Geschichten:Der Maulwurf wühlt im Dreck - Teil 2

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Baronie Leihenbutt, Grafschaft Waldstein


Bernwart fühlte sich seltsam in den Gewändern eines Pilgers. Er hatte sich einen Wanderstab besorgt und sich rasiert, sowie die Haare gewaschen. Frisches Obst hatte er auf dem Markt gekauft und nachdem er sich vor den Mauern der Stadt umgezogen und zurecht gemacht hatte, machte er sich wieder auf den Weg. Die Wächter am Tor grüßten ihn höflich und ließen ihn herein. Vorsichtig erkundigte er sich nach dem derzeit im Bau befindlichen Traviatempel und einer der Büttel gab ihm bereitwillig Auskunft.

Auf schnellstem Wege lenkte er seine Schritte zum Tempel, von dem er natürlich sehr genau wusste, wo dieser sich befand. Kurz vor der Vermählung des Barons von Leihenbutt mit Comtesa Simiona hatte es ein schreckliches Unglück gegeben und der prächtige, noch gar nicht so alte Tempel war bis auf die Grundmauern abgebrannt. Eine ganze Reihe von Unglücken und eigenartigen Umständen waren immer wieder vorgekommen, seitdem die Comtessa hier angekommen war. Natürlich würde niemand die Comtessa damit in Verbindung bringen, dafür gab es keine Anhaltspunkte. Aber schließlich wurde Bernwart ja dafür bezahlt, dass er seine Nase in den Dreck steckte und alles untersuchte, was eigenartig war, um irgend einen Hinweis zu erhaschen, dass die liebliche Simiona doch irgendwie ihre Finger im Spiel hatte.

Vogt Claudio di Conserrano hatte sich ziemlich eindeutig über die Skrupellosigkeit und Gier dieser Frau geäußert.

Mutter Travidare, nach dem Ableben der alten Geweihtenschaft nun die neue Traviageweihte Leihenbutts, begrüßte den Fremden freundlich und nahm seine Gaben begeistert entgegen. „Die gütige Mutter Travia segne Euch, guter Mann. Kommt doch herein und rastet einige Augenblicke.“

Bernwart nahm Platz und verwickelte die rundliche Geweihte mit den langen blonden Zöpfen in ein belangloses Gespräch.

„Ich bin euch so zu Dank verpflichtet Mutter Travidare, dass ihr mir hier eine Nacht Obhut gewähren wollt, bevor ich weiter ziehe. Ich hörte von einem schrecklichen Unfall, der sich hier zugetragen haben soll. Es heißt, das ganze Gotteshaus sei niedergebrannt. Stimmt das denn?“

Die Miene der Geweihten beschwerte sich mit Sorge. „Die Gnade Borons sei mit den armen Menschen die damals bei dieser schrecklichen Sache ihr Leben verloren. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schlimm das gewesen sein muss. Ich war nicht dabei, aber man berichtete mir, dass der Tempel mehrfach vom Blitz getroffen wurde! Danach brannte er völlig ab. Ich weiß bis heute nicht, warum die damalige Geweihte nicht ins Freie flüchtete.“

Bernwart setzte ein trauriges Gesicht auf und mimte den Betroffenen. „Tja, die Wege der Götter sind manchmal unergründlich. Ich werde für die armen Seelen beten.“

Mutter Travidare war darüber sehr erbaut. „Gut, dass einige Männer von der Garde schnell vor Ort waren und gelöscht haben, sonst hätte das Feuer vielleicht noch viel mehr Schaden angerichtet.“

Der scheinfromme Pilger nickte beflissen. „Den Zwölfen sei Dank, schließlich hätte die ganze Stadt leicht abfackeln können.“

Das hier führte zu nichts. Bernwart würde zu einem späteren Zeitpunkt an einem anderen Punkt wieder ansetzen müssen.


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Autor: Thomas B.