Geschichten:Großfürstenhof – Zweifelfelser Verzweifeln

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Gut Zweifelfels, Kaiserlich Sighelmsmark, Phex 1045 BF:

Rondriga Leodane von Zweifelfels stürmte in das Amtszimmer von Oldebor von Zweifelfels. Entgegen ihrem - für eine Zweifelfelserin - sehr gefassten Naturell, wirkte sie nahezu aufgebracht.

„Hast du es schon gehört?“

„Ja, welch freudiges Ereignis, die Königin hat endlich einen Großfürsten ernannt.“ Oldebor wedelte erfreut mit der Sonderausgabe des Herolds herum. „Der Sohn von Gerwulf ist eine vorzügliche Wahl. Endlich haben die garetischen Lande einen Monarchen, der auch Vorort ist und nicht immer nur fern im Reich.“

„Was? Ja, mag sein … aber sein Hof!“

„Was soll damit sein?“ Oldebor überlegte einen Augenblick, während ihn Rondriga nur fassungslos anstarrte. „Ah du bist nicht Zeremonienmeisterin geworden, wie du es dir erhofft hast. Daher weht also der Wind.“ Der Junker von Zweifelfels lächelte verschmitzt und deutete auf den Herold. „Die Cronenfurt ist wahrlich keine gute Wahl … also hast du noch nicht mal gegen die beste Kandidatin verloren.“

„Findest du das lustig? Unsere Familie hat im blutigen Jahr Hoheneichingen und Lettichau verloren. Was macht die Zyrbelsteiner Hexe? Nichts! Nun standen Brinian und ich kurz davor, einträgliche und einflussreiche Ämter am neuen Großfürstenhof zu erlangen und was passiert? Leomar diese Kabinettshure, wird als Rädelsführer der Großfüchse angeklagt – und auch noch verurteilt. Versteh mich nicht falsch, er hat die Verbannung aus Großgaretien verdient, doch sieh uns an, wir stehen jetzt mit nichts da, keine Einflussmöglichkeit am Hof!“

„Ich verstehe, warum du aufgebracht bist und ja, Leomar hat die Verbannung sicherlich verdient. Doch Nartara wird schon wissen was sie tut, sie ist unser Familienoberhaupt. Ihr Blick richtet sich nicht auf die Goldene Au – so wie deiner – sondern in den Reichsforst. Es ist unser Dienst am Land über den Forst zu wachen.“

„Was ist nur mit dir los? Gesättigt und selbstzufrieden siehst du dem Untergang unserer Familie entgegen, du Narr. Es sind neue Zeiten und für unsere Familie steht viel, wenn nicht gar alles, auf dem Spiel.“

„Ja, es sind neue Zeiten und genau deshalb lege ich mein Schicksal vertrauensvoll in die Hände unseres Oberhauptes. Das solltest du auch tun.“

„Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein.“ Rondriga schüttelte heftig mit ihrem Kopf. Die Niederlage gegen Nartara im Ringen um das Amt des Familienhauptes während des sogenannten Zweifelfelser Zwistes vor wenigen Götterläufen saß immer noch tief. Sie wollte den Einfluss ihres Blutes in der Goldenen Au ausbauen, doch wie es schien, verlor die Familie Zweifelfels außerhalb Waldsteins immer mehr an Einfluss. Nartara, die als Hexe im Kettenhemd verschrien war, richtete ihren Blick einzig auf den wuchernden Forst.

„Gräme dich nicht, alles hat seinen Sinn. Noch etwas Wein?“

Schnaufend stürmte Rondriga aus dem Zimmer. Nein, dieser Tag war kein guter Tag für sie.

Milde lächelnd, schüttete Oldebor seinen Kopf. Ja, es waren neue Zeiten angebrochen, aber das verstand Rondriga noch nicht. Es war viel tiefgreifender. Sein Namensvetter Oldebor von Weyringhaus hatte vor dem Meilersgrunder Gericht sein Leben ausgehaucht. An gebrochenem Herzen, weil die Königin gegenüber Prinz Sigman keine Gnade walten lassen wollte. Sein Tod war die wirkliche Zeitenwende. In Gedanken versunken, hob er sichtlich ergriffen seinen Weinpokal. „Auf Oldebor!“