Geschichten:Der uralte Bund - Rübensaft

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Vogtstuben und Kerker der Pfalz Randersburg, Ende Hesinde 1043 BF:

Nachdem die Reichsedle sich zuvor kurz mit ihrer Zofe Janne getroffen und diese entsprechend instruiert hatte, begab sie sich direkt zur Seneschallin, um keine Zeit zu verlieren und so zu riskieren, dass diese sinistre Märker Ritterin bereits vor ihr dort eintraf. Nach einer kurzen beiderseitigen Begrüßung kam die Altbaronin direkt zur Sache.

„Doch nun zur Befragung Deines neuen ,Gastesʼ: Er gab als Namen Thimorn Runkel zum Rübenhain aus der märkischen Pfalzgrafschaft Königsgau an, was, so mein Rat, schnellstens überprüft werden sollte. Mehr war nicht aus ihm herauszubekommen, da er es vorzog, sich kurz nach Nennung seines Namens nicht nur auf die Zunge, sondern diese zu einem guten Teil abzubeißen und mir entgegenzuspeien.“ Fredegard wies bei ihren letzten Worten auf die Blutflecken auf ihrem Kleid.
„Der Kerl konnte rasch von ein paar herbeigerufenen Wachen überwältigt und seine Verletzung zumindest notdürftig versorgt werden, wobei ihm bei dem daraus resultierenden Gerangel das Hemd zerriss und zwei blass rötliche Mond-Körperbilder auf seiner Brust offenbarte. Für welchen Orkgötzen dieses Symbol steht, bedarf, denke ich, keiner näheren Erläuterung. Du solltest ihn zu seiner Sicherheit und der der Wachen in eine Einzelzelle sperren und dort fesseln lassen, bevor noch jemand zu Schaden kommt oder der Mann sich womöglich selbst umbringt, ohne uns zuvor wirkliche Informationen mitgeteilt zu haben. Gerne wäre ich bereit, mich unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen nachher nochmal mit ihm zu unterhalten - notfalls auch schriftlich. Die neue ,Unterkunftʼ dieses seltsamen Ritters sollte möglichst geheim bleiben und nur einem ganz kleinen Kreis mitgeteilt werden, schließlich wissen wir nicht, ob sich irgendwo in der Umgebung noch Komplizen von ihm verstecken, die den Kerl entweder befreien oder ein für alle Mal zum Schweigen bringen wollen.“

“Hab Dank, meine gute Fredegard!“, Josline von Eslamsgrund atmete tief durch. „Was wäre ich dieser Tage ohne dich! Der Rallerau wird alles veranlassen. Wir haben da ein lauschiges Plätzchen für unseren Gast. Was die Familie Runkel angeht … .“ Die Seneschallin blicke erwartungsvoll zur Hofmarschallin.

„Nun“, begann Perainka Adersin von Dunkelsfarn mit geschürzten Lippen, „Die Runkel stammen in der Tat aus dem Königsgau. Sie sind die Ritter auf dem Rübenhain und Vasallen der Junker von Auerbach. Über Auerbach herrscht die Familie Grevinghoff, was die Runkel zu den Vasallen der Grevinghoff macht.“ Die dürre Frau strich sich mit ihren feinen weißen Handschuhen über ihren Gehrock.

„Ah, wieder was dazugelernt.“, erwiderte die Perricumerin mit einem leicht schiefen Lächeln, während sie ansonsten bemüht war, sich ihr Erstaunen über diese höchst interessante Information nicht anmerken zu lassen. Das erklärte natürlich einiges!
Mit sanfter Stimme fuhr die Reichsedle fort: „Aber die Verästelungen des märkischen Adels sind zugegebenermaßen auch nicht unbedingt mein Steckenpferd. Gib´ mir einfach kurz Bescheid, wenn dieser seltsame Rittersmann sein neues ,Quartierʼ bezogen hat und ich mich erneut mit ihm unterhalten kann.“

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Lediglich begleitet von einer schweigsamen Wache stieg die Reichsedle tief in die steinernen Innereien der Pfalz hinab, sich dabei den Weg genau einprägend, um den mutmaßlichen Ritter von Runkel in seinem neuen Gemach aufzusuchen und ein wenig mit ihm zu plaudern. Ein so ausgedehntes unterirdisches Gewölbe hatte schon seine Vorteile, ging es der Perricumerin durch den Kopf, konnte man in einem solchen Leute, die einem vielleicht nochmal nützlich sein könnten, vor den Augen der Welt wegschließen; gleichsam als lebende Tote der etwas anderen Art. Vor der Zelle angekommen, warf Fredegard einen kurzen Blick durch das Guckloch der Tür und stellte beruhigt fest, dass der Mann an Händen und Füßen gefesselt und zudem an die rechte Wand gekettet worden war. Während der erneuten Befragung dürfte er also keine Sperenzchen mehr machen können.
„Aufschließen“, befahl die Adlige knapp.
Der junge Gardist, der sich in dieser ein wenig beklemmenden Umgebung nicht sonderlich wohlzufühlen schien, tat wie ihm geheißen. Kaum war die Türe entriegelt, nahm Fredegard dem verblüfften Mann den Schlüssel aus der Hand und wies ihn mit grabeskalter Stimme an: „Du kannst gehen und Dich in den Wachraum zurückziehen; sollte ich Deiner wieder bedürfen, lasse ich es Dich wissen.“ Der ebenso kalte Blick, den ihm diese merkwürdige Frau dabei zuwarf, ließ es ihm angeraten scheinen, auf Widerspruch zu verzichten und sich mit einem bestätigenden Kopfnicken zurückzuziehen.
Die Reichsedle wartete, bis ihr temporärer Begleiter verschwunden war, öffnete dann die Zellentür, trat ein und schloss die Türe dann wieder hinter sich. Den Schlüssel steckte die Perricumerin in einen mitgebrachten Beutel, welchem sie zugleich Feder, Tintenfässchen und einige Blatt Pergament entnahm. Dann postierte sie sich seitlich versetzt hinter dem Greifenfurter, sodass dieser seinen Gast nicht anspucken oder sonst wie besudeln konnte. Nach einem letzten prüfenden Blick auf Fesseln und Ketten hub Fredegard mit geschäftsmäßig wirkender Stimme zu sprechen an:
„Wie schön, Euch wiederzusehen. Ich bin hier, um unsere vorherige Unterhaltung, welche ebenso überraschend wie abrupt geendet hatte, fortzusetzen. Allerdings möchte ich diesmal mit einem anderen Thema beginnen, nämlich der Ritterin Grevinghoff, die Ihr ganz offenkundig nicht sonderlich zu mögen scheint. Lasst uns doch also ein wenig über diese Dame und ihre Familie plaudern, ja?“

„-“

Die Adlige rollte ob der gänzlich fehlenden Kooperationsbereitschaft ihres ‚Gesprächspartners‘ kurz genervt mit den Augen. Dann also ohne Samthandschuhe!
„Nun, mein Bester: Mir gegenüber magst Du vielleicht den Schweigsamen spielen“, hauchte Fredegard dem Gefangenen sanft ins Ohr, „aber dem Segen des Gottes der Götter wirst auch Du Dich nicht entziehen können.“ Nachdem sich die Adlige noch einmal versichert hatte, dass sich niemand vor oder nahebei der Zelle aufhielt, versenkte sie sich direkt vor den schreckgeweiteten Augen des Greifenfurters in ein Gebet an den Güldenen. Einige für den Ritter schier endlose Minuten später erhob sich die Altbaronin und wandte sich ihm mit einem wölfischen Lächeln wieder zu. „So, stolzer Rittersmann. Nun noch einmal ganz von vorne!“

Etwa eine halbe Stunde später ließ sich die Adlige sichtlich erschöpft auf den Boden nieder, ohne dabei auf ihre Garderobe zu achten. Den Segen des Güldenen zu erflehen war fast immer recht kräftezehrend, besonders aber, wenn er auf ein so unwilliges Gegenüber herabgerufen wurde. Dennoch war die Reichsedle mit den gewonnenen Erkenntnissen mehr als zufrieden, ja, sie übertrafen sogar ihre kühnsten Vorstellungen. Fredegard kam nicht umhin, der Grevinghoff einen gewissen Respekt zu zollen. Dass diese weit mehr als nur eine einfache Ritterin im Dienste der Senschallin ist, war eine Sache. Aber das soeben Gehörte war dann doch eine ganz andere. Nun galt es, den größtmöglichen Vorteil daraus zu ziehen! Nachdem die Reichsedle sich wieder gesammelt hatte, brachte sie alles getreulich zu Pergament und ließ es vom höchst unwilligen Runkel mit seinem Zeichen versehen. Der Perricumerin war natürlich klar, dass diese simple Formalität allein nicht ausreichte, um die Ritterin der Mark zu überführen, aber auch dazu hatte die ehemalige Baronin bereits eine Idee. Ein wenig umständlich erhob sie sich vom staubigen Boden, klopfte ihr Kleid ab und richtete ein letztes Mal das Wort an den Gefangenen.
„Ich danke Dir für dieses höchst aufschlussreiche Gespräch, mein Guter. Sich von den Zwölfen abzuwenden, ist ebenso verständlich wie richtig. Bedauerlich nur, dass Du Dich stattdessen zur Ketzerei verleiten ließest und lieber mit irgendwelchen Orkgötzen paktiertest, anstatt Dich dem einzig wahren Gott zuzuwenden. Allein für diesen Frevel verdientest Du es, einfach in dieser Zelle zu verrotten. Aber das soll nicht meine Sorge sein. Doch nun entschuldige mich; ich habe noch eine andere Ketzerin zu überführen.“
Wild tobend vor Zorn und Wut warf sich der Hüne in seinen Ketten hin und her, sodass seine Besucherin für einen kurzen Augenblick befürchtete, er könne diese gar sprengen. Dann verließ sie die Zelle, verschloss die Türe hinter sich und übergab den Schlüssel dem Gardisten im Wachraum, bevor sie sich kurz in ihr Gemach zurückzog, um sich frischzumachen.

Etwas später suchte Fredegard die Seneschallin auf, wobei sie einen Zeitpunkt abpasste, an dem die Grevinghoff nicht zugegen war.

„War die Befragung erfolgreich?“, fragte Josline nach einer kurzen Begrüßung knapp.

„Mehr als das, meine Teure. Weit mehr als das. Aber lies´ selbst und lass uns dann das Gespräch unter vier Augen fortsetzen.“


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Ende Hes 1043 BF zur nächtlichen Rahjastunde
Rübensaft
Rübenernte


Kapitel 48

Durch die Pfalz und hoch in der Luft
Rübenernte


Kapitel 23

Konfrontation
Autor: Bega, Wallbrord