Geschichten:In Waldstein nichts Neues Teil 13

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Burg Silz


Es war bereits dunkel geworden, als Simiona vorsichtig an die Türe des Zimmers klopfte, in dem Allechandriel Quellentanz die Körper ihrer Freunde aufgebahrt hatte, um im Stillen Abschied nehmen zu können.

Sie hatte, seit sie sich der Tatsache bewußt geworden war, dass ihre beiden engsten Vertrauten zurück ins Licht gegangen waren, kaum noch ein Wort geredet. Simiona rechnete ohnehin nicht mit einer Eintrittsaufforderung der Gräfin und betrat daher vorsichtig den Raum, in der linken eine Kerze haltend.

„Verzei`t mir die Störung, `ochwohlgeboren.“ begann sie. Die über Vindariels Bettstatt kniende Allechandriel rührte sich nicht. „Isch weiß, wie schwer der Verlußt für Eusch sein muss, aber...“ sie machte eine kurze Gedankenpause, „aber dass darf eure Sinne nischt trüben, Gräfin. Es muss Eusch klar sein, dass der wa`re Verantwortlische für dieses abscheulische Verbreschen immer noch auf freiem Fusse ist.“ Die Elfe schwieg immer noch.

„Mein Freund Leomar `at nischt nur `erausgefunden, dass ein Anschlag auf Euer wertes Leben geplant war, er `at sogar noch einen na`ezu sischeren Verdacht, dass jemand äußerst Wischtiges da`inter steckt. Des`alb `at er ja auch die Leute vom Schwerterorden verständigt, zurescht, wie sisch nun `erausgestellt `at.“

Die Gräfin schwieg noch eine Weile, dann erhob sie sich und blickte Simiona traurig an. „Und wer, glaubst Du, steckt dahinter, tala?“

Simiona zog lauernd eine Augenbraue hoch. „Isch werde Eusch selbstverständlich alles sagen, was isch weiß und gleischzeitig erkläre isch misch bereit, Eusch jeglische möglische Unterstützung zukommen zu lassen. Isch `ätte da nur eine winzigkleine Bitte an Eusch...“



Reichsstadt Hirschfurt


Der alte Ritter Lubomir von Storchenhain, der Grafschaftsrat Waldsteins, saß wie jeden Tag um diese Zeit in seinem Offizium im Magistratsgebäude in der freien Reichsstadt Hirschfurten, der Haupstadt Waldsteins. Es war ein Tag wie jeder andere.

Die Post stapelte sich bereits spannhoch und nur widerwillig machte der alte Mann sich daran, die lästigen Briefe zu bearbeiten. Die Stunden vergingen, als plötzlich Reo, sein persönlicher Adjudant eintrat. „Verzeiht die Störung, Wohlgeboren!“

„Ja, Junge? Was ist denn los?“

„Vor ein paar Minuten wurde dieses Päckchen hier für euch abgegeben. Die Botin hat mich angewiesen, es nur euch persönlich zu übergeben. Es ist eine Überraschung.“ Der junge Mann überreichte dem alten Ritter ein sorgsam verpacktes Paket. „Und diesen Brief hier mögt ihr auch lesen, aber erst nachdem Ihr euch über den Inhalt vergewissert habt.“

„So? Das ist ja merkwürdig. Wer läßt mir dies denn zukommen?“ Lubomir wog das Päckchen vorsichtig hin und her.

„Die Dame wollte mir ihren Namen nicht nennen. Sie sagte nur, dass der Inhalt für Euch von äußerster Wichtigkeit sei.“

„Na, da bin ich aber mal gespannt. Leg den Brief nur hier auf den Schreibtisch.“ Der Junge tat wie ihm geheißen und verließ danach das Büro des Grafschaftsrates.

Ritter Lubomir von Storchenhain prüfte das Päckchen noch eine Weile. Behutsam öffnete er die Verpackung und warf sie dann zusammengeballt zu dem anderen angefallenen Müll in seiner Schreibstube. Ihm offenbarte sich nun ein äußerst filigran gefertigtes Kästchen aus Ebenholz, mit einem raffinierten Schnappmechanismus versehen. Er öffnete den Deckel und fand im Inneren eine Phiole, sorgsam in ein Samtbett eingelegt. „Eine Phiole? Was soll das denn?“ Er suchte noch nach einer Beschreibung oder einem Hinweis auf den Inhalt, doch als er nicht fündig wurde, nahm er die Phiole heraus.

Kaum hielt er sie in der Hand erklang wie aus dem nichts eine Stimme: „Trinke sofort den Inhalt der Phiole!“

Alles in ihm schrie ihn an, sich diesem Befehl zu widersetzen, doch es war fast so, als hätte eine fremde Macht Besitz von seinem Körper ergriffen. Er entstöpselte das Fläschchen und führte es zum Mund. Ein letztes Mal versuchte er, den Befehl zu verweigern, dann schüttete er die Flüssigkeit seine Kehle herab. Kaum war das erledigt, fiel der Bann von ihm ab. Er brauchte eine Weile, um zu begreifen, was da gerade geschehen war. Dann fiel sein Blick auf die leere Phiole in seinen Händen. In diesem Moment spürte er ein fürchterliches Brennen in seiner Brust, welches ihn unkontrolliert zusammenzucken und zu Boden stürzen ließ, wobei die Phiole zerbarst. Er wollte um Hilfe schreien, doch er konnte nur ein hilfloses Röcheln von sich geben. Ihm war als verbrenne er innerlich. Noch wenige Augenblicke währte sein Todeskampf, dann hatte Lubomir von Storchenhain den Kampf verloren. Auch sein Adjudant Reo wurde an diesem Tag zum letzten Male lebend gesehen ...