Geschichten:Unter Brüdern

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Im Hof unter seinem Fenster war der Hufschlag ankommender Pferde zu hören. Edric sah auf von dem Pergament, das er gerade studiert hatte, erhob sich und ging hinüber um aus dem Fenster zu sehen. Unten konnte er im abendschattigen Hof sehen, wie einige Reiter gerade abstiegen. Einen der Bewaffneten erkannte er sofort: Es war sein jüngerer Bruder. Nachdenklich hob der Junker von Cravolds Haag einen Finger und schob das Brillengestell auf seiner Nase zurecht. "Ist er also schon zurück...", murmelte er leise. "Das wird sie freuen." Dann machte er sich auf, seine Anweisungen für das Familientreffen an die Bediensteten zu geben und Aldron zu empfangen.

Die Kaminhalle im großen Turm der rommilyser Residenz der Firunslicht war düster. Der Abend war hereingebrochen und nur wenige Kerzen brannten. Wärme des schönen Ingerimm-Tages steckte noch in den dicken Mauern und machte ein Kaminfeuer unnötig. Hochlehnige Stühle standen um den blankpolierten Tisch aus dunklem Holz und auf diesem Becher und ein irdener Weinkrug. Am Kopfende stand der Hausherr und wies auf die Stühle. "Setzt euch, Hochgeboren. Willkommen daheim in Travias Namen." Aldron nickte seinem älteren Bruder zu und kam der Aufforderung des Familienoberhauptes nach. "In Travias Namen seid bedankt, Edric. Es war ein strammer Ritt. Ich bin nicht so früh wie gehofft in Nirsengrund losgekommen und die Reise durch das Wehrheimer Land steckt mir wohl immer noch in den Knochen." Edric nickte. Aldron hatte auf seinem Weg nach Greifenfurt ebenfalls bei ihm Quartier genommen. "Gibt es Neuigkeiten vom Kaiserhof? War euer Ansinnen den vom Erfolg gekrönt?" Aldron schenkte sich und seinem Bruder Wein ein, schob Edric einen Becher hinüber. Nach einem Räuspern erwiderte er nachdenklich. "Das wohl." Er machte eine kleine Pause, bis der Diener die Türen geschlossen hatte und fuhr dann fort. "Ich habe einen Reisebericht abzugeben, der wird dich interessieren. Aber ich bitte dich, mich nicht heute zu bedrängen. Selbst im ausgeruhten Zustand fällt es mir schwer, das Mysterium ausreichend zu sortieren. Soviel allerdings: Der gesamte Kaisertross war in einer unheiligen Manipulation des Zeitenstromes gefangen." Edric horchte interessiert auf, sah dann aber, dass Aldron schon eine abwehrende Geste mit der Hand machte und gab erst einmal mit einem Nicken bei. "Davon ab hat der Markgraf mein neues Lehen in den Perrinmarschen bestätigt und auch mein weiteres Ansinnen gutgeheißen." Edric setzte den Becher ab und maß seinen Bruder neugierig mit Blicken. "Anderes Ansinnen? Davon hast du mir noch nichts erzählt... oder habe ich es vergessen? Das könnte natürlich auch sein." _ "Nein, ich wollte mich erst vergewissern." Edric nickte zustimmend. Sein Bruder neigte nicht dazu, ungefragt Gerüchte weiterzugeben. Dazu war er einfach zu wahrheitsliebend. Nachbohren mußte er indes auch nicht, da Aldron bereitwillig fortfuhr: "Ich bin mit einigen Adligen der Markgrafschaft übereingekommen, dass es der Provinz an einem einigendem Band fehlt. Wir wollen einen Waffenbund schaffen, ähnlich den Landrittern Darpatiens oder den Stahlherzen Wehrheims. Seine Ehrlaucht haben das ebenfalls gutgeheißen, das Vorhaben aber vorerst in unseren Händen belassen." - "Du hast dich offenbar gut mit den Verhältnissen arrangiert", kommentierte Edric das Vorhaben seines Bruders und verbarg seine Verdrießliche Miene hinter dem eigenem Weinbecher. "Ich habe einen Vasalleneid geschworen, Edric, zweifach inzwischen. Natürlich halte ich meinem Lehnsherrn die Treue. Eine starke Markgrafschaft kommt dazu der Verteidigung des Arvepasses durchaus zugute." Er machte eine kurze Pause, um seinen Worten mehr Gewicht zu verleihen. "Mit den neuen Zuständen im Rest des Fürstentumes bin ich nicht einverstanden. Ihre Majestät haben sich von den Kirchen einwickeln lassen, aber ich hoffe, daß sie nach Ablauf der Frist diesen Fehler rückgängig machen wird." - "Ja, wenn. Dank Ucurian hängt das wohl maßgeblich davon ab, wie die almadanische Frage geklärt werden wird..."

In diesem Augenblick ging die Tür auf und eine junge Frau im Ornat der Rondrakirche trat ein. Das Gespräch verstummt, während sie die beiden und vor allem Aldron kurz musterte. "Rondra zum Gruße, Hochgeboren. Ich hoffe, ich habe keine wichtigen politischen Gespräche gestört." Edric mischte sich wieder ein. "Ach, ich werde zerstreut. Ich hatte ja ganz vergessen, daß ich seit einigen Tagen noch einen Gast habe... euer Gnaden, setzt euch doch dazu. Ihr stört nicht." Mit geübten Handgriffen schenkte er den dritten Becher ein und schob ihn hinüber. Innerlich lächelte er vergnügt ob seines gelungenen Streiches.




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15. Ing 1032 BF
Unter Brüdern


Kapitel 1

Unter Kampfgefährten
Autor: metal