Geschichten:Streben nach Höherem - Gerwulfs Rache

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Praiosburg, 7. Praios 1030 BF


Es war ein warmer Sommertag. In der Baronie Bärenau herrschte eine sommerlich-angespannte Stille. Offenbar wartete jede der Parteien auf eine Aktion der Gegenseite, auf die sie angemessen reagieren konnte. Über Agenten und Mittelsmänner hatte Simiona ein Treffen mit dem ehemaligen Baron Gerwulf von Bärenau arrangiert, welches am heutigen Tag auf der Praiosburg stattfinden sollte, die Simiona in den Namenlosen Tagen durch eine Intrige in die Hände gefallen war.

Soeben war Gerwulf mit dreien seiner Männer in die Burg eingeritten. Pferdeknechte nahmen ihre Rösser entgegen, während der Herr des Hauses, Cordovan von und zu Praiosburg, die Gäste willkommen hieß. Er geleitete sie in das Herrenzimmer der Burg, wo Simiona - wie immer in Begleitung ihrer persönlichen Leibgarde - sie bereits erwartete.

"Willkommen auf der Praiosburg, Euer Hochgeboren!" Simiona wählte diese Anrede mit Bedacht. Sie wollte Gerwulfs Reaktion testen. Dieser zog kurz die Augenbraue hoch, dann erwiderte er den Gruß nur knapp. Simiona gebot den Herren an der Tafel Platz zu nehmen, während ihr Gefolge im Hintergrund blieb. Sie lächelte.

"Ihr nennt mich Hochgeboren, Comtessa, doch was für ein Baron bin ich schon? Ich wurde meines vom Herren Praios befohlenen Lehens nicht nur einemal, sondern gleich zweimal widerrechtlich beraubt. Nicht meine Banner wehen derzeit über Burg Bärenau - sondern die der Krämer aus dem Eslamsgrundschen, die glauben, sich mit schnödem Mammon einfach in alt-traditionelle Adelswürden einkaufen zu können."

"I`r fü`rt bittere Klage, Baron, und das sischerlisch nischt unbegründet. Doch sind diese neureischen Eischbäu... Eischenwäl... , mon dieu, wie nennen die sisch nochmal?" Roderik trat einen Schritt an sie heran und flüsterte ihr es ins Ohr. Simiona fuhr fort: "Eischgraser! Genau. Also, auf welche Ansprüsche stützen sich diese `errschaften? Wie kommen sie dazu, sisch Eure Burg anzueignen?"

Gerwulfs Miene verfinsterte sich: "Dieser elende Hurensohn von Quintian-Quandt, ebenso ein Krämer wie die Eychgraser, hat ihnen das Lehen für Gold verkauft! Allein der Gedanke daran wiedert mich an. Er tritt alles mit Füßen, auf dem das Lehnssystem seit den Zeiten Rauls aufgebaut ist."

Cordovan fuhr fort: "Der Adel wurde dereinst mit Praios Segen zur herrschenden Schicht erkoren, und so zu dem gemacht was sie heute sind: ein göttergegebenes Privilleg. Es ist nicht im Sinne der Kirche, wenn sich Personen oder gar ganze Sippen von niederem Stand mit Geld in höhere Würden einkaufen." "Aber genau dies ist geschehen!" ergänzte Gerwulf. Und damit gilt es nicht nur die Eychgraser zu vertreiben, sondern auch zu verhindern, dass dieser wahnsinnige selbsternannte Graf weiterhin irrsinnige Entscheidungen fällt, die den alten Adel brüskieren."

Simiona hörte aufmerksam zu. Ihre Unschuldsmiene verbarg ihre wahren Gedanken.

"Und was schlagt I´r vor sollte man da tun? Wollt I`r Eusch vielleischt direkt an Ro`aja wenden?"

Gerwulf schüttelte den Kopf.

"Das wird nichts nutzen. Zum einen hat die Kaiserin höchstwahrscheinlich derzeit nicht die Mittel, um wirksam in die vielen Verwicklungen der ganzen Hartsteen-Fehden einzugreifen, ansonsten hätte sie es wohl schon getan. Zum anderen ist da noch die Angelegenheit, weswegen ich damals schon einmal meines Lehens verlustig ging." "I`r sprescht von der Sache mit Answin?" "Die Sache Answins war eine gerechte Sache, und ich bereue keinesfalls ihn damals unterstützt zu haben! Leider sehen das die Leute in den höheren Positionen anders. Doch nachdem etliche Answinisten nach der Schlacht der Drei Kaiser rehabilitiert wurden, sehe ich meine Ansprüche auf den Titel durchaus wieder gegeben. Natürlich muss letztendlich ein rechtmässig über Hartsteen herrschender Graf darüber entscheiden, aber solange ein solcher nicht existiert, bleiben meine Ansprüche weiterin im Ungewissen." Simiona blickte ihn weiterhin fragend an. "Und?"

"Die einzige Sprache, den diese Neureichen verstehen ist die Sprache des Schwertes! Und wenn dies der einzig gangbare Weg ist, bin ich bereit ihn zu beschreiten. Auch wenn es mich einiges kosten wird - aber für die Gerechtigkeit ist kein Preis zu hoch. Ihr stimmt mir doch zu, Exzellenz?" Cordovan nickte stumm. Er ahnte scheinbar schon, dass diesem Gespräch Kriegshandlungen folgen würden. Dennoch hoffte er, die seinen so gut es geht heraushalten zu können.

Simiona lächelte verschwörerisch. Das hatte sie die ganze Zeit hören wollen. "Wo`lan, dann sollten wir über das weitere Vorge`en reden. Isch verfüge über rescht umfangreische Informationen aus zuverlässiger Quelle über unsere Feinde und i`re Truppen. Isch bin durschaus bereit mit Eusch, werter Nachbar, zu kooperieren. Jedoch `at dies selbstverständlisch seinen Preis..."

Gerwulf wusste, dass ihm keine großen Wahlmöglichkeiten blieben, als er Simionas Forderungen vernahm. Es war ein hoher Preis, doch wenn er am Ende wieder über Bärenau herrschen könnte, würde er ihn zahlen. Sicher gäbe es später noch die Möglichkeit sich dafür angemessen zu revanchieren.