Perricum

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Man bat mich einen Artikel über Perricum - die Perle des Reiches wie es dort stolz genannt wird - zu verfassen und dem Herold zukommen zu lassen. Nun. in der Tat unternahm ich vor einigen Jahren eine längere Schiffsreise und wir ankerten auch in Perricum. Und das war so:

”So, Euer Gnaden, jetzt habt Ihr drei Tage Zeit Euch die Stadt anzusehen. Wenn Ihr meinen Rat hören wollt so geht in eine der vielen Hafentavernen, dort hört man die interessantesten Geschichten! Ach ja, besucht natürlich auch den großen Efferd-Tempel.”

Diese gutgemeinten Ratschläge des Kapitäns der ,,Seemöwe” im Hinterkopf; schritt ich die Holzplanke hinab und betrat den Hafen Perricums. Sofort tauchte ich ein in einen Trubel von Menschen Lärm und fremden Gerüchen. Am Straßenrand boten viele Händler Muscheln und Austern feil, Dutzende von Trägern be- und entluden die Boote und trugen die unterschiedlichsten Waren durch die Straßen: Ich entdeckte Seide aus dem fernen Al’Anfa. Porzellan aus den Tulamidenlanden und der Geruch von aranischem Methumis-Tabak sowie von Benbukkel aus den Waldinseln lag in der Luft. Ich beschloss, dem Rat des Kapitäns zu folgen und bahnte mir einen Weg zu einer Hafentaverne mit Namen ”Die Perle”. Ihre Holzwände waren morsch und das ganze Gebäude wirkte eher windschief, aber mir gefiel es. Ich trat ein und war sofort von der freundlichen Atmosphäre, die hier herrschte, überrascht. Ich hatte eigentlich alte, griesgrämige Seebären und rauflustige Matrosen erwartet, aber an den wenigen Tischen saßen einige Handwerker, die fröhlich die Humpen aneinander stießen, zwei Händler, die sich wohl grade einig geworden waren und ein älterer Matrose, der mich freundlich zu sich winkte. Ich nahm ihm gegenüber Platz und er begrüßte mich mit einem: „Na. junger Mann, Ihr als Geweihter der Hesinde (ich pflege das grün-gelbe Gewand auch auf Reisen zu tragen) habt doch gewiss Interesse an einer Geschichte?“ Dies war zwar nicht die korrekte Anrede für einen Diener der klugen Göttin, aber ich bejahte.

„Dann ist Euch diese Geschichte doch bestimmt auch einen Humpen Bier wert, oder?” An so einen war ich also geraten! Ich sollte ihm seine Sauferei finanzieren! Aber mir gefiel die Art des Alten und so bestellte ich ihm ein Bier. Als er es freudig in Empfang genommen hatte, fragte ich ihn, ob er mir nicht etwas über Perricum erzählen könne ...

„Sicher ich bin schließlich hier aufgewachsen”, antwortete er und begann zu erzählen: „Ich könnte Euch jetzt von Galeeren, dem großen Tempel der RONdra, von den ‚bunten Lichtern’ oder von Handel und Wandel der Stadt erzählen, aber ich möchte Euch lieber von den Bewohnern berichten, denn nur wer die Einwohner versteht, der kann auch Perricum verstehen. Ich kannte mal einen Seefahrer, der liebte Perricum über alles: Jedes Jahr stach er in See und jedes Jahr kam er voller Freude wieder zurück Dann feierte er jedes Mal ein wahres Freudenfest: Er ging in die Tavernen und spendierte Freibier von seiner Heuer, strahlend lief er durch die Gassen und blieb immer wieder stehen, um die schönen Bauten zu bestaunen und schließlich opferte er den Rest seines Geldes im Efferd-Tempel<. Dies wiederholte sich jedes Jahr und jedes Mal brach er mit größerer Freude auf die Heimkehr auf und jedes Mal strahlte er ein wenig mehr bei seiner Rückkehr. Doch schließlich wurde er zu alt für die Seefahrt, und man bot ihm an, von nun an in Perricum zu bleiben. Sein Leben lang habe er dieser Stadt die Treue gehalten, sagte man ihm, nun habe er ein Recht darauf; für immer dort zu wohnen. Da befiel ihn großer Kummer: er packte seine Sachen und kehrte Perricum noch am selben Tag auf ewig den Rücken. Meine Erzählung endet an dieser Stelle etwas abrupt, ich weiß, aber ich rate Euch, bleibt noch ein wenig in der Stadt, seht Euch um, dann werdet Ihr wisscn, was ich Euch mit dieser Geschichte sagen wollte! Gehabt Euch wohl!”

Damit stand der Alte auf und verließ die Taverne. Ich blieb noch lange sitzen, um über das Gesagte nachzudenken. aber auch als ich mich an den nächsten Tagen in Perricum umsah - ich besuchte den RONdra- und den EFFerd-Tempel, bestaunte die großen Galeeren im Hafen und sogar die Magierschule sah ich mir an -, konnte ich mir keinen rechten Reim darauf machen.

Etwas niedergeschlagen betrat ich am dritten Tag wieder die "Seemöve” und wir stachen in See. Doch als ich so an Deck stand, Perricum im Schein der untergehenden Sonne bewundernd, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, und auf einmal verstand ich die Botschaft des Alten: Perricum ist vor allem eine Stadt der Seefahrt, aber auch der Heimkehr. Der Reiz dieser schönen Stadt besteht darin, nach einer langen Seereise wieder zurück nach Hause zu kommen und darum hatte der alte Seefahrer in der Geschichte auch darauf; für immer dort zu bleiben, verzichtet: Der Gedanke, dieses Gefühl des Heimkehrens nicht mehr erleben zu können, trieb ihn in die Ferne.

Nur wer die Einwohner versteht, der kann auch Perricum verstehen! Und ich verstand die Einwohner nun! Jeden einzelnen Fischer, der morgens zum Fischfang hinausfährt und abends zurückkehrt, um es sich in einer Schenke gemütlich zu machen. Ohne all diese Menschen wäre das Perricum, das gerade von der untergehenden Sonne in ein wunderschönes rotgelb getaucht wurde, nichts. All diese schönen und prächtigen Bauwerke wären nichts ohne die Menschen, die immer wieder zu ihnen zurückkehren. Ich beschloss, nach dieser Reise einen längeren Besuch im TRAvia-Tempel zu unternehmen, um der Göttin des Herdfeuers für diese Tatsache zu danken.

Hesindian von Prem

Nachbemerkung: Dieser Artikel soll keine allgemeine Auffassung, sondern nur die Liebe der Perricumer zur Seefahrt sowie das Erlebnis eines Reisenden darstellen. Vielleicht zeigt er aber auch einen Grund warum so viele Menschen diese Stadt an der Perlemeerküste so lieben.

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Autor: Daniel G.