Der Konvent zu Natzungen - Verrat - Eröffnung mit Hindernissen

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Es war wieder Ruhe eingekehrt im großen Ballsaal von Nacia. Nach einer geschlagenen Stunde waren die Dispute langsam abgeebt und die Herrschaften hatten sich auf Betreiben der Gastgeberin wieder an der Tafel eingefunden. Das letzte Murmeln erstarb, als sich Seine Hochgeboren Brander von Bärenau langsam vom Sitz erhob, um in aller Namen für die Beiträge der Redner zu danken und nun den ersten Punkt des Protokolls vorzustellen gedachte.

Da erhob sich auch seine Schwester, welche neben ihm saß, hob ihren Pokal in die Höhe und sprach: »Doch lasst uns zuerst auf die wohlgefälligen und stolzen Redner trinken!«

Eine anfängliche Verwunderung ob des spontanen Vorstoßes der Dame Ceres von Bärenau-Hardenquell wich schnell einer allgemeinen Zustimmung, und so erhoben sich alle Herrschaften, die großen Kelche in den Händen haltend. Auch der sichtlich irritierte Brander griff zögerlich nach seinem Pokal und erwartete den Trinkspruch seiner Schwester:

»Auf Euch, edle Herren, die Ihr so würdig und stolz wahrhaftig aus unser aller Seelen gesprochen habt!« Da prosteten die Adligen Garetiens dem Zankenblatter und den anderen zu und führten die Pokale zu den Lippen ...

»Haltet ein!«, rief da der Uslenrieder Baron Wulf von Streitzig mit bestimmendem, Ton und ließ die Leute vor Schreck zusammenfahren, so dass manch einer Mühe hatte, seinen Wein im Kelch zu halten. Ungläubiges Staunen und das Verlangen nach einer Erklärung für dieses Gehabe stand auf den erstarrten Gesichtern geschrieben; keiner sagte auch nur einen Ton ,alle blickten fragend zum Uslenrieder.

Der verließ mit zufriedenem Gesichtsausdruck seinen Platz, nicht ohne seinen Pokal mit sich zu nehmen, und umrundete gemächlich die Tafel. Als er bei dem nicht minder überraschten Baron Brander angekommen war, hielt er inne, schaute träumerisch in seinen Kristallpokal und sprach mit leiser, aber angespannter Stimme:

»Wein ist eine schöne und edle Gabe der Göttin, und ich schätze ihn, wenn er rot wie Blut in meiner Kehle funkelt. Blut jedoch bedeutet Leben, jene Gabe, die wir über alle Maßen schätzen und so lange wie möglich an uns binden wollen! Euer Wein jedoch ... bringt den Tod!«

Nach diesen Worten nahm Baron Wulf einen Schluck und schickte sich an, zu seinem Platz zurückzukehren, während Brander mit entsetzter Miene sein Getränk fallen ließ, so dass der Kristallpokal auf dem Boden laut klirrend zersprang. Sofort war einer der herumstreunenden Wachhunde herbei und konnte nicht schnell genug daran gehindert werden, einiges der Flüssigkeit aufzulecken. Ein paar wohl gewährte Worte Ihrer Hochgeboren Maline, die zu diesem Zeitpunkt einwenig ungehalten schien, ließen Wulf innehalten und zwangen ihn, sich zu erklären. Er drehte sich langsam zu den Bärenauern um und zeigte mit der Rechten auf die Dame Ceres von Bärenau und ihren Gemahl, den Ritter Kilian von Hardenquell, und sprach: »Diese beiden feinen Herrschaften trachten Euch nach dem Leben, mein lieber Bärenau.«

Da sprang die sichtlich nervöse Schwester des Bärenauers von ihrem Sitze und bezichtigte den Uslenrieder, die alles inszeniert zu haben, zum dem Hause Bärenbau zu schaden und es zu spalten! Es wäre ja inzwischen bekannt, dass es mit dem Verhältnis der beiden Häuser zu einander sehr schlecht stehe, und er solle außerdem doch erst einmal Beweise für seine ungeheueren Anschuldigungen erbringen!

Da wies Wulf seien Leute an, den Zeugen aus dem Uslenrieder Lager herzuschaffen. Während dies geschah, erklärte der Baron weiter, dass der Zeuge, der gleich hier vorgeführt werde, einmal der persönliche Gehilfe des Bärenauer Cantzlers gewesen sei. Als solcher sei er vor einigen Monden an ihn herangetreten mit dem Angebot, ihm vertrauliche Informationen zukommen zu lassen. Da sich zu dieser Zeit eine Allianz zwischen den Natzungern und den Bärenauern angebahnt hätte, wäre das Angebot verlockend gewesen. Er habe es aber abgelehnt, da es nicht mit dem Ehrbegriff eines Edelmannes zu vereinbaren gewesen sei. Als aber derselbe Secretär jüngst wiederum bei ihm vorgesprochen habe und sich für die ihn doch sicherlich angenehme und freudige Information vergolden lassen wollte, dass die Schwester des Barons und deren Gemahl die Ermordung Branders während des Konventes planten, ja, da habe er keine andere Möglichkeit gesehen, als den Verräter einzukerkern und einer Befragung zu unterziehen, bei der unter anderem zutage kam, dass die beiden auch für das missglückte Attenbtat6 mit dem vergifteten Bolzen und den Tod des Bärenauer Cantzlers, der vermutlich dem Komplott auf der Spur gewesen, verantwortlich seien!

Bei diesem Wort krallten sich die Finger der Bärenauerin um die Lehen ihres Sitzes. Doch die Beweisführung des Barons (ja, Beweisführung, denn die Versammlung hatte längst Gerichtscharakter angenommen) war noch nicht abgeschlossen. Auf die Frage des Inquisitionsrates, warum er Baron Brander nicht vorgewarnt hätte, entgegnete er, dass es nur unter größter Geheimhaltung möglich gewesen wäre, die Verräter auf frischer Tat zu ertappen und so zu überführen!

Als hätten es die Götter gefügt, zog plötzlich der durstige Wachhund die Aufmerksamkeit auf sich, der nun kläglich wimmernd und von Krämpfen geschüttelt auf dem Boden lag. Schwarzer Geifer troff ihm aus den Lefzen, ein letztes Zucken durchfuhr den Körper, dann lag er unbeweglich da. Sichtlich triumphierend kehrte der Uslenrieder zurück an seinen Platz, als auch schon seine Leute mit dem Zeugen in die Halle kamen. Der Bärenauer erschrak sichtlich, als Wulf auf den arg geschundenen und zu keiner vernünftigen Äußerung fähigen Mann, der einmal der Gehilfe des Bärenauer Cantzlers gewesen war, wies. Dieser Mann könne alles bezeugen, einschließlich dass der Mord ihm selbst, den Uslenrieder Baron, in die Schuhe schoben werden sollkte. Weiterhin bezeuge dieses Protokoll (er wedelte dabei mit einem Stück Pergament), dass sich die Dame Ceres nach dem geglückten Attentat als legitime Erbin des kinderlosen Brander des Bärenauer Thrones bemächtigt hätte, um ... ja, um das zu tun, was der eigentliche Hintergrund dieser Verschwörung sei. Die folgenden Worte kamen wie ein Peitschenhieb aus seinem Munde:

Aus schierer Machtgier ihre Allianz mit dem verfluchten Junker Boronir von Hornbach und den Kultisten in Waldfang dazu zu nützen, die Ordnung in Hartsteen und Reichsforst umfassend zu unterwandern, die Grafschaften ins totale Chaos zu stürzen und so letztendlich der Schwarzen Pest weiteren Nährboden zu bereiten! Daher klage er, Baron Wulf von Streitzig zur Greifenklaue, die Dame Ceres von Bärenau-Hardenquell und ihren Gemahl, Ritter Kilian von Hardenquell, des Hochverrates wider König, Reich und Recht an!

Der Bärenauer Baron, der dies alles fassungslos mitangehört hatte, ließ sich nu sichtbar angeschlagen in seinen Sitz fallen. Sein jüngerer Bruder, der edle Herr Tybalt aber, reagierte als erster und fragte seine Schwester mit scharfem Tone, ob der Uslenrieder wahr gesprochen habe! Da erhob sich deren Gemahl, der Ritter Kilian, um für sich und seine der Ohnmacht nahen Frau zu sprechen.

»Euch, die Ihr in dieser Halle versammelt seid, die Ihr die schwere Anklage, welche gegen und erhoben wurde, mitangehört habt, will ich zu bedenken geben;: Zu keiner Zeit haben wir solch namenlosen Plan, der uns hier angelastet wird, weder erdacht noch ausgeführt. Niemals würden wie das Haus Bärenau derart spalten wollen oder in Verruf bringen, schon gar nicht zu solch finsteren Zeiten! Sicherlich erscheint die Beweisführung dieses schurkischen Barons schlüssig und unanfechtbar. Doch wenn man die Sache genau betrachtet, so werdet Ihr erkennen, dass dieses Szenario genauso gut von ihm selbst bis ins kleinste Detail geplant und ausgeführt sein kann, und zwar, um die starke Allianz zwischen Bärenau und Natzungen zu zersprengen und deren Handlungsfähigkeit einzuschränken. Davon wiederzm würde er in mehreren Belangen profitieren und könnte durch seine solcherart gestärkte Position weiterhin dem Zusammenhalt des Adels schaden! Seht Euch doch diesen jämmerlichen Zeugen an: Von ihm entführt, dann gefoltert, auf dass er zu keiner Äußerung fähig ist, und schließlich gezwungen, ein falsches Geständnis zu unterzeichnen! Oder das missglückte Attentat: Wie leicht wäre es für einen Uslenrieder Schützen gewesen, sich unerkannt unter jenes Gesindel zu mischen, welches Baron Brander da in seinen Wäldern zusammentrieb! Und wie glücklich muss er schließlich über seinen Einfall gewesen sein, das alles noch mit einer Allianz zwischen uns Angeklagten und dem unseligen Hornbacher zu garnieren! Ihr seht, hohe Herrschaften, alles wäre auch anders herum möglich gewesen – und ist es auch! Daher weisen wir die uns angelasteten Verbrechen entschieden zurück und verlangen, dass die Ehre meiner Gemahlin sowie auch meine eigene durch ein Praiosgericht wieder hergestellt wird!«

Ein Murmeln erhob sich da allerorten, welches jedoch sofort von einer Handbewegung des Staatsrates unterbunden wurde. Einen kurzen Blick tauschte er mit dem einmal leicht nickenden Inquisitionsrat, dann hob er an zu sprechen: »Schwer sind die Vorwürfe, die soeben vorgetragen wurden, und noch schwerer werden sie auf den zurückfallen, der falsches Zeugnis abgelegt hat., Da es uns nicht möglich scheint, ohne eine umfassende Untersuchung den Schuldigen zu finden, und in diesem Fall Aussage gegen Aussage steht ... entspreche ich kraft meiner vom König und Reichsbehüter verliehenen Gewalt dem Wunsche der Angeklagten nach einem Gottesurteil, was nach gültigem Gesetz rechtens ist und in diesem Falle gebilligt sei. Möge Praios in all seiner Weisheit und Gerechtigkeit den Übeltäter richten, den aufrechten Streiter aber u8nversehrt und mit größerer Ehre als zuvor auf dem Felde belassen.«

So sprach der Staatsrat und Ihre Hochwohlgeboren Thuronia, Gräfin zu Hartsteen, bestimmte, dass die Versammlung auf den morgigen Praioslauf vertagt werde. Der Kampf jedoch solle noch am Abend des gleichen Tages auf dem Turnierplatz des Schlosses bis zum Tide eines der beiden Streiter ausgefochten werden.

Mit diesen Worten löste sich die Versammlung auf, und viele der verblüfften Adligen verschwanden in den verschiedenen Separées und Salons, um die ungeheuerlichen Vorfälle zu beraten. Unterdessen schmeckte es dem Baron Wulf überhaupt nicht, sich vor dem großen Feldzug, den er unabhängig von der Natzungerin durchzuführen gedachte, möglicherweise noch eine schwere oder gar tödliche Verletzung einzuhandeln. Aber andererseits hatte er ja, so Praios einen kurzen Blick auf das Geschehen warf, nichts zu befürchten ...