Sommer auf Rosskuppe - Zukunftspläne

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Breitenau

In der Baronie Donfanger

Mitte Ingerimm 1033 BF

Dramatis Personae

Langsam ritt die Abteilung weiter und erreichte in der anbrechenden Abenddämmerung den Eingang des Passes. Der Leutnant erwartete sie und meldete die Durchführung aller Aufträge.

Im Halbdunkel konnten die Gäste erkennen, dass der Erdwall jetzt leicht befestigt war und die Grenzer mit zwei Doppelposten Wache hielten. Der Spähtrupp war noch nicht zurück. Im Schutz des Büsche des Waldrandes hatten die Grenzer ein kleines Lagerfeuer entfacht und drei provisorische Zelte aus Satteldecken errichtet. Nachdem alle ihre Pferde versorgt hatten nahmen sie ein schnelles und karges Abendmahl zu sich.

Dann befahl Urion die Grenzer auf die Posten und bat die Gäste ans Feuer. „Nun, ein ereignisreicher Tag, an dem es uns vergönnt war, ohne größere Verluste der Mark wieder mal einen Dienst zu leisten.“

Ardo ließ sich ohne Umschweife auf einen größeren Stein nieder und streckte das verletzte Bein von sich. Auch vermied er es sich vorzubeugen und hielt den verbundenen Arm ruhig und aufgestützt auf dem rechten. Dadurch ergab sich eine eigenartig verkrampfte Körperhaltung aber so hatte er einfach die wenigsten Schmerzen. Sein Kettenhemd hatte indes Mechthild in den Händen die sich still neben ihn setzte und die von der Orkaxt gesprengten Kettenglieder notdürftig mit Nadel und Garn flickte. Zurück in Kressenburg würde der Baron es einem der zwergischen Schmiede zum Ausbessern geben, aber bis dahin sollte es zumindest heil und stabil aussehen.

„Beten wir, dass die Pässe dieses Jahr wirklich so frühzeitig zuschneien wie die Späher es berichtet haben. So schlecht ein harter Winter für Vieh und Ernte ist, so sicher hält er uns doch die Schwarzpelze vom Leib.“ Der Keilholtzer spuckte grimmig ins Feuer und griff mit dem gesunden Arm nach einem Wasserbeutel. Er nahm drei große Schlucke, da sein Durst nach dem Blutverlust und der Anstrengung des Tages noch immer riesig war. „Mögen die Götter geben, dass es jetzt ruhig bleibt oder die nächste Bande wenigstens rechtzeitiger entdeckt wird. Aber du hast Recht, Urion. Eine abgebrannte Scheune und ein paar Kratzer sind ein geringer Preis für ein Dutzend Orkschädel.“

Im flackernden Licht des Lagerfeuers sah seine Knappin zu ihm auf und verzog das Gesicht, ohne dass Ardo es mitbekommen hätte. Sie hätte es vorgezogen nicht an die entstellten und aufgespießten Köpfe erinnert zu werden. Sie war sich sicher, dass sie heute Nacht nicht gut schlafen würde.

„Wie geht es morgen für uns weiter, Urion? Die Grenzer werden ja noch einige Tage hier bleiben und auch beim Wiederaufbau des Gehöfts helfen. Willst du dir diesen Teil der Ausbildung auch noch anschauen oder hast du für diesmal genug gesehen? Über ihn scheinst du dir ja im Klaren zu sein.“ Dabei nickte er unauffällig zu Leutnant von Bärwitz, der sich gerade von der Aufmerksamkeit der Posten überzeugte.

„Ja Ardo, über ihn bin ich mir im Klaren. Zu seinem eigenen Besten schicke ich ihn in die Dritte. Dort bekommt er die Zeit, die er bis jetzt nicht hatte, um ein guter Soldat zu werden.“

Urion wandte sich seinem Bruder zu und der nickte zufrieden. „Ja so ist es das Richtige.“ Und damit war diese Sache erledigt.

„Was unseren Aufenthalt angeht, werden wir morgen früh aufbrechen. Was ich euch zeigen wollte, habt ihr gesehen und die Götter haben es so gefügt, dass genau wir heute den Bauersleuten zu Hilfe kommen konnten. Ich hoffe du nimmst einen guten Eindruck von meiner Arbeit mit und vielleicht triffst du ja den ein oder anderen Grenzreiter der Zweiten mal in Kressenburg an, denn ihr geplanter Einsatzraum ist der märkische Reichsforst. Was deinen Auftrag angeht die Landwehren auszubilden, hast du hoffentlich ein paar gute Kniffe und Hinweise bekommen. Das Wesentliche darfst du aber nie vergessen. Die hier sind ausgebildete Krieger und du führst bestenfalls Handwerker und Bauern in die Schlacht, vielleicht ein paar Ritter und Söldlinge. Deshalb sei dir der Fähigkeiten und Schwächen deiner Leute immer bewusst.“

„Die Grenzreiter leisten gute Arbeit, ohne Frage. Die Zweite Schwadron in der Nähe Kressenburgs zu wissen wird mich ruhiger schlafen lassen. Die Wildermark ist nicht mehr weit und auch Waldstein ist nicht mehr so ruhig wie es einmal wahr.“ Wieder nahm Ardo einen Schluck aus dem Wasserschlauch denn der Mund wurde ihm schnell unangenehm trocken.

„Deswegen habe ich für das Landwehrlager auch einen Ort bei Eslamsroden gewählt. Mein Vetter Greifwin redet nicht gerne über seine Probleme, aber ich denke eine kleine Machtdemonstration der Mark, und sei es auch nur durch die Landwehr, könnte die Räuberbanden doch abschrecken. Was die Landwehr wirklich bewirken kann, darüber mache ich mir keine Illusionen. Ich werde froh sein, wenn sie die Pike hinterher nicht mehr wie einen Dreschflegel führen und auf Kommando alle in die selbe Richtung schießen.“ Müde winkte der Keilholtz ab.

„Phexian wird auf jeden Fall froh sein, wenn ich wieder ein paar Wochen in Kressenburg weile. Das ganze Frühjahr habe ich mich nicht blicken lassen, schimpft er. Das Greifenfurter Turnier steht bald an und im Praios geht es schon wieder nach Hundsgrab und zu den Landwehrübungen. Es wird Zeit, dass ich wieder einmal ein paar Tage in Ruhe um mein Lehen kümmere. So gerne ich diese Schwarzpelze auch zurück zu ihren Blutgötzen schicke, wäre es eigentlich Baron Avroks Aufgabe in seinen Landen für Ordnung zu sorgen. Immerhin würde ich auch nicht wollen, dass jemand anderes in Kressenburg die Drecksarbeit für mich erledigen muss, weil ich nie da bin.“

„Wollen sicher nicht, aber Ardo bedenke, Baron Avrok tut sein Bestes sowie wir alle. Zuvürderst hat unsere Greifin die Aufgabe in der Mark Ordnung zu halten. Du, mein Vater, Avrok und ich, aber auch die Ritter der Wacht, die Grenzjäger und letztlich die Grenzreiter sind dabei ihre Werkzeuge. Baron Avrok weiß, dass ich die Grenzer hier ausbilde und ist dankbar für diese Unterstützung. Somit hält er durch diese Art der „Duldung“ sein Land in Ordnung.“ Urion schmunzelnder Gesichtsausdruck wich einem ernsten Blick. „Doch nun wollen wir uns zur Ruhe begeben. Spätestens wenn der Spähtrupp zurückkehrt muss ich wieder raus.“

Die Gruppe wickelte sich in ihre Decken ein und bald war jeder fest eingeschlafen.

Mitten in der Nacht wurden die anderen durch leises Geflüster geweckt. Das Feuer war beinahe runter gebrannt und die Glut war in Dunkel kaum noch wahrnehmbar. Urion legte einen Scheit nach, bevor er zwei Grenzern folgte, die ihn zum Wall führten.

Ardo bemühte isch in der Dunkelheit die Augen auf zu behalten und bemerkte, dass auch Rondrian wach geworden war. Der Geweihte starrte gedankenverloren in den Sternenhimmel.

Nach kurzer Zeit kehrte Urion zurück und flüsterte in die Nacht: „Alles in Ordnung, der Trupp ist heil zurück und hat nichts entdeckt.“ Dann wickelte er sich wieder in seinen Decke.