Wandel in Wasserburg - Turnierfinalisten unter sich

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Während der Feierlichkeit zur Belehnung, Schloss Rossgarten, Baronie Wasserburg, Rahja 1042 BF

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Elissa hielt sich bei der Feier, soweit es ging, im Hintergrund und verlegte sich mehr aufs Beobachten. So viele einflussreiche Persönlichkeiten der Provinz (und darüber hinaus) waren hier versammelt, die die Vellbergerin zuvor oftmals nur dem Namen nach gekannt hatte. Mit den meisten Gästen hatte sie daher lediglich einige kurze Worte gewechselt, um der Höflichkeit Genüge zu tun. Dies fiel der Baronin auch nicht schwer, war doch die ablehnende Haltung nicht weniger Gesprächspartner gegenüber der "Bastardbaronin" aus Vellberg beinahe mit Händen zu greifen, zumal sie es ohnehin nicht mochte, im Mittelpunkt zu stehen. Außerdem, dies hatte Elissa rasch gelernt, war das sorgsame Beobachten oftmals deutlich aussagekräftiger als das direkte Gespräch: Wer unterhielt sich wie lange worüber mit wem? Was sagten Mimik und Gestik der Personen dabei aus? Wer ging wem aus dem Weg? Wer suchte wessen Nähe? Und dergleichen mehr.
Ein böses Grinsen huschte über das Antlitz der Baronin. Sie winkte einen Bediensteten herbei, um ihr Schreibzeug zu holen. Sie hatte ihre zeichnerischen Fähigkeiten viel zu lange brach liegen lassen, wie sie sich eingestehen musste. Und diese Versammlung quoll vor geeigneten "Motiven" geradezu über, sodass es höchst fahrlässig wäre, sie nicht mit spitzem Federstrich aufs Korn zu nehmen und zu karikieren. Wobei, ging es Elissa durch den Kopf, manche der Anwesenden schon ohne ihr Zutun Karikaturen von Adligen darzustellen schienen ...

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Bärfried lief mit einer Weinflasche über den Platz. Er hatte seinen grün-weißen Wapperock über das weiße Hemd gezogen, eine Platte hatte ihm seine Frau verboten anzuziehen. Nicht heute und ganz gewiss nicht wenn er sich mit der Baronin treffen würde! Bärfried hatte nachgegeben, auch wenn er sich dann heimlich sein Kettenhemd geholt hatte und es nun zwischen Wappenrock und Leinenhemd trug. Nach einigen Momenten fand er dann auch endlich Elissa vom Berg, etwas abseits der Menge sitzen. Sie hatte Schreibzeug oder so bei sich. Der blonde Ritter vermutete, dass die Arbeit der Barone wohl keine Pause erlaubte, Armes Schicksal. "Eure Hochgeboren! Es ist mir eine Freude euch zu sehen, Ich würde gerne auf Euer Angebot zurückkommen!" donnerte Bärfried als er sich verbeugte und ihr die Flasche hinhielt.

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Elissa zuckte kurz zusammen, als Bärfried sie ansprach, so vertieft war sie in ihre Zeichnungen. "Ah, Ihr seid es, Herr Bärfried! Verzeiht, ich war ein wenig im Gedanken." Sorgsam, aber - bedingt durch das Fehlen der linken Hand ein wenig umständlich - verstaute sie ihre Zeichenutensilien in eine Mappe. Ihr Gegenüber konnte dabei einen Blick auf ihre 'Werke' erhaschen, die, durchaus gekonnt, irgendwelche hochstehenden Persönlichkeiten zu karikieren schienen. "Das Zeichnen ist ein großes Steckenpferd von mir, dabei kann ich gut entspannen und den Trubel um mich herum für eine Weile vergessen. Aber nun will ich erst mal mit Euch auf euren bemerkenswerten Turniersieg anstoßen. Auf Euch! Auf Eure Familie! Auf Euren Erfolg!" Innerlich versuchte sich Elissa dazu zu ermahnen, gegenüber Niederrangigeren nicht allzu jovial aufzutreten, sondern ein gewisses Maß an Förmlichkeit und Distanz zu wahren, wie es wohl ihrer Stellung als Baronin angemessener gewesen wäre. Allein, ihr stand hier und jetzt ganz und gar nicht der Sinn nach irgendwelchen gekünstelten Gesprächen und Verhaltensweisen, die man gerade von ihr ohnehin nicht erwartete.
"Ah, ein guter Tropfen, den Ihr mir kredenzt, ausgezeichnet", erwiderte die Adlige fast schon genießerisch nach dem ersten Schluck. "Aber erzählt mir doch ein wenig mehr von Euch und Eurer Familie. Zwar trage ich den Baronsreif schon seit gut zweieinhalb Götterläufen, doch muss ich zu meiner Schande gestehen, dass mir der Name Eures Hauses bis zu Eurem Turneisieg nicht geläufig war, was zugegebenermaßen ein wenig peinlich ist, seid Ihr und die Euren doch im benachbarten Zackenberg beheimatet."

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Der einäugige Ritter prostete ihr anerkennend zu, "auf die Ritterschaft!" setzte er noch dran ehe er einen Schluck aus seinem Becher trank. "Macht nichts Eure Hochgeboren! Wir sind nur ein kleines Rittergeschlecht aus dem Norden der Baronie! Unsere Vorfahren waren überaus ambitionslos. Treue Diener, keine Frage - unser Wahlspruch ist Bis in den Tod! - aber ambitionslos." Bärfried nickte während er seinen Blick schweifen ließ. "Darum gramt Euch nicht, nichts von uns gehört zu haben. Das letzte Mal wo wir es zu Ruhm schafften war wohl als einer meiner Ur-Ahnen einen Höhlendrache bezwang." Und wie zum Beweis tippte er auf das Wappen mit den abgebildeten Drachen. Dann goss er sowohl sich als auch der Baronin Wein nach. Ehe er fortfuhr - der Ritter schien immer mehr in Redelaune zu kommen - nahm er einen guten Schluck aus seinem Becher, "nun, soweit ich das richtig mitbekommen habe sind Eure Hochgeboren und unsereins verschwägert. Über ein paar Ecken, Aber verschwägert! Meine Ehefrau ist eine Alxertis, genau wie euer Ehemann! Und ich glaube sie haben gemeinsame... Urgroßeltern?" Bärfried legte den Kopf schief während er sich scheinbar versuchte zu erinnern. Nach einer kurzen Unterbrechung schüttelte er den Kopf, "wie auch immer... Was gibt es denn noch... Ach die Ambitionslosigkeit. Ja... Das gehört zu der alten Generation! Die Generation meiner Geschwister und Vettern giert nach mehr! Unser Haus ist so alt und hat über all die Jahre weder Reichtum, Ländereien noch Einfluss anhäufen können. Doch meine Geschwister und ich wollen das ändern. Ich habe vor den Namen Hardenstatt in der ganzen Markgrafschaft bekannt zu machen!" donnerte der blonde Mann mit einem Funkeln in den Augen und ein Lächeln auf den Lippen ehe er eher kleinlaut noch hinzufügte, "und da sind so Turniere doch ein guter Anfang".

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Aufmerksam lauschte Elissa den Worten des Ritters, der sich zunehmend als interessanter Gesprächspartner entpuppte.
"Keine Sorge, ich gräme mich nicht, Herr Bärfried. Und Ruhm ist nicht alles im Leben, genauso wenig wie ein klingender Name. Ich muss es wissen, schließlich trage ich einen." sprach Elissa mit einem Schmunzeln. "Und ein solcher kann übrigens durchaus auch eine Bürde sein, glaubt mir. Es mag Euch vielleicht ungewöhnlich erscheinen, aber ich beurteile die Leute lieber anhand ihrer eigenen Taten und nicht denen irgendwelcher Vorfahren." Für einen kurzen Moment blickte die Baronin versonnen in ihren Krug, bevor sie fortfuhr.
"Tja, da scheinen wir ja in der Tat irgendwie verschwägert zu sein, mein Lieber. Aber nach allem, was ich bisher so mitbekommen habe, ist die Familie Alxertis schon beinahe omnipräsent in dieser Provinz, sodass man fast den Eindruck bekommen könnte, jeder sei hier irgendwie mit jedem verschwägert. Ich werde mal meinen Gemahl fragen, er weiß sicher, wie er und Eure Gattin miteinander verwandt sind. Vielleicht eine gute Gelegenheit für einen Verwandtenbesuch? Und was Euer Streben nach Titeln, Land und Einfluss angeht: Seid vorsichtig mit dem, was ihr Euch wünscht - es könnte in Erfüllung gehen! Denn je erfolgreicher Ihr und Eure Anverwandten in Eurem Trachten seid, desto mehr Neider oder gar Feinde schafft Ihr Euch. Dessen solltet Ihr Euch stets gewahr sein. Aber wie genau wollt Ihr Euer Ziel denn erreichen? Gefährliche Monster oder Raubritter hat es ja eher im Weidenschen und der Kampf gegen Ferkinas und Trollzacker ist zwar aller Ehren wert aber nur selten ruhmreich." Beim letzten Satz blickte Elissa nachdenklich auf ihren Armstumpf. "Aber was haltet Ihr davon, in die Dienste eines hohen Adligen oder in das Perricumer Heer einzutreten? Gerade nach den furchtbaren Ereignissen der letzten Jahre böten sich für jemanden Eures Formats dort allerlei Möglichkeiten, zumal viele Stellen immer noch vakant sind. Wie auch immer: Mit Eurem beeindruckenden Sieg heute habt Ihr in der Tat ein gutes Fundament für die Mehrung des Ansehens sowohl Eurer Familie als auch für Euch selbst gelegt. Ich wünsche Euch jedenfalls alles Gute dafür."

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Bärfried lachte auf und nickte ihr zu, während er einen Schluck Wein zu sich nahm.
"Ja das mit den Alxertis stimmt wohl. Weit verzweigt und verwinkelt. Aber ja Ihr und euer Gemahl seid selbstverständlich allzeit auf dem Hardenfels willkommen! Der alte Wehrturm ist zwar nicht das komfortableste Gemäuer aber immerhin ein Gemäuer!"
Bärfried blickte zufrieden über die Menschenmenge hinweg und begann dann zu nicken, während er - eher zu sich selbst - sprach: "Ja, ein Fundament. Möge es so stark sein wie das des Hardenfels..."
Dann schaute er wieder zur Baronin und nickte ihr zu, "habt dank, für Eure Glückwünsche!"

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Bärfried und seine Frau hatten es sich gemeinsam mit Bärfrieds Waffenknecht unter einem Pavillion-Zelt gemütlich gemacht. Die beiden hohen Herren tranken von dem vorzüglichen Wein, während Gero an einem Humpen Bier saß. Er hatte für alle drei eine Kleinigkeit zum essen besorgt und so genossen sie das Wetter, ihre Getränke und ihr Essen auf ihrer kleinen Insel der Ruhe, während um sie herum das Meer an Menschen an ihnen vorbeifloss. Es war lange her, seit dem der Ritter und seine Frau gemeinsam eine solche Festlichkeit besucht hatten und so versuchten sie das Beste aus dieser Zeit herauszuholen. Ihre traute Ruhe wurde jäh unterbrochen als ein blonder Mann ihre Runde betrat. In einem weißen Hemd und grüner Weste gekleidet, stand der sichtlich angetrunkene Vetter Bärfrieds wankend vor ihnen. Mit erbostem Blick lallte er in Richtung Bärfrieds, "du... Hattescht... Glu... Gluck! Wenn... Isch... Du... Alscho wenn isch disch begegnäd währ... Alscho im... Hicks! Finalle! Dann hättescht du... Du hättescht dein blues Wunda erlebt!" Mit erhobenem Finger blickte er zu Bärfried der, wie seine Frau, verwundert zu Ilmar blickte.
Gero wollte gerade aufstehen, da griff auch schon eine Hand von hinten nach Ilmars Schulter. Bran zog seinen Bruder kopfschüttelnd weg, drehte sich dann nochmal um und verbeugte sich, "tut mir leid werter Vetter... Ihr kennt ihn, wenn er zutief in das Glas - oder die Flasche - geschaut hat wird er ungehalten."
Gero schüttelte den Kopf, während Bärfried sich wieder seiner Frau zuwandte.