Perricumer Ratsgeschichten - Ein Witz

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Reichsstadt Perricum, 17. Rondra 1037 BF

Es ging schon hart auf die Sperrstunde zu, doch die Hafenspelunke war noch gut gefüllt und die Stimmung ungetrübt. Ein fahrender Sänger gab zu den Klängen seiner verstimmten Laute zotige Lieder zum Besten, in deren Kehrreime die Zecher mit mittlerweile zwar schweren Zungen, doch dafür mit umso mehr Inbrunst einfielen und den Takt mitklopften. Für den Nachschub an Feuchtigkeit für die vom Singen ausgetrockneten Kehlen sorgten zwei kräftige Burschen – die Schankmägde hatten in den kleinen Kammern im Obergeschoss längst die persönliche Betreuung von dafür zahlenden Gästen übernommen. Das Geschäft lief gut an diesem Abend. Allein, die Wirtin erklärte jedem, ob er es hören wollte oder nicht, dass der Stadtrat aus einer Bande verbrecherischer Lumpen bestand, die ehrliche Arbeit gar nicht kennten und sich nur auf Kosten der kleinen Leute bereichern wollten. Denn trotz der vielen Gäste für die anstehende Zwölfgöttertjoste würde es wegen der erhöhten Gebühren auf Schanklizenzen kaum Mehreinnahmen geben und sich die Anstellung des Sängers mithin kaum lohnen. Eine Runde von drei Saufkumpanen, ihrem Verhalten und Habitus nach Nichtsnutze und Tagediebe mit genügend Geld in der Tasche, saß in einer der hinteren Ecken des Schankraums und winkte einem gerade eintretenden Mann mit kräftigem schwarzen Schnauzbart, der daraufhin zielstrebig dorthin steuerte und fast überschwänglich begrüßt wurde.

„Na is ja tüchtig was los hier, bei euch“, meinte der Ankömmling mit einer Kopfbewegung in Richtung des Sängers.

„Hier is immer was los, weißdu doch.“

„Aber nicht nur hier“, der Mann grinste, „Kennt ihr schon den neuesten? Hab ich vorhin erst gehört.“

„Was? Meinsdu nen Witz?“

„Nein, meinen Furz natürlich“, quakte der dritte im Bunde dazwischen und ließ es tüchtig krachen. „Haha, sogar riechen kann man den und nicht nur hören!“

„Du bist echt eklig Mann“, beschwerte sich der zweite und rümpfte missbilligend die Nase.

„Jaja, un was is jetz mit dem Witz?“, drängte der erste.

Der Schnauzbart machte ein verschwörerisches Gesicht und die vier steckten ihre Köpfe zusammen: „Die Alxertis wird Konstablerin.“

Das folgende schallende Lachen übertönte sogar den Sänger, der sich ob der Störung seines Liedes über die Länge von Mägdebeinen im Stroh irritiert umsah.

„Im Ernst?“, presste schließlich der zweite hervor, der sich eine Lachträne aus den Augen hatte wischen müssen.

„Sie hat wohl gegenüber einigen Leuten im Rat verlauten lassen, dass sie sich um das Amt bewerben will. Ich hab’s ja auch nicht glauben wollen, aber es stimmt tatsächlich“, versicherte der Schnauzbart.

„Und was bedeutet das nun für uns?“, fragte der erste, nachdem sie sich wieder etwas beruhigt hatten.

„Die Alxertis is mit die schlechteste Wahl, die der Rat treffen könnte. Wer soll die denn nach den Ereignissen in Pelkhafen noch ernst nehmen? Abgehauen is die doch, verkriecht sich in ihrem Stadthaus und wenn sie doch mal rauskommt isse nur in Begleitung zweier Kettenhemden unterwegs. Und ausgerechnet die stellt sich jetzt hin und meint die große Aufklärerin spielen zu müssen? Die is so unfähig, da kannst Du Gift drauf nehmen, dass niemals ans Licht kommt, wer die Barûn-Bari umgelegt hat, oder was sonst für krumme Dinge laufen.“

„Wenn die Alxertis keine Peilung hat, isses doch gut, würde ich meinen. Da kann sich jeder ungestört seinen Geschäften widmen….“

„Ja. Ein blindes Huhn is allemal besser als ein einäugiges, sag ich“, pflichtete der erste seinem Vorredner bei.

„Dass die Alxertis nichts taugt, ist aber leider nicht nur uns vieren bekannt. Und es gibt Leute, die sich eine fähige Konstablerin wünschen. Darum wird die Alxertis es wohl nicht werden. Außerdem: Auch Stochern im Dunkel kann mehr Dinge zu Tage fördern oder in Bewegung setzen als uns oder jemand anderem lieb sein kann“,wandte der Schnauzbart ein.

„Ach, warum immer so pessimistisch?“, klopfte der dritte ihm auf die Schulter und schob ihm einen Humpen Bier hin, „Komm, trink! Auf die zukünftige Konstablerin!“, grölte er laut und die anderen am Tisch stimmten ein.