich Euer Hochgeboren danken, für die freundlichste Gastlichkeit, die Ihr mir in Eurem Heim zukommen lasst. Und seid versichert, dass ich Euch ebenso treu und redlich dienen werde, wie ich Ihrer Erlaucht, der Markgräfin gedient haben. Und so tapfer streiten will ich, wie ich es bis vor kurzer Zeit im Heerbann des Marschalls tat. Wenn nötig, soll Orkenwacht für Eure Baronie werden, was Wehrheim einst für das Reich war."

Er stockte. Das Aussprechen des untergegangenen Wehrheims brachte die Bilder zurück. Die Toten, die nicht hatten ruhen wollen, des jungen Adligen, dem er das Schwert ins Gesicht schlug, nur weil der auf dem Schlachtfeld auf Seiten Answins gestanden hatte...

"Ihr sagtet, das Personal müsse noch angeworben werden. Wäret Ihr bereit, mir einen Eure Leute mitzugeben, während ich dies tun werde? Ich will nicht am Fleiß der Greifenhorster zweifeln, aber Taugenichtse und Saufbolde gibt es überall und die Wacht soll nicht unter schlechten Vorzeichen beginnen. Deshalb wäre es mir lieb, wenn ich bei der Werbung jemanden hätte, der die Leute kennt."

Otwin lächelte. "Wohl gesprochen, Herr Ritter, und ich denke, dass Ihr sowohl das Wort wie auch euer Schwert führen könnt, das macht Euch hier in diesem Lande zu einem wertvollen Verbündeten und sicherlich zu einem verlässlichen Streiter für Greifenhorst und die Mark. Natürlich stelle ich Euch gerne ein - zwei meiner Leute ab, ich denke das Ihr in dem Dorf Neu-Münzenberg am leichtesten Bedienstete finden könnt. Ihr müsst wissen, dass die Leute dieses Ortes ehemalige Tobrier sind, fleißig, handwerklich geschickt in allerlei Fähigkeiten. Nach einem Markgräflichen Erlass sind diese Leute vor einiger Zeit Greifenfurter geworden und ich kann sagen, dass sie mit den alt eingesessenen Bewohnern des Landstriches gut zurecht kommen, dass es keine Zwistigkeiten gibt."


"Habt herzlichsten Dank, Baron. Die Tobrier sind zähe und ehrliche Leute. Ich werde sicher sehr gut mit ihnen arbeiten können."

"Gut, wie wollen wir das nun angehen? Seht Ihr euch in Neu-Münzenberg die Leute selber an, oder schicke ich einen Boten dort hin, um das zu erledigen? Die Handwerker können ja dann in ein paar Tagen hier vorsprechen. Was meint ihr?," Otwin blickte Valamir fragend an.


Otwins Gemahlin Karina richtete während des Essens auch das Wort an Valamir: "Herr Ritter, ein wenig neugierig bin ich nun doch: mögt Ihr mir verraten, aus welcher Ecke dieser Lande Ihr stammt? Wie so ein alter, manchmal recht sturer Greifenfurter wirkt ihr mir nicht." Sie lächelte ein wenig. "Ich hoffe, Ihr nehmt mir diese Frage nicht übel, aber man bekommt hier am Rande des Finsterkammes ja nicht so oft Besuch, und auch Neuigkeiten sprechen sich nicht so schnell herum."


"Nein, natürlich nehme ich Euch diese Frage nicht übel, hochgeborene Dame. Obwohl die Mutter meiner Mutter aus einem Greifenfurter Geschlecht stammt, so bin ich doch keiner. Meine ehrenwerte Frau Mutter stammt aus dem Geschlecht derer von Sappenstiel, einem der ältesten und stolzesten aus dem freien Königreich Nostria. Mein Vater ist, neben meiner Wenigkeit, der letzte Vertreter des Hauses von Reihersbach, Niederadel aus Albernia. Aber sorgt euch nicht, seit meiner Knappenzeit hier stehe ich treu zur Mark und zur Kaiserin. Wenn ihr wollt, kann ich von den Ereignissen in der Wildermark berichten, wo ich bis vor kurzer Zeit noch mit den Truppen des Marschalls stritt."

"Oh, habt Dank, von Schlachten, Blut und Schmerzen, da hatten wir in der Vergangenheit wohl doch zu viel gehört und gesehen. Ihr mögt sicherlich viel für das Reich und die Mark getan haben, aber erfreulichere Dinge und Berichte wäre mir da lieber. Ich sehe schon, dass wir hier für die Baronie einen tüchtigen, fähigen Streiter gewonnen haben, das ist mir auch viel wert. Mein Wort darauf." Karina blickte den Ritter freundlich an, prostet ihm mit einem Kelch zu und freute sich schon auf die weitere Unterhaltung.

Valamir prostete zurück. „Ihr habt natürlich Recht, Baronin. Tod und Leid hatten wir viel zu viel in letzter Zeit. Aber ich denke, dass ich die hochgeborene Tischgesellschaft mit einigen erheiternden Anekdoten beglücken kann.“ Daraufhin begann er einige lustige Geschichten aus seiner Zeit als Page an Hof seiner Tante in Nostria zu erzählen, von den Eigenheiten und Attitüden der Adligen dort. Anschließend leitete er zu den leichteren Teilen des Lebens als Knappe über und zum Lagerleben im Heer. Dabei bemühte er sich tunlichst, in Anwesenheit der Dame nicht ins Zotige zu verfallen, was bei Geschichten über das Soldatenleben nicht ganz leicht fiel.