Wandel in Wasserburg - Abschied von Prunk und Protz

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Ende Peraine 1042 BF, Schloss Rossgarten, Baronie Wasserburg

Da war sie nun, alleine in einem kitschigen Schloss, bei dem Prunk und Protz gegenwärtig war. Damina von Drosselpfort war der neuen Baronin von Wasserburg vom Markgrafen zur Seite gestellt, um bei den Amtsgeschäften behilflich zu sein, solange Korhilda sich noch erholte.

Die Perricumer Paraderitterin war jedoch gleich am Anfang abwesend. Sie und ihr Gatte Aurentian waren begeisterte Turnierreiter und wollten sich den Start der Turniersaison in Eslamsgrund nicht entgehen lassen. Korhilda, die selbst einmal in der Turniersaison 1029/1030 BF in Eslamsgrund triumphierte, hatte ein gutes Herz und ließ ihre Vögtin ziehen. Sie würde ihr Mitte Ingerimm wieder behilflich sein, bis dahin würde Korhilda die ersten Schritte auch alleine geregelt bekommen.

Zusammen mit ihrem Haushofmeister Beromar vom Wirsel, der ihr von seiner Mutter Hitta, einer engen Vertrauten des des Hauses Ochs, empfohlen wurde, begann sie ihre Geschicke in Wasserburg aufzunehmen. Ihnen zur Seite stand Beromars Gattin Canyzeth von Sankt Parinor.

Das arme Ding brauchte noch ein wenig Führung, wurde sie doch in ihrer Knappschaft geschwängert und die Familien bestanden auf eine Heirat um dem Kind ein anerkanntes Leben zu ermöglichen. Korhilda selbst gebar ihr erstes Kind im Alter von siebzehn Lenzen während ihrer Knappschaft, so dass sich die Baronin sehr gut in die Gefühlslage der jungen Ritterin hineinversetzen konnte.

Das Attentat war vor fast drei Monaten, dennoch kämpfte Korhilda noch mit ihrem Gesundheitszustand. Längeres Laufen fiel ihr schwer. Dieses Gift hatte es wahrhaftig in sich. Sie war zwar immer noch geschwächt, aber sichtbar auf dem Wege der Besserung.

Viel Zeit verbrachte sie in dem Ohrensessel im Arbeitszimmer, während sie mit Beromar die Ein- und Ausgaben der Baronie Wasserburg auf den Prüfstand stellte.

"Das sind alle Kassenbücher." berichtete Canyzeth. Damina und ihr Gatte hatten alle Unterlagen aus dem ehemaligen Baronssitz Schloss Tikaris nach Rossgarten gebracht, bevor sie nach Garetien aufbrachen .

Korhilda, ihre Füße auf dem Hocker hochgelegt, ließ sich nach und nach die einzelnen Berichte und Bücher vorlegen.

Die Sturmfelserin hatte Jahrelang als Adjutantin des Wehrvogtes auf dem Arvepass gedient und die garetischen Truppen unterhalten, mit äußerst knappen Geldmitteln. Sie wusste genau, wie man Zahlen las und bewertete. Und vor allem wie man einsparte.

"Welch Verschwendung.... tststs..." hörte ihr Haushofmeister und ihre Hausritterin des öfteren aus dem Mund seiner neuen Baronin, die, das wurde allen Anwesenden so langsam klar, ein Fass ohne Boden vor sich hatte. Denn die Kassen der Baronie Wasserburg waren leer - verschwendet für Prachtbauten, Müßiggang und nicht zuletzt Söldner.

"Beromar, bitte nimm Schreibfeder und Pergament zur Hand. Ich möchte, dass Du eine Liste über alle, zurzeit im Bau befindlichen, Protzbauten notierst. Anschließend wirst Du sie bereisen. Ich möchte, dass Du den Baufortschritt beurteilst. Wir werden jegliche Ausbauten im Umland stoppen, die nicht mit minimalen Aufwand zu beenden sind."

"Euer Hochgeboren, wenn ihr es wünscht." Beromar gefiel sehr gut, dass die neue Baronin bodenständig und ritterlich war. Nicht wie der prunk- und protzsüchtige Vorgänger. Der alte Baron widersprach allem, was man als ritterlich bezeichnen konnte. Er widerte den Ritter an.

Korhilda blätterte weiter durch die Bücher und las sich tiefer in die Materie ein. "Canyzeth, bitte verfasse ein Schreiben an den Stadtrat von Wasserburg. Teile ihnen mit, dass da Wasserburg nun unter Markgräflicher Herrschaft ist, die Barone von Wasserburg keinerlei Zuschüsse zu den im Bau befindlichen Gebäuden erteilen können und wir uns somit nicht mehr daran beteiligen werden. Das Ganze schön verblümt... blabla... tut uns leid und so weiter. Und mach mir bitte eine Aufstellung zu den Schuldscheinen, mir dünkt, dass da einiges im Argen liegt. Da müssen wir unbedingt ein Auge drauf werfen. Was steht als nächstes auf unserer Tagesordnung?"

Canyzeth lächelte. Es würde ihr sicher Freude bereiten den alten Pfeffersäcken aus der Stadt die Absage zu erteilen, gleichfalls graulte es ihr die Schulden aufzustellen. Der Tikaris lebte wahrhaft auf großem Fuß. "Euer Hochgeboren, als nächstes würde ich gerne das Thema Belehnung und eine Feierlichkeit ansprechen. Gedenkt ihr Eure Belehnung in einem angemessenen Rahmen zu feiern?"

Korhilda hielt inne und dachte nach, ohne die Frage zu beantworten. Daher führte Beromar das Gespräch weiter. "Im Markt Drosselau wird alljährlich das Fest der Freuden in Wasserburg groß gefeiert. Euer Gestüt Aquamarin präsentiert dort seid jeher seine besten Rösser. Ich schlage vor direkt im Anschluss an die freudigen Festtage ein Turnier in Rossgarten abzuhalten."

Die Baronin von Wasserburg lächelte gequält. "Ein Turnier, ich kann kaum von einem Raum in den anderen gehen, wie soll ich da ein Pferd besteigen? Dazu bedenkt die Kosten."

"Was haltet ihr davon, wenn es ein Turnier für Jungritter gibt, die ihren Ritterschlag nicht länger als göttergefällige zwölf Götterläufe besitzen. Dazu ein Ringstechen unter den Knappen. Die Adelssprösslinge können sich dann untereinander messen und die Eltern dem Ereignis beiwohnen und von der Tribüne zuschauen. Als Preis loben wir ein Pferd aus Eurer Zucht aus, und für die Knappen eine edle bestickte Pferdedecke..." warf ihre Hausritterin ihren Vorschlag in den Raum.

"Ein Turnier, das sind Kosten, die wir uns nicht leisten sollten. Auf der anderen Seite gehe ich Dir recht, Canyzeth, eine Belehnung sollte angemessen begangen werden. Ich bin Mitglied eines Ritterbundes, da ist ein Turnier wohl das Passende. Aber bitte nicht zu groß, nicht zu pompös. Wir müssen die Ausgaben in Grenzen halten."

Beromar ergriff wieder das Wort. "Wir werden Einladungen in der Markgrafschaft Perricum, an Eure Standesgenossen und an Befreundete übersenden. Gleichfalls an Eure, euch nahe stehenden, Garetier und einige ausgewählte Greifenfurter, mit denen ihr Kontakte unterhaltet. Im Dorf Rosshang gibt es ein paar Herbergen und wir können Zelte um den Tjostplatz aufstellen. Adlige die es exklusiver wünschen, müssten sich eigenständig in Drosselau oder Wasserburg einquartieren. Eure Familie werden wir im Schloss unterbringen, wo wir einen kleinen Empfang geben."

Beim letzten Satz seufzte die Sturmfelserin. "Meine Familie, ja seht, wen ihr erreichen könnt und wer gewillt ist zu kommen." Korhildas Aussage spielte klar auf den Streit mit ihrem Gatten hin, der ihre Baronie vor kurzem im Streit verlassen hatte.

"Er wird sicher kommen. Ich weiß Euer Streit ist ausgeufert, doch so wie ich Euren Gatten einschätze, wird er nicht gegen die Etikette verstoßen und dem Ereignis fernbleiben. Dazu ist das die Gelegenheit für Euren Sohn und seine Frau, Euch den kleinen Trisdhan zu überstellen. Er soll doch in Perricum ausgebildet werden, jetzt wo er Euer Erbe nach Wolfaran ist."

"Ja. Macht es so Beromar, aber lasst uns bitte das Thema wechseln. Denkt bitte unbedingt an die Einladung an Ginaya von Alxertis, Fridega von Isppernberg, Gidiane von Waltern und Alrik XII. von Sturmfels. Ihnen bin ich zu großem Dank verpflichtet und stehe für immer in Deren Schuld. Sie haben sich um mich gekümmert, als mein Leben an einem seidenen Faden hing. Ich möchte Ihnen gerne privat ein paar Zeilen zu der Einladung schreiben."

"Ich bereite alles vor, möchtet ihr Eurem ehemaligen Knappen auch eine gesonderte Einladung zukommen lassen?"

Korhilda dachte lange nach. "Nein, Beromar, besser nicht. Ich erkenne in dem Mann nicht den Knappen den ich einst ausbildete. Er ist ein vollkommener Träumer geworden, jegliche Bodenhaftung hat er verloren. Zieht mit dem Fuchsrudel umher und versteckt seine Aufrührerische Haltung hinter dem Mythos Korgond. Großfürstbewegung wenn ich nicht lache, das ist nichts anderes als Verrat an der Krone. Er soll eine Einladung bekommen, wie jeder andere aus, wie es seinem Stand gebührt. Mehr nicht."

Korhildas Herz schmerzte sehr, wenn sie an Ihren Gatten und ihren Knappen dachte. Sie hatte Schwierigkeiten die Tränen bei den Gedanken zu unterdrücken. Sollte sie Leobrecht auch ein paar Zeilen widmen, oder blieb sie besser stur? Sie war unentschlossen, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Ucurian war in ihren Augen verloren, sie hatte nicht die Kraft sich beiden Problemen zu widmen.