Geschichten:Der Maulwurf wühlt im Dreck - Teil 3

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Baronie Leihenbutt, Grafschaft Waldstein


Der ältere Mann mit dem gezwirbelten Bart griff gierig nach dem nächsten Krug, setzte ihn an und trank hastig, bis der Gerstensaft aus seinen Mundwinkeln troff.

Bernwart Trondwin, nun wieder normal und unauffällig gewandet, saß in der Schenke „Grabenhaus“ und hatte seinem Gegenüber bereits das fünfte Bier spendiert, doch noch war das Gespräch nicht sonderlich informativ gewesen. In einer Ecke der Schenke saß ein Barde in bunter Tracht, der vom Leid der vertriebenen Tobrier sang.

All das zerrte an Bernwarts Nerven, man war vor den jammernden Tobriern nirgendwo mehr sicher. Man traf einen zufällig und schon meinte er, er müsse einem sein Leid und das seiner Landsleute klagen.

„Und dann, als meine zweite Frau zu Boron gegangen war, da hab’ ich gesacht, nee, das machste nicht mehr mit...“ Der ältere Mann hatte den Krug abgesetzt und seine Aussprache war nun schon verwaschen.

„Das ist ja furchtbar bewegend, mein Freund,“ unterbrach ihn Bernwart unwirsch, „aber ich würde doch gerne wieder auf das eigentliche Thema zurück kommen. Der Brand im Traviatempel. Ihr wart doch dabei, als das Feuer gelöscht wurde, oder?“

Refardeon nickte schwer. „Aber sicher... bei den Zwölfen das hat vielleicht gebrannt! Der arme Alfwin hat sich beim Löschen so schwer die Hände verbrannt, dass er drei Wochen nichts mehr machen konnte... seine Alte soll ihm sogar auf dem Abort geholfen haben....“ Der alte Gardist kicherte albern.

„War irgend etwas außergewöhnliches zu bemerken bei diesem Brand?“ Bernwart wollte nicht so leicht aufgeben. „Es heißt der Blitz habe mehrfach im Tempel eingeschlagen.“

„Schtimmt. Des war ganz schön komisch.... ein Dutzend Gläubige und die Priester sin’ alle verbrannt. Jawoll, so war es. Deswegen musst’ ja auch von außerhalb ein Trav... Traviageweihter kommen, der dann die Comtessa und den Baron vermählt hat.“ Refardeon rülpste laut und wischte sich den Mund mit dem Ärmel seines Leinenhemdes ab.

Seufzend resignierte Bernwart.

„Aber das Komischste überhaupt, war .... naja, dass war schon seltsam,“ stammelte der ältere Mann.

„Was? Was war seltsam? Nur mach schon das Maul auf Mann! Ich weiß schon, warum man dich aus der Garde geworfen hat!“

Refardeon sah sein Gegenüber kurz entsetzt an und hickste, dann fuhr er fort. „Naja, den ganzen Tag hat die... die Sonne gescheint... der Herr Praios hat geleuchtet, so richtig hell und es war kein Wölkchen zu sehen.“

Nun wurde der Spitzel misstrauisch. „Es hat gar kein richtiges Gewitter gegeben?“

„Nicht einen Tropfen hat der Herr Efferd herunter geschickt... aber wenn wir schon von Tropfen reden, ich könnte noch einen gebrauchen..., wenn Ihr wisst, was isch meine“

Alle im Tempel waren ums Leben gekommen. Ein sehr seltsamer Unfall und ein Blitzschlag ohne Gewitter. Dazu keine Augenzeugen. Warum entkam niemand aus dem brennenden Tempel? So oft konnte der Blitz doch gar nicht eingeschlagen haben, dass er alle Menschen im Gebäude zu Asche verbrannt hätte. Auf dem Boronanger hatte er erfahren, dass fast ein Dutzend Gläubige, sowie einige Priester und Novizen getötet worden waren. Warum nur, bei allen Zwölfen hatten sie den Tempel nicht verlassen, nachdem er Feuer gefangen hatte? Alles äußerst merkwürdig, befand Bernwart. Mehr würde er aus dem alten Säufer ohnehin nicht heraus bekommen.

Er bestellte dem entlassenen Büttel ein letztes Bier und stand auf, ohne sich zu verabschieden. Wenn es kein Zufall war, woran er langsam ernste Zweifel entwickelte, genau wie sein Auftraggeber, dann musste Magie oder eine andere Macht mit im Spiel sein. Und Bernwart hasste Zauberer...