Benutzer:Lichtbote/Briefspiel
Baron von Puleth
Kaiserhain
Dramatis personae:
Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Ritter und Baron von Puleth
Leuward von Schallenberg, Ritter und Felans Vetter
Phexian Ferlinger, Felans Vogt zu Kaiserhain
16. Rahja 1031, vor Kaiserhain in der Baronie Puleth
"Aaaachtung!", klang der gebrüllte Befehl des Waibels über die Wiese, als sich dort die Reihen der Reisigen in den grünen Wappenröcken mit den goldenem Luchs auf der Brust aufgestellt hatten. Die Langwaffen, vornehmlich Spieße, wurden präsentiert und vom kritischen Blick des Waibels abgenommen. Das Ganze hatte mehr was vone iner Parade zu Gareth als einem Eroberungszug in von Strauchdieben und Raubrittern beherrschten Gegend. Felan Rondrik von Schallenberg, der von Graf Luidor ernannte Baron von Puleth saß etwas abseits davon auf seinem Rappen, neben sich seinen treuen Burghauptmann Herbald von Wertesteg, sowie seine Vettern Wulfger und Leuward von Schallenberg. Der vierte Schallenberger und ein Cousin 2.Grades von Felan, Ulfwin von Schallenberg-Zoltheim, trieb sich weiter südlich herum, um die Nachschubwege zu sichern.
Felan war schon lange klar, dass es hier keine Schanze zu stürmen, keine widerspenstige Stadt zu erobern galt, denn die Raubritter, die hier seit dem der schwarze Heerwurm hier entlang gekommen war, den Ort geplündert und beherrscht hatten, waren schon seit einigen Tagen ausgeflogen. Denn der Zug des Ritters aus Rabensbrück war nicht unbemerkt geblieben und vor allem nicht seine vergleichsweise große Schlagkraft. Während der von Graf Geismar ernannte Baron Werdomar von Quintian-Quandt nie größeres Interesse für seine ihm angetragenen Besitzungen gezeigt hatte, hatte Felan vor aus der Baronie wieder das Schmuckstück in der Hartsteener Grafenkrone zu machen, das es einst gewesen war. Mit einem 'eisernen Besen', wolle er aufräumen, hatte Felan seinem Lehnsherrn Luidor versprochen. Dass er damit nicht nur leere Worte verband, sondern auch Taten hatte er gleich nach seiner Hochzeit mit Jalga von Streitzig bewiesen: mit Hilfe seines neuen Anverwandten Wulf von Streitzig, dem Baron von Uslenried und Oberhaupt des jüngeren Hauses Streitzig, hatte er Truppen ausgehoben und war ohne Umschweife aber mit einigen Umwegen nach Puleth marschiert. Die Umwege hatte er in Kauf nehmen müssen, um nicht über geismaranisches Land zu marschieren, der ihm sicher den Weg nicht nur verboten sondern gewiss auch nciht vor Waffengewalt zurückgeschreckt hätte ihn aufzuhalten. Doch wichtig war, dass er nun hier stand, in seiner Baronie. Und er wollte sie nicht eher verlassen, als bis er sich hier eine feste Basis geschaffen hätte.
"Felan, da kommt eine Delegation aus der Stadt.", wandte sich Leuward an den Baron. Der nickte und seine Hände umfassten die Zügel fester. Derweil gab der Waibel den Truppen Befehl sich vorwärts zu bewegen und eine Gasse für die Ankömmlinge zu schaffen. Felan hielt sein Pferd, flankiert von seinen Begleitern, auf der Stelle und sah auf die fünf Personen mit einer Mischung aus verhohlener Neugierde und dem Zurschautragen von praiosgefälliger Strenge herab. Es waren drei Männer und zwei Frauen, gewandet wie Kaufleute, Bauern, Handwerker sowie einem Perainegeweihten.
"Die Zwölfe zum Gruße.", begrüßte Leuward die Ankömmlinge. "Was wünscht ihr von eurem Baron, Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, der hierhergekommen ist um euch von der Zeit der Rechtlosigkeit, des Unfriedens und der Götterlosigkeit zu befreien." Leuwards Worte klangen nicht so selbstsicher, wie dieser es wohl gerne gehabt hätte und Felan musste ein Lächeln verbergen, denn er hatte Leuward noch am vorigen Abend diese Worte einstudieren hören. "Die Zwölfe euch zum Gruße,", antwortete einer der Männer, ein beleibter Mittsechziger mit einem Kaiser-Alrik-Bart, der nach vorne getreten war. Er trug zudem die etwas altertümlich wirkende Praiostagsgewandung, die einem Reichsstadt-Gildenmeister zur Ehre gereicht hätte. "Wir sind die Vertreter der Stadt Kaiserhain und heißen euch willkommen, euer Hochgeboren. Wir entschuldigen uns vielmals, dass euch kein angemessenes Aufgebot begrüßt, aber bis vor zwei Tagen waren wir nicht frei in unseren Entscheidungen und mussten uns der Knute eines Raubritters beugen." Bei diesen Worten verbeugten sich die fünf. "Mein Name ist Phexian Ferlinger,“ sagte er um sich dann zuerst dem Geweihten und dann den anderen Abgesandten zuzuwenden,“und dies ist seine Gnaden Perainehilf Bornemann, Tsaiane Erken, Gunilla Uhlig und Gernbrecht Weizschrot. Wir sind gekommen, um euch zu bitten unsere Stadt und seine Bewohner unter euren Schutz zu nehmen." Der Mann sah Felan offenherzig und aus einem verhärmten Gesicht, das von vielerlei Entbehrung gezeichnet war, mit einem Anflug echter Hoffnung an.
Felan sprang mit einer einzigen Anstrengung aus dem Sattel, um sich den Leuten von Angesicht zu Angesicht zu zeigen. "Brave Bürger und Einwohner der Stadt Kaiserhain. Ich schwöre vor den Zwölfen,“, sprach er die rechte Hand zum Schwur erhoben,“, dass ich euch als meine Schutzbefohlenen aufnehme, ich schwöre vor Praios, dass ich gerecht sein werde, ich schwöre vor Rondra, dass ich ehrenhaft sein werde, ich schwöre vor Peraine, dass ich mildtätig zu den Schwachen und vor Firun, dass ich die Ehrlosen, die euch unterdrückt und gequält haben, jagen werde, um sie für ihre Untaten zu bestrafen." Felan holte Luft, nachdem ihm diese Worte wie ein sprudelnder Quell über die Lippen getreten waren. Die Hoffnung auf den Gesichtern der Kaiserhainer verwandelte sich sichtlich in Erleichterung, ob dieser göttergefälligen Schwüre, denn die Raubritter, allen voran die Familie der Kallerbergs, deren Sprosse Helmar und Geldor Raubritter Puleths waren, hatten auf ein göttergefälliges Leben wenig gegeben. Unter ihrer Herrschaft und der ihrer Spießgesellen, war das einstmals schmucke Städtchen Kaiserhain sichtlich heruntergekommen und ein Hort von üblen Gelichters geworden, dessen sich die braven Städter nicht zu erwehren wussten.
"Bürger Ferlinger, ich werde mit meinen Leuten eure Stadt zu meinem Sitz machen. Hier soll die Gerechtigkeit für die Baronie ihren Anfang nehmen und die alte Ordnung wieder Einzug halten. Ich weiß wohl, dass ihr wenig habt, doch bitte ich darum Quartier für meine Soldaten zu machen. Verköstigt werden sie auf meine Kosten. Lasst in der Stadt verkünden, wer hergekommen ist, und das mein Sinn nur danach strebt unter meinem Banner das Wohl dieses Ortes neu aufleben zu lassen. Jeder Bürger, der eine Eingabe zu machen hat möge sich morgen bei meinem Stellevertreter melden." Dabei deutete er auf Leuward. "Ich werde keine Klage und keine Bitte ungehört lassen. Gleichzeitig bitte ich euch, und den neu zu formenden Rat der Handwerker und Einwohner mir eine Liste über die Zahl der Anwohner, ihrer Berufe und der städtischen Besitzungen zu machen, damit wir erkennen mögen, wo und wie unsere Hand am nötigsten gebraucht wird."
Die Abgesandten verbeugten sich geradezu ehrfürchtig vor Felan und dieser genoss die Ehrerweisung mit einem jovialen Lächeln, das seiner Meinung einem Fürsten aus der Zeit der guten Kaiser ausgezeichnet zu Gesicht gestanden hätte. Der Baron blickte den Leuten nach, denen Leuward und die Soldaten nach Kaiserhain hinein folgten, während er wieder auf sein Pferd aufsitzend und im ‚Triumphzug‘ in Kaiserhain Einzug haltend selbstverliebt noch darüber sinnierte, dass dies ein guter Anfang für seine Herrschaft in Puleth wäre.
Der Rat zu Kaiserhain
Der neue Stadtrat Kaiserhains tritt zusammen. Es bildet sich schnell heraus, dass es unterschwellig ein Ressentiment gegen Felan gibt. Und seine rigoroses Vorgehen gegen Schmuggler und Handel mit Wildermarkkriegsherren und Söldnern. Loyal: Phexian Ferlinger, seine Gnaden Perainehilf Bornemann, Tsaiane Erken, Gunilla Uhlig; Voltana von Kallerberg; Gegner: Answulf Waghold, Firunia Gneisdorp, Gernbrecht Weizschrot (wegen Tobrier), Landolf von Kallerberg
16. Praios 1032, Stadt Kaiserhain
"...in diesem Sinne wünsche ich uns und der Stadt Kaiserhain ein von den Zwölfen glücklich gefügtes neuen Götterlauf, in dem es viel zu erreichen gilt. Geehrte Ratsmitglieder, ich überlasse sie nun ihren zweifellos vielfältigen Aufgaben. Möge der Segen der Zwölfe über euren Bemühungen stehen."
Mit diesen Worten nickte der Baron von Puleth, Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, den Anwesenden knapp zu und verließ danach samt Gefolge die kleine Ratsstube. Zurückblieb der neue Rat der Stadt Kaiserhain unter der Führung des mit äußerst knapper Stimmenmehrheit ernannten Ratsmeisters Phexian Ferlinger. Zum Erstaunen aller hatte der Herr Baron nicht darauf bestanden einen Stadtvogt von seinen Gnaden zu ernennen, sondern die Honoratioren der Stadt aufgefordert unter den ihrigen selbst einen zu wählen, da "ab von den vor uns herrschenden Zeiten wir uns wünschen, dass diese Stadt durch die Hand fähiger Kaufleute und Handwerker erblühe und es dazu keines Kriegers bedürfe." Er würde allein die Sicherheit der Stadt übernehmen, wie es ritterliche Sitte und Pflicht sei und seinen Sitz hier einnehmen als Baron. Das war zugleich Versprechen, wie auch Drohung, denn der Rat hatte ihm gewisse Summen zugesichert aus den zukünftigen Einnahmen der Stadt. Dass er ihnen weitgehend freie Hand ließ, wie sie die Stadt wieder aufzubauen gedachten und dabei sogar tatkräftige Unterstützung in der Anfangszeit durch seine Leute erhalten sollten wurde allgemein freudig angenommen und wurde von den Bürgern mit Wohlwollen angenommen, die befürchtet hatten den einen Tyrannen nur durch den nächsten ersetzt zu sehen. Der Schallenberger hatte begriffen, dass er eine feste Basis für seine seine Bemühungen brauchen würde für seine Unternehmungen in der Baronie und offensichtlich glaubte er sie dadurch zu gewinnen, indem er die Bürger von seiner lauteren und gerechten Art eine Baronie zu verwalten überzeugen wollte.
Zu den weiteren Stadträten gehörten unter anderem Tsaiane Erken, Gunilla Uhlig, Answulf Waghold, Firunia Gneisdorp, Gernbrecht Weizschrot. Dazu waren zu dieser Sitzung zwei Vertreter der ritterlichen Familie Kallerberg anwesend, deren mißratener Verwandter Geldor von Kallerberg und seine Schreckensherrschaft durch die Ankunft des neuen Barons vertrieben worden war. Den Gesichtern in der Runde waren die unterschiedlichsten Stimmungen abzulesen. Hoffnung, Dankbarkeit und Aufbruchstimmung auf der einen Seite, Mißtrauen, Neid und schlecht verhohlene Abneigung, für Nichteingeweihte mit unbekannter Ursache, auf der anderen.
Die Versammlung löste sich nach und nach in kleine Gesprächsgruppen auf in denen sich Freunde und Vertreter gemeinsamer Interessen zusammenfanden. Nach der Wiederherstellung göttergefälliger Ordnung in Kaiserhain durch die bewaffnete Anwesenheit des Schallenbergers gab es viel zu tun: die Stadt war in den vergangenen Jahren recht heruntergekommen und zu einem Treffpunkt von üblem Söldnergesindel und Schmugglern aus und für die im Norden angrenzende Wildermark geworden. Damit hatte der Schallenberger Schluß gemacht: entlang der Reichsstraße hingen nun Schmuggler und Halsabschneider Reih an Reih nebeneinander, die in strengen Verfahren durch den nach praiotischen Maßstäben richtenden Baron abgeurteilt wurden. Dies sollte zur Mahnung geschehen alljenen, die auch nur entfernt hofften ihre dunklen Umtriebe fortführen zu können.
Dies war nicht nur zur Freude der einen, sondern auch zum verdruß derjenigen Bürger geschehen, die heimlich oder mehr oder weniger offen mit den Schmugglern Handel getrieben hatten und dadurch nicht geringe Summen ergaunert hatten. Viele wären überrascht gewesen die honorablen alten und neuen Ratsmitglieder Answulf Waghold und Firunia Gneisdorp unter den Profiteuren der Geldorschen Herrschaft zu finden, doch hatten diese geschickt verstanden ihr Mitwirken zu verschleiern.
Und während Voltana von Kallerberg glaubhaft und mit reinem Gewissen vor dem neuen Baron versichern konnte, dass sie mit den üblen Machenschaften ihres Neffen nichts zu schaffen gehabt hatte, musste Landolf zähneknirschend den Kniefall machen, um seine Unschuld zu beteuern an den Taten seines Vetters 2.Grades. Vorerst hatte der Baron den Worten des Ritters geglaubt, denn ihm war kaum vorstellbar, dass ein Ritter einen Meineid schwören könnte, zumal Landolf niemals öffentlich als Geldors Scherge aufgetreten war. Doch in Wirklichkeit war Landolf der Verbindungsmann Geldors zu mancherlei Kriegsherren und Söldneranführer in der Wildermark. Er hatte für diesen in aller Stille Verhandlungen geführt, wenn es um den Verkauf von auf der Reichsstraße oder in Richtung Praios gelegenen Ortschaften und einsamen Gehöften geraubten Gutes ging. Für seine praiotische Tante Voltana von Kallerberg hatte er nur Spott übrig, den er jetzt aber mehr denn je nur in Gedanken aussprach.
So steckten Waghold, Gneisdorp und Landolf von Kallerberg die Köpfe zusammen und ein Elf hätte mit seinen gespitzten Ohren vernehmen können, wie sie miteinander sprachen und auf ein geflüstertes "Der Schallenberger muss weg." ein Nicken der anderen beiden folgte, zusammen mit geradezu mörderischen Blicken, die auf die Anhänger des neuen Ratsmeisters und diesen selbst fielen...
Räuber im Walde
Dramatis Personae:
Geldor von Kallerberg, Raubritter und jüngerer Bruder Helmars
Rauban Vogeler, Söldnerseele und Vertrauter Geldors
4.Efferd 1032 BF, Burgruine Kaiserforst
Die blendenden Strahlen der hellgleißenden Praiosscheibe durchbrachen das Blätterdickicht, das ein Dach über dem ehemaligen Hof inmitten der Burgruine bildete. In verfallenen Gebäudeteilen hatten sich der Raubritter und seine Gefolgsleute mehr schlecht als recht eingerichtet, doch war es besser als gar nichts zu haben und vorerst würde es reichen. Schließlich hatte Geldor von Kallerberg nicht vor hier länger als nötig zu bleiben. Was aber nicht heiß, dass er nicht dennoch langfristig plante und draußen Wachen gingen und andere eine Wehr aus herausgebrochenen Mauersteinen, Baumstämmen und Astwerk in den Mauerlücken errichteten.
Der schwarzhaarige Mann mit dem schmalen Gesicht und dem dünnen Bärtchen ballte die Faust. Vor zwei Monden hatte er noch in Kaiserhain residiert und seine Macht genossen über diesen Pöbel von Bürgern und auch seine ach so edlen Verwandten hatten ihr Knie vor ihm beugen müssen, wollten sie nicht anderntags mit dem Gesicht im Dreck gefunden werden, und nun? Insbesondere sein älterer Bruder Helmar, der ihm so gönnerhaft Kaiserhain überlassen hatte und selbst nach Puleth gezogen war. Mal sehen ob ihm dieser Plan allerdings gut bekäme. Geldor wußte schon, warum ihm ein kleiner Ort wie Kaiserhain lieber gewesen war, als Puleth, denn je größer der Ort, um so mehr Aufmerksamkeit schenkten ihm die Mächtigen. Um so bitterer war nur, dass man ihn jetzt selbst vertrieben hatte. Was würd eihn sein großer bruder spotten und ihm schwere Vorwürfe machen. Und nun? Im Wald hausen wie ein dreckiger Wegelagerer und Wilderer. Aber er würde es sich zurückholen. Kaiserhain und seinen Familiensitz und dann sich an allen rächen, die jetzt vor dem neuen Baron von Puleth, diesem Schallenberger, buckelten! Ohne die Hilfe seines Bruders! Er spuckte zur Seite und setzt sich auf einen Mauerblock und lehnte sich an die von wilden Wein überwucherte Wand hinter sich, um einen Moment die Augen zu schließen.
"Die Männer sind auf den Posten, wie befohlen, Herr.", weckte ihn eine tiefe und raue Stimme aus seinen Gedanken.
"Hm? Ahja...gutgut."
"Und was machen wir nun, Herr?", fragte der untersetzte Mann, der nichts desto trotz sehr muskulös wirkte, mit dem pockenvernarbten, breiten Gesicht mit den stumpfgrauen Augen, dem blonden Bart und den auf Fingerbreite geschorenen Haarschopf.
"Was wir machen, Rauban? Nun zunächst verhalten wir uns still. Vorräte haben wir ja genug dabei und wir wollen ja nicht unnötig diesen dahergelaufenen Emporkömmling auf uns hier aufmerksam machen. Und wenn er sich anderen Dingen zuwendet, ja dann werden wir wieder aktiv."
"Und für was? Herr." Das 'Herr' kam verspätet und zeugte weniger von echtem Respekt als vielmehr dem Bewußtsein bestraft zu werden, wenn man es wegließe.
"Was was? Natürlich um unsere uns angestammte und zustehende Position wieder zu erlangen! Glaubst doch wohl nciht, dass ich diesem Schallenberger meinen Besitz so einfach überlasse, oder was? Nein, Rauban, das jage ich dem wieder ab.Der wird mich noch verfluchen, das sage ich dir. Mich und den Tag an dem er sich hierher traute." Geldor ballte die Faust erneut und schlug sich in die flache Hand.
"Aber, wie wollen wir das anstellen, Herr? Er hat mehr Leute, mehr Mittel und auch noch die Bürgerlichen auf seiner Seite, weil er sie von euch befr...ich meinte weil uns verjagt hat."
"Nun erst einmal wird er nicht immer soviele Leute haben. Die kosten schließlich Dukaten und so weit ich weiß haben die Schallenberger noch keinen Dukatenscheißer da unten in Rabensbrück stehen. Außerdem muss er, je mehr er von 'seiner' Baronie einnimmt, seine Leute immer weiter verteilen, wenn er Ansprüche erheben will. Und drittens wird er ausser bei uns noch bei anderen auf wenig Gegenliebe stoßen."
"Andere, Herr?"
"Ja andere, du Holzkopf.", ahmte Geldor den einfältig fragenden Tonfall Raubans nach. "Schließlich ist dieser Schallenberger ein Luidorist und hier laufen genug Geismaranhänger rum um den nicht zu mögen. Mit dem Schneck, also dem Staatsrat Schroeckh soll er sich auch nicht so recht verstehen. Damit hätte er die Familien Quintian-Quandt und Stolzenfurt, die beide zu Geismar gehören sowie die Schroeckhs gegen sich." Geldor rieb sich über das Kinn. "Und in Kaiserhain kann ich nicht glauben, dass da unsere 'Lieblinge' wie die Gneisdorp glücklich sind, wenn ihre Schmuggelgeschäfte plötzlich nicht mehr laufen. Ohne geraubte Ware keine Hehlerei."
"Ihr wollt euch also mit allen Verbünden und den Schallenberger angreifen?"
"Hat dir der Dämonensultan ins Hirn geschissen? Wenn uns diese Schreckschraube Malvina von Schroeckh oder der achso edel geborene Lechdan von Quintian-Quandt erwischen würden würden die uns ohne federlesens aufknüpfen. Egal ob wir gegen ihren Gegner agieren würden oder nicht. Nein, wir müssen subtiler vorgehen. Naja mehr oder weniger subtil, denn ich denke an Bocksbert von Stolzenfurt. Der Kerl ist kaum weniger ein Räuber als ich, auch wenn er es besser zu verheimlichen versteht, das gebe ich gerne zu. Nur er gilt zumindest nicht als gesucht und kann Einfluß ausüben und wird einem entsprechenden Angebot sicher nicht abgeneigt bleiben...ja das müsste gehen. Bring mir Tinte, Papier und feder. Ich werde einen Brief verfassen an usneren lieben Vetter auf Gut Silbersteen."
Während der vierschrötige Leibdiener Rauban davonstapfte um das geforderte aus einem der Transportsäcke hervorzuwühlen grinste Geldor bösartig vor sich hin, bereits in Vorfreude auf seine Rache schwelgend, die er an Felan für den Affront ihn zur Flucht getrieben zu haben zu üben gedachte.
Neuordnung
Dramatis Personae:
Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Ritter und Baron von Puleth
Wulfger von Schallenberg, Ritter und Felans Vetter
Ulfwin von Schallenberg-Zoltheim, Ritter und ebenfalls Felans Vetter
Herbald von Wertesteg, Ritter und Felans Hauptmann
Retobrecht Ferlinger, Felans Vogt zu Kaiserhain
27. Boron 1032 BF, Stadt Kaiserhain
Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen stand der Baron von Puleth am Fenster des großen Bürgerhauses und blickte von dort auf das geschäftige Treiben auf der Straße unterhalb des Fensters. Leider war die alte Residenz der Barone von Puleth in der Stadt noch nicht bewohnbar, denn es hatte in den letzten Jahren nicht nur leer gestanden und war das Heim von Tauben und Ratten geworden, sondern es hatte auch unter Plünderung und mutwilliger Zerstörung zu leiden gehabt. So wurde es es zwar derzeit renoviert und wieder eingerichtet, doch war es für Felan noch nicht zu beziehen. Doch dies war nur ein Grund für das emsige Hin und Her vor dem fenster.
Ein weiterer war die Ankunft der Herren, die soeben von einem Diener eingelassen wurden und deren Tritte er auf den Stufen hinauf zu dem großen Zimmer, in dem er wartete, hören konnte. Die ganze Nacht hatte er sich darauf vorbereitet, was auch in einen scheinbar undurchsichtigen Wust aus Papieren und Karten auf dem eichernen Tisch in der Mittes des Raumes resultiert hatte.
Da öffnete sich bereits die Türe und Felan begrüßte die Ankömmlinge, die aus seinen Vettern Wulfger und Ulfwin, sowie seinem treuen Hauptmann und dem neuen Vogt Retobrecht bestanden, im Namen der Zwölfe, die ihm ebenso Grüße der zwölfgöttlichen Geschwister entgegenbrachten.
"Meine Herren, ich habe euch hier zusammengerufen, weil die Entscheidungen die ich getroffen habe in erster Linie euch alle betreffen. Ich habe die Neuordnung der Baronie beschlossen." Er zog aus dem Haufen auf dem Tisch ein großes Blatt hervor, auf dem die Umrisse der Baronie eingezeichnet waren mit einem Teil in blau und braun gezeichneter Linien, sowie schwarzer Punkte für Ortschaften, Güter und Burgen. "In den braunen Strichen erkennt ihr die alten Junkertümer, in den blauen Linien die neuen." "Es sind weniger geworden..", ließ sich Wulfger vernehmen. "Ja das stimmt. Diese Baronie hat in den letzten Götterläufen einen herben Verlust an Menschenleben hinnehmen müssen. Ganze Landstriche sind verödet, Güter niedergebrannt, Dörfer verlassen. Deshalb habe ich beschlossendie Junkertümer in größeren Einheiten zusammenzulegen. Da und dort sind ohnehin die Lehnsnehmer zusammen mit ihren verstorben. Und sie wären neu zu vergeben gewesen. Also habe ich die übrig gebliebenen Junkertümer vergrößert. Lediglich vergrößert haben sich die Junkertümer Sommerau und Königsgrund. Hier im Norden sind die Junkertümer Grünwiesen und Aldengrund verblieben." Die Anwesenden nickten während Felan mit dem Finger über die Karte fuhr und weitersprach.
"Ich hoffe, dass in Sommerau Malvina von Schroeckh sich dadurch dankbar zeigt. Und hoffe, dass in Königsgrund der Lechdan von Quintian-Quandt dadurch still hält." Er hob beschwichtigend die Hand als Wulfger ob dieses Namens empört auffahren wollte. "Ja ich weiß, er ist ein Verwandter Geismars, des Pfeffersacks auf einem Grafenthron, doch hat er sich in der Fehde nie durch Tat und Wort etwas bedeutendes zu schulden kommen lassen und wir brauchen Ruhe dort, denn ich kann es mir nicht leisten mit ihm zu fechten. Dennoch habe ich beschlossen, dass ihr Herbald,", sagte er den Hauptmann anblickend,", dort das Dorf Ashus als Lehen zugesprochen bekommen sollt. Es ist dem Junkertum neu zugesprochen und man hat von dort aus die Möglichkeit die Reichsstraße zu überwachen. Ich weiß dass ihr würdig seid und es auch verstehen werdet mit Lechdan den richtigen Pfad einzuschlagen. Ihr werdet damit auch mein Stachel in Lechdans Seite sein, sollte er sich dennoch gegen mich wehren wollen, und ihr haltet mir damit die Straße frei nach Puleth gegen Räuberbanden. Herbald, ihr wart meinem Vater und mir ein treuer Recke und Freund, ich hoffe ihr nehmt dieses Lehen an, auch wenn es kein leichter Lohn ist." "Hochgeboren, ich bin euch zutiefst dankbar und werde euch nicht enttäuschen!", kamen Herbalds Worte aus tiefst ehrlicher Dankbarkeit, der damit endlich für seine Familie einen sesshaften Punkt gefunden hatte, wo er als landloser Ritter und Dienstritter in der Familie Schallenberg bisher wenig gehabt hatte, ausser einer stählernen Ehre, die er seinen Kinder hätte vererben können. Felan quittierte mit einem freundlichen Lächeln Herbalds Dankesworte. "Gut, wir werden das wie alles andere später noch in einem offiziellen Rahmen begehen. Retobrecht hat dafür Vorsorge treffen lassen. Doch ich bin noch nicht fertig."
Wieder wandte sich der Baron der Karte zu. "Aldengrund im Firun der Baronie wird mein freiherrliches Lehen bleiben. Retobrecht ist mein Stellvertreter, solange ich fort sein sollte." Wulfgers Blick wurde ob dieser Worte von einem enttäuschten Schatten überzogen, hatte er doch gehofft Felan würde ihn zu seinem Vogt ernennen. Doch war er zu stolz und zu standhaft etwas darüber laut zu sagen. Dennoch bemerkte es Felan und musste innerlich in Vorfreude schmunzeln. "Wulfger, ich ahbe dich ncith vergessen. Mein Onkel Ulfried, dein Vater, hat Leuward sein Lehen vererbt. Doch ich habe dich als ehrenhaften Ritter, treuen Freund und ebenso guten Sachwalter kennengelernt, auch wenn ich im Sattel sicher besser bin.", scherzte er mit gespieltem Hochmut und zwang Wulfger zu einem Lächeln. "Nun, wie du siehst ist da in der Mitte noch ein Plätzchen frei...ach rundheraus, Wulfger ich will dich zum Junker von Grünwiesen ernennen und Ulfwin soll soll einer deiner Lehensritter werden, dem ich das Dorf Grünwiesen zugedacht habe." "Ich, ich weiß nicht...", stotterte Wulfger überrascht, während Ulfwin vor Freude strahlte. "Sagt einfach ja, und wir werden die Formalitäten später erledigen. "Ja, ja, bei Praios und Rondra, dreimal ja, Hochgeboren!" Felan grinste und wurde dann wieder ernst. "Sehr gut, ich hattte es erhofft. Natürlich ist auch dieses Lehen eine zweischneidige Sache. Der zuletzt dort gestorbene Lehenshalter war ein Stolzenfurt. Wenn Werdomar von Quintian-Quandt nicht so geschlampt hätte, hätte er wohl einen gewissen Travian von Stolzenfurt zum Junker dort ernannt, der ein nächster Verwandter war und sich schon zum Sprung dazu bereit gemacht haben soll. Doch da er es nicht getan hat nehme ich mir heraus es neu zu vergeben, wie es Recht des Barons ist bei einem Heimfall des lehens. Und Wulfger, ich brauche dich dort. Du kontrollierst damit ein Gutteil der Reichsstraße von Puleth nach Kaiserhain. Mach dich aber darauf gefasst, dass der Stolzenfurter dort Ärger macht, denn das wird der nicht so leicht verwinden, zumal er Geismaraner sein soll." Wulfger nickte. "Mit dem werde ich schon fertig werden, Hochgeboren." "Gut, nichts anderes habe ich erwartet. Ulfwin wird dir sicher eine große Hilfe sein. Er hat einen starken Arm, nicht wahr?" "Worauf ihr euch verlassen könnt!", polterte Ulfwin strahlend und hob die Rechte zur triumphierenden Faust. Ulfwin kam mit Grünwiesen auch zu seinem ersten Lehen, da er bisher ebenso landlos gewesen war wie Wulfger.
"Dann kommen wir zum letzten Teil Puleths...", sagte Felan und wies in den Efferd zugewandten Teil der Baronie. "Dies ist Gut Tannenheim. Der Landstrich ist besonders übel gebeutelt. Vielleicht habt ihr gehört dass ich mich gestern lange mit seiner Gnaden Owilmar von Schroeckh unterhalten habe." "Dem Peraine-Geweihten?", fragte Wulfger überrasch. "Ja, ebendem. Und ich habe beschlossen ihm und dem Orden der drei guten Schwestern von den Feldern das Junkertum Tannenheim, wie ich es getauft habe, als Klosterlande zu übergeben. In Gut Tannenheim wird das Kloster entstehen, wo schon immerdar ein Peraine-Heiligtum stand. Dafür verpflichten sich er und seine Gefolgsleute, sprich der Orden, das Land zu pflegen und dem Baron von Puleth seinen Teil abzuführen. Zumal ich damit auch hoffe die Familie Schroeckh für mich zu gewinnen...oder eher möglichst weit fern zu halten." Bei seinem Grinsen wußten alle, dass er vom spöttisch 'Schneck' gerufenen garetischen Staatsrat Horbald von Schroeckh sprach, und sie lachten gemeinsam. "Nun sei dem wie dem wolle, so habe ich es geplant und so werde ich es tun. Ich hoffe auf eure Unterstützung. Und gemeinsam werden wir, so bin ich gewiß, Puleth wieder zu einer Perle in den Kronen Hartsteens und Garetiens machen!" Die letzten Worte gingen fast in dem Jubel seiner Gefolgsleute unter.
Silbersteen
Dramatis personae
Bocksbert von Stolzenfurt, Ritter zu Silbersteen
Haldan von Stolzenfurt, Ritter und Sohn Bocksberts
Korhelm von Stolzenfurt, Ritter und Bocksberts Vetter
Rauban Vogeler, Abgesandter Geldor von Kallerbergs
5. Firun 1032 BF, Gut Silbersteen, Baronie Puleth
"..und dies ist der Brief meines Herrn für euch, hoher Herr." Rauban, der Spießgeselle Geldor von Kallerbergs und in diesem Fall Sendbote seines Raubritterherrn reichte das gesiegelte Pergament dem auf einem Lehnstuhl sitzenden Bocksbert, dessen gewaltige Körpermasse sich langsam von Muskeln zu Fett wandelten. Er wurde rechts und links von seinem noch sehr jung wirkenden Sohn Haldan und seinem Vetter Korhelm flankiert. Während Haldan eine ernste Miene aufgesetzt hatte, die vermuten ließen, dass er keine freundlichen Gedanken für den Überbringer dieser Botschaft übrig hatte, spielte eine sardonisch wirkendes grinsen über Korhelms Lippen, das er aber nicht nur für Rauban aufsparte, sondern allenthalben zur Schau trug.
Die Augen unter den buschigen Augenbrauen Bocksberts musterten Rauban und den in der ausgestreckten hand hingehaltenen Brief einen Moment, bevor er ihm diesen förmlich aus der Hand riß. Bocksbert brach das Siegel und entfaltete ihn, bevor er stumm die Lippen bewegend den inhalt des Schreibens las, um es anschließend seinem Vetter hinzuhalten, der den Inhalt gemeinsam mit haldan überflog.
"Warum bei Firuns haarigen Eiern sollte ich auf ein solches Angebot eingehen? Noch dazu vorgestellt von einem Verbrecher wie Geldor und überbracht von einem seiner Halsabschneider." Während Haldan hörbar bei diesen blasphemisch anmutenden Worten nach Luft schnappte war Rauban innerlich erleichtert. Allein diese Fragen eröffneten ihm, dass der Ritter ernsthaft die Vorteile gegen die Nachteile dieses Angebots abwog und er nicht einfach an der nächsten Eiche aufgeknüpft würde, wie er es bei einem anderen Ritter hätte erwarten müssen. Geldor hatte Bocksbert richtig eingeschätzt. Die Frage hatte Bocksbert nicht an rauban gestellt sondern offensichtlich mehr zu sich selbst und Korhelm.
"Vater, wie kannst du nur...", empörte sich Haldan, bevor ihm Bocksbert über den Mund fuhr. "Still, ich habe nicht dich gefragt. Also Korhelm, was denkst Du?" Während Haldan sich zurückhielte beugte sich Korhelm vor, strich sich über den dünnen Kinnbart und fasste laut zusammen. "Nun angesichts der Tatsache, dass sich dieser Schallenberg scheinbar fest eingenistet hat, dass er ein Luidorist ist und dass er bereits Travian übel mitgespielt hat, indem er ihm das Junkertum Grünwiesen vorenthalten hat udn stattdessen seinem verwandten zugeschustert hat..." Bocksbert grunzte unbestimmt. "Verstehe. Also bist du dafür.",sagte Bocksbert sinnierend und stützte seinen Ellenbogen auf den Tisch und umfasste mit der rechten Hand seine linke, um darauf sein Kinn zu legen. Dann erhob er das Gesicht zu Rauban.
"Sag deinem Herrn wir erwägen seine Worte. Wenn er uns beweisen kann, dass wir mehr Nutzen davon haben, als ihn nur in seinen eigenen Plänen zu unterstützen dann kann er unsere Stärke zu seiner dazurechnen. Aber dazu will ich mehr sehen als die hohlen Worte eines Raubritters. Lasst Taten sprechen. Ein Stolzenfurt läßt sich auf kein Alveranskommando ein. Aber wenn er zeigt, dass er etwas kann dann können wir gemeinsam diesen Emporkömmling vertreiben. Und nun verschwindet." Rauban nickte und eilte hinaus, um seinen Herrn eilends Bericht zu erstatten.
Sturmwacht - Siedlerzug
Dramatis personae
Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Baron von Puleth
Leuward von Schallenberg, Ritter von Reitacker und Felans Vetter
Averich Quelling, Anwerber
29.Phex 1032 BF, Burg Sturmwacht, Baronie Rabensbrück
"Nun, was habt ihr mir zum Abschluß zu berichten, Meister Quelling?", fragte Felan den hageren, aber nichts desto trotz lebenslustig wirkenden Mann, der in buntes Tuch gekleidet vor dem Tisch des Barons in der alten Stammburg der Schallenbergs stand und einen Berg an Rollen Pergament auf den Armen trug, die er vorsichtig auf den Schreibtisch ablegte. Dabei wurde er auch von Leuward mit belustigten Blicken bedacht, da es keine einfache Aufgabe war dies ohne das Herunterfallen einer Rolle zu bewerkstelligen.
"Es ist alles schneller abgeschlossen als zuvor gedacht, was erfreulich ist, euer Hochgeboren. Wir haben die Siedler eingeteilt nach den Orten und Höfen, wo ihr sie ansiedeln lassen wolltet und die meisten haben sich bereits gut eingelebt. Ich kann vermelden sie haben sich erstaunlich leicht in die Ordnung gefunden, was wohl einen wesentlichen Wesenszug der Tobrier entspricht. Ihr werdet viel Freude als Lehensherr an ihnen haben. Äh, aber,", räusperte sich Averich Quelling und öffnete eine der Pergamentrollen, die er anhand farbiger Wollfäden zu unterscheiden vermochte,"ihr wolltet ja wissen was und wieviele und so weiter..." Felan nickte nur und machte eine Handbewegung um ihn fortfahren zu lassen. "Unter den Handwerkern haben wir einen Schmiedemeister der Rüstungsschmiedekunst sowie zwei Schmiedegesellen, Grobschmiede wenn ich recht sehe..." Felan hob überrascht und erfreut eine Augenbraue. Schmiede waren gefragte Personen, aber vermutlich hatte er gegen die alteingesessene Konkurrenz in der Reichsstadt Hartsteen nicht ankommen können. "...dazu kommt ein Glasbläserehepaar..." Noch eine erfreuliche Verkündung für Felan, auch wenn es sicher länger dauern würde bis diese ihre Werke würden vorstellen können, aber die Glasmacherkunst war besonders zu fördern, da sie großen Gewinn versprach. "...und dazu ein Küfer, ein Zimmermann und Geselle, ein Köhler, sowie ein Steinmetz, den Hochgeboren extra gewünscht hat. Die Familien dieser Handwerker nicht dazugerechnet. Dazu kommen natürlich noch die Bauern und Feldarbeiter, die das versprochene Land in Pacht nehmen wollen, sowie die Holzfäller und Tagelöhner für Kaiserhain. Wie ihr es wünschtet habe ich eine Liste nach Eignung für bestimmte Aufgaben wie Büttel und Garde hinzugefügt." Felan nahm die entsprechenden Schriftrollen entgegen und warf einen kurzen Blick auf sie, um anschließend zufriedne zu nicken.
"Vortrefflich, Meister Quelling. Habt ihr auch die anderen Vorbereitungen getroffen?" "Jawohl, Hochgeboren. Die Vorräte und das Werkmaterial wurden bereits vorausgesendet und sollten den Siedlern schon zur Verfügung stehen. Ganz nach euren Wünschen. Es wurde bereits eine Saat auf die Felder gebracht. Ach aber, wenn mir eine Bemerkung gestattet ist, Hochgeboren...?" "Nur zu, Quelling, nur zu." "Es scheint mir einige Querelen zu geben mit ansässigen Bewohnern gewisser Orte, wo ihr die Neusiedler vorerst unterzubringen wünschtet. Meine Boten wurden nicht allenthalben freundlich empfangen." Felans Gesicht verdunkelte sich etwas ungehalten. Nicht über Quellings Aussage, sondern, dass diese sturen Pulethaner Dickschädel sich anschickten sich so sehr gegen die neuen Nachbarn zu wehren, wenn auch nur latent und nicht offen. "Lasst das meine Sorge sein. Die werden schon noch merken, dass es auch in ihrem Interesse ist." "Natürlich, Hochgeboren, wie Hochgeboren meinen. Nun ich...ähm habe hier noch eine Aufstellung der Kosten und Spesen, die ihr sicherlich auch sehen wollt..." Beinahe zaghaft übergab Averich Quelling dem Baron das Stück Papier der nach kurzem Blick die Augenbrauen in die Höhe riß und kräftig schlucken musste. "Sankt Argelion! Ich hätte nicht gedacht, dass mich das ein solches Vermögen kosten würde!" "Hochgeboren, ich.." "Keine Furcht, Meister Quelling.", warf Leuward von Schallenberg ein. "Mein Vetter wird euch bezahlen. Lasst ihn nur erst den Schock verwinden. Er hat gewußt auf was er sich da einläßt." Sein Lächeln ließ Felan sich ebenfalls ein säuerliches Lächeln abringen. "Natürlich, das werde ich. Seid gewiß. Leuward, würdest du bitte Meister Quelling den baren Teil auszahlen und die Wechsel überreichen. Ich brauche erstmal einen Schluck...."
Averich Quelling folgte dem grinsenden Ritter nach draußen, während Felan sich aus einem Tonkrug Schnaps in einen Becher goß und in einem Zug hinunterstürzte. "Bei den Zwölfen, diese Ausgaben sollen sich besser bezahlt machen, sonst bin ich so pleite wie der Erlan von Zankenblatt...", murmelte er. Doch jetzt war die Ausgabe schon getan und es ging nur noch darum sie sich auch als richtig bewähren zu lassen. Und dazu war er felsenfest entschlossen!
Söldner aus der Wildermark
Dramatis Personae,
Rauban Vogeler, Abgesandter Geldor von Kallerbergs
Marbron, Hauptmann der blutigen Sensen
Tharleon, Schwarzmagus in der Wildermark
3.Rondra 1033 BF, südliche Wildermark
Rauban ärgerte sich. Er ärgerte sich darüber, dass man ihn so lange warten ließ. Aber noch mehr ärgerte er sich, dass er es aus Furcht nicht wagen konnte sich darüber lauthals zu beschweren und dass ihm überhaupt dieser ganze Auftrag nicht nur zuwider war, sondern ihm den grauenhaften Eindruck hinterließ, er müsse bei diesem Kerl am besten kriechend erscheinen, um hier lebend wieder wegzukommen. Er schaute sich noch einmal um. Der Regen des gestrigen Tages hatte das Gelände aufgeweicht und die Stiefel der hier lagernden Söldner hatten ihr übriges getan um den Boden in die reinste Schlammsuhle zu verwandeln. Nur rund um das Zelt aus schwarz-roten Stoffbahnen schien der Boden unberührt fest, auch wenn das Gras dort verdorrt war. Schwarze Magie. Bei dem Gedanken schauderte es den Abgesandten des Raubritters Geldor von Kallerbergs erneut. Er hoffte das würde man ihm nicht zu sehr ansehen, denn sowas würde ihm gerade unter den blutigen Sensen, den Söldnern dessen Lager das hier war, als Schwäche ausgelegt werden. Er warf einen Blick auf die im kalten Wind aufgebauschten schwarzen Banner mit den gekreuzten blutroten Sensen, dem Wappenbild des Söldnerbanners. Korverflucht! Es war eine Sache ein Räuber und Gesetzloser zu sein, eine ganz anderer ein Mörder und Gewaltverbrecher wie es diese Söldner offensichtlich waren, unter dem Deckmantel des blutigen Sohns der Herrin Rondra. Was reiner Hohn war, wenn man wußte, unter wessen Banner sie derzeit dienten. Aber es schien ihnen und ihrem Hauptmann egal zu sein, dass ihr derzeitiger Herr ein im kaiserlichen Mittelreich gesuchter Schwarzmagier war, ein Borbaradianer, dem man einzig zugute Halten konnte, das man nicht wußte ob er ein Dämonenpaktierer war oder nicht.
Eine Bahn vom Eingang des Magierzeltes wurde zurückgeschlagen und das brutale Gesicht des Hauptmanns wurde hinausgestreckt. "Reinkommen!", blaffte Marbron, dessen wenig fantasievolle beiname der Blutige war, Rauban befehlend an, bevor er sich ins Innere zurückzog. Die Wachen am Eingang des Zeltes beäugten Rauban mit einem höhnischen Lächeln, ließen ihn aber ungehindert passieren. Seine Waffen hatte er ohnehin schon vorher abgeben müssen nach einer selbst für einen wie ihn entwürdigenden Durchsuchung. Rauban senkte den Kopf als er durch den Eingang in die erstaunlich angenehme Wärme des Zeltes trat. Der Boden des luxuriös großen Raumes war mit üppigen Teppichen und dicken Schafsfellen belegt. Hinter einer den Raum teilenden Tuchbahn nahm er die Schlafgelegenheit des Magiers an, während der vordere Teil von einem großen Tisch und einer Art Reisethronsessel eingenommen wurde. Auf diesem saß Tharleon, der Schwarzmagier. Später konnte Rauban nicht mal mehr genau sagen, wie dieser ausgesehen hatte. Dabei war ihm nicht bewußt, ob er es einfach vergessen hatte, oder ob wiederum schwarze Magie im Spiel gewesen war. Aber an die Stimme würde er sich erinnern können, die klang als würde ein Messer über einen Stahlblock geschärft.
"Wir haben die Botschaft erhalten. Sagt eurem Herrn als erstes, dass ich es nicht schätze, wenn man glaubt mich ködern zu können. Nur weil euer neuer Baron einer der Ritter war, die mein Domizil in Appelhof zerstört haben soll er nicht glauben, dass Rache mich blind werden ließe in ein Abenteuer zu stolpern. Einen Pakt mit Blakharaz habe ich nicht geschlossen." Rauban zuckte unwillkürlich bei der Nennung des Erzdämonen der erbarmungslosen Rache zusammen. Aber nicht nur der Name allein, sondern das unausgesprochene dahinter, nämlich dass Tharleon womöglich mit einem anderen Erzdämonen einen Pakt geschlossen haben könnte, ließ ihn in Angstschweiß ausbrechen. Er wußte, das seinem eigenen Herrn die Gebote der Götter nicht eben am Herzen lagen. Ebenso wie er gewußt hatte, dass das Versprechen darauf sich an Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig rächen zu können, zu Appelhofs Zeiten ein Junker zu Rabensbrück und nun aufgestiegen Baron von Puleth, nur ein schwacher Punkt gewesen war, auf den Geldor gebaut hatte. Der Scherge des Pulether Raubritters schwieg dennoch, denn der Schwarzmagier schien noch etwas hinzufügen zu wollen, auch wenn er einen Moment geschwiegen hatte. Zumal Rauban gar nicht gewußt hätte ob er in diesem Augenblick überhaupt ein vernünftiges Wort hervorgebracht hätte. "Dennoch...", fuhr Tharleon fort. "Dennoch hat euer Plan mein Interesse wecken können, gerade eure Angebote in Bezug auf gewisse Privilegien im Anschluß an unseren Triumph. Ihr dürft also ausrichten, dass wir bereit sind uns zu beteiligen. Die Details darüber wie ich gedenke meine Kräfte mit den seinen zu vereinen habe ich in einem Brief festgehalten, der nur für ihn bestimmt ist." Von welchen privilegien der Magier sprach, war rauban nicht bewußt, denn er hatte ausser einer mündlichen Botschaft auch eine schriftliche bei sich getragen, deren Inhalt er nicht kannte. Der bullige Hauptmann Marbron, der bisher an der Seite des Magiers gestanden hatte, trat vor und drückte Rauban einen kleinen gefaltenen und gesiegelten Brief in die Hände. "Da ich annehme, dass ihr wünscht so shcnell als mögliche zurückzukehren wünsche ich euch eine angenehme Reise und ich hoffe ich höre bald erneut von eurem hohen Herrn.", schien der Magus ihre recht einseitige Unterhaltung abshcließen zu wollen. Rauban verbeugte sich und hatte sich bereits umgedreht, um zu gehen, als ihm noch von hinten Worte trafen. "Möge er nicht versagen. Wir mögen keine Verhandlungspartner, die versagen."
Verschwörung in Kaiserhain
Dramatis Personae:
Landolf von Kallerberg, Ritter und Vetter 2.Grades von Geldor von Kallerberg
Answulf Waghold, Ratsherr in Kaiserhain
Firunia Gneisdorp, Ratsfrau in Kaiserhain
Gernbrecht Weizschrot, Ratsherr in Kaiserhain
9.Firun 1033 BF, ein Stadthaus in Kaiserhain
Der kalte Wind Firuns rüttelte an den Fensterläden, die verschlossen waren und zusätzlich mit dicken Wolltüchern verhangen waren, um einerseites den kalten Wind sicher draußen zu wissen und andererseits weder Licht noch Laut nach aussen dringen zu lassen. Der Raum in dem Haus, das dem Ratsherren Answuld Waghold gehörte, wurde durch einen großen Kerzenständer und den Kamin erhellt, in dem ein hell loderndes Feuer brannte.
Der Ritter Landolf von Kallerberg, der auch gleichzeitig der Wortführer dieser Gruppe war, war gerade eben als Letzter der vier teilnehmer des heutigen Treffens vom Hausherrn in den Raum geführt worden und hatte von diesem höchstselbst einen Kelch mit Wein gereicht bekommen. Während Waghold und die Ratsfrau Firunia Gneisdorp den Ritter fast erwartungsvoll anblickten, während dieser einen Schluck des Rebensaftes nahm, schien der vierte Teilnehmer, der breitgebaute Ratsherr Gernbrecht Weizschrot, unruhig und nervös. Ihm war anzusehen, dass ihm dieses Treffen nicht vollkommen angenehm war, und dennoch schien auch er begierig zu hören, was der Kallerberger zu sagen hatte. Der Ritter lachte innerlich bei dem Gedanken an seine Tante Voltana, die entsetzt wäre, wenn sie wüßte was er hier trieb. Sie hatte, egnau wie er, einen Eid auf den neuen Baron geleistet. Doch im Gegensatz zu ihr war dieser Eid für Landolf ein Lippenbekenntnis gewesen. Schon ihre Neffen Helmar und Geldor hatten sie mit ihrem Handeln immer wieder in tiefste Gewissensnöte getrieben zwischen Familie und dieser vorgeblichen Ritterspflicht zu wählen. Letztlich hatte sie gar nichts getan. Und auch jetzt war Landolf sicher, dass sie sich, hätte sie von dieser Runde gewußt, eher wieder verkrochen hätte, als einen Finger zu rühren sie aufzuhalten.
Landolf setzt den Kelch ab, sah die drei Mitstreiter einen nach dem anderen an und begann dann zu sprechen. "Ich habe Nachricht von meinem Vetter erhalten." "Und? Was hat er euch mitgeteilt?", fragte die Gneisdorp ungeduldig. Die hagere Frau mit dem ergrauenden dunkelblonden Haar hatte das schmale Gesicht eines Habichts mit einem ebensolch schnabelartigen Zinken und schien wie ein Raubvogel begierig auf seine Worte zu lauern. "Er hat unseren Plan bestätigt. Wenn im Phex der Schallenberg nach Sturmfels aufgebrochen ist wird er im Süden radau machen, so dass die zurückgebliebenen Gardisten seiner 'Hochgeboren' sich werden gezwungen sehen nach auszurücken, um dem ein Ende zu machen. Während dann mein vetter Geldor also mit denen dann dort unten Katz und Maus spielt schlagen wir hier oben los. Nächtens werden wir dafür Sorgen, dass die wachen auf unserer Seite stehen oder den Morgen nicht erleben und gleichzeitig die von meinem Vetter angeheuerten Söldner aus der Wildermark Einlaß gewährt bekommen, um hier wieder für die alten Zustände zu sorgen, die uns so am Herzen liegen." Landolf grinste, was von den anderen in der Runde als Siegesgewissheit interpretiert wurde, während er ihnen aber verschwieg, dass diese Söldner im eigentlichen Sinne auf den Befehl des Schwarzmagiers Tharleon hören würden. Aber das war ein Detail, das sie nicht wissen mussten und das sie nur unnötig zum Zögern verleitet hätte können.
"Was ist..ich meine was machen wir mit denen, die nicht auf unserer Seite stehen?", wagte Weizschrot einzuwerfen. Weizschrot gehörte nicht zum Verschwörerkreis der ersten Stunde. Er war erst zu Ihnen gestoßen, als der Baron Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig begonnen hatte tobrischen Flüchtlingen Land zu überlassen, um es neu zu bestellen, da es seit Jahren brach gelegen hatte nachdem der schwarze Heerwurm hier gewütet hatte. Das war jedoch für viele alteingesessene Bewohner der Baronie Puleth ein kaum zu akzeptierender Angriff auf ihre stolzen Gefühle gewesen. Tobrier! Ausländer mit seltsamen Sitten allesamt! Die sollten hier nichts zu suchen haben! So oder ähnlich hatte es vielerorten geklungen. Natürlich auch, weil viele gehofft hatten selbst sich an dem Land bereichern zu können, das nun an die tobrischen Siedler geangen war. Weizschrot war einer der Wortführer in Kaiserhain gewesen, die gegen die Tobrier gewettert hatten. Aber er war ein Pfeffersack mit Blick auf seinen Geldbeutel und niemand, der sich wirklich gegen die Obrigkeit sich aufgelehnt hätte, wenn es darum gegangen wäre sich selbstständig zu so etwas zu bemühen. Waghold hatte ihn angeschleppt, um damit auch ihre Sache noch mehr zu legitimieren. Ein Ratsherr war ein Ratsherr. Zudem war er ein alter Konkurrent zum alten Phexian Ferlinger, der sich beim Baron lieb Kind gemacht hatte und dafür zum Ratsmeister der Stadt aufgestiegen war. Landolf wusste also, dass Weizschrot ein Wackelkandidat war und bemühte sich deswegen ihm beschwichtigend zu begegnen.
"Nun, die werden wir wohl zunächst einsperren müssen. Wenn sie dann erkannt haben, dass es auch zu ihrem besten ist, dann können wir sie wieder freilassen." Bei diesen Worten verzog die Gneisdorp ihr Gesicht zu einem undamenhaft höhnischen Grinsen, dass Weizschrot nicht sehen konnte, denn ihr war genauso wie Landolf und Waghold klar, dass kaum jemand sich bekehren lassen würde und diese entweder sterben würden oder im Karzer verrotten würden. Einige lästige Geschäftskonkurrenten weniger. "Natürlich bis auf den Ferlinger und seinen Balg." Mit dem "Balg" meinte er Ferlingers Sohn Retobrecht, der inwzischen eine Art Haushofmeister des Schallenbergers geworden war. "Die sind zu gefährlich und würden womöglich nur versuchen uns wieder zu vertreiben." Weizschrot nickte verständnisvoll, auch wenn sein Gesichtsausdruck Bände davon sprach, dass sein Gewissen ihn quälen könnte. Doch das war landolf egal. Wenn er später umfallen sollte würde man ihn egnauso wie die anderen entsorgen, die nciht auf ihrer Seite standen. Dass er vorher etwas verraten würde davon war nicht auszugehen, denn er steckte schon viel zu tief mit dirn.
"Also können wir uns darauf freuen: im Phex endet die kurze Herrschaft dieses Möchtegernbarons! Auf Geldor und die gute alte Zeit!" Sie erhoben alle ihre Kelche und stießen mit Landolf an auf den sicheren Sieg und die gute, alte und vor allem gewinnbringende Zeit.
Ist die Katze aus dem Haus...
Dramatis Personae,
Wulfger von Schallenberg, Junker von Grünwiesen
Ulfwin von Schallenberg-Zoltheim, Ritter zu Grünwiesen
Phex 1033 BF, ein Stadthaus in Kaiserhain
Der Bote hatte die Nachricht vor wenigen Stunden überbracht. Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, der Baron von Puleth, war erst wenige Tage fort, doch würde man ihm jetzt einen Boten nachsenden würde ihn dieser vermutlich erst in der Markgrafschaft Perricum erreichen, vielleicht erst in Sturmfels. Wulfger fluchte und ballte die Faust. Hatte sein Vetter unbedingt jetzt zu dieser Reise aufbrechen müssen? Nur um mit diesen Streitzigs...Wulfger unterbrach seine Gedanken und lenkte den Blick zurück auf den Brief, den ihm Herbald von Wertesteg gesandt hatte. Der Ritter zu Ashus im Süden Puleths bat darum dringend um Unterstützung in Form von Truppen aus Kaiserhain. Das hieße er müsste mindestens ein Halbbanner der Luchsgarde, wie neuerdings die mit dem goldenen Schallenberger Luchs auf grünen Grund gewandeten Wachen genannt wurden. Doch ob sie mit der Gefahr im Süden fertig würden?
Es polterte auf der Treppe und Ulfwin trat ein. "Die Leuin zum Gruße." Der Ritter aus dem Haus Schallenberg-Zoltheim begrüßte Wulfger mit einer Mischung aus Mitleid und Zuversicht, die Wulfger mit einem einem bitteren aber ehrlichen Lächeln beantwortete.
"Rondra auch mit dir...du weißt es schon?"
Ulfwin nickte. "Ja, ich habe den Boten getroffen. Also hat sich Geldor von Kallerberg endlich aus seinem Versteck gewagt?"
"Dazu hat er sich den denkbar günstigstens Zeitpunkt gewählt. Vor allem ungünstig für uns. Dieser Hundsfott von einem Raubritter überfällt wehrlose Bauern und hat vor zwei Tagen scheinbar eine ganze Familie an einem Baum vor Ashus aufhängen lassen, während Herbald gerade an der Reichsstraße war, kaum zwei Wegstunden entfernt aber vollkommen ahnungslos."
"Das muss den alten Kämpen ganz schön an die Nieren gegangen sein."
"Das kannst du wohl laut sagen. Er hat sich direkt an die Verfolgung gemacht, musste diese aber abbrechen, als er merkte, dass Geldor ihm an Leuten zahlenmäßig weit überlegen war."
"Wie weit denn?"
"Nun Herbald hatte zehn Frauen und Männer bei sich und Geldor mindestens zwei Dutzend, nicht schlecht ausgerüstet."
Ulfwin hob überrascht eine Augenbraue, während Wulfger fortfuhr."
"Und das waren scheinbar noch nicht einmal alle. Zeitgleich zu diesem Überfall fand ein anderer bei Pervalsrode statt, wie ich aus einer anderen Meldung weiß. Auch Geldors Leute."
"Verdammt, das heißt er geht massiv vor."
"Das heißt es. Und obwohl diese Unternehmen scheinbar völlig willkürliche Ziele haben und kaum mehr im Sinn haben als Zerstörung und Mord. Doch ich gehe davon aus, dass er uns ohnehin nur nach Süden in eine Falle locken will."
"Und was machen wir dann?"
"Mir bleibt kaum eine andere Wahl als zu reagieren. Ich habe bereits Anweisung gegeben die Leute sammeln zu lassen. Ich lasse nur wenige hier und hatte vor direkt nach Süden zu marschieren, mich mit Herbalds Leuten zu vereinen und gegen Geldor vorzugehen. Wir haben den Vorteil, das die Unsrigen ausgebildete Soldaten sind und gut ausgerüstet. Er hat vielleicht mehr, aber seine Schergen sind vor allem üble Halsabschneider und Wegelagerer ohne Disziplin. Einen Boten an Felan habe ich entsandt, aber vermutlich erreicht er ihn zu spät, als dass er umkehren und uns schnell helfen könte."
"Was ist mit dem Streitzig?"
"Du meinst Baron Wulf? Guter Punkt. Ich werde auch ihm einen Boten senden. Vielleicht können die Waldsteiner uns zu HIlfe kommen. Aber auch das wird dauern und wir werden vorerst alleine losschlagen müssen."
"Und du willst, obwohl du weißt, dass Geldor vermutlich eine Falle für dich errichtet hat, direkt hineinlaufen?"
"Er ermordet unschuldige Frauen, Kinder und Greise! Da kann ich nicht tatenlos zusehen und mich hier verkriechen! Ich habe keine andere Wahl, als Ritter und Felans Stellvertreter! Ich bete zu Rondra und Phex, dass sie unsere Klingen führt und er uns mit seiner göttlichen List hilft, und zu Praios, dass ich Geldor seiner gerechten Strafe zuführe."
"Dein Wort in der Zwölfe Ohr, Wulfger. Ich bete mit dir."
...tanzen die Mäuse auf dem Tisch
Phex 1033 In Kaiserhain treffen die Söldner aus der Wildermark ein: die Loyalisten werden getötet oder eingesperrt, die Gegner übernehmen die Macht...aber es wird nicht so wie erwartet: auch die Stadträte die Felans Gegner waren bekommen nciht ihre erhoffte Belohnung. Im Gegenteil terrorisieren jetzt die Söldner Kaiserhain.
Dramatis Personae
Landolf von Kallerberg, Ritter und Vetter 2.Grades von Geldor von Kallerberg
Marbron, Hauptmann der blutigen Sensen
Phexian Ferlinger, Ratsmeister der Stadt Kaiserhain
Retobrecht Ferlinger, Vogt des Barons zu Kaiserhain
Answulf Waghold, Ratsherr in Kaiserhain
Firunia Gneisdorp, Ratsfrau in Kaiserhain
Gernbrecht Weizschrot, Ratsherr in Kaiserhain
Mitte Phex 1033 BF, Ratshaus der Stadt Kaiserhain
Auf den Straßen herrschte das Chaos und flackernder Feuerschein, der durch die neuen Glasfenster des Ratssaales das Innere des Raumes erleuchtete, tauchte den Augenblick in ein alptraumhaftes und unwirkliches Sein. Nur einen Tag nachdem die Vertreter des abwesenden Barons, Wulfger von Schallenberg und Ulfwin von Schallenberg-Zoltheim aufgebrochen waren mit ihrer Streitmacht um gegen den immer dreister agierenden Raubritter Geldor von Kallerberg im Süden der Baronie Puleth vorzugehen waren nächtens die Schergen aus der Wildermark in Kaiserhain eingefallen. Die wenigen Gardisten des Barons waren entweder im Zeughaus gefangengesetzt oder, wenn sie sich gewehrt hatten, an Ort und Stelle niedergemacht worden. Danach hatte das Söldnerbanner der blutigen Sensen, das die Attacke auf das reichstreue Städtchen durchgeführt hatte, mit Hilfe von städtischen Helfershelfern alle Personen ausfindig gemacht, die den neuen Baron bejubelt hatten, als dieser den tyrannisch herrschenden Geldor von Kallerberg vertrieben hatte.
Ganze Familien wurden in nichts als ihre Nachtgewänder gekleidet zusammengetrieben und nach einer entwürdigenden Durchsuchung ebenso im Zeughaus eingesperrt. Darunter waren vor allem Ratsmitglieder, die den Ratsmeister Phexian ferlinger unterstützt hatten. Aber auch Kaufleute und Handwerker, die der alten Bande um den Kallerberger Räuber eine Konkurrenz waren.
Auf dem Sessel des Ratsmeisters thronte Landolf von Kallerberg, der diese nacht maßgeblich inszeniert hatte, neben sich stehend Marbron, den grobschlächtigen Hauptmann der dinsteren Söldner, die draußen bereits begonnen hatten die Häuser der Verhafteten zu plündern. Mit einem höhnischen Lächeln bedachte LÖandolf die vor ihm auf den Boden zum Kniefall gezwungen Ferlinger, den Vater und Ratsmeister Phexian, den Sohn und freiherrlichen Vogt, Retobrecht. Umstanden wurde die Szenerie ausserdem von Söldnern der blutigen Sensen sowie einigen ausgewählten Ratsleuten, die auf Seiten Landolfs und seines Vetters standen, dessen Rückkehr sie vorbereiteten. Ratsherr Answulf Waghold und Ratsfrau Firunia Gneisdorp trugen die Schadenfreude über den Fall der Ferlinger offen zur Schau und feierten still ihren Triumph, auch wenn man in ihren Gesichtern nur allzudeutlich den langgepflegten Hass ablesen konnte, den sie in Bezug auf den den alten Ferlinger hegten. Hingegen schien Ratsherr Gernbrecht Weizschrot nervös und unsicher, als wäre es ihm unangenehm hier zu sein. Ein ihm schräg zugeworfener zorniger Blick von Phexian Ferlinger ließ ihn den Blick beschämt zu Boden senken, als wüßte er, dass diese rihm diesen verrat besonders anlastete. Als der Ratsmeister dazu auch noch eine Maulschelle von einem der Söldner für das unerlaubte Heben des Kopfes kassierte zuckte Weizschrot zusammen, als hätte ihn der Schlag selbst getroffen.
"Ei der daus, wenn das kein angenehmer Anblick ist.", übertönte Landolf den Lärm, der von der Straße heraufdrang. "Der Speichellecker des Schallenbergers und sein arschkriecherischer Sohn zu unseren Füßen. Wo ist er denn jetzt euer guter Baron, er der geschworen hat euch zu schützen, hä? Hat ja nicht lange gehalten seine Herrschaft. Aber keine Angst, bald wird euer alter Herr wieder hier sein. Geldor wird euch schon zeigen, dass er nicht vergessen hat wie man richtig herrscht. Und straft." Bei diesen Worten und der Erinnerung an die Terrorherrschaft Geldors in Kaiserhain erbleichte besonders Retobrecht sichtlich, denn es war nur zu bekannt, dass Geldor mit Vorliebe die Hand an die Ehefrauen von ihm als Zielobjekte seines Zorns auserkorener Männer legte und diese zwang dabei zuzusehen. "Legt nur eine Hand an meine Hilke und ich werde..." "Was, kleiner Bettelvogt? Du willst mir drohen? Vor mir auf den Knien rutschend willst DU mir drohen? Glaube ja nicht ihr würdet eine ebssere behandlung kriegen, nur weil ihr euch zu Füßen dieses Schallenbergers gewunden habt, um euer Pöstchen zugeschustert zu bekommen." Landolf erhob sich mit arroganter Wut in der Stimme von seiner Sitzgelegenheit und beugte sich über retobrecht, der den Blick mit zusammengebissenen Zähnen zu Boden gesenkt hatte. "Du kleine Made, wir werden jeden zerquetschen, der glaubt sich uns entgegenstellen zu können...wie du es wohl auch von draußen schon hörst." Er drehte sich zu Marbron um. "Hauptmann, schafft mir diesen Dreck bitte aus den Augen und sperrt ihn im Keller ein. Dort kann er mit seiner Familie hocken, bis Geldor wiederkehrt. Den Alten...mit dem dürft ihr machen was ihr wollt. Vielleicht braucht ihr noch eine Zielscheibe für Schießübungen?" Während der Söldnerhauptmann nur grimmig lächelnd die Lippen verzog hatte Gernbrecht erschrocken das Gesicht verzogen. "Landolf ihr hattet gesagt ihr würdet sie nur einsperren und..." "Ich hatte nicht gesagt, dass wir sie nicht noch zudem bestrafen würden, Weizschrot.", fuhr er den erschütterten Mann an, der daraufhin still blieb.
Marbron nickte seinen Söldnern zu. Zwei packten Retobrecht und zogen ihn Richtung Ausgang, um ihn im Keller beim Rest der Familie Ferlinger einzusperren. Zwei anderen packten den sichtlich gebrochenen Phexian, als dieser nicht sofort spurte hieb einer dem weißbärtigen seine Faust in den Magen, so dass dieser in sich zusammenfiel. "Vaaaater!", schrie Retobrecht, während er noch aus dem Zimmer gezerrt wurde. Und Landolf lächelte. Die Tage der Kallerberger Herrschaft hatten wieder begonnen.
Der Baron kehrt zurück
Ende Phex 1033 Felan kehrt zurück und findet die Baronie in schlimmen Aufruhr: Als Felan zurückkommt muss er feststellen, dass im Süden Geldor Katz und Maus spielt und die Schallenberger ihn nicht erwischen und im Norden Kaiserhain dicht ist und er plötzlich zwischen den Fronten hockt. Daraufhin wird er angriffen und kann sich nur mit Mühe und Not einer völligen Vernichtung auf dem Schlachtfeld entziehen.
Dramatis Personae:
Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Baron von Puleth
Wulfger von Schallenberg, Junker von Grünwiesen
Ulfwin von Schallenberg-Zoltheim, Ritter zu Grünwiesen
Herbald von Wertesteg, Ritter zu Ashus
26. Phex 1033 BF
Felan hatte die gepanzerte Faust geballt und schlug wütend auf die Platte des hölzernen Tisches in dem kleinen Bauernhaus, dass er sich zu seinem zeitweiligen Hauptquartier auserkoren hatte, der ächzte und beinahe unter der Wucht des Hiebes zusammenbrach.
"Erst werde ich auf dem Weg zurück nach Hause in meine Baronie von diesen Geisteskranken, die sich Pulethaner schimpfen, überfallen und kann nur dank des jungen Ochs' den Kampf überstehen und zu Hause angekommen muss ich hören, dass ihr meine Baronie diesen dreimalverfluchten Kallerberger Abschaum in die Hände gespielt habt? Bei Praios, ich hätte sie aufhängen sollen! Alle miteinander, dieses dreckige PACK!"
Felans Stimme steigerte sich zu einem wütenden Gebrüll, als er die Arbeit des letzten Jahres in wenigen Minuten unter seinen Händen zerrinnen sah. Bei seinen letzten Worten schien offen, ob er damit allein die Familie Kallerberg meinte oder auch die städtischen Bürger Kaiserhains, die nun wieder gemeinsame Sache mit dem Raubritter machten kaum dass felan ihnen den Rücken zukehrte. Betretenes Schweigen herrschten um ihn herum, denn die anderen anwesenden Verwandten und Ritter wußten nicht, was sie darauf entgegnen sollten. Zumindest im Kern hatte er Recht, denn sie hatten es nciht vermocht die Schliche des Raubritters Geldor von Kallerberg zu durchschauen und so die Stadt Kaiserhain schutzlos dem Angriff ausgeliefert. Aber ebensowenig war es ihnen gelungen den Raubritter zu stellen, zu dessen Zweck sie die Stadt überhaupt seiner Wachen entblößt hatten. Zumindest aber hatten sie evrnehmen können, dass nicht alle Kaiserhainer von Felan abgefallen waren und es sogar offenen wie versteckten Widerstand gab, auf der Hoffnung des baldig zurückehren Barons begründet. Doch das war ein schwacher Trost.
"Nicht genug dessen! Nein, jetzt hocken wir hier auch in steter Flucht vor diesem verfluchten Geldor im Süden und den söldnerischen Schergen seines Vettern im Norden! Wulfger, die Liste mit den Verlusten aus dem letzten Kampf...ich sollte es Gemetzel nennen. Rondra vergib uns usnere feige Flucht..." Er barg sein Gesicht in der linken Hand, während Wulfger von Schallenberg vortrat und ein Stück Papier hochielt um im schwachen Schein der Lampe davon zu lesen. Das letzte Zusammentreffen mit Geldors Mannen hatte sich als äußerst blutig erwiesen. Felan war in die Baronie Puleth zurückhgekehrt, kurz nachdem die Kunde von der Einnahme Kaiserhains durch das Söldnerbanner "blutige Sensen" nach Süden gedrungen war. In dem Versuch seine Truppen im Süden, die vergeblich Jagd auf Geldor gemacht hatten, zu sammeln waren sie in einen Hinterhalt geraten. Die Räuber hatten sie in einem Hohlweg überfallen und waren dabei wohl vorbereitet gewesen. Blut war im Strömen geflossen, wie es Felan schien, und auch wenn sich die Verluste an Zahlen in Waage gehalten haben mochten so wogen die für Felan doch schwerer. Ein gut ausgebildete Gardist Felans war nicht so leicht zu ersetzen wie das Kroppzeug, das Geldor um sich geschart hatte. Wenigstens waren aber die Söldlinge der blutigen Sensen, die man Geldor offenbar als Unterstützung nach Süden geschickt hatte samt und sonders erschlagen worden. Nur half Felan das wenig, denn jetzt waren seine Zahlen erheblich geschwunden und ein versuch Kaiserhain mit den verbleibenden Mannen und Frauen zu erobern einem Alveranskommando gleichgekommen. Das erinenrte ihn an das Unternehmen, in dem das dämonenbesetzte Appelhof eingenommen worden war und auch ein Alveranskommando....Wulfgers Stimme riß ihn aus seiner Erinnerung.
"Wir haben zehn Tote und zwölf Verletzte, wovon vermutlich sechs das Licht des Morgens nicht mehr erblicken werden. Damit verfügen wir, uns eingeschlossen noch über zwei Dutzend Mann unter Waffen, die kampffähig sind." Wulfger ließ das Papier sinken. "Felan, wir könnten uns zurückziehen aus Puleth und von außen erneut...." "Nein! Niemals werde ich mich aus meiner Baronie zurückziehen. Ich habe vor den Zwölfen geschworen und ich habe nicht vor meinen Eid zu brechen und ehrlos zu werden. Die Unschuldigen in Kaiserhain müssen Rettung erfahren, die Schuldigen ihr Strafgericht bekommen. Und wenn es mich mein Leben kostet!"
Er hielt einen Moment inne und holte Luft. "Wir werden weiterkämpfen und versuchen uns nach Burg Aldengrund durchzuschlagen. Dort können wir uns konsolidieren. Und von dort werde ich versuchen die Junker zu meiner Hilfe zu rufen." Ulfwin von Schallenberg-Zoltheim, verzog das Gesicht. "Glaubst du wirklich, Felan, dass der Quintian-Quandt oder die Schroeckh uns helfen werden? Ganz besonders nicht der Quintian-Quandt." Felan winkte ab. "Ich weiß, dass er ein Geismaraner ist. Aber weder sie noch er können wollen, das hier wieder ein Raubritter die Zügel in die Hand bekommt. Ich muss es zumindest versuchen. Es mag mich meine Würde kosten den Kniefall zu tun vor einer Malvina von Schroekh, aber besser meine Würde als das Leben eines mir zum Schutz Anempfohlenen." Daraufhin nickte Ulfwin, während Herbald von Wertesteg einen Schritt vortrat. "Euer Hochgeboren, haben wir schon etwas aus Uslenried gehört? Es war doch Nachricht entsandt worden?" Felan richtete daraufhin seinen fragenden Blick Richtung Wulfger, der jedoch den Kopf schüttelte. "Tut mir leid, von dort gab es noch keine Botschaft." Felan nickte schicksalsergeben."Nun, die Götter helfen denen, die sich selbst helfen. Es wird an uns sein zu erkennen, was der richtige Weg ist. Doch gibt es nur ein Vorwärts, kein Zurück. Und Schallenberger Blut wird fließen, um diesen Eid besiegelt zu halten und unser Wort als wahrhaftig in Dere erklingen zu lassen. Im Morgengrauen marschieren wir weiter. Nach Norden." Felans Befehl wurde ohne Widerspruch angenommen, als würde man sich darauf verlassen, dass er alles wieder ins Lot bringen würde. Die Verwandten und Freunde ließen ihn alleine im Raum. Die Verantwortung lastete schwer auf Felans Schultern und im Licht der Lampe schien es als hätten sich erste Falten in sein junges Gesicht eingegraben.
Ein gieriger Hund
Ende Phex 1033 Bocksbert nimmt Geldors Allianzgebot an
Dramatis Personae:
Bocksbert von Stolzenfurt, Ritter zu Silbersteen
Haldan von Stolzenfurt, Ritter und Sohn Bocksberts
Korhelm von Stolzenfurt, Ritter und Bocksberts Vetter
27. Phex 1033
"...und senden euch dies zum Beweis, als für wie wertvoll wir eure moralische Unterstützung gleich wie euren starken Arm in der Restauration eines großen Puleths erachten würden.", las Bocksbert laut aus dem Brief vor, den er in der Rechten hielt, während seine linke ganz offensichtlich sehr angetan über einen seidig glänzenden Pelz fahren ließ, der aus einem großen Ballen hervorschaute. Der Ballen gehörte zu einer ganzen Ladung von wertvoller Fracht, die direkt aus der Schmugglerei der Wildermark stammen musste, was wiederum vermutlich Ergebnis eines Raubüberfalls auf einen bornländischen Händler oder ähnliches gewesen sein musste, und nun im Hof von Gut Silbersteen stand. Der breite, fast feiste Bocksbert, dessen muskulöse Arme aber dennoch rohe Brutalität auszustrahlen vermochten, hatte ein gieriges Glitzern in den Augen, als er das "Geschenk" Geldors von Kallerbergs begutachtete. Neben ihm stand sein Vetter und enger Vertrauter, Korhelm von Stolzenfurt und schien ebenso angetan von diesem unerwarteten Reichtum, der vermuten ließ, dass Geldor noch sehr viel mehr zu bieten hatte, wenn dieses Geschenk ohne Zusageerwartung so üppig ausfiel.
"Nun werter Vetter, da fällt es wohl leicht eine Aussage zu treffen, nicht wahr?", fühlte Korhelm nach Bocksbert Stimmung vor. "Bei Praios goldenen Arsch, wenn er usndies schon schenkt, dann wird noch viel mehr zu holen sein, das denke ich wohl! So wie er den Schallenberger aus Kaiserhain geprügelt hat und ihn nun durch die Baronie jagt wird es sein, als fiele uns die Frucht wie eine reife Frucht in den Schoß! Und so wie Geldor sich ausdrückt brauche ich nichts zu tun als ihm meine Unterstützung zuzusagen. Die soll er haben!" "Vater, du kannst dich doch nicht so kauf...", wagte Haldan vorzutreten und empört einzuwerfen, bevor er sich eine schallende Ohrfeige seines überraschend geschwinden Vaters einhandelte, die seinen schmalen Körper herumwarf und ihn wie vom Blitz getroffen zu Boden stürzen ließ. "Halt dein Maul! Ich hab dich nicht gefragt. ICH treffe hier die Entscheidungen udn ich werde Geldors Angebot annehmen, wenn es solch einträgliche Ware einbringt! Der Schallenberger ist geschlagen! Ich wäre dämlich würde ich nicht davon profitieren." Haldan rieb sich die langsam rot anschwellende Wange und schüttelte den Kopf. "Es ist nicht Recht, bei Praios und Rondra...", murmelte er, ohne das sein Vater ihn mehr als einen verächtlichem Blick widmete, bevor Bocksbert sich an Geldors Sendboten wandte. "Ich werde ein Schreiben für euren Herrn anfertigen. Kommt nachher zu meiner Schreibstube." Noch als der Sendbote nickte widmete sich Bocksbert wieder der Ware.
So bemerkte er nicht, wie der schmerzhaft verzogene Blick seines Sohnes sich in eine Maske der Entschlossenheit verwandelte. Noch in der Nacht verschwand Haldan unbemerkt vom Gut des Vaters und ließ diesen am nächsten Morgen einen Tobsuchtsanfall erleiden. Doch wohin der Sohn verschwunden war blieb zunächst verborgen.
Kein Pudding für Kallerberg
Dramatis Personae:
- Malvina von Schroeckh, Junkerin von Sommerau
- Owilmar von Schroeckh, Abt zu Tannenheim und Malvinas Vetter
- Perainalf von Schroeckh-Wulfensteyr, Ehegatte von Malvina
- Horwart von Schroeckh, Ritter zu Sommerau und Malvinas Sohn
28.Phex 1033 BF, Haus der Familie Schroeck im Markt Sommerau
Es war ein lauer Phexabend, in dem die Familie Schroeckh am Abendbrotstisch saß und sich das Mahl munden ließ, dass aus einer Gemüsesuppe, frischem Brot, kaltem Schweinefleisch vom Mittag, Schmalz und erst kürzlich gebrautem Bier bestand. Malvinas Vetter Owilmar war auf Besuch, denn der Abt aus dem nachbarschaftlichen Klosterland Tannenheim hatte einige Grenzangelegenheiten mit ihr zu besprechen.
Ganz grün waren sich die beiden nicht, auch wenn sie ein freundschaftliches Band seit Owilmars Kindheitstagen verband, als Owilmar ein kleiner Junge gewesen war und Malvina schon eine junge Ritterin. Damals war er ihr überall hin gefolgt, so er konnte, und hatte in ihr ein großes Vorbild gesehen. Das hatte sich ein wenig gewandelt, seit er sich vom Rittertum ab- und der Kirche der gütigen Peraine sowie ihrer Schwestern Travia und Tsa in dem Orden der drei gütigen Schwestern zugewandt hatte. So waren sie heute nicht nur Verwandte, sondern auch Nachbarn, denn Baron Felan hatte das ohne Herrscher stehende Junkertum Tannenheim mit Teilen der Junkertümer Grünwiesen, Königsgrund und Pulsahain verschmolzen. Das letztere war wiederum zugunsten der Junkertümer Aldengrund und Grünwiesen sogar gänzlich erloschen, während Könisgrund Land im Osten zugeschlagen bekam und dafür das Junkertum Olkuauen aufgelöst wurde, udn ebenso Teile an das herrschaftliche Aldengrund abgab. Das Land hatte im jahr des Feuers sehr bluten müssen und das war ein Teil der Konsequenz.
Malvina wälzte, während sie ein Stück vom Brot abbiß, ihre Gedanken hin und her. Noch gehörte sie nicht offiziell zu den Junkern, die die Herrschaft des neuen Barons anerkannten und stattdessen eher frei agierten. Bisher war Werdomar von Quintian-Quandt Baron gewesen, der ein Vetter Graf Geismars war. Doch im Gegensatz zu dem Luidoristen hatte der sich seit Götterläufen nicht mehr in seiner Baronie blicken lassen und weilte eher bei seinem Vetter am Hofe in Feidewald.
Malvina seufzte verhalten, so dass sogar ihr Gatte Perainalf vom Essen aufblickte und sie fragend ansah. Doch sie schüttelte nur lächelnd den Kopf. Sie war zu alt für diese ganzen politischen Intrigen, schien ihr manchmal, wenn sie daran dachte, dass der Schallenberger schon einiges Gutes versucht hatte, um Ordnung und Frieden in die Baronie zu bringen. Und Politik betrieb ihr kleiner Bruder Horbald schon genug in garetien, als dass sie da noch mit hineingezogen werden musste. Überhaupt war sie froh Horbald immer weit weg zu wissen, das sie mit ihm nur wenig verband. Immer wenn er sie besuchte hatte sie das Gefühl er machte es nur um ihr etwas Gold aus dem langsam steif werdenden Kreuz zu leiern. Und der Schallenberger kämpfte wenigstens gegen die Wildmärker Plünderer und Raubritter, die sich hier breitzumachen versuchten und sich sogar in der alten Ruine der Burg Kaiserforst eingenistet hatten. Auch wenn er jetzt eine herbe Schlappe hatte hinnehmen müssen, so wie ihr berichtet worden war, dass seine Leute aus Kaiserhain vertrieben worden waren und dort wieder einer dieser Kallerbergs, dieser Sippe von Schurken, hauste.
Andererseits war er eben ein Ludidorist und wer wußte schon wie sich diese fehde zwischen den Grafen noch entwicklen würde? Bisher hatte Sommerau noch Glück gehabt und sie hatte ihre Schäfchen immer isn Trockene bringen können ohne behelligt zu werden. Und zudem hatte er ihr Owilmar als Nachbarn beschert und der schien von Jahr zu Jahr mehr einer dieser Kirchenfürsten zu werden, die trunken von der neuen Macht, die ihre Position und Stellung mit sich brachte, diese auch einzusetzen gedachten. Auch wenn zweifelhaft war, ob das einem Geweihten gut anstände.
Mißbehagen überkam sie, als sie daran dachte wie Travia- und Boron-Kirche weltliche Macht in dem ehemaligen Darpatien ausübten. Geweihte sollten für das Seelenheil sorgen und nicht darum Land und Gold zu sammeln, dachte sie grimmig. Und sie wünschte sich die zeit des alten Kaiser Hals zurück, als noch alles in Ordung gewesen zu sein schien. Dann hätte sie nicht mit Owilmar über einige Schritte Ackerland an der Grenze zu Tannenheim verhandeln müssen, die ihr der neue Baron zugesprochen hatte. Ihr war natürlich bewußt, dass dies ein Versuch war, sie für sich einzunehmen, aber wer war sie solche Geschenke abzulehnen? Und dann würde sie diese auch ganz sicher nicht Owilmar überlassen "als verwandschaftliche Geste der Verbundenheit mit der Kirche", wie er es ausdrückte.
Plötzlich trat ihr Haus- und Hofmeister Alrik von Wulfensteyr das Zimmer.
"Euer Wohlgeboren, ein Bote hat eine Nachricht für euch überbracht. Er schien mir...ich habe mir erlaubt nach einem Heiler zu rufen."
Malvina hob überrascht die Augen in die Höhe als sie von dem gebrechlich wirkenden Mann, der aber immer noch mit höchster Präzision sein Amt versah, den Brief, den der Bote gebracht hatte, überreicht bekam. In das grüne Wachs der Versiegelung war der ein Luchs als Wappen eingdrückt worden.
"Er schien mir einen schnellen Ritt hinter sich zu haben und war verwundet. Er brach auf unserer Schwelle zusammen."
"Danke euch, ihr habt Recht gehandelt.", segnete Malvina sein handeln, während sich die Blicke der anderen Anwesenden auf den Brief richteten.
"Von wem kommt denn der Brief, Mutter?", warf ihr Sohn Horwart fragend ein. Malvina brach das Siegel und las die erste Zeile. Das Pergament wirkte ein wenig zerknittert und war äußerlich beschmutzt, allerdings war die Schrift klar und deutlich zu lesen. Allerdings war erkennbar, dass kein Schreiber sie verfasst hatte.
"Er ist vom Luchs, ich meine Baron Felan.", korrigierte sie sich.
"Dem Schallenberger? Was möchte er denn?"
"Nun, dieser Nachricht zufolge...wünscht er unsere Hilfe gegen die Kallerbergs.", sagte sie langsam die Zeilen lesend.
Perainalf hob seine weißen, buschigen Augenbrauen aber sagte nix, denn in ihrer Beziehung war er eher der Kämpe gewesen, der ihr nur zu gerne die Entscheidungen überließ. Dennoch konnte Malvina seinem kantigen Gesicht, das trotz seines Alters nichts von der Härte eines hartsteenischen Ritters verloren hatte, ein wenig Unwillen ansehen. Er war stets persönlich ein Parteigänger Geismars gewesen. Nicht weil er diesen besonders gemocht hatte, sondern weil er einfach der Graf war. Man konnte nicht einfach herkommen und den Graf stürzen wollen, nur weil die Familie früher einmal aus Dummheit den Titel verloren hatte, wie es den Hartsteens passiert war.
"Er schreibt ausserdem, dass Geldor seiner Strafe zugeführt werden muss: seiner Aussage waren er es auch, der vor Pervalsrode die Händler überfallen und umgebracht haben. Er bittet mich ausdrücklich ihm diesmal in erster Linie als treue Ritterin Garetiens und fürsorgliche Junkerin zu helfen."
"Damit erspart er es dir zumindest ihn vorerst als Baron anzusehen.", nickte Horwart anerkennend ob Felans Vorgehensweise.
"Und wenn er Recht hat,", warf Owilmar ein, der eben erst seine Suppe beendet hatte und sich den Mund mit einem Tuch abwischte.", dann könnt ihr damit auch die Strauchdiebe bestrafen, die auf eurem Grund und Lehen ehrbare Händler ermordet hat. Und ich habe keinen Zweifel an seiner Lauterbarkeit, die vermuten ließe, er würde euch diesbezüglich anlügen. Ich würde ihm Truppen zu Hilfe senden, wenn unsere Abtei über solche verfügen würde."
"Natürlich.", schien Malvina abzuwinken, denn sie wußte ja genau, wem Owilmar seine Abtei zu verdanken hatte und dass er diesen auch verteidigen musste, wollte er sie behalten. Ein Baron Werdomar hätte nicht im Traum daran gedacht der Kirche solch eine Domäne zu übergeben. "Die Frage ist nur was Graf Geismar davon hielte, wenn ich mich offiziell mit ihm verbünde und ob er die feinen Unterschiede ebenso ziehen würde. Ich habe wenig Gefallen daran almadanische Söldner unsere Weizenfelder niederbrennen zu sehen."
"Das wohl, aber Geldor wird sich euch ebenso zuwenden, liebe Cousine, wenn er mit Baron Felan fertig werden sollte. So oder so musst du dich rüsten, es sei denn, du willst dich Geldor unterwerfen."
"Da sei Rondra vor!", knurrte der alte Perainalf laut, so dass Malvina ihm begütigend eine Hand auf den Arm legte.
"Das ganz sicher nicht. Aber du hast recht, Owilmar. Ich werde mich rüsten. Aber gerade jetzt kann ich Sommerau nicht von meinen Leuten entblößen. Geldor würde dies ausnutzen."
"Also was willst du dem Schallenberger antworten, wenn du ihm überhaupt antworten willst?", hakte Horwart nach.
"Ich werde ihm antworten. Und zwar eben dass ich ihm keine Truppen sende kann, aber dass ich ihm den Rücken freihalten will und versuchen werde Geldors Kumpane hier in Sommerau so gut es geht zu binden. Es wird wieder Zeit, dass wir einmal im Kaiserforst auf die Jagd gehen, oder Perainalf?", sagte sie entschlossen und blickte ihren Mann an.
"Ha, das wohl.", sagte dieser und schlug grinsend mit der Faust auf den Tisch, als er sich in seinem kriegerischen Element wiederfand. "Wollen wir diesem Hundsfott von Kallerberg doch mal zeigen, dass mit uns Schroeckh nicht gut Mandelziger essen ist!"
Die Wende
Anfang Peraine 1033 Wulfs Ritter aus Uslenried treffen etwas später ein, die Felans Vertreter schon vorher gerufen hatte, und es gelingt mit Loyalisten unter den Bürgern in Kaiserhain, die sich selbst befreien, die Wildermärker Söldner erneut zu vertreiben. Felan erkennt Voltana von Kallerbergs Hilfe dabei an gegen die eigene Familie vorzugehen und läßt der Familie deshalb ihren Besitz unter ihrer Führung. Alle anderen werden aufgehängt oder in Aldengrund eingekerkert.
Dramatis Personae:
Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Baron von Puleth
Yalinda von Streitzig j.H. zur Greifenklaue, Kommandantin der Waldsteiner Wölfe
1. Peraine 1033 BF
"Schilde hoch!", brüllte der Baron von Puleth und riß den grünen Schild empor, als ein weiterer Hagel an Bolzen auf ihren zusammengeschmolzenen Trupp niederging. Der Schild war schon arg lädiert, der goldene Luchs darauf kaum noch zu erkennen, soviele Schläge hatte er abgefangen. Einen halben Tag von Burg Aldengrund entfernt, verlangsamt durch die Verwundeten, wurden sie von dem Haufen von Geldors Spießgesellen eingeholt, umgangen und überfallen. Allerdings war von ihrem Anführer nichts zu sehen gewesen. Innerlich hatte Felan mit seinem Leben abgeschlossen. So würden also seine hochtrabenden Träume enden. Zumindest würde er im Kampf sterben nach rondrianischer Art wie einst sein Onkel Rondrik Leuentreu, möge Rondra ihn in ihren Hallen aufgenommen haben. Seine Gedanken wurden nur bitter, als er an seine Frau und seinen kleinen Sohn denken musste. Mochten die Götter ihre schützende Hand über sie halten. Sie selbst hatten kaum eine Möglichkeit den Kampf zu überleben. Leise murmelte er. "Ich wollte, es wäre Nacht oder..."
Der Bolzenbeschuss versiegte und der Feind machte sich offenbar daran die provisorische Stellung aus zwei großen Wagen und natürlichem Gestrüpp zu stürmen, in dem sich die Schallenberger verschanzt hatten. Pferde für einen Ausfall gab es keine mehr, denn diese waren unter dem ersten Angriff von den Bolzen getötet oder zumindest zu Fall gebracht worden, dass sie sich nicht mehr erheben konnten. Dabei wurde auch sein Vetter Wulfger so schwer am Bein verletzt, dass er nicht mehr stehend kämpfen konnte. "Schallenberger! Linie bilden! Zeigt diesen Bastarden, was hartsteenscher Kampfesmut ist! Für Rondra und die Kaiserin!", schrie Felan mit vom Befehle Brüllen heiserer Stimme. "Für Rondra und die Kaiserin!", erscholl es von seinen wenigen Frauen und Männern zurück, die äußerlich wenn auch müde unerschüttert wirkten. Ulfwin stand neben ihm und deckte die rechte Seite, vier Spießer der Luchsgarde des Barons und Herbald von Wertesteg hielten das Zentrum, zusammen mit zwei Gefolgsleuten Herbalds aus dem Dorf Ashus, die mittlerweile die Waffen gefallener Gardisten trugen. Sie alle trugen grimmige Entschlossenheit zur Schau, zumal der Gegner ebenso entschlossen war keine Gefangenen zu machen und alle zu töten. In einem wilden Ansturm kamen etwa zwei Dutzend Frauen und Männer ohne Schlachtordnung die Anhöhe hinunter, um die zu Tode Erschöpften mit ihrer schieren Überzahl zu überrennen.
Doch lautes Hufgestampfe ließ Felan den Blick nach links wenden und was er dort unter dem Rand seines Helmvisieres sah ließ ein Schaudern über seinen Rücken gleiten: in fester, militärisch gedrillter Formation und hauptsächlich Schwarz gewandet kam hinter einem nahen Wäldchen ein Trupp Reiter hervorgeprescht, die Waffen erhoben. 'Sind es neue Söldner? Noch mehr der verfluchten Sensen? Nein, da ist Rot auf Gold! Waldsteiner Wölfe!', schoß es Felan durch den Kopf. Der Herrin sei Dank, die Uslenrieder waren da!
Wie ein Sturmwind brachen die Reiter durch die erschrocken innehaltene Bande der Angreifer, die kaum wußten wie ihnen geschah. "Auf, Schallenberger auf! Hurra, zum Angriff! Rondra!" Felan stürmte los, gefolgt von den Seinen. Wie in einem erlösenden Traum , ausgelöst von der tiefen seelischen Erleichterung der Seelenwaage Reton noch nicht so früh gegenübertreten zu müssen, erlebte Felan die nächsten Augenblicke. In kürzester Zeit war der Feind in die Flucht geschlagen. Zwar konnte er sich zu großen Teilen in das Gestrupp oberhalb des Hügels retten und durch das Unterholz des Waldes vor den Reitern fliehen, aber die Schallenberger waren gerettet.
"Verzeiht die Verspätung, Hochgeboren, aber die Straßen sind ausnehmend schlecht hier. Und einige Räuber haben uns unterwegs auch ausgehalten.", lachte ihm eine Yalinda von Streitzig von ihrem Roß fröhlich entgegen, noch erhitzt vom scharfen Ritt. "Rondra zum Danke, edle Yalinda! Kaum war ich froher euer Antlitz zu sehen als an dem heutigen Tage! Ihr habt den Pulethern ihren Baron gerettet und mir das Leben, wobei ich ehrlich zugeben muss, dass mir persönlich das zweite sogar wichtiger scheint. Die Kaiserhainer zeigen nämlich ihre Zuneigung nicht gerade in üppiger Weise." Schweratmend stützte sich Felan auf sein Schwert, während er eine höfische Verbeugung andeutete. "Davon haben wir vernommen.", nickte sie ihm diesmal ernsthafter zu. "Und wir sind hier um euch zu unterstützen diesen Abschaum loszuwerden." "Es ist sehr betrüblich, dass mir das nicht alleine gelingt, was an meiner Ehre nagt, aber nichts desto trotz bin ich euch zu tiefem Dank verpflichtet, dafür dass ihr mir helft diesen Saustall wieder in den Griff zu bekommen." Auch wenn er stark schwitzte und sich das Haar unter der gepolsterten Haube seines Helmes ins Gesicht hing, so dass er es sich zurückstreichen musste, gelang es ihm dennoch seiner Entschlossenheit Ausdruck zu verleihen. "Doch zunächst würde ich es begrüßen etwas ausruhen zu können. Ich fürchte die letzten Tage haben an meinen Kräften gezehrt." Verständnisvoll blickte die Uslenriederin drein. "Wir werden hier unser Lager aufschlagen und ums um eure Verletzten bemühen. Ebenso werde ich dafür sorgen, dass Wachen aufgestellt werden. Wenn ihr einen Augenblick geruht habt können wir unser weiteres Vorgehen koordinieren." Dankbar nickte Felan zu ihren Vorschlägen, um sich dann an einem der Wagenräder hinabrutschend zu Boden sinken zu lassen.
Er hatte überlebt und mit ihm die meisten seiner ihm Anvertrauten. Die Götter waren mit ihm und hatten ihm eine neue Möglichkeit zugesprochen seinen Wert zu beweisen.
Reue
Dramatis Personae:
Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Baron von Puleth
Yalinda von Streitzig j.H. zur Greifenklaue, Kommandantin der Waldsteiner Wölfe
Gernbrecht Weizschrot, Ratsherr in Kaiserhain
8. Peraine 1033, einige Meilen vor den Toren der Stadt Kaiserhain
Die Praiosscheibe ließ ihren goldenen Schein den Boden des Perainemondes langsam wärmen und das frische Grün gerade erst unter dem Segen der Herrin des Ackerbaus aus der Erdkrume hervorgebrochener Halme auf den Feldern rings um die Stadt leuchten, umstanden von den kleinen Ausläufern des Reichsforst im Süden des Flüsschens Olku. Im Schutze dieser Bäume lagerten die Mannschaften des rechtmäßigen Barons, der grollend darüber nachsann, wie er die durch die Hand wildermärkischer Schergen und beherrscht von einem verdorbenen Tyrannen im Namen eines Raubritters entriissene Stadt Kaiserhain wieder zu befreien vermochte. Doch auch diesmal war es, dass nicht die göttliche Leuen, die Sturmherrin Rondra, die Felan vor allen anderen Göttern am meisten verehrte, sondern der listige Herr Phex, Gott der Diebe und Händler sowie Schutzpatron des Königreichs Garetiens und seiner Herrscherfamilie, es war, der ihm den Weg wies.
Felan saß in einem kleinen Zelt, kaum ausreichnd groß, dass er dort drin auf einem Schemel und einem Tischchen über seinen Plänen sinnieren konnte, als die Zeltplane zurückgeschoben wurde und die Rittersfrau Yalinda von Streitzig, Kommandantin der Waldsteiner Wölfe unangekündigt ins Innere sah. Felan runzelte darüber die Stirne, doch sagte er nichts und sah sie nur erwartungsvoll an, da er wußte sie würde ihn nicht ohne Grund stören. "Hochgeboren, ihr solltet vielelicht nach draußen treten. Wir haben einen Gast." Mit diesen Worten zog sie sich auch schon wieder zurück und Felan erhob sich, rückte den waldgrünen Polsterwams mit dem goldenen Luchs seines Hauses zurecht, legte die Hand auf den Schwertknauf und trat vor das Zelt.
Dort erwarteten ihn bereits die wichtigsten seiner Ritter und bildeten eine Gasse, durch die Yalinda einen breitgebauten Mann führte. Felans Augenbrauen hoben sich erst überlegend, wer dies sei, bevor ihn die Erkenntnis traf und ein zorniger Gesichtsausdruck auf sein Antlitz trat. "Ihr...ihr ..." Felan rang vor lauter Wut mit sich, welcher Schimpfname für diesen verräterischen Hund ausreichend schlimm wäre, um ihn angemessen zu betiteln, und stapfte stattdessen bedrohlich auf den Mann zu. Der erblaßte sichtlich und wich schon einen Schritt zurück, die Hände leicht abwehrend erhoben.
Yalinda hingegen wagte es dazwischen zu treten. "Friede, Hochgeboren. Dieser Mann kommt zu uns, weil er uns helfen will." "Helfen? So helfen, wie er diesem Bastard Landolf von Kallerberg geholfen hat? Gernbrecht Weizschrot, so lautet doch euer name, nicht wahr? Oh ich erinnere mich nur zu genau an euer Gesicht, Ratsherr!", spie Felan diesen Titel geradezu aus. "Ihr gehört zu denjenigen, die sich verschworen haben. Nach allem was cih gehört habe gehörtet ihr sogar zum innersten Kreis!" "E-euer H-hochgeboren,", wagte Weizschrot vorzubringen, wobei er sich halb hinter Yalinda zu verstecken schien. "Mir ist durchaus bewußt, dass ich gefehlt habe, aber ihr müsst mir glauben dass ich zutiefst bereue, beim gerechten Herrn Praios ich bereue und bin bereit jede Strafe zu akzeptieren die ihr mir zugedenken wollt, wenn ihr mir zuvor gewähren wollt einen Teil meiner Schuld abzutragen...ich, bitte ihr müsst mich anhören. Ich weiß es war ein fehler und was Landolf in der Stadt nach ihrer Einnahme angestellt hat war barbarisch. das habe ich nicht gewollt, das müsst ihr mir glauben, Hochgeboren! Ich kann euch helfen!" "Helfen, warum sollte ich euch helfen?" "Er hat meine Tochter...", kamen die leisen Worte zurück. "Bei der gütigen Herrin Travia, er hat meine Tochter und er hält sie als seine..seine..." Offensichtlich rang der Mann um die rechten Worte, die beschrieben wie seine Tochter von der Macht des derzeitigen Herren der Stadt mißbraucht wurde, ohne ihre Ehre dabei in Zweifel zu ziehen. Erneut verzog sich Felans Miene zornig, doch diesmal traf nicht Weizschrot sein Zorn, sondern Landolf, der es wagte Bürgertöchtern etwas anzutun, was einen Vater derart verzweifeln ließ. "Aber warum sollte ich nun glauben, dass er euch nicht erpresst mich in eine Falle zu locken? Wer einmal lügt dem glaubt man nicht, und wenn er noch die Wahrheit spricht." "Herr Baron, ich habe aus selbstsüchtigen Motiven nicht nur das Leben meiner Familie gefährdet indem ich hierher gekommen bin. Nein, ich habe andere derart leiden gesehen, das mein Herz mich hierher getrieben hat. Landolf würde meine Tochter vermutlich so oder so umbringen, wenn er ihrer überdrüssig ist. Er ist ein Monstrum! Ich habe Wissen. Wissen dass euch nützlich sein kann die Wachen zu überwinden des nächtens. Es gibt viele in der Stadt die noch treu zu euch stehen und ebenso bereit sind Maßnahmen zu ergreifen um zu helfen. Bitte, lasst diese nicht auch wegen meiner Fehler leiden, denn täglich werden sogenannte Aufwiegler verschleppt und verschwinden in dunklen Kellern, nur weil sie die Hoffnung auf eure Rückkehr nicht aufgegeben haben."
Felan zog die Augenbrauen zusammen, aber überlegte nicht lange. Es war leicht ihn an seiner Ehre zu packen, aber er wollte lieber ein toter Ritter mit Ehre sein, sollte es eine Falle sein, als in den eigenen Augen das gesicht zu verlieren. Zumal er ja ohnehin vorgehabt hatte die Stadt alsbald möglich sich zurückzuholen. "Weizschrot, ihr habt Schande über euch gebracht und Leid über Viele. Doch ich gewähre euch die Möglichkeit einen Teil eurer Ehre wiederherzustellen und die Möglichkeit eure Tochter zu retten. Euer eigenes Schhicksal ist damit noch nicht entschieden, damit ihr es wisst." Weizschrot ließ die Schultern hängen, aber nickte dennoch mit einem hoffnungsfrohen Gesicht. Felan winkte Yalinda und seinen Vetter Wulfger zu sich und gemeinsam zogen sie sich zu viert zurück von Weizschrot zu hören, was dieser zu erzählen hatte.
Die Rückkehr nach Kaiserhain
Anfang Peraine 1033 Wulfs Ritter aus Uslenried treffen etwas später ein, die Felans Vertreter schon vorher gerufen hatte, und es gelingt mit Loyalisten unter den Bürgern in Kaiserhain, die sich selbst befreien, die Wildermärker Söldner erneut zu vertreiben. Felan erkennt Voltana von Kallerbergs Hilfe dabei an gegen die eigene Familie vorzugehen und läßt der Familie deshalb ihren Besitz unter ihrer Führung. Alle anderen werden aufgehängt oder in Aldengrund eingekerkert.
Dramatis Personae:
Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Baron von Puleth
Gernbrecht Weizschrot, Ratsherr in Kaiserhain
Landolf von Kallerberg, Tyrann in Kaiserhain
Marbron, Hauptmann der blutigen Sensen
10.Peraine 1033 BF, Stadt Kaiserhain bei Nacht
Es mochte vielleicht die 2. Nachtstunde sein. Ganz sicher mochte er sich nicht sein, während er das Haupt aus der Senke hob und über den Rand hinweg in Richtung der Ausfallpforte in der niedrigen Stadtmauer Kaiserhain hinübersah. Es war vollkommen finster, Madamal und Sterne von Wolken verdeckt, so als wolle der Herr Phex ihnen den Segen schenken, den sie benötigen würden um ihren Plan erfolgreich umzusetzen. Auf der Mauer patrouillierten Wachen, Blutige Sensen wohl , der Abschaum der Söldner aus der Wildermark, deren Fackeln auch den Erdboden vor der Mauer zu erhellen vermochten. Sie mochten Haderlumpen und Bastarde sein, doch ihre Pflicht schienen sie sehr zum Leidwesens des rechtmäßigen Herrn der Stadt, sehr ernst zu nehmen. Doch weiter als die 10 Schritt vor der Mauer konnten sie nicht sehen, zumal sie sich mit den Fackeln auch selbst blendeten und sich der Nachtsicht beraubten.
So konnte der Baron von Puleth seine Mannen bis auf 100 Schritt an die Mauer heranführen, ohne überhaupt wahrgenommen zu werden. Waffen und Rüstungen waren durch Stoffumwicklungen gedämpft, Metallteile wie offen getragene Rüstung oder Klingen mit Ruß geschwärzt worden, um nicht verräterisch zu blinken, falls doch der Mond durch die Wolken brechen sollte. Der Herr Phex mochte sie beschirmen, doch vergab er keine Nachlässigkeit. Felan ballte die Faust und öffnete sie wieder, sich selbst zur Ruhe mahnend. Sein ganzer Körper entsprach der Entspannung, die ihm die Situation fühlen ließ. Da! Ein mattes Licht an der Pforte blinkte auf. Eine Laterne, deren Licht in einem bestimmten Rythmus auf- und wieder weggeblendet wurde. Felan stieß den neben sich hockenden Wulfger an und der gab das Signal weiter. Es ging los.
In kleinen Grüppchen von sechs Mann sollte die Entfernung zur Mauer in kürzester Zeit überbrückt werden. Genug Herzschläge, um durchs Tor zu kommen, ohne von den auf und ab gehenden Wachen bemerkt zu werden. Felans Truppe lief als erste los. Er stemmte sich aus der Hocke empor, überwand den Senkenrand und lief in gebückter Haltung hinüber zur Mauer, bemüht keinen unnötigen Lärm zu amchen. Dafür hatte er auch auf einen Teil seiner Rüstung verzichtet und den Rest eng an den Körper gegürtet und mit Wollstoff verhindert, dass Kettenglieder scheppernd aneinanderschlugen. In weniger als zwanzig Herzschlägen waren sie an der Pforte angekommen. Es erwartete sie ein sichtlich nervöser Gernbrecht Weizschrot, die Lampe in der Hand, in einen dunkelgrauen Umhang gewandet. Mit wenigen Handzeichen machte er deutlich sich zu beeilen und durch die Pforte zu treten. Nach einem Augenblick erkannte er auch Felan und nickte diesem entschlossen zu, als hätte er seinen Mut gesammelt und wolle sich vor dem Baron als tapferer Verbündeter beweisen. Zwei weitere Vermummte standen hinter ihm, eine bewußtlose oder tote Söldnerin der Sensen lag mit dem auf den Brustkorb gesacktem Gesicht gegen einen Pfortenpfeiler gelehnt. Felan trat näher zu Weizschrot, um Platz an der Pforte zu machen, während schon die nächste Truppe die Stadt betrat. Weizschrots Helfer wiesen den Soldaten und Rittern bereits Stellen zu, um sich günstig zu positionieren, um noch aus dem Blcik der Wachen zu bleiben.
"Zwei Wachen sind zu unserer Linken auf der Mauer, zwei weitere zur Rechten auf Rundgang. In der Stadt bereiten sich die Bürger darauf vor euch zu unterstützen. Am Zeughaus stehen nur zwei Schergen, um es zu bewachen.", flüsterte er. "Wo ist Landolf von Kallerberg?", verlangt Felan leise zu wissen. "Er ist im Rathaus. Er hat den Ratssaal zu einer Art ...einer Art Orgienhalle umfunktioniert." Felan nickte grimmig. "Wulfger?" "Ja, Hochgeboren?", flüsterte Wulfger wieder, worin dessen Aufgeregtheit in der Förmlichkeit seiner Anrede an seinen vetter zum Tragen kam. "Du und dein Trupp werdet euch zum Zeughaus aufmachen und die Tore den Bürgern öffnen, um sich zu wappnen und uns zu helfen. Ulfwin.", wendete sich Felan zum gerade eingetroffenen Ritter um. "Du wirst mit deinem Trupp die Mauer rechts und links hier einnehmen und von den Söldnern reinigen, um im Fall der Fälle den Rückweg zu sichern und zu verhindern, dass wir eingekesselt werden. Ich selbst werde dem Kallerberg einen Besuch abstatten..." Eine der vermummten Gestalten hob die Kapuze von ihrem Kopf. Felan griff zu seinem Schwert, doch die darunter zum Vorschein kommende Frau hob die unbewaffneten Hände und Felan ließ seine Hand wieder sinken. Voltana von Kallerberg sah Felan mit einem gepeinigten Gesichtsausdruck an. "Hochgeboren, ich will mich euch anschließen und Sühne leisten für meinen mißratenen Neffen. Bitte gewährt mir das Recht euch zu beweisen, das wir Kallerbergs nicht nur Verbrecher, sondern auch ehrenhafte Ritter hervorbringen." Nur einen Augenblick musterte Felan sie, doch er konnte in ihrem Gesicht die tiefe Verzweiflung ablesen, die es mit sich gebracht hatte von Raubrittern und Mördern in der Familie umgeben zu sein. Helmar, Geldor, Landolf...es war nur zu verständlich, dass sie dies leiden ließ und er konnte den Wunsch nachfühlen zu beweisen, dass das eigene Blut auch ritterliche Vertreter des eigenen Namens hervorbringen konnte. So nickte er. "Volatana von Kallerberg, ihr begleitet bitte meinen Vetter Wulfger. Ihr kennt euch hier besser aus und könnt ihn gewiß gut führen." Ihr Blick war mit geradezu schmerzlichen Dankbarkeit erfüllt. "Ich bin euch zutiefst dankbar, Hochgeboren. Ich werde mich würdig eures Vertrauens erweisen", versprach sie mit mühsam gehaltener Stimme während sie die Kapuze wieder hochhob und sich zu Wulfger gesellte. "Niemand kann ermessen, welchen Schmerz euch eure Verwandten zugefügt haben. Doch ich erkenne eine wahre Ritterin Hartsteens, wenn sie vor mir steht."
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Der Ratssaal war hell erleuchtet. Üppig viele Kerzen erleuchteten und erhitzten den Raum und gaben den Blick frei auf eine Szenerie der völligen Zügellosigkeit. Vier Söldner standen an den Wänden und bewachten den Raum, in dessen Mitte ein Gelage stattfand, dessen Höhepunkt schon lange überschritten war. Leichte Weiber wie bürgerliche Töchter spielten ebenso eine Rolle wie zuviel geistvolle Getränke und große Braten, deren Reste auf silbernen Tellern zu sehen waren, die niemand abgeräumt hatte. Die einst blütenweiße Tischdecke der Tafel war mit Bratenfett, rotem Wein und anderem befleckt. Answulf Waghold, Ratsherr der Stadt, lag schnarchend mit auf dem Tische ruhenden Kopf dar, während Firunia Gneisdorp, ebenso Ratsfrau in Kaiserhain, mit einem anderen ratsherren in eine lebhafte Diskussion vertieft war, die eher der Herrin Rahja als der Herrin Hesinde Ehre gemacht hätte.
Landolf von Kallerberg lag mehr als das er saß auf dem Stuhl des Ratsmeisters, eine junge Frau mit einem leicht verzweifelten gesichtsausdruck auf den schoß gezogen und nestelte an ihrem Ausschnitt herum. Er war offenbar so betrunken, dass er kaum noch in der Lage schien, sich zu artikulieren und koordinierte Bewegungen auszuführen. Hinter ihm stand mit einem finsteren Gesicht Marbron, der Hauptmann der blutigen Sensen in seiner schwarzen Rüstung. Ihm mißhagte der Kallerberger. Ein großes Maul und nichts darinnen. Ohne seine Söldner wäre nichts erreicht worden. Die angebliche Ablehnung unter den Bürgern der Stadt war gegen den Schallenberger niemals groß gewesen oder durch Landolfs grausame gänzlich untergegangen. Wenn es nicht den Befehlen seines Meisters entgegengesprochen hätte hätte er Landolf selbst festgesetzt und die Herrschaft übernommen. Aber mit Tharleon wollte er es sich lieber nicht verscherzen, auch wenn es kaum fraglich war, dass er Landolfs Vorgehen mißbilligt hätte. Die Vernichtung des Schallenbergers stand zudem noch aus, nach dem letzten Scharmützel schien der Baron wie vom Erdboden verschwunden. dass er wohl zudem Verstärkung erhalten hatte, wie die aus Beteiligten, die aus dem letzten Gemetzel hatten fliehen können, ihm berichtet hatten. Vermutlich würde er sich bei Burg Aldengrund sammeln wollen, wo er noch einige Soldaten hatte, oder...
Von draußen klang Lärm herauf. Alarmiert trat Marbron ans Fenster und öffnete es, um auf die Straße zu sehen. "Heda, Fenster zu, es zieht!", lallte Landolf lachend, doch der Hauptmann beachtete ihn gar nicht. Aus den entfernteren Straßen drangen Waffengeklirr und die Schreie sterbender Sensen heran. Die Bürger hatten sich gegen ihre Besetzer erhoben? Gerade noch konnte er sehen, wie dunkel gewandete Personen unten im Rathaus eindrangen. Doch ein gesicht erkannte er. Kampflärm wurde im Treppenhaus laut und Marbron zog seinen Streithammer, dessen Hammerseite wie ein schreiender Mantikorkopf und der Dorn schmal und scharf wie eine Sense geformt war. Zu Landolf tretend packte er diesen am Kragen und knurrte ihn an, der Frau nicht achtend, die sich eilig entfernt und in einer Ecke zusammenkauerte. "Das ist alles eure Schuld, ihr mieser Versager. Jetzt holt euch der Luchs. Glaubt nicht, dass ich für euch sterben werde. Seht zu, wie ihr selbst aus dieser Sache herauskommt." Landolf hatte ihn verständnislos und mit weit aufgerissenen Augen angesehen, halb aus seinem Stuhl herausgezogen. Marbron ließ ihn los und Landolf plumpste wie ein Mehlsack zurück in seinen Sitz. "Aber, was..." Marbron aber hatte sich schon abgewandt und stürmte aus dem Saal gefolgt von den vier Saalwachen, denen er Handzeichen gegeben hatte, über eine Tür die dem Treppenhaus abgewandt war. Er ließ Kallerberg und seine Kumpane zurück. Diese Niederlage würde ihm Tharleon sicher nicht vergeben und er würde nur noch versuchen zu retten, was zu retten war und sich mit sovielen seiner Leute zurückziehen wie es möglich war.
Gerade als er hinaus war schlugen die Hauptportaltüren scheppernd rechts und links an die Wand. Ein schwarzgewandeter Söldner fiel rücklings durch das geöffnete Portal und hielt sich eine Bauchwunde, während ihm die eigene Waffe aus den Händen glitt, bevor er schreiend sein Leben aushauchte. Über die Leiche hinweg stieg Felan in den Saal, gefolgt von Yalinda von Streitzig und einer Hand voll seiner Gardisten. Der Kopf war unbehelmt, das vom Kampf mit Schrammen gezeichnete Gesicht war in tiefstem Zorn gerötet, als er mit einem kurzen Blick die Lage im Raum erfasste und seine Augen sich starr auf Landolf richteten. Von seinem Schwert tropfte Blut und bildete eine Pfütze auf dem Boden.
Firunia Gneisdorp war erschreckt aufgesprungen, Waghold hob ob des Lärms müde das Haupt, um sich umzusehen was denn los wäre. Landolf hingegen hatte sein eigenes Schwert gezogen, schlotterte und zitterte jedoch sich gegen seinen Stuhl lehend unter dem blutrünstigen Blick Felans. Der Alkohol tat sein übriges ihm die Knie weich werden zu lassen. "Landolf von Kallerberg, ich verhafte euch und eure verräterischen Freunde hiermit wegen schlimmster Verbrechen wider Götter, Krone und Reich. Lasst euer Schwert fallen oder gebt mir einen Grund euch hinzuschlachten, wie das Schwein, dass ihr seid, Bei Praios und Rondra!", donnerte Felans Stimme durch den Raum, scheinbar mühsam von Yalinda zurückgehalten nicht seine eigenen Worte Lügen zu strafen, in dem er sich einfach auf Landolf stürtzte um ihn an Ort und Stelle zu strafen. Landolfs Fingern entglitten gewollt oder nicht gewollt die Waffe und über Felans Gesicht glitt ein kurzer Ausdruck des Bedauerns, bevor er einfach nur Handbewegungen machte und seine Gardisten hinter ihm in den Raum strömten und den vor Schrecken wortlosen Kallerberger packten, ebenso wie sie die freiwilligen Teilnehmer der Orgie zusammentrieben und festsetzen.
"Vater!" Eines der Mädchen in dem Saal stürzte an Felan vorbei und dem gerade in den Saal kommenden Weizschrot in die Arme. "Vater, oh Vater..." Mehr als diese Worte waren ihr nicht zu entlocken, als sie sich heftig schluchzend an die Brust des Mannes drückte, der Felan geholfen hatte. Er hatte seine Arme um seine Tochter geschlungen und streichelte ihren Schopf, während sie sich an seiner Brust ausweinte. Weizschrot hatte gekämpft. Er hatte sich ein Beil genommen und hatte gekämpft, wie nur Väter kämpfen, wenn ihre Familie in Gefahr war. Als er einmal den Kopf hob und in Felans Richtung blickte nickte dieser dem Mann zu und bedeutete ihm so, dass er es gesehen hatte. Er würde nicht vergessen, aber er würde vergeben und in diesem Fall Milde walten lassen, denn ein Adliger zu sein bedeutete sowohl in Härte wie auch in Gnade zu regieren. Sein Jähzorn war zunächst beruhigt, sein Rachedurst mit der Einkerkerung Landolfs versiegt. Es würde ein ordentliches Gericht geben. Ebenso wie die Bürger belohnt werden würden, die ihm auch weiterhin treu zur Seite gestanden hatten.
Mittlerweile hatte man ihm mitgeteilt, dass der Hauptmann der Sensen und ein guter Teil seiner Söldner geflohen waren, als deutlich schien, dass sie sich nicht würden halten können. Felan verbot die Verfolgung, denn zu leicht konnten sie in einen Hinterhalt geraten. Und zuviel musste jetzt noch geschehen. Die Ordnung würde wieder hergestellt und danach war immer noch Zeit sich um diese wie andere Probleme endgültig zu kümmern. Doch nun musste er ruhen. Er war so unsagbar müde.
Auf dem Weg nach Bärenau
Mitte/Ende Peraine 1033 Felan marschiert Richtung Süden, um nach Bärenau zu gelangen und dort Iralda zu helfen. Dabei marschiert er vorher bei Bocksbert auf. Bocksbert spielt Felan vor nur zum Schein auf Geldors Angebot eingegangen zu sein. Bocksbert versucht die Schuld von sich zu weisen, auch indem er Felan geplündertes Gut übergeben lässt (quasi Loskauf von der Schuld). Der nimmt das zunächst hin, weil ihn die Umstände dazu zwingen und marschiert weiter nach Bärenau, aber er hat seinen Entschluß für Bochsberts Schicksal bereits getroffen.
Dramatis Personae:
Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Baron von Puleth
Leuward von Schallenberg, Ritter zu Reitacker
Haldan von Stolzenfurt, Ritter und Sohn Bocksberts
Bocksbert von Stolzenfurt, Ritter zu Silbersteen
17.Peraine 1033 BF, Reichsstraße von Kaiserhain nach Süden
Mit wehenden Wimpeln ritt die Streitmacht des Barons von Puleth die Reichsstraße hinab. Grün und Gold leuchteten die Farben der Familie Schallenberg, vermischt mit dem Weiß der Baronie Puleth. Er hatte in Kaiserhain aufgeräumt, die Macht des Landolf von Kallerberg und seiner Spießgesellen endgültig gebrochen und sie selbst schmorten nun in einem finsteren Keller, wo zuvor ihre Opfer geschmachtet hatten. Die feindlichen Söldner waren endweder erschlagen oder in die Wildermark geflüchtet, doch ihre Zahl derart dezimiert, dass vorerst keine Gefahr von ihnen ausgehen mochte.
Zwar lauerte immer noch Geldor im Süden, doch er würde später gefasst werden und warten müssen, bis Felan von seinem Kampf zurückgekehrt wäre, den er für die junge Iralda, Baronin von Bärenau, auszufechten versprochen hatte. Sie würde eine würdige Verbündete sein im Kampf für ein starkes und geeintes Hartsteen und hatte sich ihre Hilfe durch ihre Lauterkeit und die Tapferkeit ihres angehenden Verlobten Wolfaran von Ochs verdient. Nichts desto trotz hoffte Felan bald zurückkehren zu können und endgültig reinen Tisch machen zu können.
Während ihm diese gedanken durch den Kopf gingen fasste ihn leuward, der neben ihm ritt, am Arm. Er blickte auf und sah dem stummen ausgreckten Zeigefinger Leuwards nach und erblickte einen Reiter der von einem seitlichen Feldweg eilends auf sie zuhielt. Er schien nur mit Leder gerüstet zu sein, über das ein roter Wappenrock mit schwarz-weißem Wappen zu erkennen war. Stolzenfurt, schoß es Felan durch den Kopf und legte die Hand auf die Klinge, da er wußte, dass die Stolzenfurter Gefolsgleute Graf Geismars waren, des Feindes seines eigenen Grafen. Doch in respektvoller Entfernung bremste der Reiter sein Roß und hob grüßend die Hand, so dass Felan erleichtert die Hand vom Schwert nahm.
"Die Zwölfe zum Gruße! Gehe ich recht in der Annahme die Ehre zu haben seine Hochgeboren Felan von Schallenberg vor mir zu haben?", rief der junge Reitersmann ihnen entgegen, während er sein Pferd zügelte.
Felan hob ob der offensichtlichen Anerkennung seines Titels als Baron von Puleth durch den Stolzenfurter die rechte Braue. Er war von Graf Luidor zum Baron ernannt worden, während Graf Geismar seinen Vetter Werdomar zum Baron ernannt hatte. Wenn ein Stolzenfurter ihn derart ansprach, war das für Felan ein deutlich überraschender Weg.
"Die Zwölfe mit euch, und ja so ist es, Herr Ritter. Aber mit wem aus der ehrenwerten hartsteenischen Familie Stolzenfurt habe ich das Vergnügen?", antwortete Felan mit einer respektvollen Entgegnung.
"Haldan von Stolzenfurt, werde ich geheißen, Ritter Hartsteens bin ich und sonst nichts."
"Ein Ritter Hartsteens zu sein ist dieser Tage mehr Ehre als manch ein Baron oder Graf von sich behaupten kann zu besitzen. So seid mir nochmals gegrüßt, Ritter Haldan. Doch seid ihr wohl kaum in eilender Geschwindigkeit zu mir geritten um höfliche Grüße auszutauschen.", lächelte Felan, als er mit Freuden auf die Ehrhaftigkeit Haldans reagierte, mit der dieser den Titel eines Ritters hervorhob. "Was ist es, das ich für euch tun kann? Denn das es etwas ist sehe ich an eurem Gesicht."
"Es ist etwas, das mich schämen läßt den Namen Stolzenfurt zu tragen und da ich von euren Taten und eurem aufrichtigen Willen gehört habe im gegensatz zu Werdomar wahrlich für diese Baronie zu streiten habe ich mich entschlossen zu euch zu kommen und euch zu bitten mich anzuhören und den Namen meiner Familie zu reinigen, in dem ich vor Praios und Rondra Zeugnis ablege von dem, was ich weiß."
"Wie ihr seht sind wir selbst in Eile, doch da ich euer Anliegen als wichtig einschätze möchte ich euch einladen uns zu begleiten, wobei ihr selbst entscheiden mögt, ob ihr uns bis zum Ende begleiten mögt. Ihr seht aus wie ein wahrlicher Ritter und daher gehe ich davon aus, dass ihr keine Hinterlist in eurem Herzen tragt."
"Das will ich tun, Hochgeboren, und schwöre euch, dass nur mein Wille zu Ritterlichkeit und Ehrfurcht vor den Göttern mich lenkt."
"Dann seid uns als Reisegefährte willkommen und erzählt uns, was euch belastet." Felan machte eine einladende Handbewegung und Haldan ließ sein Pferd zwischen Leuward und Felan einlenken. Felan gab das Signal und der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Gleich als sie wieder angeritten waren begann Haldan zu erzählen und Felans Blick verfinsterte sich mit jedem Augenblick mehr, doch schien kein Zorn auf den jungen Ritter zu seiner Seite gerichtet zu sein.
Das Kloster ruft
Rondra 1034 als er aus Bärenau zurückkehrt statuiert er ein Exempel an Bocksbert von Stolzenfurt: er zwingt diesen mit vorgehaltenem Schwert in ein Kloster einzutreten (andererseits er ihn wegen Raubrittertums vor verurteilen wird und die Beweise ausreichen würden um ihn umgehend hinzurichten und ihn und seine Familie des Lehens für entledigt zu erklären [natürlich könnte Bocksbert argumentieren, dass Felan vielleicht zu dem Zeitpunkt noch nicht durch Luidors offizielle Ernennung zum Grafen legitimiert sei und damit höhere Gewalt in Form Geismars gegen sich zu haben, aber Felan wird sehr entschlossen wirken es darauf ankommen zu lassen), lässt aber Bocksberts Sohn das Gut Silbersteen behalten, und damit der Familie ihre Ehre ebenso wie Bocksbert, nimmt ihn aber dauerhaft aus dem Spiel. => Gnade vor recht, nach caesarianischem Vorbild, um sich den Nutznießer, Bocksberts Sohn und die restliche Familie Stolzenfurt, gewogen zu machen (allein schon weil die auch merken, dass Geismars Stern gesunken ist und sie mit diesem Baron noch auskommen müssen: Realpolitik).
Dramatis Personae:
- Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Baron von Puleth
- Bocksbert von Stolzenfurt, Ritter zu Silbersteen
- Haldan von Stolzenfurt, Ritter und Sohn Bocksberts
- Korhelm von Stolzenfurt, Ritter und Bocksberts Vetter
- Owilmar von Schroeckh, Abt zu Tannenheim
20.Rondra 1033 BF, Gut Silbersteen
Die Bewohner von Silbersteen wurden vollkommen überrascht. Mit offenen Mund starrte man die Kavalke schwer gerüsteter Reiter und die in Laufschritt dahinter marschierenden Soldaten im Grün und Gold der Luchsgarde an. Noch während ein Knecht loslief den Hausherren zu rufen wurde der Gebäudekomplex geradezu umzingelt von den Spießträgern, während die Reiter mitten auf den Hof und Vorplatz zum Gutshaus ritten und dort in bedrohlicher Manier Stellung nahmen. Die meisten der Waffenröcke dieser Soldaten und Ritter war nicht völlig sauber und schien erst kürzlich einen schweren Kampf hinter sich gehabt zu haben. Um so grimmiger wirkte der Gesichtsausdruck des Anführers an der Spitze.
Felan sprang von seinem Roß. Er war in voller Kriegsmontur gewandet, das Schwert griffbereit in der Scheide gelockert. Nur den Helm hatte er abgenommen und am Sattel festgebunden, sowie die Kettenhaube nach hinten geschoben und barhäuptig gelassen, so dass sein dunkelblondes Haar ihm frei um den Kopf wehte.
Neben ihm saß der junge Sohn des Hausherren eben so, Haldan von Stolzenfurt, was ein Gemurmel unter den inzwischen zu einem Haufen zusammengekommenen Gesinde auslöste. War doch der Hausherr selbst ein ausgemachter Parteigänger Graf Geismars, der wiederum ein Feind Luidors und somit des von ihm zum Baron ernannten Felans war. Und nun ritt dessen Sohn, der vor geraumer Zeit einfach verschwunden war, an dessen Seite auf dessen Hof? Dazu noch mit einer militärischen Streitmacht, der Bocksbert von Stolzenfurt nichts entgegen zu setzen hatte.Gerade da trat der Hausherr aus dem Portal des Haupthauses, das Gesicht zorngerötet, in der Hand eine schwere Streitaxt und gefolgt von seinem Vetter Korhelm. "Verschwindet von meinem Gut, Schallenberg! Ihr habt hier nichts zu schaffen oder zu sagen! Und geht ihr nicht willig so werde ich euch eigenhändig vertreiben!", brüllte Bocksbert ausser sich und wäre die Stufen hinuntergetrampelt, ums einen Worten Taten folgen zu lassen hätte Korhelm ihn nicht an der Schulter zurückgehalten.
"Ihr seid kaum in der Position Forderungen zu stellen, Stolzenfurt.", entgegenete Felan mit schneidender Stimme. "Und ich denke sogar in eurem Sinne ist es, wenn ich meinen Männern nicht den Befehl gebe zu Handeln. Und wäre nicht eure Sohn, bei Praios und Rondra, schwörte ich euch ich würde diesen Hof niederbrennen und euch darin verrecken lassen, denn ein rondrianisches Urteil habt ihr euch nicht verdient."
Bei diesen Worten schien der dicke Stolzenfurter erst noch mehr zu erröten, doch ein Blick zur Seite auf den Begleiter Felans, seinen eigenen Sohn, ließ ihn eine folgenschwere Erkenntnis in sein Hirn treiben und schwer erbleichen. Jedoch bevor er wiederum auf Felans Worte antworten konnte schaltete sich ein Reiter hinter Felan ein, der das lange grüne Gewand eines Perainegeweihten trug.
"Frieden, werte Herren. Seine Hochgeboren haben mich gebeten mitzukommen, um drohendes Blutvergießen zu verhindern und ich bin bereit diesem Wunsch auch hier nachzukommen." Umständlich löste er sich aus dem Sattel und ließ sich zu Boden gleiten, bevor er fortfuhr zu sprechen. "Drum lasst uns hineingehen und das folgende in friedvollem Maße besprechen.", sagte er und ging lächelnd auf Bocksbert zu, der die erhobene Axt bereits hatte sinken lassen. Felan ließ ein zustimmendes Brummen hören und nickte, während er dem Mann folgte, ebenso wie Haldan.
Nach wenigen Augenblicken hatte man das Arbeitszimmer Bocksberts zum Ort der Verhandlungen auserkoren. Schallenberger Soldaten sicherten das Haus von außen, aber blieben draußen. Jedoch hätten Bocksberts Mannen bei einem Sturm keine Möglichkeit gehabt lange zu widerstehen.
"Also sprecht geradeheraus: was will der Schoßhund Luidors von mir, dass ihr mir in dieser Weise die Klinge an die Kehle haltet und dennoch einen Geweihten der gnädigen Herrin herbetet, der dies sicher nicht gerne sieht." Bocksberts Stimme ließ Trotz erkennen, wenn er auch seine Gewalt im Zaume zu halten wußte. "Und warum reitet mein Sohn an eurer Seite."
"Ich will euch nicht länger als nötig darüber im Unklaren lassen, Stolzenfurt. Euer Sohn reitet mit mir, weil er ein Ehrenmann ist, der das, was euch an Ehre fehlt, in doppelter Weise trägt. Wäre nicht seine Bitte um euer Leben gewesen, ihr hinget nun draußen an der Kastanie und müsstet eure Rechenschaft vor den Göttern abgeben.", knirschte Felan, dem ein gewisses Maß an Bedauern anzumerken war den Bitten Haldans nachgegeben zu haben.
Bocksberts Hände grüben sich so hart in die Lehnen seines Stuhls, dass sie weiß wurden. "Erneut beleidigt ihr mich auf meinem Grund und ich..."
"...und ihr seid ein Paktierer mit Raubmördern und vor dem Reichsgericht Geächteten, die sich nicht schämen mit einem bekannten Schwarzmagier und seinen Schergen gemeinsame Sache zu machen!", vervollständigte Felan den Satz lauthals und grimmig. "Würdet ihr vor einem Gericht Hartsteener Ritter verurteilt wäre der Tod auf dem Henkersblock das geringste Urteil, dass euch erwarten würde. Ein Urteil, an dem auch euer geschätzter Gönner, Herr Geismar nicht vorbeikäme es so zu fällen. Ihr und eure Familie könntet all eurer Besitztümer durch euch verlustigt gehen, landlos, während über euch die Schande des verbrechers schweben würde."
Der Stolzenfurtter hatte sichtlich zu schlucken und auch sein Vetter Korhelm, der schweigsam hinter ihm stand war kalkweiß geworden. "Ihr habt dazu kein..ihr seid nicht mein.."
"Ich bin nicht euer Lehnsherr, weil ihr mich nicht anerkennt wollt ihr sagen? Oder weil Ritterin Malvina von Schroeckh Herrin über dies Junkertum ist und sie mitzureden hat? Ich bin sicher sie ist eine vernünftige Frau, die in ihrem Urteil übereinstimme würde. Vielleicht habt ihr damit Recht. Und dank eures Sohnes habe ich nicht vor eure Familie auszulöschen und aus meiner Baronie zu tilgen. Ich sehe in ihm all das, was einen guten Hartsteener Ritter ausmacht. Und ihr hättet auf ihn hören sollen. Nur um seiner Zukunft willen bin ich bereit euch ein Angebot zu unterbreiten."
Felan hatte beide Hände flach auf den Tisch gelegt und führte sie nun zusammen um die Fingerspitzen aneinander zu legen, während Bocksbert wie erstarrt zuhörte. "Ihr seht nicht schächlich aus, aber diese Welt scheint nichts für euch zu sein. Ihr habt es an Respekt vor den Göttern und ihren Geboten mangeln lassen und so solltet ihr die Götter anflehen udn bitten euch zu verzeihen. Nun, wo könntet ihr das besser als in einem Kloster, wie der ehrenwerte Abt Owilmar, im übrigen ein jüngerer Bruder eurer Junkerin, es euch sicher bestätigen kann. Dort könnt ihr die zweite Hälfte eures Lebens mit Arbeit verbringen die Körper und Geist reinigen werden.", sagte Felan mit einer freundlichen Handbewegung auf den Abt deutend, der dies zum Anlaß nahm bestätigend zu nicken.
"Kurzum, ihr werdet den Rest eures Lebens in einem Kloster des Dreischwesternordens verbringen. Dafür wird man eure Taten vergessen, auf euren Namen wird kein Schatten fallen, ebenso wenig wie auf eure Familie. Zudem soll euer Sohn uneingeschränkt euer Lehen übernehmen und wird der Baronie Puleth, seinem Baron und seinen Menschen wieder treulich dienen, wie es einem Ritter und seinen Schutzbefohlenen ansteht."
Bocksbert schien kurz noch einmal aufbegehren zu wollen, doch die Offenbarung seiner Zukunft, wenn er nicht einwilligen würde, drückte ihn wie eine zentnerschwere Last zu Boden. Schließlich nickte er nur noch, nicht ohne immer noch ein gemisch aus Hilflosigkeit und unbändiger Eut zu empfinden. Wie hatte es nur dazu kommen können. Geldor hatte versagt und ihn mit in die Tiefe gerissen...
"Ausgezeichnet, Stolzenfurt...die Dokumente für eure Willenserklärung liegen bereits vor. Ihr werdet Abt Owilmar noch heute begleiten." Felan unterdrückte ein triumphierendes Lächeln, das er als nicht statthaft empfunden hätte, als Bocksbert auch dieses mal stumm nickte. Dennoch glühte er innerlich vor Freude über das Erreichte. Nach den Kämpfen in Kaiserhain und Bärenau war er der dauernden Kämpfe müde geworden und hoffte zurück in Kaiserhain bei seiner Gemahlin endlich einige ruhige Tage zu verbringen.
Leere Kassen
Baron von Puleth - Leere Kassen
Schroeckhlich gut
Felan einigt sich auch mit Malvina von Schroeckh vereint gegen Geldor von Kallerbergs Spießgesellen vorzugehen um diesen endgültig aus dem Kaiserforst im Süden Puleths zu vertreiben (Etwa Ende 1034). Grund für Malvinas Handeln ist Pragmatismus: sie hat die Wahl entweder zwischen die Fronten zu geraten: Stolzenfurt, Raubritter wie Kallerberg und Felan. Da der Bocksbert eigentlich ihr Vasall ist, sie ihn aber nicht alleine zur Raison bringen kann braucht sie Felan im gewissen Sinne. Wenn sie wiederum IHM helfen kann ist sie ihm weniger schuldig und er muss hingegen ihr dankbar sein. Zumal sie ja ebenso begreift, dass er als derjenige, der mit dem Gewinner der Grafenfehde da den längeren Atem haben wird und sie ungerne plötzlich merkt, dass die Baronsfamilie ihr Scherereien mit dem Junkertum macht, wenns an die Lehensvergabe geht. Zumal es natürlich für Markt Sommerau und damit ihre Schatulle ein Gewinn ist, wenn die Straßen sicherer werden und der Handel besser fließt, weil die Kaufleute weniger Furcht haben diese Straßen zu benutzen.
Dramatis Personae:
- Felan Rondrik von Schallenberg, Ritter und Baron von Puleth
- Malvina von Schroeckh, Junkerin von Junkertum Sommerau
3.Tsa 1034 BF, Haus der Familie Schroeckh im Markt Sommerau
"Es ist bald ein Jahr her, Junkerin, dass ihr mir versprachet den Rücken freizuhalten gegen diesen Schuft, der sich Geldor von Kallerberg nennt.", eröffnete Felan das Gespräch in dem kleinen Kaminzimmer, nachdem ihm die Hausherrin Malvina von Schroeckh einen Becher Weins eigenhändig eingegossen hatte und er einen Schluck von diesem genommen hatte. Felan war heute mit nur geringer Bedeckung nach Sommerau gekommen und hatte sich selbst bei der Junkerin unter Travias Segen zum Abendessen eingeladen. Bei dem Mahl war wenig gesprochen worden, wobei Felan nur zu deutlich ein gewisses Unbehagen bei Malvina hatte erkennen können. Er hingegen hatte ein angeregtes gespräch mit ihrem Sohn geführt und hatte auch mit ihrem Gatten, der sogar einst zusammen mit seinem Vater gegen die schwarzen Horden gefochten hatte, einige Worte gewechselt. Über den Rand seines Bechers sah er sie an, die ältere Frau mit dem immer noch glatten Gesichtszügen und dem vollem schwarzen Haar, in dem nur wenig grau zu sehen war und nur zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden war. Felan stellte den Becher auf ein rundes Tischchen neben seinem weichgepolsterten Sessel um eine verbeugung anzudeuten.
"Und hiermit sollt ihr auch meinen wörtlichen Dank dafür haben, dass ihr damals so treulich der Baronie gedient habt, trotz der möglichen Konsequenzen, die sich für euch daraus hätten ergeben können."
"Ein Ritter handelt nicht danach, was sich für mögliche Konsequenzen für ihn ergeben können, sondern was ihm vor Praios und Rondra sein Stand für Pflichten und Tugenden auferlegt wurde. Zumal ich den Schurken nicht zu stellen vermochte, wie es meine eigentliche Absicht war."
"Wohlgesprochen, dennoch gibt es manchen, der den Ritterschlag erhalten hat und dennoch anders gehandelt hätte.", sagte Felan freundlich. "Und das ist anzuerkennen. Doch euch ist sicher bewußt, dass ich nicht nur gekommen bin, um euch zu danken. Wie ihr richtig sagtet treibt Geldor noch immer sein Unwesen in eurem Junkertum vornehmlich."
"Ihr wollt eure Hilfe anbieten?"
"Ich will meine Pflicht tun. Ich bin Baron. Ich BIN Baron.", wiederholte er den letzten Satz, als er merkte, dass Malvina etwas einwerfen wollte. "Ich weiß so gut wie ihr, dass sich Werdomar von Quintian-Quandt immer noch meinen Titel anmaßt, obwohl er keinen Handschlag dazu getan hat sich diesen zu verdienen oder in diesem Lehen die Ordnung wieder herzustellen. Aber was uns noch mehr trennt, als seine Anhängerschaft zu Geismar und meine zu Luidor: ICH bin hier und er nicht."
"Hochgeboren, wollt ihr mir drohen?"
"Keinesfalls. Ich drohe niemandem, der sich ehrenhaft verhält und sich über das gewohnte Maß hinaus dafür interessiert, was das Beste für die Baronie und damit ganz Hartsteen ist. Doch ich habe euch lange genug die freie Wahl gelassen. Ihr wisst so gut wie ich, dass ich es auf Dauer nicht dulden kann, will ich als Baron anerkannt werden, dass meine Junker mir nicht offiziell den Lehnseid leisten."
"So wollt ihr auf die gleiche Weise auch vor Lechdan treten, und seinen Eid fordern?", entgegenete sie ihm weniger trotzig als mit tatsächlicher Neugierde.
"Lechdan ist ein Fall für sich. Sollte er sich freiwillig bekennen werde ich es begrüßen. Doch ich kann nciht erwarten, dass er sich freiwillig gegen die Familie stellt. Letztlich bliebe mir nur ihn seines Lehens für entledigt zu erklären, was mir mehr schmerzen würde, als ihr euch vorstellen könnt. Und wenn er kämpfen will so werde ich mich stellen müssen. Doch mir geht es heute nicht um ihn, sondern um euch. Seid ihr für mich oder wider mich? Es kann kein Zaudern und Zögern mehr geben, zumal ihr wisst, dass es nur von Vorteil ist für mich zu sein. Ihr habt von der Neuaufteilung der Junkertümer profitiert, die Werdomar jederzeit, wenn er herrschen sollte rückgängig machen könnte."
"Und mein Vetter Owilmar hat auch profitiert und damit meine Familie, wollt ihr sagen."
Felan nickte. "Ihr seht, ich bin euch gut. Und bedenket welche Stabilität der Baronie es brächte und welch guter Einfluß dies auf ganz Hartsteen dies haben würde. Eure Familie und die meine...."
"Wenn ihr darin auf Horbald anspielt so sei euch gesagt, dass mein Bruder...nun eben oft reden wir nicht miteinander."
"Jedes Wort ist Recht, dass des Reiches altem Herzen seine Stärke zurückbringt. Seine Exzellenz wird ein Einsehen darin haben und eines Tages wird Geismars Herrschaft enden und Luidor wird sich ebenso seiner Freunde erinnern, wie ich es tue."
"Es lockt mich weniger die Versprechungen, Hochgeboren.", entgegenete die Junkerin mit einem Lächeln, mit dem sie den jungen Baron bedachte. "Es lockt mich vielmehr eure, wenn ihr es verzeiht es so zuz nennen, naive Romantik, die ihr ihr in Bezug auf Reich und Grafschaft hegt. Man möchte meinen ihr wäret den Geschichtsbüchern früherer Tage entsprungen und der gute Kaiser Alrik selbst hätte euch den Ritterschlag gegeben."
Felan errötete ein wenig ob ihrer Worte, denn sie hatte tatsächlich seine jungenhafte Romantik erkannt, in der er nur zu gerne schwelgte. "Dann wisst ihr auch zu schätzen was in alten Tagen Recht und Sitte war und es dort besser bestellt stand um alles und ganz sicher um unser Land."
"Dem kann ich nicht widersprechen. Es sei. Hochgeboren, ich werde euch den Eid leisten, denn wahrlich der Krämer Herrschaft zu Feidewald hat Hartsteen kein Glück gebracht. Unter Thuronia mochte man noch Hoffnung haben, doch es wird Zeit, dass wieder alter Frieden herrscht und wir neu errichten statt einzureißen. Stabilität wollt ihr? Das verspreche ich euch. Doch eines lasst Bedingung sein.", sagte Malvina mit einem ernsten Gesicht zu Felan gewandt.
"Und die da wäre?"
"Bringt zusammen mit mir Kallerberg zu Fall. Sein Ende soll ein neuer Anfang sein für diese Baronie."
"Es sei, Junkerin, es sei wie ich es versprach meine Pflicht zu tun!", sprach Felan laut, erhob sich aus seinem Sessel und hielt ihr den ausgestreckten Arm zum Handschlag hin, den Malvina ergriff um die Hand zu ergreifen.
Das Ende des Raubritters
Dramatis Personae:
- Felan Rondrik von Schallenberg, Ritter und Baron von Puleth
- Malvina von Schroeckh, Junkerin von Junkertum Sommerau
- Geldor von Kallerberg, Raubritter in der Baronie Puleth
26.Tsa 1034 BF, nahe Burgruine Kaiserforst
Der Aufwand schien geradezu lächerlich gering gewesen zu sein den Raubritter aufzuspüren. Nachdem man ihn viele Götternamen lang nicht hatte ausfindig machen können war er nun in seinem Unterschlupf eingekesselt worden. Ein Hehler, bei dem man Ware gefunden hatte, die zuvor Geldor von unbescholtenen Händler geraubt hatte, hatte ihnen den letzten Hinweis geben können. Die alte Burgruine Kaiserforst. Es hätte Malvina schon viel früher klar sein müssen, wo sich der umtriebige Kallerberger immer hin zurückgezogen hatte, doch kaum jemand war auf den Gedanken verfallen er könnte sich in der 960 BF abgebrannten Gebäude verstecken, zumal es hieß dort würde es spuken und die bei dem Brand Umgekommenen würden dort noch heute umgehen.
Malvina hatte den Ort auskundschaften lassen. Dazu hatte sie sich einiger Abenteurer bedient, die sich sogar kurzfristig unter die Räuber gemischt hatten und ihnen die vollkommen zugewucherten Wege zu der Burg weisen konnten, sowie die Pfade, die die Räuber nun benutzten und die gut getarnt waren.
Es war früher Morgen. Soeben gab ihre Jägerin, Alrika Farnhain, ihr die Handzeichen, dass alle in Position seien. Malvina zog ihr Schwert und gab nun ihrerseits das Zeichen zum Vorrücken. Sie wusste, dass zur gleichen Zeit Felan von Südwesten und einer seiner Ritter vom Osten vorrückte, während sie selbst aus dem Norden kam. Die Schlinge zog sich zu.
Das Grün der Schroeckhs und der Schallenberger verschmolz bis auf das Weiß und Gold ihrer Wappentiere mit dem Wald, so dass sie nahe herankamen, bis das Durchbrechen von Büschen und das Knacken der Äste zu laut wurde, so dass auch die aufgeschreckten Posten der Räuber sie nicht überhören konnten. Einige schienen sofort zu erkennen, was die Stunde geschlagen hatte und versuchten durch die Linie zu brechen und zu fliehen. Doch es war zu spät zur Flucht, denn die Schlinge hatte sich zugezogen. Gnadenlos wurden die Räuber niedergemacht. Wer sich wehrte wurde ohne Gnade getötet und nur wenige suchten ihr Heil darin die Waffe fortzuwerfen und sich der damit der richterlichen Gnade der Ritter auszuliefern. Man würde sie später aburteilen, aber das auch nur einer unschuldig sein sollte, war unwahrscheinlich. Der Strick würde die meisten erwarten.
"Gnade! Habt Gnade mit mir!", schrie einer besonders laut, als er bei dem Versuch kriechend durch Himbeerbüsche hängengeblieben war und aufgegriffen wurde.
"Gnade?", schnauzte ein Spießer der Junkerin. "Warum sollten wir Gnade walten lassen mit Abschaum wie dir?" "Ich sage alles! Ich kann euch alles sagen! Geldor hat alles geplant!"
"Korninger,", rief Malvina dem Mann zu, der den Flehenden am Kragen gepackt hielt. "Ich will den Mann lebend, er könnte ein williger Zeuge sein um Geldor zu verurteilen."
"Ich danke euch Herrin, Rauban Vogeler vergisst euch das nicht!"
"Hast nochmal Glück gehabt, dass die Herrin so sanftmütig ist, ich wäre nicht so gnädig gewesen...", schnauzte Gardist Korninger den Mann noch einmal an, bevor er ihn zu den anderen Gefangenen brachte.
Derweil klang aus der Ruine Schwertergeklirr. Malvina eilte nach vorne und konnte allsbald auf dem ehemaligen Hof der Burg sehen, wie der Baron mit einem Mann in von braun-schwarzem Leder verhüllter Kettenrüstung kämpfte. Felan hatte den Vorteil eines Schildes, doch sein Gegner, der kein anderer als Geldor von Kallerberg sein konnte, war flinker, da er sich nicht mit schweren Bein- und Armschienen abschleppte und leichtfüßig Felans Schlägen auswich. Als Geldor wieder einmal einen Schritt zurücksprang konnte sie auch sehen, dass Felan bereits aus einer Wunde knapp über dem Auge, genau dort wo seine Kettenhaube die Stirne nicht mehr schützte, blutete und ihm dieses Blut auf dem rechten Auge seine Sicht behinderte.
"Geldor!", rief Malvina, so dass sich dieser umdrehte. "Hochgeboren, ich bitte euch ihn mir zu überlassen."
"Wie ihr wünscht.“, keuchte Felan und versuchte sich Blut aus dem Auge zu wischen, ganz offensichtlich nicht ungerne bereit ihr den Kampf zu übergeben.
"Oho, meine Junkerin! Auf eure alten Tage noch zu Streit aufgelegt?", spottete Geldor. "Passt nur auf, denn im Wald lauern Räuber auf junge wie alte Jungfern gleichermaßen!"
"Spottet ihr nur, die Götter stehen auf meiner Seite und dem Recht, das ich vertrete."
"Scheiß auf eure Götter!", rief Geldor zurück und ging in den Angriff über. Seine Schläge waren kraftvoll und schnell, trotz des Kampfes gegen Felan. Doch auch wenn er in der Blüte seiner Kraft stand hatte sie etwas, was ihm fehlte: Erfahrung. Er trachtete danach ihre Verteidigung zu überwinden, die sie unerschütterlich wie ein Fels ihm entgegenhielt. Er schien nicht zu ermüden, jedoch nahm sein Zorn zu, als er merkte dass er ihre Deckung nicht überwinden konnte. Dies nutzte Malvina. Als sich Geldor scheinbar eine Lücke in ihrer Deckung bot und er eilendes zustieß wich sie behender als zu vermuten war dem Stoß zur Seite aus, rammt ihr Knie in seine Seite und ließ die Schwertklinge niedersausen. Blut spritzte, als ihr Stahl sich in die Schwachstelle einer jeden Rüstung unter der Achsel ihres Kontrahenten bohrte. Blut quoll schaumig über die Lippen Geldors, die Augen weit aufgerissen. Langsam entglitt seine Waffe den kraftlos gewordenen Fingern und mit einem letzten Aufkeuchen fiel er, das Gesicht voran, zu Boden. Malvina zog die Waffe aus seinem Leib, wobei sie den Fuß auf seinen Oberarm stellen musste um die Klinge frei zu bekommen.
"Bei Rondra, ihr habt diesem Verbrecher ein würdigeres Ende bereitet, als er es verdient hatte.", sagte Felan, der plötzlich hinter ihr stand und ihr seine Hand auf die Schulter gelegt hatte.
"Er war ein Ritter und wenn er auch nicht wie einer gelebt hat so sollte er wenigstens wie einer sterben. Und sei es nur als Symbol, dass die rechtlose Zeit der Raubritter in unserem Hartsteen endlich zuende ist!", antwortete sie und Felan konnte nicht umhin als mit einem ernsten Nicken ihren Worten Zustimmung zu geben.
Familienplanung
nach Bärenauer Vorbild:
- Rondrik Ulfried (*1033 BF)
- Emer Hesine (*1034 BF)
- Rainmund Nadrian (*1035 BF)
- Tsatalia Jalga (*1036 BF)
- Phexiane Ardare (*1037 BF)
- Halwin Praiodan (*1038 BF)