Benutzer:Treumunde/BriefspielPerricum
Igel, Ibel, Dachse und Rindviecher
Rondra 1047 BF, Schloss Rossgarten, Baronie Wasserburg
Warme aranische Winde zogen durch das westliche Perricum. Im Rosengarten von Schloss Rossgarten entspannte Korhilda von Sturmfels mit ihrem Gatten in einem schattenspendenden Pavillon. Ihre Bediensteten reichten gekühlten Tee, währenddessen Aliyah diesen lieber in warm bevorzugte.
Die junge Aranieren lag auf einer Decke, den Müßiggang auslebend und bürstete ihre Aranierkatze Nala, während ihr Verlobter Trisdhan von Ochs mit seinem jüngeren Onkel Etilian und seinem Freund Alion den gepflegten Rasen zu einem Immanfeld verwandelte. Dem Gärtner in Blickweite grauste es schon davor das fein gepflegte Gras wieder herzustellen, daher war er hoch erfreut zu hören, dass es den wuseligen Trisdhan alsbald zur Knappschaft zu Nimmgalf von Hirschfurten ziehen würde.
„Am 30. Hesinde wird Trisdan zwölf Götterläufe alt. Und Du willst es wirklich schon festzurren?“ Die Baronin lag entspannt auf einer Liege und blickte fragend zu ihrem Gatten.
„Liebste, ich bin schon ein älteres Semester, ich möchte alles geordnet haben, solange ich noch lebend auf Dere wandle. Die breite Basis muss stehen, damit ein neues Oberhaupt geregelte Verhältnisse vorfindet. Iralda soll in dem Zuge auch die Heirat von Rohaja und Alderan von Hartsteen-Rathsamshausen, und von Ophelia mit Thiolan von Ibelstein vollziehen. Was Klein-Leobrecht angeht bestimmt Elea das weitere Vorgehen. Lechmin ist dann im nächsten Götterlauf an der Reihe.“
Korhilda hasste es, wenn Leobrecht sein Alter thematisierte, daher quittierte sie die Aussage mit einem Klaps auf den Oberarm. „Du weißt ich hasse es, wenn Du Dein Ableben thematisierst. Aber wenn es Dir wichtig ist, werden wir eine kleine Feierlichkeit abhalten, auch die Eltern von Aliyah werden wir einladen.“
Der Reichsvogt brummte zustimmend. „Ich rede nicht über mein Ableben, sondern über die Zukunft des Hauses Ochs. Wenn es nach mir geht, werde ich als alter weiser Greis um scharrt von Enkeln und Urenkeln irgendwann friedlich einschlafen. Aber zu Trisdhan, wir werden einladen und im Schloss Rossgarten die Hochzeitsfeierlichkeiten abhalten. Die Kosten trägt das Haus Ochs, da muss Du Dir keine Gedanken machen. Und ich werde auch noch eine Vereibarung zu einer Verlobung abschließen, die Verkündung ob lasse ich aber dem Baron von Sindelsaum.“
Die Sturmfelserin war gespielt überrascht. „Sie sind retoscher Neuadel. Darauf lässt sich das Oberhaupt des Hauses Ochs ein.“ Hilda lachte schallend, sie mochte es ihren Gatten in dieser Hinsicht zu necken.
„Ja, ja mach Dich ruhig lustig. Ich werde der Anfrage Halmars nachkommen. Das Haus Sindelsaum ist passend für unsere lesebegeisterte Tochter. Die Koscher sind gebildet und ich denke da nur an die Bibliothek des Dachbaus. Faszinierend dieses Hügelhaus. Sie wird keinen pompösen Adligen mit wehrhafter Burg oder Traumschloss ehelichen. Aber es wird gemütlich sein und ihr hesindegefälliger gelehrter Kopf wird sich geistig weiterentwickeln können. Die Koscher sind wie Schlunder. Wir haben seinem Vater Erlan viel zu verdanken. Er hat sich über die Maßen gut um unsere Leonora gekümmert. Sie hat sich unglaublich wohl im Kosch gefühlt. Und auch Idamil ist komplett begeistert von der Herzlichkeit der Koscher. Da werde ich über den Makel des Neuadels hinwegsehen, so wie sie darüber hinwegsehen, dass die Verlobte ein magisches Erbe in sich trägt.“
„Gut gesprochen, Liebster. Die Sindelsaumer sind ein wenig wie die Ochsen. Gemütlich, ritterlich und auch urtümlich. Ich glaube, dass ist eine bessere Wahl als Ardor für Leonora war. Und Idamil ja, … Idamil verbringt sein Tagwerk jetzt in einer Senfmühle.“ Allein der Gedanke daran ließ sie schmunzeln.
„Seine Knappschaft wird er aber bei Halmar antreten und dann Erlan verlassen. Ich will ihm jetzt aber nicht aufzwingen sofort schon zu wechseln. Er ist so glücklich und Erlan ist wahrlich ein herzensguter Mensch. Und gegen leckeren Senf habe ich nichts einzuwenden.“
„Du wirst altersmilde. Strategisch ist ein Senfhersteller aber im Adel nicht zu gebrauchen.“
In Gedanken blickte der Reichsvogt der Efferdstränen in Richtung des Raschtulswalls, das Gebirge was alles veränderte im letzten Jahrzehnt. „Strategisch… ja… weißt Du noch als Tabur starb. Da gab es Giselda, Anaxios und mich. Alle schon älter, meine Schwester außerhalb eines gebärfreudigen Alters. Vor nicht einmal fünfzehn Jahren war der garetische Zweig meines Hauses so gut wie ausgestorben. Aber nicht ich – nicht wir – haben das Haus und seine Zukunft gerettet. Es warst Du. Du hast dem Giganten die Stirn geboten, Du hast mich dazu gebracht den Schritt zu gehen zu heiraten und unsere Kinder den Namen zu geben, den sie verdienen. Du wurdest mit Wasserburg belehnt und das verheißt uns eine glorreiche Zukunft. All Dein Zutun hat dazu geführt, dass wir wieder eine Ochsenherde sind und kein einzelnes klappriges Leittier. Die Furcht, das drohende Aussterben meines Hauses zu sehen, hat mich angetrieben. Wolfaran und Leonora haben sich mehr als bewährt. Sie haben sich ihren Status im Adel erarbeitet. Ich muss also nicht alle unsere Kälbchen auf Erfolg trimmen, da darf ein Idamil auch Flausen im Kopf haben und in einer Senfmühle arbeiten. Vielleicht finde ich für ihn auch eine geeignete Verbindung. Aber wenn nicht, wird es das Haus Ochs nicht schwächen. Seine Geschwister und seine Tanten sind gut untergebracht. Die jungen Kälbchen werden ein wenig Narrenfreiheit erhalten.“
Korhilda wischte sich eine Träne weg. „Dann bin ich mal gespannt, was aus unseren jüngeren Kindern und Enkeln wird, wenn sie nicht mehr in ordnende Bahnen gebracht werden. Und Alecha wie hat sie es aufgefasst?“
„Sie werden alle ihren Weg gehen, da bin ich mir sicher. Administration, Heer, ein anständiger Hof. Ich bin da frohen Mutes. Und wenn einer Abenteurer und Taugenichts wird, dann werden wir das bei der Vielzahl an Kälbchen auch verschmerzen. Alecha hat sich, nachdem ich sie informiert habe, einige Bücher über magische Mysterien des Kosch geben lassen. Sie scheint es zu akzeptieren, ich glaube, wenn ihr zukünftiger Gatte ihr die Freiräume für ihre magischen Studien einräumt, wird sie ihm eine gute Ehefrau sein. Aber zuerst wird Helmbrecht in Knappschaft zu Iralda gehen. Erst bei Ritterschlag wird es zum Traviabund kommen.“