Von Trachten, Farben und Architektur

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Die Trachten der Markgrafschaft Perricum

Aus dem Tagebuch eines unbekannten Festumer Kaufmanns:

»Während sich im von Gareth geprägten Norden auch die Trachten zumeist an Gareth oder vielleicht Rommilys orientieren , wirkt die Mode im Nebachotischen für den unkundigen Mittelreicher durchgängig tulamidisch oder zumindest davon durchtränkt. Die Tracht der Nebachoten führt aber umgekehrt genauso bei Tulamiden zu der Aussage, dass es doch schon ziemlich bemerkbar wird, dass man unkultiviertere Regionen bereist, so man aus Süden kommt.
Es scheint, dass ebenso wie die Sprache auch die Kleidung der Nebachoten eine Mischung garethischer sowie "aranischer" Einflüsse ist, wenn auch für das Auge ungleich wohltuender als oben angeführte für die Ohren.

So bevorzugen Höhergestellte körperliche Betonung im Schnitt ihrer Hemden und Blusen, wie im Reich modisch, kombiniert mit Hosen, die ansatzweise Pluderhosen gleichen, jedoch mit einen höheren Schritt versehen sind. Gehalten wird das ganze meist von einer breiten Schärpe, die mehrmals um den Wanst geschlungen wird. Dies mit Stiefeln nach aranischer Art, mit himmelwärts gerichteter Spitze und je nach Geschlecht entsprechendem Absatz. Vermehrt finden sich mittlerweile aber auch eher klassische Stiefel mit nur leichten tulamidischen Anleihen.

Übergeworfen oder vielmehr angezogen darüber wird meist ein ärmelloser Mantel/lange Weste, teils mit, teils ohne Kapuze und dem entsprechenden Stand gemäßen Material.

Die Frauen Nebachots bevorzugen neben den weiten, aber luftigen Gewändern, wie man sie aus dem Süden her kennt, häufiger als im restlichen Reich betonte Kleidung, zuweilen aus den erlesensten Materialien.
Manchem mag die Kleidung vorkommen, wie aus einem tulamidischen Märchen, es gelten aber gerade bei der Frau strenge Regeln über die rechte Tracht. Der spärlich vertretenen Traviakirche zuliebe einigte man sich wohl in graueren Zeiten darauf, dass Frauenkleidung bis zum Knöchel reichen solle und Schultern zu bedecken habe, was aber im Laufe der Generationen zu äußerst gewagten Entwürfen seitens der Schneiderzunft führte und mittlerweile auch kaum noch Beachtung findet.

In den Gemächern kleidet man sich nach ähnlicher Art, aber mit weit gefälligeren, also noch leichteren Stoffen. Hierher gehört unweigerlich auch der Pantoffel, wie man ihn aus dem Aranischen oder den südlichen Stadtstaaten kennt. Auch der Pantoffel besitzt hier Variationen in der Höhe des Absatzes und ist häuffig etwas garteisch-schlichter gehalten als weiter im Süden - wie die meisten anderen Kleidungsstücke auch. Bemerkenswert hierbei ist die Entwicklung des Nebachotischen Hochhackers: ein Frauenpantoffel mit bis zu fünf Finger hohen Absätzen in unterschiedlichsten Ausführungen. Je nach Geschmack der Trägerin ist er dem Ende entgegen spitz zulaufend oder breit an der Färse beginnend, sich zur Mitte hin verjüngend und wieder breiter endend; er ist auch häufig mit Riemen um die Fesseln versehen, in der Art einer Sandale mit Absätzen oder geschlossen aus festem Tuch oder zartem Ziegenleder. Gern getragen ist er besonders bei der Rahjageweihtenschaft, aber er hält auch langsam Siegeszug ein ins Mittelreich, wo man ihn immer öfter sehen kann und besonders auf Sommerbällen bewundert. Zu unrecht wurde er wohl anfangs als horasisch verschrien, als er dorten billigst aus Holz und Leder imitiert wurde, und ihn zumeist Stutzer aus Benachteiligung an körperlicher aber auch wohl geistiger Größe anzogen.
So mag doch jedem Liebhaber eines rahjagefälligen Frauenknöchels – oder bei Belieben auch mehr – klar sein, dass dieser Pantoffel ein Geschenk der heiteren Göttin an die Sinnesfreuden ist.

Die Tracht der Bauern dürfte vielen, die den Süden bereist haben, bekannt vorkommen. Mit ärmelloser Weste auf nacktem Oberkörper und nebachotische, knielange Pluderhosen stehen sie auf den Feldern und in den Werkstätten. Wobei auch hier die Praiostagskleidung etwas schmuckvoller ausfällt – mit Glasperlen auf den Westen und Hemden über den Schultern. […]«

Diese Beschreibug entspricht dem Durchschnitt der nebachotischen Bevölkerung Perricums, allerdings verschweigt sie die Grenzbereiche zu Gunsten einer einheitlicheren Beschreibung. So variiert die nebachotischte Tracht durchaus, so dass sie mal raulscher - mit Kragenhemd, Ledergurt oder garetischem Schuhwerk - und mal tulamidischer - mit typischen Pluderhosen, einer perricumer Abwandlung des Fez oder kleinteiligem Schmuck - ausfällt. So fällt die Kleidung im Südosten meist mit etwas traditionell-tulamidischeren Einschlag aus, im Nordwesten wiederum eher den Raulschen angepasst. Doch kann man alle Varianten überall antreffen, was die nebachotische Mode ebenso wie ihre Architektur und Sprache in ihrer manchmal eigenartig erscheinenden Mischform denn noch sehr einzigartig aber auch vielfältig macht.

Auffällig sind auch noch die den Nordtulamiden sehr eigenen Stoffmuster. Denn wenn die Stoffe - meist eine Gemisch aus schwerem und leichtem Material - nicht gerade schlicht einfarbig gehalten sind weisen sie sehr häffig gestreifte oder kachelartige Muster auf. Dann meist in den nebachotischen Farben - rot, schwarz, gelb/gold und weiß/silber, zusätzlich versehen mit deutlich schlichteren Stickereien als weiter im Süden.

Ebenso verhält es sich auch mit Waffen- und Rüstwerk. So wirken auch hier die Rüstungen wie eine Mischung aus den eher schmucken, feingliedrigen Rüstungen Araniens und den eher groben des Mttelreichs. Die Gambesons sind aufwendiger und kleinteiliger, ebenso die Ketten-, Schuppen- oder Ringelpanzer, dazu finden sich oft auch Leder oder Plattenteile am Rüstzeug der Nebachoten, was weiter südlich eher selten der Fall ist. Dazu heben sich die nebachotischen Krieger aber häuffig noch durch weite Mäntel oder Tuche von ihren Raulschen Mitperricumern ab, die sich bisweil aber auch das ein oder andere von einander abgeschaut haben.

So sind die Übergänge in Perricum hier fließend, man findet auch hier den Nebachoten aus dem Nordwesten der schon beinahe daher kommt wie ein Raulsch-Perricumer Ritter mit Langschwert aber auch den beturbanten Helm nach Baburiner Art und das mächtige Säbel eines beinahe schon aranisch-wirkenden Ammayin aus dem Südosten.

Die Farben

Obwohl die Farben Perricums Gold (Säbel), Silber (Delphin) und Blau (Efferds Perlenmeer) sind, findet man letztere Farbe eher selten in den Wappen der alten Häuser Nebachots. An ihre Stelle treten Schwarz und Rot.

Die Familien führen meist zwei Wappen: das ihrer Familie, welches sich kaum von denen anderer garetischer Familien unterscheidet, und das Wappen ihres Lehens. Ursprünglich nur die Zeichen ihres Stammes besitzend, wurde mit der Eroberung der Mittelreicher und der Anpassung an deren Feudalstrukturen die zuweilen heute noch verachtete Heraldik in Nebachot notwendig, dessen Regeln die Nebachoten auch nur allzugern biegen und brechen.
Da kein mittelreichisches Haus sich in den Jahrhunderten nach der Niederwerfung der Tradition der Nebachoten verpflichtet fühlte – sich dem Stamm völlig einzuordnen –, wollten diese wiederum auch nicht ihre Zeichen aufgeben.

Die Amtswappen der nebachotischen Barone sind deshalb häuffig die zu Schild gebrachten alten Stammes- und Sippensymbole, dann meist in den Farben Schwarz und Gold. So finden sich auf vielen Schilden der schwarze oder goldene Mantikor auf entsprechendem invertiertem Grund. Auch die der Panther – oft mit Skorpionschwanz –, der Gepard, der Schakal oder die Rose und natürlich das Pferd sind beliebte Symbole in den althergebrachten Tinkturen.

Daher scheint es wenig verwunderlich, dass die hoch in Verehrung stehende Korbruderschaft den goldenen Mantikor mit einem säbelartigen Skorpionstachel auf einem schwarzen, runden Schild als Wappentier führt.

Doch auch hier haben die Jahruhunderte im Zusammenleben mit den Raulschen - gewollt oder ungewollt - auch immer mehr Auf- und Abweichungen zu Tage gebracht, die eine beinahe tsagefällige Vielfalt hervorgebracht haben. Wenngleich die Farben Schwarz und Gold auch heute noch eine gehobene Bedeutung haben, sowohl bei den Wappen als auch in der Kleidung etc.

Die Architektur

»Sei stark wie die Mauern von Nebachot«, hieß es bis vor dem Fall der Stadt durch göttliches Einwirken im Jahre 1865 v.H.

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Man mag kaum glauben, dass die Festungsbauer hierzulande zu den Fähigsten überhaupt zählen. Denn man verstand sich darauf, mittelreichische Trutzhaftigkeit mit tulamidischer Leichtigkeit in der Bauweise zu kombinieren und ähnlich starke Festungen zu erbauen, wie man sie von Menschenhand geschaffen sonst nur noch in Almada oder Wehrheim findet. Zudem bewahren sich die Anlagen wie auch die Häuser ihren eigenen Stil. Zwar haben sich auch in Perricum gewisse Dinge durchgesetzt, viele Nebachoten aber wollen oder können sich nicht den Bau eines Giebeldaches erlauben oder benötigen in den engen Städten ihr flaches Dach ganz einfach zum Wäschetrocknen.

Hier kann man zwischen benso vorhandenen raulschen Häusern und Mischbauten Gebäude erkennen, die einem Beschreibungen von Karawansereien der Wüste vor Augen führen, sich aber inmitten von grünen Wiesen oder auf der Lichtung eines Waldes erheben. Selbst Dörfer sind angeordnet wie größere Karawansereien und besitzen wie bei den Tulamiden allerlei Sackgassen, um den umherziehenden Ferkinas die Eroberung so schwer wie nur möglich zu machen. So bietet gerade auf dem Land das flache Dach eines Hauses eine Plattform, von der aus man das Haus bestens verteidigen kann.

Die Paläste der Gegend gleichen eher tulamidischen Festungen. Prachtbauten sind verpönt, hat man doch schon einmal eine Stadt verloren ... auch wenn es sie dennoch gibt und gerade in neuerer Zeit immerwieder die festungsartige Architektur durch schmucke Türmchen und Bögen verfeinert wird. Der Wechsel zwischen nebachotischen und raulschen Machthabern tat hier sein Übriges dazu.

Bei der Innenausstattung hat man aber wohl alle Bedenken des Platzes verwiesen und umgibt sich gerne mit Exotischem, was in den großen oder den vielen kleineren Innenhöfen zur Schau gestellt wird. Bemerkenswert scheint da noch die Bauweise von manchen Klöstern, die ein weit geschickteres Gleichgewicht zwischen Wehrhaftigkeit und Schönheit eingegangen sind. So wurde das größte Kloster des Landes – Praiseneck oder »Praos Necho« – zum Leitspruch heutiger Baumeister und Krieger geworden: »Sei stark wie...«

Ansonsten gilt hier auch wie weiter oben aufgeführt, dass (Misch)formen in die eine oder andere Richtung tendierend immer wieder auftauchen und keine Seltenheit sind.