Geschichten:Dukatenreiter - Arm wie König Mizirion

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Schloss Rossgarten, Baronie Wasserburg Efferd 1043 BF

Wolfaran saß hinter dem massiven Eichentisch, schrieb mit Feder und Tinte einige Briefe, die er mit dem Wappen der Baronie Wasserburg siegelte. Zwischendurch zählte er Dukaten ab, die er von einer großen Truhe in mehrere kleinere Kästchen verteilte.

Er schien jede seiner Aktionen zu dokumentieren und auf der großen Schiefertafel zu vermerken. Der Erbbaronet von Wasserburg war so in seiner Arbeit gefangen, dass er den Besuch nicht kommen hörte.

Leobrecht schritt durch die Türzarge in das Arbeitszimmer des Schlosses Rossgarten. Mit Wohlwollen schaute er seinem Ältesten zu.

Aus dem hitzigen Jungritter war ein umsichtiger junger Mann geworden. Die Zeit nach der Expedition nach Ongalosch hatte seinen Sohn ruhiger werden lassen. Wolfaran besann sich und auch seine außerehelichen Liebschaften stellte er ein. Als hätte ihm die schweren Zeiten seiner Mutter den Kopf gewaschen und ihn eingenordet. Der Reichsvogt war Stolz auf seinen Sprössling, auch wenn sie nicht immer einer Meinung waren.

Der Blick des alten Ochsen schweifte durch das Fenster in den Garten. Seine Frau genoss ihre Zeit mit dem Nesthäkchen Etilian und ihrem Enkel Trisdhan. Trotz aller Widrigkeiten, Leobrecht war ein gesegneter Mann - gesegnet mit einer wundervollen Familie.

Wolfaran schaute hoch, als er Minuten später seinen Vater erblickte. Er nickte ihm freundlich zu und schmunzelte dabei. Es hatte sich wohl herumgesprochen, dass der Reichsvogt und die Baronin sich recht rahjagefällig wieder vertragen hatten.

"Magst Du mich ins Bilde setzen." Leobrecht blätterte durch die Kassenbücher der Baronie Wasserburg, um von Wolfaran mit einem ellenlangen Monolog über alles in Kenntnis gesetzt zu werden. "Vater, wir haben so viele Schulden geerbt, dass ich nicht einmal weiß, ob ich alle Außenstände korrekt erfassen konnte. Mutter und ich haben wirklich versucht sämtliche Schuldscheine zu erfassen, doch es passiert immer wieder, das zwielichtiges Gesindel hier Ansprüche erhebt. Der alte Baron, ich frage mich wirklich, wie er überhaupt noch Essbares außer Hirsebrei auf den Tisch bekommen konnte. Also, wie Du siehst, wir sind arm wie König Mizirion."

"Dazu noch die Rückzahlungen aus dem Schiedsspruch des Markgrafen." Der alte Ochse war sichtlich erschrocken, aber wie immer kampfesmutig. "Kein Joch zu groß! Wie sind Ochsen und wenn die Herde zusammen hält, werden wir auch dieses Feld bestellen. Ihr scheint mir, als habt ihr alles im Griff. Oder irre ich mich. Benötigt ihr noch weitere Unterstützung?"

"Puh, schwer zu sagen. Ich habe mich mit allen Schuldnern unterhalten und bin sie alle abgereist - ich hoffe alle. Mit im Gepäck hatte ich unser Konzept für die Baronie Wasserburg. Mutter und ich haben recht rigoros alles zusammengestrichen und ausgearbeitet. Wir dürfen nicht alles anhalten, die Baronie muss sich auch noch weiterentwickeln können. Denn das Potential direkt an Reichsstraße und Darpat ist enorm." Wolfaran überreichte seinem Vater ein längeres Pamphlet, welches der Reichsvogt voller Sorgfalt las.

"Und waren die Geldgeber einverstanden?"

"Großteils, das Wichtigste, sie erhalten alle ihr Geld. In der Abzahlrate, die ich mit Ihnen vereinbart habe. Ich denke sie haben eingesehen, dass sie ihre Schulden von uns zurückerhalten werden und das nur, wenn wir es hier auch erwirtschaften können. Wir sind Ehrenleute und verstehen unser Handwerk. Es liegt jedoch noch ein steiniger und langer Weg vor uns. Wir versuchen noch ein wenig umzuschulden, weg vom Gesindel hin zu ehrbareren Geldgebern. Ein paar Halsabschneider konnten wir so loswerden, denn Mutter konnte Nimmgalf überzeugen hier einzuspringen."

"Deine Mutter ist eine herausragende Verwalterin und sie hat mir berichtet, dass Du ihr eine große Stütze bist. Und es scheint, als habe ich Dir ein wenig diplomatisches Geschick vererbt."

Ein solches Lob war Wolfaran nicht gewohnt. "Ich weiß Dir wäre Leonora lieber gewesen..." Leobrecht ließ seinen Sohn nicht ausreden. "Es ist, wie es ist. Du wirst Deiner Aufgabe nachkommen, so wie Deine Mutter es sich erwünscht. Ich habe es akzeptiert und es benötigt für mich kein weiteres Aufarbeiten."

"Gut, ich denke die Geldgeber haben unserem Vorschlag zugestimmt, da es mit einem anderen Baron von Wasserburg sicher nicht besser werden würde. Mutter hat trotz der Fehde noch einen guten Ruf und ihr Wort hat Gewicht."

"Und solltet ihr nicht zahlen können stehen sie sicher bald vor den Toren von Burg Ox."

"Das werden wir verhindern."

Leobrecht ging auf seinen Ältesten zu und legte seine Hand auf seine Schulter. Lange lagen die Blicke der Beiden aufeinander. Ein weiterer Schritt zur Versöhnung war getan, es brauchte keine weiteren Worte.