Geschichten:Frühstücksgespräche: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Hauptdarsteller ist::Perricum:Janne Mergenthin|Janne]] und ihre Ziehmutter [[Hauptdarsteller ist::Perricum:Fredegard von Hauberach|Fredegard]] saßen beim gemeinsamen Frühstück im Stadthaus der Baronswitwe und besprachen allerlei Dinge, die sowohl die letzten Tage als auch die nähere Zukunft betrafen – sowohl religiöser wie profaner Natur. | |||
Die junge Frau genoss diese – für sie viel zu seltenen – gemeinsamen Stunden mit der Adligen sehr, gaben sie ihr doch ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Beides Dinge, die Janne zuvor nie kennengelernt hatte. Dass sie seit einiger Zeit nicht mehr in Zackenberg, sondern in [[Handlungsort ist::Perricum:Reichsstadt Perricum|Perricum]] und damit in unmittelbarer Nähe Fredegards, lebte, machte ihr das Herz besonders leicht. So konnte sie auch diesen Laffen [[Perricum:Siegerain Amando Welferich von Bregelsaum-Berg|Siegerain]] deutlich besser ertragen, wohingegen die Fürsorge für dessen Pagin [[Perricum:Leonore von Zackenberg|Leonore]] der Frau zu ihrer eigenen Verwunderung große Freude bereitete. Kurzum: Janne war hier und jetzt mit ihrem Leben vollauf zufrieden. | |||
„Wie sehen eigentlich Deine Pläne für die fernere Zukunft aus, Liebes?“, fragte Fredegard unvermittelt, als ihre Tochter gerade einen Schluck Tee trinken wollte. | |||
„Was genau meinst Du, Mutter? Ich kann Dir gerade nicht folgen. Meine Arbeit mit den Kindern, vom Dienst an unserem Herrn ganz abgesehen, füllt mich durchaus aus.“ | |||
„Das war nicht meine Frage. Ich wollte nicht wissen, wo Du jetzt stehst, sondern wo Du in einigen Götterläufen stehen möchtest.“ | |||
Janne war nun vollends verwirrt und antworte, wenig schicklich, mit einem „Ähhh-“. | |||
„Hm, da muss ich wohl deutlicher werden, denn heute bist Du offenbar etwas schwerer von Begriff, wie mir scheint. Hast Du schon einmal über eine Ehe und einen Aufstieg in die erste Gesellschaft der Reichsstadt nachgedacht? Oder willst Du etwa den Rest Deines Lebens entgegen meines früheren Rates als unverheiratetes Kindermädchen verbringen?“ | |||
Das Wort „Ehe“, ließ die Angesprochene sich beinahe an ihrem Tee verschlucken. „Warum sollte ich irgendeinen Kerl heiraten, den ich nicht kenne und der mir nichts zu geben hat – zumindest nichts, was ich will. Ich habe früher auf der Straße schon genug-“, Janne errötete leicht und blickte konsterniert zu Boden. „Nein, was ich damals gezwungenermaßen tat, das will ich ganz bestimmt nicht wieder tun wollen, ob nun mit oder ohne Heirat. Und ich verstehe nicht, dass ausgerechnet Du-“ | |||
„Oh, Du missverstehst mich da offenbar kapital.“, unterbrach Fredegard sie sanft mit einer beschwichtigenden Geste. Zum einen werde ich nicht ewig leben und zum anderen möchte ich, dass Du Dein Potential möglichst voll entfalten kannst – zum Ruhme unseres Herrn, aber auch um Deiner selbst willen. Wie Du mindestens so gut wie ich weißt, sind viele Dinge und Ziele nur mit den richtigen Beziehungen oder Titeln erreichbar. Dir aber fehlt es momentan an beidem; daran ändert auch der Umstand nichts, dass Du nun meinen Namen trägst. Wenn Du Zugang zu höheren Kreisen erlangen willst, sei es zum Ruhme unseres Herrn oder für Dein eigenes Fortkommen, wenn Du deren Geheimnisse, Beziehungsgeflechte in Erfahrung bringen, respektive daraus resultierend Vorteile ziehen willst, dann bedarf es in der Regel weit mehr als nur ein simples „von“ im Namen. Und ein adliges Kindermädchen bleibt für Viele halt einfach nur ein Kindermädchen. Und hier sind wir wieder bei Titel und Ehe.“ | |||
Janne hatte die Ausführungen Fredegards mit nachdenklicher Miene zur Kenntnis genommen. Wenngleich sie einer Eheschließung – mit wem auch immer – weiterhin ablehnend gegenüberstand, so konnte sie sich der Logik in den Ausführungen ihrer Mutter nicht verschließen. Außerdem würden Leonore und [[Perricum:Melinara von Zackenberg|Melinara]] in nicht allzu ferner Zukunft ohnehin kein Kindermädchen mehr benötigen, spätestens, wenn auch das jüngere Kind an irgendeinem Adelshof seinen Dienst als Pagin begänne. Und auch wenn ihr der Adel als solcher immer noch mehr oder weniger zuwider war: An ihm gab es hierzulande praktisch kein Vorbeikommen, wenn man aufsteigen wollte, von einigen wenigen Ausnahmen vielleicht abgesehen. | |||
„Tja, Deine Argumentation ist wie immer hieb- und stichfest. Dennoch bereitet mir der Gedanke an eine Ehe Unbehagen; der Kerl will doch sicher eher früher als später mehr als nur Händchen halten. Und Du verstehst sicher, dass-“ | |||
„Tue ich, Liebes.“, unterbrach sie die einstige Baronin sanft ein weiteres mal, während sie die Hand ihrer Tochter umfasste. „Und nichts liegt mir ferner, Dich da zu irgendetwas zwingen zu wollen. Wir werden, gemeinsam, schon einen passenden Mann finden, der für Dich annehmbar wäre und Dir zudem den nötigen Freiraum lässt. Und für alles andere gibt es auch Lösungen, sei unbesorgt.“, schloss Fredegard mit einem vieldeutigen Lächeln. | |||
„Das beruhigt mich sehr, Mutter.“, erwiderte Janne sichtlich erleichtert. „Aber wie wollen wir das anstellen? Und wenn, dann wäre mir ein eigener Titel lieber, denn ich möchte da ganz bestimmt nicht von irgendeinem nutzlosen Kerl von Ehemann abhängig sein.“ | |||
„Genau so hatte ich es mir auch gedacht. Du sollst schließlich nicht einfach irgendeines Mannes hübsches Anhängsel sein, das wäre Deiner nun wahrlich nicht würdig – auch wenn es zuweilen ganz hilfreich sein kann, dies vortäuschen zu können, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. | |||
Und was den Weg angeht, so habe ich da schon eine Idee. Wozu hat man schließlich Beziehungen?“, schloss Fredegard mit einem schelmischen Lächeln. | |||
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Version vom 30. Dezember 2025, 19:50 Uhr
Janne und ihre Ziehmutter Fredegard saßen beim gemeinsamen Frühstück im Stadthaus der Baronswitwe und besprachen allerlei Dinge, die sowohl die letzten Tage als auch die nähere Zukunft betrafen – sowohl religiöser wie profaner Natur. Die junge Frau genoss diese – für sie viel zu seltenen – gemeinsamen Stunden mit der Adligen sehr, gaben sie ihr doch ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Beides Dinge, die Janne zuvor nie kennengelernt hatte. Dass sie seit einiger Zeit nicht mehr in Zackenberg, sondern in Perricum und damit in unmittelbarer Nähe Fredegards, lebte, machte ihr das Herz besonders leicht. So konnte sie auch diesen Laffen Siegerain deutlich besser ertragen, wohingegen die Fürsorge für dessen Pagin Leonore der Frau zu ihrer eigenen Verwunderung große Freude bereitete. Kurzum: Janne war hier und jetzt mit ihrem Leben vollauf zufrieden.
„Wie sehen eigentlich Deine Pläne für die fernere Zukunft aus, Liebes?“, fragte Fredegard unvermittelt, als ihre Tochter gerade einen Schluck Tee trinken wollte.
„Was genau meinst Du, Mutter? Ich kann Dir gerade nicht folgen. Meine Arbeit mit den Kindern, vom Dienst an unserem Herrn ganz abgesehen, füllt mich durchaus aus.“
„Das war nicht meine Frage. Ich wollte nicht wissen, wo Du jetzt stehst, sondern wo Du in einigen Götterläufen stehen möchtest.“ Janne war nun vollends verwirrt und antworte, wenig schicklich, mit einem „Ähhh-“.
„Hm, da muss ich wohl deutlicher werden, denn heute bist Du offenbar etwas schwerer von Begriff, wie mir scheint. Hast Du schon einmal über eine Ehe und einen Aufstieg in die erste Gesellschaft der Reichsstadt nachgedacht? Oder willst Du etwa den Rest Deines Lebens entgegen meines früheren Rates als unverheiratetes Kindermädchen verbringen?“
Das Wort „Ehe“, ließ die Angesprochene sich beinahe an ihrem Tee verschlucken. „Warum sollte ich irgendeinen Kerl heiraten, den ich nicht kenne und der mir nichts zu geben hat – zumindest nichts, was ich will. Ich habe früher auf der Straße schon genug-“, Janne errötete leicht und blickte konsterniert zu Boden. „Nein, was ich damals gezwungenermaßen tat, das will ich ganz bestimmt nicht wieder tun wollen, ob nun mit oder ohne Heirat. Und ich verstehe nicht, dass ausgerechnet Du-“
„Oh, Du missverstehst mich da offenbar kapital.“, unterbrach Fredegard sie sanft mit einer beschwichtigenden Geste. Zum einen werde ich nicht ewig leben und zum anderen möchte ich, dass Du Dein Potential möglichst voll entfalten kannst – zum Ruhme unseres Herrn, aber auch um Deiner selbst willen. Wie Du mindestens so gut wie ich weißt, sind viele Dinge und Ziele nur mit den richtigen Beziehungen oder Titeln erreichbar. Dir aber fehlt es momentan an beidem; daran ändert auch der Umstand nichts, dass Du nun meinen Namen trägst. Wenn Du Zugang zu höheren Kreisen erlangen willst, sei es zum Ruhme unseres Herrn oder für Dein eigenes Fortkommen, wenn Du deren Geheimnisse, Beziehungsgeflechte in Erfahrung bringen, respektive daraus resultierend Vorteile ziehen willst, dann bedarf es in der Regel weit mehr als nur ein simples „von“ im Namen. Und ein adliges Kindermädchen bleibt für Viele halt einfach nur ein Kindermädchen. Und hier sind wir wieder bei Titel und Ehe.“
Janne hatte die Ausführungen Fredegards mit nachdenklicher Miene zur Kenntnis genommen. Wenngleich sie einer Eheschließung – mit wem auch immer – weiterhin ablehnend gegenüberstand, so konnte sie sich der Logik in den Ausführungen ihrer Mutter nicht verschließen. Außerdem würden Leonore und Melinara in nicht allzu ferner Zukunft ohnehin kein Kindermädchen mehr benötigen, spätestens, wenn auch das jüngere Kind an irgendeinem Adelshof seinen Dienst als Pagin begänne. Und auch wenn ihr der Adel als solcher immer noch mehr oder weniger zuwider war: An ihm gab es hierzulande praktisch kein Vorbeikommen, wenn man aufsteigen wollte, von einigen wenigen Ausnahmen vielleicht abgesehen. „Tja, Deine Argumentation ist wie immer hieb- und stichfest. Dennoch bereitet mir der Gedanke an eine Ehe Unbehagen; der Kerl will doch sicher eher früher als später mehr als nur Händchen halten. Und Du verstehst sicher, dass-“
„Tue ich, Liebes.“, unterbrach sie die einstige Baronin sanft ein weiteres mal, während sie die Hand ihrer Tochter umfasste. „Und nichts liegt mir ferner, Dich da zu irgendetwas zwingen zu wollen. Wir werden, gemeinsam, schon einen passenden Mann finden, der für Dich annehmbar wäre und Dir zudem den nötigen Freiraum lässt. Und für alles andere gibt es auch Lösungen, sei unbesorgt.“, schloss Fredegard mit einem vieldeutigen Lächeln.
„Das beruhigt mich sehr, Mutter.“, erwiderte Janne sichtlich erleichtert. „Aber wie wollen wir das anstellen? Und wenn, dann wäre mir ein eigener Titel lieber, denn ich möchte da ganz bestimmt nicht von irgendeinem nutzlosen Kerl von Ehemann abhängig sein.“
„Genau so hatte ich es mir auch gedacht. Du sollst schließlich nicht einfach irgendeines Mannes hübsches Anhängsel sein, das wäre Deiner nun wahrlich nicht würdig – auch wenn es zuweilen ganz hilfreich sein kann, dies vortäuschen zu können, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Und was den Weg angeht, so habe ich da schon eine Idee. Wozu hat man schließlich Beziehungen?“, schloss Fredegard mit einem schelmischen Lächeln.