Geschichten:Rat mal, wer zum Essen kommt

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Version vom 24. März 2023, 08:54 Uhr von Wallbrord (D | B)
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Elissa vom Berg überwachte die Zubereitung ihres Mittagessens und schmeckte gerade die Soße für den Rinderbraten ab. „Sehr gut. Aber hier könnte noch eine Prise Salz rein.“ „Wie ihr wünscht, Hochgeboren“, antwortete die Köchin, die es, wie die übrigen Bewohner von Burg Mallvenstein auch, längst gewohnt war, dass die Baronin sich um ihre Speisen möglichst selbst kümmerte. Die Adlige wollte nun ein Stück des Fleisches probieren, als ein vernehmliches Räuspern ihre Aufmerksamkeit weckte, woraufhin sie sich zu der Person umdrehte.
„Korporalin Hergarten. Was gibt es?“
„Verzeiht die Störung, Euer Hochgeboren, aber einige Reisende sind unten im Weiler angekommen und auf dem Weg zur Burg. Den Farben nach zu urteilen, handelt es sich um den neuen Vogt des Arvepasses, Bärfried von Hardenstatt.“

„Ach. Das ist aber eine Überraschung. Bereitet alles für seine Ankunft samt Quartier vor. Norholt soll den Vogt in Empfang nehmen; ich ziehe mich derweil um. Und schickt Jasina zu mir!“ Ein wenig verdrießlich blickte die Baronin auf ihr Wams, welches einem solchen Gast so schon kaum angemessen wäre - und mit den beiden Soßenflecken erst recht nicht.
Nachdem sich die Adlige mit Hilfe ihrer Pagin umgezogen und auch sonst in einen präsentablen Zustand verwandelt hatte, schenkte sie dem Mädchen ein verschmitztes Lächeln. „Danke für deine Hilfe, Jasina. Und nun komm´, unsere Gäste warten. Sie werden sicher hungrig und durstig von der langen Reise sein und irgendwer muss ihnen ja aufwarten.“
Das Kind schaute nach dieser Aussage etwas unleidlich drein, denn auch wenn es seine Pflichten als Pagin mittlerweile gut kannte und wusste, dass das Aufwarten an der Tafel der Baronin dazu gehörte, mochte sie diese Tätigkeit nicht sonderlich.
„Nun schmoll nicht, Kind“, fügte Elissa im Gehen hinzu, „die beißen schon nicht und zumindest einen von Ihnen solltest du bereits kennen.“
Ein fragender Blick der Kleinen zu ihrer Herrin blieb allerdings unerwidert. Doch als die beiden den Rittersaal erreichten, verstand das Mädchen.

Bärfried, dessen Kleidung staubig und fleckig von der Reise quer durch die Markgrafschaft war, stand mit einem breiten Lächeln auf und kam der Gastgeberin sowie seinem Kind entgegen. Vater und Tochter begrüßten sich mit einer innigen Umarmung und vor allem der Einäugige hatte das Gefühl, dass etwas der Last, die er sich während seine Reise aufgeladen hatte, von ihm genommen wurde.
Schließlich richtete er sich auf und deutete eine Verbeugung in Richtung der Baronin an, „Elissa! Welch Freude dich wiederzusehen! Ich hoffe doch, mein kleiner Überfall hat dich nicht zu sehr… überrumpelt“, ein Schmunzeln huschte über das Gesicht des Vogts. „Ich bin soeben von einer... nicht ganz so erfolgreichen Reise zurückgekehrt und musste auf Höhe des Marktes an dich denken; da dachte ich mir, schau ich doch mal bei meiner lieben Frau Nachbarin vorbei!“. Mit einem leicht nachdenklichen Gesichtsausdruck fügte er noch hinzu, „dass ich mich hier habe sehen lassen, ist sowieso schon wieder viel zu lange her!“.

„Soso, ein spontaner Nachbarschaftsbesuch – wo es doch auch nur ein Katzensprung von der Küstenstraße aus nach Mallvenstein ist!“, antwortete die Baronin sarkastisch, aber mit einem Schmunzeln. „Aber sei es wie es sei: Ich freue mich sehr, dich wiederzusehen; das letzte Treffen liegt in der Tat schon viel zu lange zurück. Und du hast den Zeitpunkt deiner Ankunft gut gewählt, das Mittagessen ist nämlich bald fertig und ich bin mir sicher, dass wir armen Zackenländer es hinbekommen, dass selbst für unerwartete – aber nicht unwillkommene – Gäste noch etwas übrigbleibt. Aber jetzt überlasse ich dich erstmal deiner Tochter, die vor Freude, dich zu sehen, beinahe zu platzen scheint. Dann essen wir und anschließend erzählst du mir, was dich so ‚spontan‘ zu mir geführt hat. Mit einem breiten Grinsen wandte sich die Adlige um und ging zur Burgküche zurück.

Bärfried blickte der Baronin kurz mit einem Lächeln hinterher, wandte sich dann zu seiner Tochter und ließ sich von dieser ihre Erlebnisse erzählen. Interessiert lauschte er ihren Ausführungen, was sie so alles gelernt und erlebt hatte. So konnte sie – laut eigener Aussage – schon, „wirklich sehr gut lesen und schreiben“. Ganz besonderes Interesse fand sie jedoch an dem Erstgeborenen Elissas. Der konnte zwar noch nicht allzu viel, doch Jasina freute sich schon auf die Zeit, wenn sie mit ihm spielen konnte. Außerdem hatte sie sich fest vorgenommen, ihm die Welt zu zeigen.
Schließlich wurde das Essen aufgetischt; der Rinderbraten war vorzüglich und tatsächlich wurde jeder der Anwesenden satt. Während des Mahls wurden die wahrlich großen Themen gekonnt umschifft. Es standen vielmehr das allgemeine Befinden sowie die kleinen und alltäglichen Sorgen der Zackenbewohner im Vordergrund. Als dann alle aufgegessen hatten und satt waren, bat Bärfried um ein Gespräch unter drei Augen.


 Wappen Mittelreich.svg  Wappen Markgrafschaft Perricum.svg   Wappen Baronie Vellberg1.svg   Wappen Freiherrlich Mallvenstein.svg  
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21. Rah 1045 BF zur mittäglichen Rondrastunde
Rat mal, wer zum Essen kommt
Familienbesuch II


Kapitel 9

Autor: Vlad, Wallbrord