Geschichten:Armenzug - Hunger in Aldenried

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06. Peraine 1036 BF, Kloster Tannenheim, Klosterlande Tannenheim in der Baronie Aldenried

"Es tut mir leid, ihr guten Leute, aber mehr können wir euch heute nicht geben. Kommt morgen wieder, dann kann ich wieder etwas austeilen!" Bruder

Perainfried, der Kellerer musste sich lautstark Gehör verschaffen unter den Leuten, die noch mit leerer Schale vor ihm standen und ihn aus hungrigen Gesichtern anblickten. Zwei seiner Mitbrüder halfen ihm den leeren kessel und Brotkörbe einzupacken und in das Kloster zurück zu bringen, vor dem das arme Volk zur Speisung zusammengekommen war und sich jetzt seufzend langsam wieder verstreute.

Besorgt schüttelte Perainfried den Kopf. Täglich kamen mehr Bittsteller und gleichzeitig hatte das Kloster immer weniger an Eingängen milder Gaben zu verzeichnen. Der vergangene Winter war hart gewesen und fast sämtliche Vorräte verbraucht. Schon jetzt mussten sie alles direkt verwerten, was Felder, Wälder und Gärten schon jetzt hergaben. Das war nicht viel und auch wenn die Ernte bisher für dieses Jahr vielversprechend zu werden versprach so waren doch noch Monate bis dahin zu überbrücken, überlegte er, während er einen der Körbe in Richtung Vorratskammer zurück trug.

"Vater Owilmar!", rief er den Abt des Klosters an, gleich als er ihn sah, und drückte den Korb eine Novizen in die Hand. Owilmar von Schroeckh, der Abtgeweihte von Tannenheim, drehte sich zu ihm herum und sah dem ihm entgegen eilenden Kellerer lächelnd entgegen. "Bruder Perainfried. Was kann ich für euch tun?" "Vater Owilmar, ich weiß bald nicht mehr was ich tun soll. Jeden Tag haben wir mehr arme Menschen, die vor unseren Mauern um eine Schale Suppe, einen Apfel oder einen Kanten Brot betteln. Aber wir haben so wenig zu geben. Wir haben ja selbst kaum noch etwas, dass ich bei einigen der älteren Brüder schon fürchte die geringen Mahlzeiten könnten sie zu sehr schwächen und für Krankheiten anfällig lassen." Der Abtgeweihte nickte bedächtig und zog ein fast schmerzlich zu nennendes Gesicht. "Ja ich verstehe euer Anliegen, Bruder. Doch wir können nicht mehr geben als uns die drei Schwestern überlassen um es weiter zu schenken." "Könnten wir nicht unseren Mitschwestern und -brüdern in den anderen Klöstern um Beistand bitten?" "Hm, das könnten wir, aber ich bezweifele, dass sie selbst mehr zu geben haben. Wir könnten aber...", er versank kurz im stillen Brüten. "Äh, wir könnten was, Vater?" "Hm? Oh, äh ich dachte nur gerade an etwas. Eine Möglichkeit.... Bruder könntet ihr bitte Bruder Travidan sage, dass ich mich nach Aldengrund begebe?" "Zum Baron also? Ja, das werde ich dem Bruder Prior natürlich ausrichten. Denk ihr...?" "Ich hoffe es und bete darum, Perainfried. Ich bete."


Burg Aldengrund, Baronie Aldenried

"Das mett nich!", verkündete Rondrik lautstark und verzog das Gesicht, das man meinen könne, er müsste auf einer Löwnzahnwurzel herumkauen. Widerwillig wandte er den Kopf weg von dem Teller vor sich und ließ den Löffel daneben auf den Tisch fallen. "Will Basdede!" "Ach, Rondrik. Das schmeckt sehr wohl.", versuchte seine Mutter es begütigend und machte ihm vor, in dem sie von seiner Brotsuppe kostete. Die Suppe war mit dem hart gewordenen Brot der vergangengen Woche zubereitet und mit einfachen Kräutern wie Liebstöckel und Petersilie gewürzt. "Nein, mett nicht! Will Basdede!", rief der Junge nur um so lauter, nahm den Löffel und schlug damit in die Suppe vor sich, so dass der Inhalt überall verspritzt wurde. Felans Augenbrauen zuckten, als er seinen ältesten Sohn finster anblickte. Dann erhob er sich langsam, wobei er seinen Lehnstuhl nach hinten schob. "Junger Mann, es wird Zeit, dass du lernst was es heißt Privilegien zu genießen und deren Verlust zu erleben." Er schritt um den Tisch herum, schnappte sich seinen Sohn und hielt das strampelnde Kind eingeklemmt unter dem Arm fest. "Felan, was...", versuchte Jalga ihren Gatten zum Einhalten zu bewegen. "Nein, das muss er lernen. Wer seine Suppe in Zeiten, in denen genügend Volk, hungert nicht essen will und sie sogar verschwendet, muss halt ohne Suppe zu Bett gehen. Nur so lernt er jedes Stück Brot zu schätzen, dass die Herrin Peraine uns schenkt." Mit diesen Worten brachte er den Jungen, der inzwischen auch das Schreien aufgegeben hatte, da er merkte, dass er damit bei seinem Vater rein gar nichts bewirkte als diesen noch zorniger zu machen, in seine Kammer und stellte ihn in sein Bettchen.

"So, und hier bleibst du, bis du gelernt hast Respekt vor den Speisen zu zeigen, die Du genießen darfst. Nachdem du dich entschuldigt hast darfst du die Suppe aufessen. Vorher gibt es auch nichts anderes. Ich werde nachher wiederkommen und dich dazu befragen.", sagte er dem Kind, das ihn mit großen Augen anstarrte. Ohne weitere Worte drehte er sich um, verließ den Raum und schloß die Türe. Er seufzte. Ob der Junge wohl verstand, warum es ihn so sehr erregte? Vermutlich nicht, aber er würde wenigstens lernen widerspruchslos sein Essen zu essen und nicht mehr so achtlos damit umgehen. Als Felan zurückkehrte hatten seine Gattin und die anderen Kinder bereits die Mahlzeit beendet. Doch ein weiterer Gast war in den Speisesaal getreten. Felan erkannte den Abtgeweihten von Tannenheim sofort und seufzte innerlich. Für Dinge, die auf Politik hinausliefen, empfand er heute überhaupt keinen Willen. Dennoch straffte er sich innerlich und setzte ein Lächeln auf.

"Euer Gnaden? Ich hatte heute nicht mit euch gerechnet? Ich hoffe etwas erfreuliches führt euch zu mir?" "Leider, euer Hochgeboren, ist der Anlass eher ernster Natur."
"Nun denn, dann setzt euch doch bitte zu uns. Etwas zu Essen oder Trinken?", bot Felan ihm an, während er ihm eine Sitzgelegenheit zur Verfügung stellte.
"Danke nein, euer Hochgeboren, aber Essen und Trinken sind es, weswegen ich gekommen bin."
"Ahja?"
"Ja genau. Ich bin sicher ihr wisst, dass manche Menschen nach dem strengen Winter einige Probleme haben, was die Nahrungsversorgung angeht."
"Das ist nicht an mir vorüber gegangen. Wie ihr seht tafeln wir selbst nicht eben üppig."
"Wenn es euch schon so trifft,", setzte Owilmar nach, ", was denkt ihr wohl wie schlimm es das einfache Volk getroffen hat? Jeden Tag, den die Zwölfe werden lassen, kommen mehr zu uns und erflehen etwas zu Essen. Doch unsere Mittel sind erschöpft, die Kammern leer und die Ernte lässt noch auf sich warten. Und dank der Umstände wird auch von dieser wohl nicht so viel bleiben, dass den armen Menschen lange geholfen werden kann."
Felan nickte und seufzte erneut innerlich. Er selbst hatte bereits einen Gutteil der zu erwartenden Ernte im Voraus verkaufen müssen um sowohl laufende Kosten als auch die zu erwartenden Steuern und das Brautgeld der Kaiserin zu begleichen.
"Ich verstehe worauf ihr hinaus wollt, aber wenn ihr glaubt ich könnte euch viel helfen, ohne langfristig der Bevölkerung wieder zu schaden muss ich euch enttäuschen: jeder Heller, den ich jetzt den Leuten jetzt abnehme, um euch zu unterstützen, wird ihnen doch selbst fehlen und sie selbst zu Bettlern. Ein Circulus daimoni, oder wie die Bosparaner das auszudrücken pflegten."
"Nun, da habt ihr natürlich nicht Unrecht. Aber euer Hochgeboren, euer Standesgenossen..ich bin sicher es gibt einige die weniger gebeutelt wurden von den Schicksalsschlägen der letzten Götterläufe und somit vielleicht etwas für die gute Sache beitragen könnten. Könntet ihr nicht vielleicht..?", fügte er vorsichtig an.
"Ihr meint ich soll in Garetien mit dem Betteltopf herumgehen?"
"So habe ich das nicht gemeint, euer Hochgeboren. Aber vielleicht möget ihr an ihre ritterliche Tugend der Mildtätigkeit erinnern, zumal wenn ihr hier eine Hungersnot und hohe Armut habt es nur eine Frage der Zeit ist, bis es in die nachbarschaftlichen Grafschaften übergeht und die Leute dort erhoffen zu erbetteln, was sie hier nicht mehr bekommen."
"Ein nicht ungewichtiges Argument, wenn ich vor der Gefahr warne bald von einem Bettelmob wie weiland in Gareth konfrontiert zu werden. Hm.", überlegte er kurz.
"Nungut, ich bin bereit mich der Sache anzunehmen. ich werde in mich gehen und euch alsbald dazu etwas mitteilen lassen. genügt euch das vorerst?"
"Vollauf, euer Hochgeboren! Mehr zu erhoffen wäre mir nicht in den Sinn gekommen.", unterstrich der Abtgeweihte wie erfreut er über bereits diese Geste der Hilfe erfreut war. Derweil werde ich gleiches tun und mit meinen Brüdern des Dreischwestern-Ordens versuchen eine Zusammenkunft zu erwirken um auch von dieser Seite unser Anliegen zu forcieren."
"Tut dies. Möge wahrhaft die drei Schwestern über unserem Ansinnen ihre Hände halten: zu gut weiß ich was dem alten Wilbur Hornbrecht von Krolock widerfahren ist. Das sollte uns allen eine stetige Mahnung sein..."