Geschichten:Weißer Rauch - Beim nahenden Ende

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Burg Oberhartsteen, 28. Travia 1043 BF

Die Lage in den Hartsteener Gefilden war vom Grafenhof auf Burg Oberhartsteen aus weder zu überblicken noch irgendwie zu beeinflussen, so weit hatten die Schlunder Angreifer ihren Belagerungsring um die uralte Bergfeste auf dem Oberhartberg mittlerweile verdichtet. Es bestand kaum noch die Möglichkeit, Nachrichten zu versenden oder zu erhalten. Allein die letzten Meldungen sprachen dafür, dass in den Landen um den Feidewald das reine Chaos ausgebrochen war. Wie die Geier fielen in diesen Tagen neben den Schlundern und Reichsforstern auch Waldsteiner und Kaisermärker ein und verfolgten unter fadenscheinigen Vorwänden ihre niederen Interessen. Die Hartsteener Ritterschaft befand sich in verzweifelten Abwehrkämpfen und es sah nicht so aus, als würde das belagerte Oberhartsteen alsbald Entsatz von jenseits der Natter erhalten. Immerhin hatte mit Hauptmann Orestes ein erfahrener Haudegen das Kommando auf der gräflichen Feste übernommen und machte es den Angreifern alles andere als leicht, näher an die Mauern heran zu kommen und mögliche Standpunkte für stärkeres Belagerungsgerät zu sichern.

Im Gegensatz zur trotzigen Geschäftigkeit der Kriegsleute auf den äußeren Wällen fand sich im Palas, dem Zentrum der gräflichen Herrschaft, nur kopfloses Schweigen angesichts des unvermeidlich Bevorstehenden. Denn um die Unvermeidlichkeit wussten alle, die sich unter irgendeinem Vorwand im Vorzimmer des gräflichen Schlafgemachs versammelt hatten .

„Wie geht es seiner Hochwohlgeboren?“, fragte der gerade hinzugetretene Kammerherr Halwart von Gnisterholm flüsternd in die wartende Runde.

Statt einer Antwort seufzte der Schreiber Reto von Faldrasstein und Korgunde von Zoltheim, die Hofmeisterin, schüttelte nur den Kopf. Bleich und unbeweglich wie eine marmorne Statue lag Luidor von Hartsteen nebenan auf seinem Bett, kaum, dass sich seine Brust im unregelmäßigen Atemholen noch hob oder senkte. Der Graf lag im Sterben.

„Und wo ist eigentlich die Storchenhain?“

Erneutes Kopfschütteln in Verbindung mit einem ratlosen Schulterzucken folgte. Die Leibmedica, die in den letzten Tagen beinahe ununterbrochen am Bett des Hartsteeners gewacht und die Dienerschaft mit strenger Stimme herumgescheucht hatte, war seit einiger Zeit verschwunden und keiner der Bediensteten konnte sagen, wohin. Die Leere, die vom gräflichen Schlafgemach ausging, war damit vollends zu Tage getreten und alles erstarrte in ahnungsvoller Stille.

Umso ungebührlicher mutete es da an, als mit einem Mal der Page Duridan von Schwingenfels-Natzungen aufsprang und aufgeregt zum Hoffenster deutend lauthals rief: „Die Hofmeisterei! Da drüben quillt weißer Rauch aus den Fenstern! Feuer, Feurio!“


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Texte der Hauptreihe:
28. Tra 1043 BF am Abend
Beim nahenden Ende


Kapitel 1

Ein guter Plan
Autor: Steinfelde