Hochmut kommt vor dem Fall

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Ein großer Mann hatte sich soeben wortreich von seiner Begleitung verabschiedet. Er lächelte ihr noch nach und bestellte sich bei einem der vorbei eilenden dienstbaren Geister einen einfachen Krug Wasser, den er im Schatten der Bäume entgegen nehmen wollte. Dann ließ er seinen Blick schweifen. Er mochte so um die dreißig Götterläufe alt sein. Trug teure Gardarobe und hatte für einen Mann einen angenehmen Geschmack. Gerade die rechte Mischung zwischen modischem Schick und männlicher Schlichtheit.

Sein kurzes blondes Haar stand im krassen Gegensatz zu den zahlreichen Nebachoten die hier versammelt waren. Ganz nahe bei stand ein Mann, der ähnlich blondes Haar hatte, ob dies sein Vater war? Suchend blickte er sich um, ob er jemand Bekanntes sah, und bemerkte ihre Musterung. Lächelnd verneigte er kurz das Haupt in ihre Richtung. Lyn ni Niamad von Brendiltal, die sich eben erst davon überzeugt hatte, dass ihr Sohn Cayhin keine allzu großen Dummheiten anstellte, betrachtete die anderen Gäste interessiert. Noch kannte sie die wenigsten der Anwesenden und so entgegnete sie das freundliche Lächeln des Mannes, der ebenso wenig wie sie nebachotischer Abstammung zu sein schien. Ihre rotblonden Locken waren zur Feier des Tages hochgesteckt und mit kostbarem Schmuck versehen und sie trug ein nicht weniger kostbares bodenlanges Kleid aus blauer und weißer Seide. "Wenn ihr erlaubt, dass ich mich zu euch geselle?" Der Mann überbrückte die Distanz zwischen ihnen.

Quanion von Isenbrunn ist mein Name." Er verbeugte sich und veilchenblaue Augen warteten darauf, dass sie nun ihm verriete, mit wem er das Vergnügen hatte. "Lyn ni Niamad von Brendiltal" entgegnete sie mit einem Lächeln. "Sehr erfreut Euch kennen zu lernen." Überrascht zuckte kurz eine Augenbraue nach oben. "Findet ihr nicht auch, dass wir unsere Schritte ein wenig mehr in den Schatten der Bäume lenken sollten? Das Praiosmal meint es wirklich gut mit dem Brautpaar." Sie lächelte ihm dankbar zu "Das ist in der Tat eine gute Idee. Es ist wirklich ein sehr heißer Tag heute." sie sah ihn auffordernd an, bereit ihre Schritte mit ihm zusammen in die gewiesene Richtung zu lenken.

„Eine wirklich sehr...wie soll ich sagen...stimmungsvolle Art sich die Treue zu schwören. Wobei ich den Eindruck hatte, dass die Brauteltern gerne eine Traviageweihte anstelle der Rahjana gesehen hätten.“ Sie lächelte Quanion leicht schelmisch an. "Das kann ich durchaus verstehen. Auch mein Vater bestand darauf, dass wir nicht nur durch meine Schwägerin Sheena von Brendiltal sondern zusätzlich durch einen Traviageweihten getraut wurden." Ihr Blick dabei sagte deutlich, dass sie wie so oft nicht unbedingt mit ihrem Vater einer Meinung war.

Aufmerksam musterte der Mann mit den feinen Zügen ihre Statur. "An seiner Stelle hätte ich das auch getan. Man muss schon ein Auge darauf haben, was die Zukunft seiner Liebsten angeht. Und ohne euch zu Nahe treten zu wollen, ihr kommt nicht aus der näheren Nachbarschaft wie ich vermute?" Ihr Kopfschütteln genügte um ihn weiter sprechen zu lassen. "Sicher war sich euer Herr Vater nicht ganz darüber im Klaren wen seine Tochter da zu ehelichen gedenkt." Er reichte ihr galant den Arm, damit sie sich mit seiner Hilfe auf den drappierten Kissen nieder lassen konnte. Der Diener war inzwischen auch mit dem Wasser eingetroffen und stellte noch einen Korb mit Früchten hinzu. Sichtlich amüsiert entgegnete sie "Oh doch, er war sich da ganz sicher im Klaren darüber. Wieso kommt ihr darauf?" Ihre grünen Augen funkelten weiterhin amüsiert.

„Nun ja, käme er aus Perricum, wüsste er, dass die Nebachoten ihre Familie als heilig ansehen, zwar nicht unbedingt im herkömmlichen Sinne, aber ihre Frauen behandeln sie zuvorkommend und respektvoll." Nebenbei hatte er es sich nicht nehmen lassen ihr den Becher mit Wasser zu füllen und auch das dargebotene Obst anzureichen. "Außerdem ist die Rolle der Frau ganz vernünftig geregelt. Auch der nebachotische Mann liebt es, wenn die Frau sich um Heim und Herd nebst der Kindererziehung kümmert, während er sich um die politischen Geschicke verdient macht." Strahlend lächelte er sie weiter an. "Eine Frau wie ihr" er blickte über die Schulter auf den spielenden Jungen " fühlt sich in dieser Großfamilie sicher wohl.“ Sie nahm dankbar das Wasser entgegen und einen tiefen Zug, war es doch ungewohnt heiß für sie. Dann blickte sie Quanion an und ihre Stimme war ein wenig gefasster als sie weiter spricht. "Ihr habt Recht, meine Familie stammt nicht aus Perricum. Ihr sagt, die Rolle der Frau ist vernünftig geregelt?" ihre Stimme nimmt einen leisen, kaum vernehmbaren warnenden Unterton an. "Meint ihr denn, dass dies auf alle nebachotischen Familien zutrifft?" Quanion von Isenbrunn musterte sie interessiert aber er schien ihren feinen Sinneswandel wahrgenommen zu haben. "Nun ich bin hier groß geworden und ich kenne sicher viele Vertreter dieses Volksstammes, aber ich kann mir kaum ein Urteil darüber anmaßen, ob es in allen Familien so ist." Er legte eine kurze Pause ein, in der er einen Schluck trank. "Doch es scheint mir so, dass es wenige Frauen gibt, die danach streben ihre durchaus geschätzte Meinung auch außerhalb ihrer Sippe sagt man dazu glaube ich, geltend zu machen."

"Das mag vielleicht hier in Perricum gelten" erwiderte sie höflich. "Aber nicht jedoch dort, wo ich herkomme." "Ich hoffe ihr habt den Umzug hierher gut verkraftet? Bisweilen ist es doch sehr gewöhnungsbedürftig sich an andere Lebensweisen anzupassen. Es scheint ihr seid eher aus nördlicheren Gefilden?" Unausgesprochen lag die Frage in der Luft woher sie käme, doch er stellte sie nicht offen. "Ich hoffe es ist euch hier zuträglich, wenn nicht können wir auch gerne in die Räumlichkeiten nach drinnen gehen." Scheinbar besorgt musterte er sie. Erklärend fügte er hinzu. "Der Steinboden speichert für gewöhnlich eine ganze Weile die Kühle." "Oh nein, hier im Schatten ist es schon sehr angenehm. Danke der Nachfrage, doch habe ich sehr lange darauf gewartet, endlich hierher zu kommen, so dass ich sehr glücklich bin, hier zu sein. Und an die Lebensweise hier gewöhne ich mich sicher schnell."

"Natürlich, ihr als attraktive und so überaus charmante und kluge Frau, ihr wisst, wie ihr eure Zeit sinnvoll nutzt um euren Gatten in Fragen des Haushalts und der Kindererziehung zu entlasten, da bin ich mir sicher, und alles andere was die ...äh speziellen Angewohnheiten der Nebachoten angeht werdet ihr sicher auch bald angenommen haben." Das erste Mal schien er mit sich zu kämpfen, was seine Fassung anging, Es war schwer zu lesen, ob er es anrüchig oder für gut befand, was das Leben der Nebachoten seiner Meinung nach dem von Raulschen in Perricum unterschied. Den ersten Teil seines Satzes nahm sie stirnrunzelnd zur Kenntnis doch war ihre Neugier durch den zweiten Teil vielmehr angesprochen. Mit leicht schräg gehaltenem Kopf schaute sie ihr Gegenüber an und fragte nach "Welche speziellen Angewohnheiten meint ihr?"

"Ja also..." Er machte eine weit ausholende Bewegung und blies Luft durch die Wangen. Das Thema war ihm sichtlich unangenehm. "Ihr seid wohl noch nicht so besonders lange hier, oder?" Ungläubig musterte er sein Gegenüber. Also falls, ich meine nur falls ihr jemals...wie soll ich sagen, in Bedrängnis seid, und eure Bereitschaft sich den hiesigen Gebräuchen zu beugen sich erschöpft hat, könnt ihr jederzeit bei mir auf dem Edlengut Kaltengrundt vorbei kommen. Ich meine nicht jede aufrechte götterfürchtige Person kann und will den Mann teilen." Ihre Schultern strafften sich und ihre Augen blitzen ihn funkelnd an. Leise aber mit einer bedrohlich klingenden Stimme fragte sie ihn "Ihr unterstellt meinem Gemahl Ehebruch?"

"Eurem Gemahl? Nein natürlich nicht, noch nicht!" fügte er leise hinten an. Er schaute ihr offen aber auch irgendwie lauernd ins Gesicht. Scheinbar hatte er ein Wissen, das er für so bemerkenswert hielt, dass er es für sicher erachtete, dass eine Zugereiste davon nichts wusste. "Teuerste Lyn ni Niamad von Brendiltal, euer Gatte, wir kennen uns flüchtig, ist ja deutlich anders als sein Herr Vater, daher wird er wohl kaum die gleichen Rechte in Anspruch nehmen, wie der Baron Eslam von Brendiltal es zu tun pflegt, vermute ich. Ihr werdet sicher bald dem Bild einer perfekten nebachotischen Ehefrau entsprechen und ihr braucht euch keine Sorge darüber zu machen, ob auch euer Gemahl von Recht der ersten Nacht Gebrauch machen wird." Ihre Stimme kühlte noch ein wenig weiter ab, als sie meinte "Ihr meint, also, wenn ich mich um Heim, Herd und Kindererziehung kümmere und meine Meinung brav für mich behalte?"

"Nun ja, diese Tätigkeiten sind ja sehr erfüllend für eine Frau. Ihr hört euch ja geradezu so an, als seien die Travianischen Tugenden nichts wert. Verzagt nicht, sicher seid ihr nur ein wenig...verwirrt ob der vielen neuen Eindrücke. Es ist ja nicht so, dass man hier das Leben nicht zu leben wüsste. Ihr habt das Glück in ein prosperierendes Geschlecht eingeheiratet zu haben. Schenkt eurem Gatten Nachkommen und sichert seine Blutlinie, dass ist sicher auch das, was sein Vater von euch erwartet." Ihre Augen verengten sich gefährlich als den jungen Mann anschaute. "Was Eslam von Brendiltal von mir erwartet, hat mich noch nie sonderlich interessiert. Und ich sage Euch eins, nie wird sich eine Niamad unterordnen und sich davon abhalten lassen, ihre Meinung zu sagen. Oder ihre Interessen selbst zu vertreten."

Überrascht und ein wenig kühler als noch zuvor wirkte nun sein lächeln. "Ah ich bin erfreut zu sehen, dass ihr euch schon so eure Gedanken dazu gemacht habt, was die Nebachoten hier gemeinhin von unsereins unterscheidet. Mir scheint es fast so, als hätte euer Gatte eine wertvolle Beraterin an seiner Seite. Ich freue mich eine so interessante Nachbarin hinzu gewonnen zu haben und werde weiterhin mit Spannung verfolgen wie ihr die Geschicke auf dem Gut weiter...begleitet."

"Soso... mit Spannung? Wollt ihr damit sagen, dass ihr darauf wartet, dass ich einen Fehltritt mache?" Herausfordernd war nun ihr Blick als sie ihn mit den Augen maß. Er lehnte sich nun zurück und machte es sich an einem Baumstamm etwas bequemer. Sein Blick glitt über ihr Kleid, ihre Frisur und schließlich schaute er ihr lange in die Augen. "Nein, da versteht ihr mich ganz falsch, ich bin, nein ehrlicherweise muss ich sagen war eher...besorgt darüber, dass ihr vielleicht nicht wisst, was von euch erwartet wird. Inzwischen habe ich eher den Eindruck, dass es an eurem Gemahl ist diese Frage mit euch zu klären, wenn dies überhaupt nötig werden sollte. Vielleicht möchte er die Vormachtstellung seines Vaters innerhalb der Sippen gar nicht weiter führen und mit den Traditionen brechen? Vielleicht ist er des Kämpfens müde, auch gegen die halsstarrigen Alten des eigenen Volkes? Aber das ist Politik. Lasst uns doch über etwas anderes sprechen. Sah die Braut nicht entzückend aus?"

Lyn warf einen kurzen Blick in Richtung Malina und entgegnete "Ja, sie ist entzückend. Aber ich habe gerade nicht vor, das Thema zu wechseln. Oder liegt es in Eurer Familie, Konflikten so schnell aus dem Weg zu gehen?" Er konnte es nicht verhindern, kurz war ihm ein süffisantes Grinsen ins Gesicht geschlüpft, bevor er sich wieder unter Kontrolle hatte. "Ich pflege Konflikte." Er betonte jedes einzelne Wort das er sprach. Doch es war alles was aus seinem nahezu perfekten Mund als Antwort kam. Die Augen, die zuvor noch den Anschein von Freundlichkeit erweckt hatten, wirkten inzwischen eher kalt. "Ich gehe Ihnen nicht aus den Weg, noch versuche ich sie beizulegen." Bei den Worten blickte sie ihm fest in die Augen "Und vielleicht könnt ihr mir sagen wie ihr darauf kommt, dass mein Gemahl nicht die Rolle seines Vaters dereinst ausfüllen kann, wenn er eine starke Frau an seiner Seite weiß." ihr Blick war immer noch herausfordernd als sie ihn ansah.

"Nun, sein Vater war stark weil ihm alle Sippen gefolgt sind und seine Autorität anerkannt haben. Eine eiserne Hand die regiert hat und auch vor familiären Konsequenzen keine Scheu hatte. Änderungen werden nicht geschätzt." "Ihr könnt mir glauben, dass sowohl mein Gemahl, als auch mein Schwiegervater wissen, dass ich kein nebachotisches Frauchen, sondern eine albernische Kriegerin bin. Da sich sogar Eslam bei meinem Vater für diese Verbindung eingesetzt hat, ist es anscheinend Zeit für Veränderungen." Jetzt war es an ihr ein überlegenes Lächeln auf zu setzten und die Reaktion ihres Gegenübers zu beobachten. Er senkte seine Stimme als er nun weiter sprach.

"Ra'ul von Brendiltal ist der Einzige der auch nur annähernd das Zeug besitzt Eslams Erbe anzutreten. Mit Verlaub, ich kenne euch nicht, und selbst, wenn ihr eine stattliche Mitgift in die Ehe gebracht haben solltet, Eslam hätte ihn Notfalls die Küchenmagd ehelichen lassen, wenn es ihm in seine Pläne gepasst hätte. Ich denke, dass ihr wie und warum auch immer, momentan genau dem entsprecht, was der Baron von Brendiltal von euch erwartet." "Womit Eure Aussage, dass in jeder nebachotischen Familie sich die Frau sich auf Heim, Herd und Kindererziehung zu beschränken hat, widerlegt wäre.“ Ihre Augen blitzen immer noch zornig "Und ihr tätet gut daran, eine Frau nicht nur aufgrund ihrer Kleidung zu beurteilen."

Sie hatte den unangenehmen Eindruck, als ob er sie plötzlich wie Freiwild anschauen würde. Hatte er eben gar seinen Blick auf ihrem Busen ruhen lassen? "Ihr seid also eine Kriegerin? Wie meine Schwester...!" Seine Stimme klang ihr merkwürdig, fast sehnend in den Ohren. "Versucht euch daran an uralten Traditionen zu rütteln. Nebachot ist unter gegangen und Rondra hat ihre einst erwählten Recken verlassen und bestraft. Diese Männer würden jeder Frau die ein Schwert halten kann den Himmel auf Dere versprechen um sich ihr Seelenheil zu erkaufen, auf dass auch sie in ihrem vermeintlich nächsten Leben als Frau wieder geboren werden und endlich die Schmach die sie auf ihrem Leben fühlen getilgt ist. Ein Volk der Verlorenen und Verlassenen." Sie sah ihn kopfschüttelnd an "Gerade eben versuchtet ihr mir noch zu erklären, dass mein Platz im Heim bei den Kindern wäre.“ Sie blickte einmal über den Festplatz dann fuhr sie fort "Nein, ich sehe hier kein Volk von Verlorenen und Verlassenen. Ich sehe ein stolzes Volk." "Eure Kinder, erzieht sie ganz nach eurem Sinne, wer Veränderung will muss bei sich anfangen. Ihr werdet sehen was euer Gatte dazu sagt, wenn ihr es verweigert, dass euer Sohn im zarten Alter bereits beginnt in den Rahja Tempel zu gehen. Tragt sorge für das, war ihr in Perricum tut. Nun wenn ihr eben eine Kriegerin sein wollt, dann macht dies mit euren Mitteln, auch wenn ich finde, dass euer Platz eher an der Seite eurer Kinder wäre." Er beobachtete sie genau bei diesen Worten und fuhr fort.

"Stolz? Sie benehmen sich, als würde ihnen Perricum gehören. Ist das Stolz? Anmaßend nenne ich das. Sie laufen, als wären sie es, die diesen Landstrich zusammen halten und hegen und pflegen, dabei haben sie nur den eigenen Machtanspruch im Sinn und das alte Nebachot ist nach wie vor ihr Traum. Säuseln den Frauen Liebesschwüre in die Ohren bis sie ihnen Gehör schenken, um hernach die nächste Eroberung in Angriff zu nehmen. Ihr Leben ist ein einziger Kampf um Anerkennung. Erneut schüttelte sie den Kopf "Wenn ich eine Kriegerin sein will, sagt ihr? Ich bin eine Kriegerin, ob ich das will oder nicht. Es ist Rondras Wille und mein Pflichtgefühl was mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Und was den Stolz angeht. Hat nicht jeder das Recht darauf, auf das was er erreicht hat, stolz zu sein?" Sie sah ihn forsch an und beschloss nichts zu seiner letzten Aussage zu sagen. Er lächelte sie milde an. "Schaut euch Perricum, die Nebachoten, die Raulschen an. Sagen wir...drei Götterläufe lang. Dann treffen wir uns hier wieder und unterhalten uns darüber worin ich recht hatte und worin nicht. Überprüft das, was ich euch gesagt habe. Lebt euer Leben als Kriegerin. Erzieht euren Sohn bekommt weitere Kinder. Ich sage euch, ihr werdet nichts, gar nichts in diesem traditionell geprägten Gefüge aus nebachotischen Männern verändern. Eure Stimme wird sein wie der Wind in der Wüste."

"Habe ich je gesagt, dass ich etwas in diese Land ändern will? Nein, das steht mir nicht zu und das ist auch nicht mein Ziel. Ich will und werde nur mein Leben so leben, wie ich es für richtig halte." Jetzt lächelte Quanion wieder breit. "Ah dann habe ich euch so falsch doch nicht eingeschätzt. Ihr trachtet nicht danach Dinge zu verändern? Das ist nur gut so, denn ich denke ihr solltet euch darüber im Klaren sein wo euer Platz in diesem Landstrich sein wird. An der Seite eures Mannes, der in der göttergewollten Ordnung als künftiger Baron an der Spitze stehen wird. Da kann man nicht einfach immer das tun, wonach einem der Sinn steht. Doch ich denke tief in eurem Innersten habt ihr erkannt, wo euer Platz ist, und dass der Platz, den die Nebachoten ihren Frauen zugedenken genau der Platz ist, an den auch ihr gehört."

Lyns Augen funkelten zornig und gewand stand sie trotz des langen Kleides auf und baute sich vor Quanion auf. Ihre Stimme war eisig und voller Wut als sie deutlich sagte "Ihr habt überhaupt nichts verstanden. Ich habe nicht vor, irgendwas oder irgendwen zu verändern und das das schließt mich ein. Ich hoffe, doch, ich sehe Euch bei der Tjoste, dann werde ich Euch zeigen, wo mein Platz ist, und wo der Eure." Quanion war indes sitzen geblieben. Jetzt wo der kleine goldene Apfel den er eben noch mit Worten zu umwerben gedacht hatte sich in eine saure Quitte verwandelt hatte, war sein Interesse erloschen. Er war sich zumindest sicher, dass er Zwietracht gesät hatte. Wenn der Same des Zweifelns vielleicht nicht gleich keinen würde...er wusste die Nebachoten waren ein Volk mit Traditionen. Er würde zu seinem Triumph kommen. Wenn nicht morgen, dann zu einem späteren Zeitpunkt. Zu Lyn ni Niamad Brendiltal meinte er indes. "Es tut mir leid, dass meine Worte euch so erzürnt haben, doch ich hoffe ihr seht es irgendwann als gut gemeinten Ratschlag den ich euch auf euren Weg mitgeben wollte. Eurer Forderung werde ich in zwei Tagen gerne nachkommen."

"Dann sehen wir uns übermorgen" ein letzter eiskalter Blick striff Quanion bevor sie sich abwandte und ging. Als ein wenig später ihre erste Wut verraucht war, stellte sie amüsiert fest, dass es schon wieder ein Mann geschafft hatte, sie zu unterschätzen, nur weil sie ein Kleid trug. Ein Blick durch die Menge der Gäste verriet ihr, dass dies sicher nicht der letzte gewesen war. Was wohl Ra'oul dazu sagen würde, wenn sie die Hälfte der anwesenden Herren fordern würde...? Ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht, als sie im Kopf die mahnenden Worte ihrer Stiefmutter vernahm, die ihr in solchen Situationen zu mehr Zurückhaltung rieten. Doch konnte sie nicht anders, als sich auf das Turnier zu freuen.