Geschichten:Im Namen der Allwissenden - Waldsteiner unter sich

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Nachdem die hohen Herrschaften ihren Rundgang durch die weitläufige Klosteranlage beendet hatten, bat der Abt den Rossreuter Geweihten in sein Arbeitszimmer, während Deromir und Linai in den Klostergärten verblieben. Hesindion hatte die Führung durch das Kloster still aber interessiert – und dabei stets an seiner Pfeife rauchend - verfolgt, während sein Sohn und Ehrengeleit Deromir den Präfekten mit Fragen zu der Geschichte des Klosters nur so löcherte, was der Abt mit einem Lächeln zur Kenntnis nahm.

Hochwürden Adran von Feenwasser nahm an seinem breiten Schreibtisch Platz und deutet dem Rossreuter sich auf einem bequem gepolstert zu scheinenden Stuhl davor nieder zu lassen. „Wie Ihr seht, Euer Gnaden“, begann der Abt, „haben wir hier noch viel Arbeit vor uns. In kürze werden die Bauarbeiten für den neuen Novizenflügel beginnen und auch die Bibliothek soll erweitert werden. Was ich damit sagen will ist, dass ein Eintritt in dieses altehrwürdige Kloster - besonders für einen Geweihten von Eurem Format – nicht gleichbedeutend ist mit dem Rückzug auf das Altenteil. Der Dienst an der Allwissenden ist fordernd... und folgt einer höheren Bestimmung – der Sammlung und Bewahrung des Wissens der Vergangenheit und Gegenwart, auf das es uns für die Zukunft ein Nutzen sei.“ Wieder lag dieses Blitzen in den Augen des Abtes.

Hesindion von Rossreut nahm bedächtig einen Zug aus seiner Pfeife. Auch nach all den vielen Götterläufen in Gareth hatte er die sprichwörtliche Waldsteiner Gelassenheit nicht abgelegt, doch tief in ihm arbeitete sein Verstand wie ein Uhrwerk. Einerseits war er mit seiner jetzigen Position im Hesinde-Tempel zu Gareth sehr zufrieden, anderseits spürte er hier in St.Ancilla geradezu die Gegenwart der Allwissenden und er könnte hier seinen bescheidenen Teil zu ihrem großen Werk beitragen. „Hochwürden, ich fühle mich sehr durch Euer Ersuchen geehrt...“, der Hesinde-Geweihte stockte einen Moment und nahm noch einen Zug aus seiner Pfeife, „Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich hier unserer allwissenden Herrin am besten dienen kann. Ich bin bereit mein Gelübte abzulegen.“

Der Abt sprang vor Freude geradezu aus seinem Arbeitssessel. „Ihr werdet diese Entscheidung nicht bereuen, Euer Gnaden“, der Abt lächelte zufrieden und ging dann einige Schritte zum Fenster. Draußen sah er wie sich seine Tochter Linai angeregt mit dem Sohn des Rossreuters unterhielt. Noch während Adran aus dem Fenster sah, sprach er weiter. „Der feierliche Eintritt wird sich dann in ein paar Monden in einer angemessenen Zeremonie vollstrecken...“, nach einer kurzen Pause fuhr er fort, „ach sagt, Euer Gnaden, welche Tätigkeit geht Eurer Sohn zur Zeit nach?“

Der Rossreuter zog verdutzt über diese Frage seine Augenbrauen hoch. „Er hat kürzlich seinen Ritterschlag erhalten und sucht nun nach einer Anstellung als Hausritter.“

„Sehr gut“, murmelte der Abt kaum hörbar und wandte sich nun wieder Hesindion zu. „Was hieltet Ihr davon, wenn Euer Sohn Hausritter am Burggräflichen Hof zur Gerbaldsmark werden würde? Ich treffe mich regelmäßig mit der Burggräfin zum Boltanspiel – sie ist eine große Förderin unseres Klosters und außerdem ist ihr Enkel Novize hier – aber wie dem auch sei.... Einer Empfehlung von mir wird sie sehr offen gegenüber sein und ein so von Hesinde gesegneter Ritter passt vorzüglich an den hiesigen Hof – außerdem ist meine Tochter Linai dort Hofgeweihte.“ Der Abt lächelte Hesindion viel sagend an.

„So Ihr ein paar freundliche Worte über meinen Sohn gegenüber der Burggräfin finden würdet, wäre ich Euch sehr dankbar, Hochwürden.“ Hesindion klopfte den ausgebrannten Inhalt seiner Pfeife in ein kleines Kästchen.



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Texte der Hauptreihe:
5. Bor 1034 BF zur abendlichen Boronstunde
Waldsteiner unter sich
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Kapitel 3

Autor: Bega, Famerlin