Geschichten:Reichsforster Ränke - Das Luringer Grafenturnier 1045 BF
Erlgardsfeld bei Luring, 15. Praios 1045
"Damit steht die finale Paarung fest: Seine Hochwohlgeboren Pfalzgraf Udilbert von Hardt tritt gegen seine Hochgeboren Baron Nimmgalf von Hirschfurten an. Das Finale wird in einem halben Stundenmaß stattfinden. Genug Zeit für die Zuschauer und Gäste, sich noch mal kurz frisch zu machen und neue Getränke und Naschwerk zu besorgen. Doch seid pünktlich zurück, sonst verpasst ihr das Beste des heutigen Tages."
Die stimmgewaltige Ansage der gräflichen Heroldin Selinde von Cronenfurt sorgte für amüsiertes Gelächter im Publikum. Das Finale des Luringer Grafenturniers im Praios 1045 BF wurde mit großer Vorfreude und hohen Erwartungen bedacht.
Nimmgalf warf seinem Gegner einen grimmigen Blick zu. Dann warf er einen Blick ins Publikum. Auf der Tribühne saßen seine Gattin Ederlinde und seine reizende Tochter Irnfrede, sowie sein Sohn Randolf, die ihn unbedingt siegen sehen wollten. Er winkte seiner Frau und seinen Kindern zu, was von diesen erfreut erwidert wurde. Auch Graf Drego winkte ihm stürmisch zu: "Du schaffst das, Nimmgalf! Werd bloß nicht wieder Zweiter!" rief er anfeuernd.
Plötzlich bemerkte Nimmgalf, wie der Pfalzgraf auf ihn zugeritten kam und das Visier öffnete.
"Ihr habt immer noch nicht Eure Schulden bei mir beglichen, Hirschfurten! Ich warne Euch, meine Geduld ist bald am Ende!"
"Ihr scheint die Praiossonne nicht gut zu vertragen, Udilbert, da Ihr schon wieder zu fantasieren scheint. Vielleicht solltet Ihr auf den Ritt verzichten? Das würde eurer Gesundheit sicher entgegen kommen."
"So leicht kommt Ihr mir nicht davon, Nimmgalf!" knurrte der Pfalzgraf. "Wir werden sehen, wer am Ende den Preis zahlt! Hüah!" Damit wendete er sein Pferd und stob er von dannen.
Nimmgalf sah im noch nach.
Nach etwa einem Stundenmaß war nun der Moment des Finales gekommen. Beide Ritter standen sich gegenüber. Zur Linken der Tribüne Baron Nimmgalf mit seiner blinkenden Gestechsrüstung und dem prächtigen Hirschgeweih auf dem Helm, zur Rechten Pfalzgraf Udilbert, in eine schwere Plattenrüstung gewandet, in den windhager Farben der Familie Hardt. Beide waren überaus erfahrene Tjoster, doch wurde der Baron bei den Buchmachern eindeutig favorisiert.
Nachdem die drei Standarten gesenkt wurden, setzten sich die Reiter in Bewegung. Beide wollten sich keine Blöße geben und ritten mit voller Wucht an. In einem gewaltigen Splitterregen zerbarsten die beiden Lanzen an den Schilden. Im zweiten Anritt gelang dem Pfalzgraf ein wuchtiger Treffer, der den Baron beinahe aus dem Sattel befördert hätte. Das Publikum hielt den Atem an. Sollte Nimmgalf tatsächlich verlieren? Der Pfalzgraf lag mit 2 zu 1 Lanzen in Führung! Im dritten Anritt fiel dann die Entscheidung. Baron Nimmgalf fintete gekonnt mit der Lanze, und brachte einen Treffer knapp über dem gegnerischen Schild an, so dass sein Gegner im hohen Bogen aus dem Sattel gerissen wurde und auf der Tjostenbahn liegen blieb. Das war der Sieg für den Hirschfurtener!
Nimmgalf ritt an seinen Gegner heran, der sich gerade wieder aufrappelte. "Wenn diese kleine Flugstunde Euer Preis war, von Hardt, bin ich gerne bereit ihn zu entrichten. Auf alles weitere werdet ihr aber leider verzichten müssen, so wie die das Pergament eures Vaters es mir bestätigte, dass die Schuld beglichen ist", grinste Nimmgalf schadenfroh.
Udilbert warf ihm einen finsteren Blick zu: "Das letzte Wort darüber ist noch nicht gesprochen, Hirschfurten! Ihr werdet noch sehen, was Ihr davon habt." Damit stampfte er wütend von der Tjostenbahn zurück zu seinem Zelt. Sein junger Knappe Danos von Treleneck stütze ihn dabei.
"Und der Sieger des diesjährigen Grafenturnieres ist..." Selinde machte eine Pause für den Trommelwirbel... "Baron Nimmgalf von Hirschfurten! Zum achten... äh... neunten male! Gratulation!"
Nimmgalf ließ sich vom Jubel des Publikums feiern und nahm stolz die Siegestrophähe entgegen. Doch die Worte des Pfalzgrafen trübten seine Freude ein wenig. Er dürfte Udilbert nicht unterschätzen. Doch was hatte er nur vor?
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