Perricumer Ratsgeschichten - Sturmwogen

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Perricum-Stadt, Halle der Gezeiten, 28.Rahja 1036 BF


„Was ist das? Ein Mann oder eine Memme?“ Erbost fährt eine mächtige Faust auf die Armlehne nieder und nötigt dem guten Eichenholz ein Knarzen ab, welches aber unter dem anschwellenden Grollen seines Verursachers geradezu lächerlich wirkt.

„Der Kerl hat kein Rückgrat, noch nie gehabt! Soll er doch kämpfen, sein Schiff verteidigen, eine Meuterei muss man nieder schlagen und nicht…“ macht Efferdan dylli Turakis, dem Bewahrer von Wind und Wogen aus Perricum weiter seinem Unmut Platz und verrollt unwirsch die Augen begleitet von einem unguten Zischen das aus einem Wasserkessel stammen könnte.

„Und so einer will die Geschicke einer Stadt lenken? Er ist eine Zumutung, und wäre er nicht einigermaßen den Künsten, der Wissenschaft, sowie den Göttern zugewandt gewesen all die Zeit, so hätten die Gilden und auch die Adligen ihn doch längst vom Sockel geholt. Eine willfährige Marionette, das war er, will ich den Stimmen glauben! Die Hand aufgehalten, wann immer einer der Adligen kam, und seine Interessen vertreten haben wollte. Und jetzt behauptet er allen Ernstes jemand will ihm an sein jämmerliches Leben? Dieses Leben, dass in derart engen und gleichförmigen Bahnen verlief, dass mich nicht wundert, dass er nun, wo man sich neuen Gefahren stellen muss, und sich Gelegenheiten ergeben um wichtige Wandlungen durchzusetzen, scheinbar aus den Fugen gerät, und er darum mit schreckgeweiteten Augen nach Luft schnappt, als sei er eine Gnitze die ins Meer geworfen wird!“

Die Stimme hatte ihren Zenit erreicht, und die Farbe des Gesichtes eine deutliche Rotfärbung angenommen. Grell hervor stechende blaue Augen schauten erbost sein Gegenüber an bevor er mit lautem Rücken seinen Stuhl verlässt und beginnt mit energischen Schritten auf und ab zu laufen.

Mit stoischer Ruhe, wie ein Fels in der Brandung, steht der Tempeldiener Tolmar noch immer gegenüber dem Schreibtisch. Die imposante Gestalt des von den Zyklopen stammenden Tempelvorstehers hatte in seinem Monolog keine Widerworte zu gelassen. Der versehrte Tempeldiener, der mit seinem Holzbein gleichsam den Takt in der Kirchenschreibstube vorgab, hatte es übernommen die Neuigkeiten aus über den Magistrat zu überbringen. Er hatte manchen Sturm erlebt und vor allem überlebt. Dies machte ihn häufig zum Boten für schlechte Nachrichten. Ob diese aber wirklich eine war?

Die Bewegung schien dem Tempelvorsteher indes gut zu tun, denn als er erneut ansetzte um zu sprechen, war die Stimme nicht mehr außer Kontrolle, sondern leise, und seine Gesichtsfarbe wirkte wieder gesünder. Er ging auf einen geknüpften Teppich zu, auf dem Frauen kunstvoll eine Schivone im turbulenten Wellenspiel auf dem Meer gebannt hatten und blickte sinnend darauf.

„Eine Mannschaft ist verloren, wenn der Kapitän nicht fähig ist! Und dieser Kerl ist … sicher kein guter Kapitän! Ich werde Ihnen zeigen, was es heißt EINE Mannschaft zu sein! Wenn mich jemand sucht, ich bin auf See!“

Mit diesem Worten verließ der ehemalige Seemann sein Arbeitszimmer und Tolmar wusste, dass er sich unten im Tempel zahlreichen Fragen würde stellen müssen.