Geschichten:Recht und Ehre - Der Zweikampf

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Da stand sie nun, am Ende eines langen Kampfes – Siegreich – wie sie es selbst kaum vermutet aber doch immer gehofft hatte. Während der Feierlichkeiten schwenkte ihr Blick über ihre neuen Lehensnehmer. Iralda hatte die Ausgabe der Briefe, die in der Goldenen Postille abgebildet wurden, nicht vergessen.

Das Wort schwach, was im Zusammenhang mit ihrem Namen genannt wurde, ging ihr nicht aus dem Kopf. Es belastete die junge Baronin.

Sie hatte vielleicht nicht alle Möglichkeiten, die ihre Vorväter hatten, als das Land noch im Speckgürtel Garetiens lag. Aber dafür konnte sie nichts. Sie würde es wieder aufbauen und in bessere Zeiten führen, da war sie sich sicher.

Am Tag nach der Feier zur Baronsernennung wartete sie auf dem Burghof auf die abreisenden Niederadligen. Allesamt hatten sie sich zur Abreise bereit gemacht, als sie offensichtlich auf den Ritter Hagwulf von Eslamsberge zuging.

Er war ein Hüne mit langem, ergrautem Haar, welches ordentlich zu einem Zopf gebunden war. Mit seinen vielen Narben sah man den Maraskan-Veteran seine Kampferfahrung an. Iralda baute sich scheinbar selbstbewusst vor ihm auf. „Ich weiß ihr haltet mich für schwach und unwürdig diesen Titel zu führen, dennoch bin ich nun Eure Baronin und ich fordere Euch auf mir die Treue zu schwören.“ Ein Raunen ging durch den Niederadel.

Hagwulf klopfte beruhigend auf sein Pferd. „Euer Hochgeboren, ihr seid meine Baronin, wie es der Graf entschieden hat.“

Sie schnaubte kurz. „Das ist keine zufriedenstellende Antwort. Ich bin nicht schwächlich. Wenn ihr Manns genug seid, steigt ihr ab und ich werde es Euch beweisen.“ Er lachte hämisch. „Mädchen, das wollt ihr doch nicht wirklich. Ihr könnt dabei nicht gewinnen.“

Iralda warf ihren Umhang ab, nahm eine Kampfposition ein und zog ihr Schwert. Die Ritter und Junker bildeten einen Kreis. „Nun gut, ein Duell also, wie ihr wünscht. Sagt mir aber nachher nicht, dass ich Euch nicht gewarnt hätte.“, frotzelte der Ritter.

Hagwulf zog sein Langschwert und gesellte sich zu der Baronin. „Edle Dame, ihr zu erst.“, überheblich machte er eine Handbewegung.

Wutschnaubend rannte Iralda an. Ein Schlag, noch ein und noch ein weiterer. Mit Leichtigkeit wehrte der alte Recke ihre Angriffe ab. Anstatt ruhiger zu werden wurden ihre Angriffe noch überreizter.

Dem Maraskanverteran wurde es irgendwann zu viel. Hagwulf drehte den Spieß um, ein Schlag und er hatte das Kommando. Ein weiterer sehr wuchtiger Schlag und er hebelte die Baronin zu Boden. Ritterlich schritt er einige Schritte zurück und ließ sie aufstehen. „Gebt auf.“

Iralda fasste den Schwertgriff fester und entschlossener. „Nein, niemals“. Erneut griff sie den Ritter zu Eslamsberge an, der sie ins Leere laufen ließ – einmal, zweimal, dreimal. Er war hier haushoch überlegen und beförderte sie erneut in den Staub des Innenhofes.

Triumphierend und von Prahlerei gezeichnet stand er da, während Iralda erschöpft auf dem Boden lag. Aufgeben, war das Wort, welches ihr durch den Kopf ging, als ein Regentropfen ihre Nasenspitze kitzelte. Ihr Blick ging in die Runde, gespannt schaute der Adel Bärenaus zu und auch ihr Gatte und Schwiegervater hatten sich zu diesem Spektakel gesellt. Während Leobrecht angespannt zu ihr blickte, las sie von Wolfarans Lippen, der ihr zusprach. „Aufstehen, los, Aufstehen. Du kannst das“.

Er machte ihr Mut. Obwohl schon fast geschlagen stand sie auf, griff ihr Schwert mit beiden Händen.“Bringen wir es zu Ende.“

Sie führte einen weiteren Angriff, als sie von weiter weg Grollen und Donnern hörte. Ein paar weitere Schlagabtausche folgten, als sich der Himmel öffnete und ein wahrer Regenschwall sich über ihnen ergoss.

Der staubige Boden verwandelte sich urplötzlich in eine matschige Erde. Beide konnten kaum halt fassen, während ihre Schwertblätter aufeinander knallten. Das Blatt hatte sich gedreht, für die zierliche und flinke Iralda war das ihre Chance.

Mit unbändigem Willen führte sie ihr Schwert zu einem Sturmangriff. Wilde Schläge brachten den Veteranen aus seinem Konzept. Da, seine Deckung war offen, dachte sie. Wusch, mit einem gekonnt geführten Schlag drosch sie sein Schwert beiseite, während er ausrutschte. Sie stellte ihren Stiefel auf seine Brust und führte ihr Schwert an seine Kehle. „Ich gebe niemals auf, niemals. Einzig der Herr Boron kann mich davon abhalten in Praios Namen zu regieren.“ Hagwulf, der ebenfalls wie Iralda vor Anstrengung keuchte, nickte ihr wohlwollend zu. „Gratulation, meine Baronin, ihr habt mehr von Euren Vorvätern als ich annähernd für möglich gehalten habe.“

Iralda ließ ihn aus ihrer Umklammerung frei. „Dann haben wir das nun geklärt. Ich wünsche Euch und Euren Rittern eine angenehme Heimreise.“

Unter dem Beifall der Anwesenden ging sie Richtung Burg, schnellen Schrittes betrat sie ihre Gemächer. Iralda ließ sich völlig ermattet zu Boden sinken, ihr Arm schmerzte und Schlieren überzogen ihren Körper. Tränen des Glückes liefen über ihre Wangen.

Als hinter dem Vorhang in Iraldas Zimmer ihr Hofmagier Hamarjan ibn Hahmud hervortrat, seine Mine finster. "Ich dachte die Herrin Heschinja hätte dich mit Klugheit gesegnet, mehr als diese anderen Bauerntrampel. Welch Ochse hat dich geritten, diesen Veteran zum Zweikampf zu fordern?"

Wutschnaubend vergaß sie für einen Augenblick ihre Schmerzen. "Hamarjan ich musste das tun und die Herrin Rondra stand mir bei. Sie hat mir mit ihrem Gewitter den Weg zum Sieg geebnet. Das habe ich mir hart verdient."

Wildgestikulierend umrahmt von etlichen tulamidischen Schimpfwörtern stolzierte der Magister durch den Raum. "Papperlapapp. Nicht die Herrin Rondra hat Dich unterstützt, das war ich. Diese Demütigung, wie dich der Alte durch den Staub jagte wie ein Löwe vor seiner Beute, konnte doch keiner mitansehen. Dieses eine Mal hat Dich meine Magie gerettet und nun fordere ich Dich auf, Dich auf Deine Stärken zu besinnen."

Iraldas Gesicht machte einen geschockten Zustand. "Magie? Was redest Du da."

Hamarjan hob seinen Zeigefinger, wie er es einst schon an der Akademie immer tat, wenn er seine Schüler belehren wollte. "Liebes, Du bist mir ans Herz gewachsen, daher hat mir meine Astrale Kraft dabei geholfen mittels Wettermeisterschaft, das Blatt für Dich zu wenden und Deine Siegchancen zu erhöhen. Ich bitte Dich inständig, folge nicht einem Weg, dem Du nicht standhalten kannst. Die Göttin des Wissens hat Dich gesegnet, wenn Du schon die Magie vom Götterfürsten ausbrennen lässt, mache nicht gleiches selber mit Deinem Verstand. Du bist ausgebildet worden zu denken, zu hinterfragen und zu forschen. Nutze diese Gaben. Niemals wird Dein Schwertarm diesen Grad der Vollkommenheit erreichen, wie Dein Geist. Nutze Deine Stärken, Kind."

Konsterniert ließ sich Iralda zu Boden sacken und begann zu weinen. Ihr wurde es immer klarer, dass ihr Freund recht hatte. Sie würde niemals ein Paradebeispiel einer Harsteener Ritterin, warum sollte sie jemand anders zu sein versuchen, als sie in Wahrheit war.

Sie hatte vielleicht durch die Freundschaft zu Felan von Schallenberg den Ritterschlag erhalten, den sie sich hart erarbeite, aber sie würde in Jahrzehnten nicht ein guter Kämpfer werden. Aber brauchte es dieses, um eine gute Baronin zu sein?



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28. Pra 1036 BF zur mittäglichen Rahjastunde
Der Zweikampf
Die Feierlichkeit


Kapitel 12

Autor: Treumunde